Warum Stress dick macht

Warum Stress dick macht

HOCHSENSIBILITÄT

WARUM
STRESS
DICK MACHT

MONIKA RICHRATH

Als hochsensibler Mensch ist man meistens ganz besonderen Stressbelastungen ausgesetzt. Dies liegt einfach in der Natur der erhöhten Reizempfindlichkeit. Schlimm wird es dann, wenn sich die Stressspirale immer weiter nach oben schraubt - und parallel dazu das Gewicht …

Wenn Sie unter Übergewicht leiden, haben Sie vielleicht schon selbst versucht, den allseits verbreiteten munteren Ratschlägen wie „Iss doch einfach weniger und bewege dich mehr!“ zu folgen und sind daran gescheitert; haben sich vielleicht hinterher schuldig gefühlt, als Versagerin. Kurz: hinterher ging es Ihnen noch schlechter und vor lauter Stress haben Sie vielleicht sogar noch zugenommen?

Lassen Sie mich eines sagen: mit diesem Ansatz werden Sie sich selbst und Ihrem Körper nicht gerecht. Ihr Körper ist keine Maschine, die von Ihrer Psyche getrennt seine Arbeit verrichtet, sondern vielmehr sehr eng mit dieser verbunden.

Auch wenn wir es im Allgemeinen nicht zur Kenntnis nehmen:

unsere Emotionen lösen im Körper immer Reaktionen aus. Manchmal sind die Reaktionen so stark, dass wir gar nicht umhin können, sie wahrzunehmen: z. B. wenn wir verliebt sind, kann unser Herz stark klopfen, wenn wir bloß an ihn oder sie denken, wir bekommen weiche Beine bei der Vorstellung etwas zu tun, was völlig über unseren gewohnten Handlungsrahmen hinausgeht, z. B. jemand fremden anzusprechen …

Die vielen kleinen Reaktionen, mit denen unser Körper auf das reagiert, was wir erleben, nehmen wir meist weniger wahr, z. B., wenn wir den Kopf einziehen oder uns verspannen, wenn wir uns kritisiert fühlen.

Mit Emotionen reagieren wir also auf das, was um uns herum geschieht. Dies hat auch eine evolutionäre Komponente, letzten Endes sorgen unsere Emotionen für unser Überleben. Sie wissen schon, der Säbelzahntiger, dem wir in der Vergangenheit vielleicht einmal gegenübergestanden haben.

Unser ganzer Körper schaltet in Millisekunden in unser uraltes Notfallprogramm: Herzfrequenz und Atmung beschleunigen sich, der Blutdruck steigt, alle anderen Körperprozesse, für die Energie benötigt wird, kommen zum Erliegen. Denn die Energie wird ausschließlich für die potentielle Bedrohung gebraucht.

Woher kommt eigentlich die dafür notwendige Energie?

Der Körper nimmt u. a. über die Nahrung  die Makronährstoffe Kohlenhydrate, Eiweiß und Fette auf, die er dann in einzelne Bestandteile zerlegt. Diese können dann vom Organismus in noch einfachere Bestandteile zerlegt werden (Katabolismus) um dann für den Aufbau von Speicherstoffen verwendet zu werden (Anabolismus).

Adenosintriphosphat (ATP), das schon im Artikel HPU erwähnt wurde, funktioniert als Akku einer Zelle und hat die Aufgabe, Energie zu speichern und bei Bedarf wieder abzugeben. Die Speicher haben allerdings nur geringe Kapazitäten. Neue Energie muss permanent neu hergestellt werden.

Der Körper nutzt hauptsächlich Kohlenhydrate zur Energiegewinnung. Kohlenhydrate bestehen aus Zuckermolekülen, die je nach Aufbau (Einfach,  Zweifach- und Vielfachzucker) schnell oder über einen längeren Zeitraum verstoffwechselt werden. Im Körper stehen dazu verschiedene Energieträger zur Verfügung, nämlich ATP, Kreatinphosphat, Glykogen und Fette. Die aus diesen Trägern gewonnene Energie steht dem Körper aber nur in jeweils begrenzten Zeiträumen zur Verfügung, die von ein paar Sekunden (Kreatinphosphat), über ein paar Minuten (Abbau von Glukose/Glykogen) und länger (Kohlenhydrate und Fette) reichen können.

Denn neben Glukose sind auch Fette (Lipide) und ihre Abbauprodukte wichtige Energielieferanten. Sie enthalten sogar doppelt soviel Energie (9,3 kcal/g) wie Kohlenhydrate (4,1 kcal/g). Allerdings lassen sich Fettsäuren schwieriger freisetzen als Kohlenhydrate. Um Fette zu spalten werden Galle und Pankreassaft benötigt, die erst später im Verdauungskanal im Duodenum zufließen, wenn die Nahrung sich schon eine Weile im Körper befindet.

Wichtig ist sich dabei vor Augen zu halten, dass es rein biologisch gesehen keinen Unterschied macht, ob es sich um körperliche oder emotionale Belastungen handelt. Denn alles, was über die Aufrechterhaltung des Grundumsatzes von ATP hinausgeht (egal, ob es sich um emotionale Belastungen oder körperliche Anstrengungen handelt) wird nur möglich gemacht durch eine Erhöhung des Energiestoffwechsels.

Zurück zum Stress: Wenn die Belastungen sich nicht reduzieren, und der Stress chronisch wird, führt dies langfristig zu einer Entgleisung des Stoffwechsels. Es wird viel Energie verbraucht, also muss schnelle Energie her. Dafür sollen Kohlenhydrate sorgen. Heißhungerattacken nehmen zu. Der Fettabbau wird eingestellt.

Übrigens haben Wissenschaftler der Ohio State University aufgezeigt, dass Versuchspersonen im Stresszustand weniger Kalorien verbrennen als nichtgestresste.

Auch Cortisol wirkt auf den Stoffwechsel

Das Hormon Cortisol ist an vielen Vorgängen im Körper beteiligt. Es beeinflusst den Blutzucker, Fettstoffwechsel, es wirkt entzündungshemmend und es verzögert die Wasserausscheidung. Eigentlich ist Cortisol ein Anti-Stress-Hormon, das bei Stress ausgeschüttet wird, um dem Körper zu helfen, besser mit der Belastung fertigzuwerden. Aber wenn der Stress chronisch wird, und der Cortisolspiegel permanent zu hoch ist, kann dies langfristig zu einer Nebennierenschwäche führen. Ein erhöhter Cortisolspiegel kann uns dazu verleiten, falsche Strategien zu wählen, z. B., indem wir uns dann für Fast Food entscheiden, anstatt für eine wohltuende warme Suppe.

Die Situation hat natürlich auch

eine emotionale Komponente.

Oft haben wir uns angewöhnt, uns mit Essen zu trösten (ich selbst kann mich davon leider auch nicht frei sprechen). Wir versuchen dann, das, was wir im Außen nicht bekommen können, uns durch das Essen selbst zu geben - selbst, wenn das Ergebnis nur so lange anhält, wie die Nahrungsaufnahme dauert. Oft bekommen wir dann aber nicht mal das, weil uns der Trost durch das schlechte Gewissen vergällt wird.

Manchmal versuchen wir auch, Gefühle (gleich welcher Art) mit Essen wegzumachen, indem wir Dinge in uns hineinstopfen - damit machen wir uns sozusagen selbst mundtot. Manchmal ist uns dies bewusst. Häufig aber auch nicht. Gefühle wahrzunehmen und sie auszuhalten kann sich beängstigend anfühlen.

Was kann man dagegen unternehmen?

Sie können z. B. klopfen. Mit der Klopfakupressur haben Sie in einer solchen Situation viele verschiedene Hebel, an denen Sie ansetzen können: Sie können nicht nur die Belastungen und hinderliche Glaubenssätze auflösen, sondern auch wieder einen Zugang zu Ihren Gefühlen finden. Denn Gefühle kann man erst loslassen, wenn man bereit ist sie wahrzunehmen.

Das kuriose daran ist, dass Gefühle häufig gar nicht so schlimm sind wie unsere Angst vor ihnen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung … Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig es gerade für uns hochsensible Menschen ist, uns auszudrücken, uns mitzuteilen und zu lernen, dass wir gut sind, so wie wir sind und uns anderen Menschen auch mit unseren negativen Gefühlen zumuten dürfen. (Denken Sie immer daran, dass die das auch tun - ohne Sie vorher zu fragen).

Probieren Sie die Klopfakupressur einfach einmal aus. Hier ist ein Mitklopfclip, den Sie an Ort und Stelle ausprobieren können.

Haben Sie selbst schon einen Zusammenhang hergestellt zwischen Ihrer Hochsensibilität und Ihrem Gewicht? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzlichst,

Ihre
Monika Richrath

 

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

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Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

Leben wie im Paradies

Leben wie im Paradies

HOCHSENSIBILITÄT

LEBEN
WIE IM
PARADIES

MONIKA RICHRATH

Gabriella Kaufmann hat mir die abenteuerliche Geschichte ihrer Auswanderung nach der kanarischen Insel El Hierro erzählt. Dabei geht es auch um Vulkane, Hochsensibilität, Unwetter, das Alter und die Liebe.

Bei so viel Themen ist unser Gespräch ziemlich lang geworden, auch in der gekürzten Fassung. Den ungekürzten Text können Sie übrigens lesen, wenn Sie im Kasten unten das + anklicken.

Ich gehe in eine kleine Blogpause wegen Umzug! Mitte Oktober geht es weiter.

Gabriella, du bist vor einigen Jahren aus Deutschland ausgewandert. Magst du mir erzählen, wie es dazu gekommen ist?

Die Sehnsucht nach dem Süden habe ich schon vor sehr langer Zeit in mir entdeckt. Denn gefroren habe ich immer in diesem Land, wo der Sommer höchstens ein ewiger April Tag war. Also habe ich begonnen zu träumen. Vom Meer, dem Duft der tropischen Blüten, der Wärme, den blutroten Sonnenuntergängen … 

Ich kannte das Meer ja schon, denn mit 3 Jahren hatte ich es zum ersten Mal gesehen. Und fast jedes Jahr machten wir Urlaub auf der Insel Elba. Ich war begeistert, wie weich und zärtlich das Meer sein konnte, aber auch wütend und windgepeitscht. Es war als würde sich meine Seele in diesem unglaublichen Blau wiederfinden. Und dann dieses königliche Licht des Südens, das aus einem Küchenmesser auf dem Tisch eine Skulptur zaubert. Ich nahm das alles so intensiv auf, die Farben, die Düfte, alles schien zu atmen und wirklicher zu sein. Damals wusste ich ja noch nicht, dass ich hochsensibel bin. Das weiß ich überhaupt erst seit 3 Jahren, da war ich schon 52. 

Eines Tages, als ich 17 war, ging ich über einen Platz in Florenz. Plötzlich fasste mich ein Mann an der Schulter und rief auf italienisch: „Aber du bist ja die Primavera!“ (Gemälde von Boticelli). Tatsächlich habe ich Ähnlichkeit mit ihr. Von diesem Moment an schrieb ich meine Gedichte und Geschichten, und heute meinen Abenteuerroman unter dem Pseudonym Primavera. 

Mein Traum und meine Identität waren also geboren, aber es dauerte noch lange, bis sie Wirklichkeit werden durften. Erst musste ich in den noch kälteren Norden ziehen um Logopädie zu studieren, mich zu verlieben und zu heiraten. Trotzdem war ich fest entschlossen, den Ort meiner Träume zu finden. Wann immer es mir möglich war, machte ich mich auf große Reisen. 

Ich besuchte die Karibik, die Südsee, Afrika, die Seychellen, Australien, Costa Rica und viele traumhafte Inseln. Eigentlich war ich dort nie wirklich im Urlaub. Ich wollte immer als erstes wissen, ob man da leben kann und wovon, und wie teuer es ist, und wie die Menschen sind und und und… Immer war etwas schwierig oder unmöglich oder zu unsicher um dort ernsthaft bleiben zu wollen. Aber ich gab nie auf. 

Meine Eltern wurden langsam etwas zerbrechlicher, und mir wurde immer deutlicher dass ich als einzige Tochter nicht einfach so ans andere Ende der Welt ziehen konnte. So kam ich auf die Kanaren, die ja nicht so weit von Europa entfernt sind. El Hierro kannte ich noch nicht. Aber es wurde schnell klar, dass diese Insel am weitesten draußen lag und dort nur sehr wenige Menschen lebten. 

Ich wollte sie mir einfach nur mal ansehen, und das Tat ich im Dezember 1998. Es war warm und auch ziemlich trocken. Man sagte mir, der Winterregen sei noch nicht gefallen. Ich erkundete die Küsten, die Wälder, die wilden Lavafelder und fand immer wieder dasselbe. Stille! Keine Menschen, kein Geschrei, kein Müll, keine Flugzeuge am Himmel, nur wilde, stille Natur. Am dritten Tag saß ich auf einem überhängenden Felsen am Hang eines Vulkans und schaute aufs Meer. Ein paar rosarote Wölkchen zogen am Horizont entlang und malten ihre weichen Schatten aufs Wasser. Da hörte ich mich laut sagen: „Also ich bleibe hier!!!“ 

Und wie ging es dann weiter?

Ja, auch mein damaliger Partner konnte sich vorstellen, hier zu leben, und von diesem Moment an war unser Urlaub mehr oder weniger vorbei. In der noch verbleibenden Zeit mussten wir so viele Informationen wie möglich über dieses kleine Eiland sammeln. Wo würden wir wohnen, und wovon würden wir uns ernähren? Voller Enthusiasmus flogen wir zurück und stürzten uns in wilde Pläne. 

Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf, als ich zum ersten Mal den Palast sah, der heute mein Zuhause ist. Auf einer Klippe gelegen, von einer herrlichen Terrasse mit schneeweißer Balustrade umsäumt, mit Blick auf die ganze Bucht und die bewaldeten Vulkanhänge. Als ich dort stand, direkt über dem Meer, überkam mich das Gefühl, an Bord eines Schiffes zu sein, das im Begriff ist, in See zu stechen. 

Aber dann packten mich Zweifel. So etwas konnten wir uns doch überhaupt nicht leisten, oder etwa doch? Ich schrieb sofort an die deutschen Besitzer und teilte ihnen meine Begeisterung mit. Und so lernte ich eine wunderbare Familie kennen, deren Sohn in sehr jungen Jahren diesen Traum als Alterssitz für seine Eltern entworfen und gebaut hatte. Doch kam  es dann anders, und sie konnten nicht hier wohnen. Aber trennen wollten sie sich davon auch nicht, es sei denn, es gäbe einen Menschen, der dieses Haus so sehr lieben würde wie sie. Ja, und in diesem Moment trat ich in ihr Leben. Zum Glück war das ja noch vor der Einführung des Euros. Und so konnte durch den Verkauf meiner Praxis und die wunderbare Hilfe meiner Eltern das Geld zusammen gebracht werden. 

Das neue Jahrtausend brach an, und mit ihm kam der lang ersehnte Tag. Es war im Januar, auf den Wiesen lag Schnee, das Haus in Deutschland war ausgeräumt, der Überseecontainer vollgepackt. Endlich sollte ich also dieses kalte Land verlassen und zu den ersehnten Meeresufern aufbrechen. 

Und als das große Schiff in der Nacht ablegte und die Lichter des europäischen Kontinents langsam in der Dunkelheit verblassten, da atmete ich auf. Ich hatte es geschafft, ein neues Leben würde nun beginnen. Ich war 38 Jahre alt. 

Mein Traumhaus Queluz ( sein Name bedeutet: welch ein Licht), liegt im wildromantischen El Golfo Tal. Es ist von über 1.000 Meter hohen Bergen umgeben, in denen oft die Wolken hängen. 

Mein damaliger französischer Lebensgefährte musste bald in sein Land zurück um als Arzt Geld für uns zu verdienen. Schon nach wenigen Wochen fand ich mich allein im Traumhaus wieder und hatte meinen ersten Härtetest zu bestehen. Es war immerhin Winter, und ein gewaltiger Sturm zog vom Meer auf. Später sollte ich noch viele solche Stürme überstehen, aber diesen ersten werde ich nie vergessen. Schon am Nachmittag fing es an allen Ecken und Enden des Hauses an zu heulen. Das Meer verwandelte sich in eine gischtgepeitschte weiße Oberfläche. Ich fand’s toll und fing an zu singen. Das sollte mir aber später noch vergehen. 

Denn dann kam der Regen. Ich dachte, ich hätte mich in einem Halbwüstenklima angesiedelt, so wie ich auch dachte, dass Regen von oben nach unten fällt. In dieser Nacht sollte ich den horizontalen Regen kennenlernen, der vom Wind ins Haus gepeitscht wird. 

Am nächsten Morgen lag die Bucht im lieblichsten Sonnenlicht da. Heute weiß ich natürlich Bescheid. So macht die Insel das immer. Erst tobt sie wie eine Furie, und dann tut sie so als wäre nichts gewesen. 

Das war also Anfang 2000, d. h. du lebst seitdem hier? Bist du immer noch in diesem Haus?

Ja und ob.Mein Traum war, einen tropischen Garten zu haben. Aber das ist gar nicht so einfach in einer Halbwüste, und dazu noch an der Küste, wo immer Salznebel in der Luft liegt. So nah am Meer kann man keinen Garten haben, sagten die Leute. Und genau das ist der Satz, der mich herausfordert. Aber nach harter Pionierarbeit und vielen Rückschlägen habe ich es am Ende geschafft. Der Beweis ist, dass ich in diesem Moment unter einem Johannisbrotbaum sitze und dem plätschern meines Wasserfalls am Teich lausche. 

Aber vom Garten und seinem Gemüse allein kann man nicht leben, und nach ein paar Monaten eröffneten wir die erste private Arztpraxis im Ort. Was liegt näher für einen Arzt und eine Therapeutin? Bisher hatte es nur eine öffentliche medizinische Versorgung auf El Hierro gegeben. Also schon wieder eine Pionieraufgabe. Der Anfang war ganz schön hart, vor allem wegen der Sprache. Ich lernte zwar sehr schnell, aber die Herreños sprachen immer noch etwas schneller, als ich verstehen konnte. 

Die Praxis lief ganz gut an, und unsere Patienten waren eine Freude für mich, so freundlich und liebenswürdig. Leider wurde diese Phase brüsk beendet, als mein Partner beschloss, dass das Leben auf so einer kleinen Insel doch nicht das richtige für ihn sei. Er fühlte sich beengt und trat die Flucht an. Das war ein schwerer Schock für mich, von dem ich mich lange nicht erholen konnte. Die nächsten Jahre schlug ich mich mit Massagen, Sprachunterricht in mehreren Sprachen, Häuserverwaltung und auch putzen durch. 

Niemals kam mir aber der Gedanke, aufzugeben und nach Deutschland zurück zu kehren. Das liegt nicht in meiner Natur. Mit einem lieben Freund baute ich mein Gästezimmer und Bad zu einem kleinen Apartment aus. Das Feriendomizil Los Delfines war geboren. Von jetzt ab gings bergauf. Meine Gäste waren begeistert von dem Meeresblick, der Stille und meiner liebevollen Einrichtung. 

Das Leben war schön und abwechslungsreich, und ich konnte alle meine Fähigkeiten so richtig entfalten, bis diese Episode eines Tages ein abruptes Ende fand. Das war, als die Erde zu beben begann. Das vulkanische Herz der Insel war erwacht und das Magma drängte nach oben.

Oh, es gibt also einen aktiven Vulkan auf El Hierro?

El Hierro ist die Insel der 1.000 Vulkane. Auf keiner anderen Kanarischen Insel gibt es so viele. Im Frühjahr 2011 begannen die Seismographen leichte Erdbeben zu registrieren. Ich machte mir da noch keine Sorgen, aber ihre Intensität nahm schnell zu, und damit auch eine ständige innere Anspannung. Mit meiner Sensibilität spürte ich auch schon ganz leichte Erschütterungen, denen wenig später stärkere folgen sollten. Mein Haus ist erdbebensicher gebaut. Was ich nicht wusste, ist, dass ein solches Haus viel mehr vibriert, weil es ja flexibel ist. Im Sommer waren die Erdbeben für mich bedrohlich geworden. 

Sie zerstörten zwar keine Gebäude, aber sie erinnerten an eine unheimliche Kraft, die tief unter der Insel lauerte. Fensterscheiben schepperten, das Wasser in den Vasen zitterte ununterbrochen, der Boden schwankte unter den Füßen. Nachts rollte das Magma mit dumpfem Grollen unter dem Haus hindurch, und gleich darauf wackelte wieder das ganze Bett. Der Tunnel war nun schon lange geschlossen, und auch die wilde Lavastraße im Westen war gesperrt. Einziger Ausweg aus dem Golf Tal war im Notfall die Straße durch die Berge. Die Lage spitzte sich immer weiter zu. Schulkinder lernten, sich beim Signal einer Trillerpfeife unter ihre Tische zu werfen. Der Vulkan war zu einem Dauerstress geworden. 

Die ersten Menschen verließen die Insel. Wir erhielten Instruktionen für den Ernstfall, und ich war auf alles gefasst. Im Auto hatte ich Decken, Kopfkissen und Proviant für mehrere Tage. Neben meinem Bett stand der gepackte Rucksack, Taschenlampe Atemmaske, Schutzbrille, Trinkwasser … Befürchtungen wurden laut, dass das Magma vielleicht durch den Krater des Hauptvulkans der Insel, Tanganasoga, nach oben drücken könnte. 

Eines schönen Tages bestieg ich diesen majestätischen Vulkan, der sich hinter meinem Haus erhebt, um mir ein Bild von seinen Ausmaßen und dem Krater zu machen. Stundenlang stolperte ich durch eine Lava zerrissene Landschaft, in Wolken gehüllt und mit Flechten bewachsen, bis mir endlich klar wurde, dass dies der Krater war. Da beschloss ich, mein Haus zu verlassen. 

Ich versiegelte Fenster und Türen mit Klebeband gegen Ascheflug, befestigte eine Leiter in meinem Swimmingpool, damit dort notfalls herumirrende  Tiere trinken konnten, dann packte ich meine wichtigsten Sachen, trug meine beiden Katzen zum Auto und zog in ein Häuschen in den Bergen. Von hier aus konnte ich zumindest Hafen und Flughafen schnell erreichen. Jeden Tag lief ich zum nahegelegenen Restaurant auf einem Bergkamm mit herrlichem Blick ins Golf Tal. Dort schaute ich sehnsüchtig auf mein Haus herab. Mein Laptop hatte ich immer dabei um mich über neueste Beben und Instruktionen der Inselregierung zu informieren. Das Restaurant war immer voll von Reportern und Fernsehjournalisten, die Interviews gaben oder an ihren Berichten schrieben. 

Inzwischen war auch der Katastrophendienst eingetroffen und hatte ein Notfalllager mit 2000 Betten neben dem Flughafen errichtet. Und immer stärker wurden die Beben, jetzt schon manchmal bis 5 auf der Richterskala. Das führte zu jeder Menge Erdrutsche und machte das Passieren der Straße gefährlich. 

Am 11. Oktober passierte es dann, der Vulkan brach aus. Und zwar an der Südspitze der Insel, und zur größten Erleichterung aller, unter Wasser. Schwefelgase drängten an die Oberfläche und die Menschen mussten ihr Fischerdorf verlassen. In wenigen Tagen hatte sich das Meer in eine grünliche Brühe verwandelt, die sich stündlich ausdehnte und bald die ganze Insel umgab. Überall trieben tote Fische an der Oberfläche. Dann plötzlich tauchten knollenartige, ganz leichte Vulkansteine auf und trieben an die Strände. Kein Geologe konnte sie bestimmen, und so wurden sie nach dem Fischerdorf Restinga, Restingoliten genannt. 

Immer höher türmte sich der Vulkan auf. Er war jetzt schon so hoch wie ein 18stöckiges Gebäude, aber dann, ganz plötzlich, ließen seine Kräfte nach, und 200 Meter unter der Wasseroberfläche kam die Eruption zum Stillstand. Der Spuk war vorbei und der Vulkan wieder eingeschlafen, vermutlich für die nächsten 1.000 Jahre. Ich kehrte zurück  in mein Haus zurück und nahm mein Leben im Paradies wieder auf. Aber ich wusste jetzt, wie es sich anfühlt, alles zu gewinnen und auch wieder alles zu verlieren. 

Puh, das klingt sehr unheimlich … Wenn ich es richtig verstanden habe, hat der ganze Spuk ein rundes halbes Jahr gedauert? Du hast dich aber dennoch entschieden, zu bleiben …

Ja, die Beben bis zum endgültigen Ausbruch des Vulkans haben zirka ein halbes Jahr gedauert. Die Eruption ging aber dann noch über mehrere Monate. Für die Leute im Süden war das eine besonders schwere Zeit. Es kommt nämlich zu einem sogenannten Tremor, das ist ein Dauerzittern der Erde, während der Vulkan seine Lava ausspuckt. 

Die Fischer waren auch von einem Tag auf den anderen ohne Arbeit, denn das Meer war ja zum Hexenkessel geworden. Für mich normalisierte sich das Leben schnell wieder, die Insel hatte ein Ventil gefunden und der unglaubliche Druck ließ nach. Was allerdings auch nachließ war unser Tourismus. Es sind ja sowieso sehr wenig Menschen, die unsere Insel besuchen, aber jetzt wollte gar niemand mehr kommen. 

Das hat aber auch Vorteile: Naturliebhaber aus aller Welt begannen die Insel zu entdecken. Sie machte als sogenannte grüne Insel Schlagzeilen. Ein aufwendiges Windwasserkraftwerk wurde gebaut. Man legte immer mehr Wert auf Umweltverträglichkeit und biologischen Anbau, die Insel kämpfte um ein zeitgemäßes Image. Ich selbst habe zu keinem Zeitpunkt daran gedacht, sie wirklich zu verlassen. Sie ist mein ganzer Kosmos. 

Und abgesehen von diesen äußeren Ereignissen, geschehen hier auch subtile Dinge. Es mag für manchen weit hergeholt klingen, aber manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass einem hier Dinge vor Augen geführt werden, die man anderswo nicht gesehen und gelernt hätte. Wie eine mystische Kraft, die den Menschen hilft, die auf der Suche nach der Wahrheit sind. Kräfte und Energien, die hier am Ende der Welt ungehindert an die Oberfläche strömen, so wie die Lava im Vulkanschlot. 

Diese Erfahrungen sind nur schwer zu vermitteln, aber man kann sie spüren, wenn man oben im Wald steht oder auf einer Klippe über dem schäumenden Meer. Diese Kräfte haben hier schon so manchen inspiriert. Darum leben auch viele Künstler auf der Insel. Ihre Schönheit und Vielfalt ist nur schwer zu beschreiben, sie ist verborgen und muss erst vom Suchenden entdeckt werden. 

Ja, manche Orte auf der Welt sind eben ganz besonders … Nun hast du also dort Wurzeln geschlagen, scheint es. Reist du denn auch weniger?

J a das ist wahr, ich reise jetzt weniger. Das hat zum einen damit zu tun, dass ich nicht mehr die finanziellen Mittel habe, die ich in Deutschland hatte, und zum anderen, dass ich meine Mutter vor einigen Jahren nach Teneriffa über gesiedelt habe. 

Im Jahre 2012 ist mir etwas Schlimmes zugestoßen. Ich hatte einen Unfall und so eine Art Schleudertrauma mit ganz starken Schmerzen, die ich tapfer aushalten wollte. Das war ein großer Fehler, denn sie sind nach 3 Monaten chronisch geworden. Ich hatte früher schon etwas über chronische Schmerzen gehört, aber nicht die geringste Ahnung gehabt, was das in Wirklichkeit für einen Menschen bedeutet. 

Leider musste ich feststellen, dass auch die meisten Ärzte keine Ahnung von diesem speziellen Gebiet hatten. Das ganze Nervensystem ist betroffen, und man kann überall am Körper Schmerzen bekommen. Inzwischen bin ich mir so gut wie sicher, dass das vor allen Dingen hochsensiblen Menschen passiert. Ich habe zwar noch nie eine Studie zu dem Thema gefunden, aber inzwischen mehrere Leute mit den gleichen Beschwerden kennengelernt. Unser Nervensystem ist eben anders, viel sensibler und damit auch anfälliger für Störungen. 

Mein Vater hatte Epilepsie, die er ohne jeden erkennbaren Grund mit 16 Jahren entwickelte. So wie ich es heute verstehe, handelt es sich bei dieser Form der Epilepsie um eine Art Schutzreaktion. Er wusste ja nichts von seiner Hochsensibilität, wie so viele Menschen, und er empfand sich immer als anders und seltsam. Und wenn alles zu viel wurde, war das vielleicht seine Möglichkeit um sich aus der Realität abzumelden. Seit ich weiß, dass ich hochsensibel bin, verstehe ich meinen Vater natürlich viel besser im Nachhinein. 

Jedenfalls begann für mich eine lange Odyssee von Arzt zu Arzt, und eigentlich konnte mir niemand helfen. Ich war bei insgesamt fünf Chefärzten aus  drei verschiedenen Ländern. Das einzige, was ich von denen bekommen habe, waren lange Rechnungen, aber keine Hilfe in meiner inzwischen verzweifelten Situation. Letztlich habe ich selbst heraus gefunden, was mir fehlt und mich an eine Schmerzklinik gewandt. Dort gab es dann zum ersten Mal Verständnis und Hilfe. Für mich war das wie meine Lebensrettung. Ich konnte mich wieder bewegen und auch leichte Arbeiten verrichten. 

Trotzdem, mein Leben war nicht mehr wie vorher. Die Arbeiten auf der Finca, im Garten, das Apartment, alle diese Dinge die mir so viel Freude gemacht hatten, waren nun zur schweren Bürde geworden. Vor einem Jahr nahte dann die Rettung in Gestalt einer jungen Frau, die ich eigentlich schon lange kannte, und die eine Praxis für Naturheilmedizin im Ort eröffnete. Es stellte sich heraus, dass sie selber hochsensibel ist und über enorme naturheilkundliche Kenntnisse verfügt. 

Für mich ist es immer noch wie ein Wunder. Sie kennt und versteht jede Faser meines Körpers und meines Seins. Unter ihrer Obhut hat sich meine Situation ganz enorm verbessert. Da sieht man es mal wieder. Man sucht hinter dem Horizont, und die Hilfe liegt gleich um die Ecke. 

Größere Arbeiten und sitzen am Computer machen mir immer noch viel zu schaffen, aber zum Glück bin ich nicht mehr allein. Vor drei Jahren kam auch die Liebe zu mir zurück. Ein Mann von der Nordküste Spaniens, der sein Leben lang auf den Meeren der Welt unterwegs gewesen war, entschied sich, an Land zu gehen um vielleicht doch noch die Liebe seines Lebens zu finden. So landete er eines Tages auf dieser Insel am Ende der Welt an. Jetzt habe ich alle Unterstützung, sowohl körperlicher als auch seelischer Art, und wer könnte wohl besser zu mir passen als ein Kapitän, der das Meer, die Freiheit und den weiten Horizont liebt. 

Jetzt ist unser Leben hier, und wir erkunden jede Woche die Insel, kraxeln an allen Küsten entlang, steigen auf alle Berge und kriechen in alle Höhlen. Vielleicht setzen wir ja eines Tages nochmal die Segel und steuern neue ferne Inselgefilde an. Vielleicht ein tropisches Eiland mit einer türkisblauen Lagune. Wer weiß das schon… 

Wie hast du denn erfahren, dass du hochsensibel bist?

Ich habe das gar nicht von einem auf den anderen Tag erfahren. Nach und nach ist diese Wahrheit in mein Bewusstsein aufgestiegen. Dabei hat mir das Internet geholfen. Ich gehe dort ganz oft irgendwelchen Fragen nach, und eines Tages fand ich einen Test. Irgendwie hatte ich schon so eine Ahnung, und die wurde dann Gewissheit, als ich alle Fragen mit ja beantworten konnte. Ich war also hochsensibel. 

Erstaunlicherweise beeindruckte mich diese Erkenntnis zunächst gar nicht besonders. Aber dann setzte sich ein Prozess in Gang. Immer mehr Dinge aus der Vergangenheit fielen mir wieder ein. Ich begriff plötzlich, warum ich als kleines Kind nicht mit nackten Beinen durch hohes Gras gehen konnte. Das stach mir immer dermaßen in meine zarte Haut. Ich konnte auch beim leisesten Geräusch nicht einschlafen, und hatte immer taused bunte und abenteuerliche Träume, während sich alle anderen an nichts erinnern. Ich spielte stundenlang alleine mit den kleinsten Dingen. 

Die Erwachsenen konnten sich gar nicht erklären, was ich da tat, aber für mich waren das riesige Welten. Und auch meine Liebe zur Makrofotografie bekam einen neuen Sinn. Auf meinen Fotos war nicht die ganze Kuh zu sehen, sondern ihre wunderschönen langen Wimpern. Inzwischen habe ich diese Art der Fotografie perfektioniert und sogar schon eine Ausstellung gemacht.  Viele Worte aus der Vergangenheit bekamen für mich eine neue Bedeutung. All die verletzenden Sätze meiner Mutter fielen mir wieder ein. Sei doch nicht immer so hypersensibel! Jetzt bausch das doch nicht so auf! Aber ich fühlte eben so, und jetzt wusste ich auch endlich, warum. Immer war ich wie ein Fremdkörper über diesen Planeten gewandelt. War ich denn wirklich der einzige Mensch, der sich fragte, warum wir hier sind und was dann mit uns geschieht. Konnte es denn noch wichtigere Fragen als diese im Leben überhaupt geben? 

Nach und nach begann sich mein ganzes Bild von mir selbst und den anderen Menschen zu verändern. Da flossen auch viele Tränen. Ich war also gar nicht komisch und unnormal, ich war einfach nur anders, und es gab noch mehr Menschen, die so fühlten wie ich. Das war so befreiend. Ich begann Bücher zu dem Thema zu lesen und im Internet zu recherchieren. 

So stieß ich auf deinen Blog. Alles war so neu und aufregend für mich, als hätte ich mich neu erfunden oder wäre neu geboren worden. Ich eignete mir sogleich die Klopftechnik an und  fand sie ganz fantastisch. Ich mache das jetzt jeden Tag und spüre ihre tiefe Wirkung. 

Meine Vergangenheit und meine Familie sehe ich plötzlich in neuem Licht. Immer hatte ich versucht, so wie meine Mutter zu sein. Es war ja klar, dass sie normal war und mein Vater seltsam und anders. Hätten mein Vater und ich doch nur die Wahrheit gekannt. Wie anders wäre unser Verhältnis gewesen. Inzwischen erkenne ich ganz leicht, ob ein Mensch hochsensibel ist. Ich habe mir fest vorgenommen, allen diesen Menschen, die meinen Weg kreuzen, zu helfen. 

Neulich habe ich eine Familie angesprochen, die hier auf der Insel lebt. Sie versuchen seit Jahren ihren kleinen hochsensiblen Jungen abzuhärten. Das Kind war schon komplett verängstigt und wollte mit niemandem mehr Kontakt aufnehmen. Endlich konnte ich den Vater überzeugen, ein Buch zu dem Thema zu Rate zu ziehen. Nach ein paar Monaten war das Kind nicht wiederzuerkennen. 

Mein nächstes Ziel ist, einen Vortrag hier auf der Insel zu organisieren. In Spanien gibt es schon Gruppen für Hochsensible, aber hier auf den Kanaren ist das Thema wohl noch  unbekannt. 

Ich möchte dir an dieser Stelle sehr danken, Monika. Es berührt mich außerordentlich, dass du so offen über dich und deine Vergangenheit sprichst. Ich finde deine Arbeit kurz gesagt lebensrettend. Bitte mach so weiter. Vielleicht können ja wir, die hochsensiblen Menschen,  aus dieser Welt einen besseren Ort machen. 

Oh vielen Dank, Gabriella. Das machen wir ganz bestimmt 🙂

Direktinfo und Buchung: gabriellahierro@hotmail.com
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Gabriella, du bist vor einigen Jahren aus Deutschland (?) ausgewandert. Magst du mir erzählen, wie es dazu gekommen ist? 

 

Die Sehnsucht nach dem Süden habe ich schon vor sehr langer Zeit in mir entdeckt. Richtig angefangen hat das, als ich 14 war. Über meinem Bett hing ein Poster mit einer Pinguinfamilie auf einer Eisscholle. Der Pinguin Vater zeigt aufgeregt auf das kleine Pinguinkind und ruft: „Es hat sein erstes Wort gesagt!“ „Was ist es“ fragt die Mutter: „Papa Mama?“ Aber das Pinguinkind sagt: „Mistkälte!“ Eigentlich sagt es noch ein viel schlimmeres Wort, aber das kann ich doch hier nicht wiedergeben. Aber es sprach mir eben aus dem Herzen. Denn gefroren habe ich immer in diesem Land wo der Sommer höchstens ein ewiger Apriltag war.  

Also habe ich begonnen, zu träumen. Vom Meer, dem Duft der tropischen Blüten, der Wärme, den blutroten Sonnenuntergängen … Davon hatte ich übrigens eine Sammlung an den Wänden meines Kinderzimmers, 52 Stück um genau zu sein. Während andere Schulkinder in ihre Hefte schrieben, komponierte ich unter der Schulbank sehnsuchtsvolle Gedichte über das Meer.  

Ich kannte das Meer ja schon, denn mit 3 Jahren hatte ich es zum ersten Mal gesehen.  Das war das Mittelmeer in Italien. Meine Mutter, die eine Zeit lang in Florenz lebte, hatte dort einige Freunde. Und fast jedes Jahr machten wir Urlaub auf der Insel Elba. Ich war begeistert, wie weich und zärtlich das Meer sein konnte, aber auch wütend und windgepeitscht. Es war, als würde sich meine Seele in diesem unglaublichen Blau wiederfinden. Und dann dieses königliche Licht des Südens, das aus einem Küchenmesser auf dem Tisch eine Skulptur zaubert. Ich nahm das alles so intensiv auf, die Farben, die Düfte, alles schien zu atmen und wirklicher zu sein. Damals wusste ich ja noch nicht, dass ich hochsensibel bin. Das weiß ich überhaupt erst seit 3 Jahren, da war ich schon 52.  

Ich bin in Bad Godesberg am Rhein geboren und aufgewachsen. Und das mitten im Villenviertel der schönsten Botschaften aus aller Welt. Für mich war es ganz normal, manchmal die einzige Weiße im Bus zu sein. Das hat natürlich auch meine Neugier auf fremde Länder geweckt. Als ich 15 wurde, trat Stella in mein Leben. Sie war die Tochter des Botschafters von Paraguay und kam auf mein Gymnasium.  

Von da an wurde irgendwie alles anders. Sie kannte viele Südamerikaner, und ich lernte die südamerikanische Musik und das Tanzen kennen. Mann, was taten uns manchmal die Hüften weh. Ich wusste gar nicht, dass man da auch Muskelkater haben kann. Es gefiel mir viel besser mit den Südis zusammen zu sein, wie Stella ihre Leute nannte.  

Bei einer deutschen Silvesterparty wünschte man sich ein frohes neues Jahr, auf einer Party mit Südis ging um Mitternacht ganz einfach das Licht aus, und alle fingen an zu kreischen. Stella nannte mich als erste Primavera, was ja sowohl auf spanisch als auch auf italienisch Frühling bedeutet. Auf den wartete ich nämlich chronisch. Und auf die Rückkehr der Wärme, Farben und der Düfte. Außerdem war ich immer in irgendwelche Blumenmuster gekleidet.  

Eines Tages, als ich 17 war, ging ich über einen Platz in Florenz. Plötzlich fasste mich ein Mann an der Schulter und rief auf italienisch: „Aber du bist ja die Primavera!“ Ich war perplex, wie konnte er das nur wissen? Er hingegen meinte das berühmte Gemälde von Sandro Botticelli: La Primavera. Darauf Sind vier Grazien zu sehen die die vier Jahreszeiten symbolisieren. Eine davon ist der Frühling, also die Primavera, und es ist wahr, sie hat mein Gesicht. Sogar heute noch werde ich von Italienern darauf angesprochen. 

Von diesem Moment an schrieb ich meine Gedichte und Geschichten, und heute meinen Abenteuerroman unter dem Pseudonym Primavera.  

Mein Traum und meine Identität waren also geboren, aber es dauerte noch lange, bis sie Wirklichkeit werden durften. Erst musste ich in den noch kälteren Norden ziehen um Logopädie zu studieren, mich zu verlieben und zu heiraten. Trotzdem war ich fest entschlossen, den Ort meiner Träume zu finden. Wann immer es mir möglich war, machte ich mich auf große Reisen.  

Ich besuchte die Karibik, die Südsee, Afrika, die Seychellen, Australien, Costa Rica und viele traumhafte Inseln. Eigentlich war ich dort nie wirklich im Urlaub. Ich wollte immer als erstes wissen, ob man da leben kann und wovon, und wie teuer es ist, und wie die Menschen sind und und und… Immer war etwas schwierig oder unmöglich oder zu unsicher um dort ernsthaft bleiben zu wollen. Aber ich gab nie auf.  

Meine Eltern wurden langsam etwas zerbrechlicher, und mir wurde immer deutlicher dass ich als einzige Tochter nicht einfach so ans andere Ende der Welt ziehen konnte. So kam ich auf die Kanaren, die ja nicht so weit von Europa entfernt sind. Und die vor allem, politisch gesehen, Europa sind, und man sich dort aufhalten darf. Von Teneriffa und Gran Canaria hatte ich die Vorstellung, dass man dort höchstens eine Reise im Pulk mit dem Kegelklub antreten könne. El Hierro kannte ich noch nicht. Aber es wurde schnell klar, dass diese Insel am weitesten draußen lag und dort nur sehr wenige Menschen lebten.   

Ich wollte sie mir einfach nur mal ansehen, und das tat ich im Dezember 1998. Es war warm und auch ziemlich trocken. Man sagte mir, der Winterregen sei noch nicht gefallen. Ich erkundete die Küsten, die Wälder, die wilden Lavafelder und fand immer wieder dasselbe. Stille! Keine Menschen, kein Geschrei, kein Müll, keine Flugzeuge am Himmel, nur wilde, stille Natur. Am dritten Tag saß ich auf einem überhängenden Felsen am Hang eines Vulkans und schaute aufs Meer. Ein paar rosarote Wölkchen zogen am Horizont entlang und malten ihre weichen Schatten aufs Wasser. Da hörte ich mich laut sagen: „Also ich bleibe hier!!!“ 

 

Und wie ging es dann weiter? 

Ja, auch mein damaliger Partner konnte sich vorstellen, hier zu leben, und von diesem Moment an war unser Urlaub mehr oder weniger vorbei. In der noch verbleibenden Zeit, mussten wir so viele Informationen wie möglich über dieses kleine Eiland sammeln. Wo würden wir wohnen, und wovon würden wir uns ernähren? Voller Enthusiasmus flogen wir zurück und stürzten uns in wilde Pläne.  

Im kommenden Frühjahr waren wir wieder auf der Insel. In einer Zeitschrift hatte ich die Annonce eines kleinen Häuschens gefunden, das zu vermieten war. Es lag an einer wilden Lavaküste, aber es war so winzig, dass wir beim besten Willen nicht reinpassten. Die deutsche Frau, die dieses Häuschen betreute sagte: „Ich kenne da noch ein anderes Haus, das zum Verkauf steht, aber das ist eigentlich eine Villa.“ Meine Neugier war geweckt.  

Aber mir fielen fast die Augen aus dem Kopf, als ich zum ersten Mal den Palast sah, der heute mein Zuhause ist. Auf einer Klippe gelegen, von einer herrlichen Terrasse mit schneeweißer Balustrade umsäumt, mit Blick auf die ganze Bucht und die bewaldeten Vulkanhänge. Als ich dort stand, direkt über dem Meer, überkam mich das Gefühl, an Bord eines Schiffes zu sein, das im Begriff ist, in See zu stechen.  

Aber dann packten mich Zweifel. So etwas konnten wir uns doch überhaupt nicht leisten, oder etwa doch? Ich schrieb sofort an die deutschen Besitzer und teilte ihnen meine Begeisterung mit. Und so lernte ich eine wunderbare Familie kennen, deren Sohn in sehr jungen Jahren diesen Traum als Alterssitz für seine Eltern entworfen und gebaut hatte. Doch kam es dann anders, und sie konnten nicht hier wohnen. Aber trennen wollten sie sich davon auch nicht, es sei denn, es gäbe einen Menschen, der dieses Haus so sehr lieben würde, wie sie. Ja,und in diesem Moment trat ich in ihr Leben. Zum Glück war das ja noch vor der Einführung des Euros. Und so konnte durch den Verkauf meiner Praxis und die wunderbare Hilfe meiner Eltern das Geld zusammen gebracht werden. Vom kaufen herrlicher Häuser habe ich nun wirklich überhaupt keine Ahnung, aber ich wusste instinktiv, dass ich dieser Familie vertrauen konnte. Das ist eben die besondere Gabe der Hochsensibilität.  

Heute weiß ich, dass der Sohn, der dieses Haus gebaut hat, auch hochsensibel ist. Manchmal denke ich, dass hochsensible Menschen wie durch unsichtbare Strahlen miteinander verbunden sind. Damals wusste ich von all dem nichts, aber ich warf mich ohne jede Bedenken ins Abenteuer.  

Wir machten eine Anzahlung, und als wir den Rest gezahlt hatten, gaben uns die Besitzer die Zinsen für die Anzahlung zurück. Da wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Im Oktober betrat ich dann also zum ersten Mal mein Haus. Es war auch noch komplett eingerichtet, mit wunderschönen Möbeln, die Schränke voller Tischtücher,Gläser und Porzellan, Handtücher, Bettwäsche, alles war da. Ehrfürchtig öffnete ich alle Kommoden und Schränke, mir war als hätte ich eine Erbschaft gemacht. 

Das neue Jahrtausend brach an, und mit ihm kam der lang ersehnte Tag. Es war im Januar, auf den Wiesen lag Schnee, das Haus in Deutschland war ausgeräumt, der Überseecontainer vollgepackt. Endlich sollte ich also dieses kalte Land verlassen und zu den ersehnten Meeresufern aufbrechen.  

Mit meinem alten Renault Dr. Rouge fuhren wir zuerst durch ganz Frankreich, das Land meines damaligen Lebensgefährten, dann ging es weiter über die Pyrenäen nach Spanien, wo wir nach einer guten Woche in Cádiz am Hafen angelangten. Die Bäume hingen voller Apfelsinen, und der Wind wehte lau und verheißungsvoll vom Meer. Mein Herz lachte. Und als das große Schiff in der Nacht ablegte, und die Lichter des europäischen Kontinents langsam in der Dunkelheit verblassten, da atmete ich auf. Ich hatte es geschafft, ein neues Leben würde nun beginnen. Ich war 38 Jahre alt. 

Nach 2 Tagen und 2 Nächten auf ziemlich unruhiger See kam Land in Sicht, Gran Canaria. Hier mussten wir die Fähre wechseln und weiter nach Teneriffa reisen, dort zu einem anderen Hafen fahren und die Fähre nach El Hierro besteigen. Damals dauerte die Fahrt von Teneriffa nach El Hierro noch viereinhalb Stunden. Heute schafft die Schnellfähre das fast in der halben Zeit. Überhaupt war ja damals alles noch ganz anders.  

Mein Traumhaus Queluz ( sein Name bedeutet: welch ein Licht), liegt im wildromantischen El Golfo Tal. Aber das ist von über 1.000 Meter hohen Bergen umgeben, in denen oft die Wolken hängen und einem die Sicht nehmen. Damals gab es ja den Tunnel noch nicht. Außerdem hatte Queluz keinen Strom, das heißt, es hatte schon welchen, aber nur in Form von Solar Energie. 10 Solarpaneele auf dem Dach und 4 alte LKW Batterien zum Speichern der Energie. Damals gab es  noch nicht die modernen Solaranlagen von heute. Die LKW Batterien wollten auch fast nichts mehr aufnehmen, und wir hatten kein Geld um neue zu kaufen, so war das ganze erste Jahr Kerzenschein angesagt. Das ist zwar sehr romantisch, aber definitiv nicht geeignet um zum Beispiel schnell den Autoschlüssel zu finden.  

Mein damaliger französischer Lebensgefährte musste bald in sein Land zurück um als Arzt Geld für uns zu verdienen. Schon nach wenigen Wochen fand ich mich allein im Traumhaus wieder und hatte meinen ersten Härtetest zu bestehen. Es war immerhin Winter, und ein gewaltiger Sturm zog vom Meer auf. Später sollte ich noch viele solche Stürme überstehen, aber diesen ersten werde ich nie vergessen. Schon am Nachmittag fing es an allen Ecken und Enden des Hauses an zu heulen. Das Meer verwandelte sich in eine gischtgepeitschte weiße Oberfläche. Ich fand’s toll und fing an zu singen. Das sollte mir aber später noch vergehen.  

Denn dann kam der Regen. Ich dachte, ich hätte mich in einem Halbwüstenklima angesiedelt, so wie ich auch dachte, dass Regen von oben nach unten fällt. In dieser Nacht sollte ich den horizontalen Regen kennenlernen, der vom Wind ins Haus gepeitscht wird. Außerdem stürzte unter allen großen Terrassentüren das Wasser gleichzeitig herein. Und davon gab es immerhin vier. Immer wenn ich mit aufwischen an der letzten Tür fertig war, konnte ich wieder zur ersten rennen. So ging das bis tief in die Nacht. Nach dem ganzen auswringen konnte ich kaum noch meine klammen Finger bewegen.  

Am nächsten Morgen lag die Bucht im lieblichsten Sonnenlicht da. Heute weiß ich natürlich Bescheid. So macht die Insel das immer. Erst tobt sie wie eine Furie, und dann tut sie so als wäre nichts gewesen. 

Später entdeckte ich, dass das Bodenniveau auf der Terrasse höher war als im Haus. Natürlich stürzte es da wie Wasserfälle herein. Solche Sachen passieren, wenn der Bauherr nicht immer da sein kann. Zum Glück ist das heute behoben. 

Das war also Anfang 2000, d. h. du lebst seitdem hier? Bist du immer noch in diesem Haus? 

Ja und ob. Mein Traum war es, einen tropischen Garten zu haben. Aber das ist gar nicht so einfach in einer Halbwüste, und dazu noch an der Küste, wo immer Salznebel in der Luft liegt. So nah am Meer kann man keinen Garten haben, sagten die Leute. Und genau das ist der Satz, der mich herausfordert. Wenn ich höre, das ist unmöglich oder das geht nicht, dann sage ich, das werden wir ja mal sehen.  

Aber wo anfangen in einer Steinwüste ohne Erde. Als erstes brauchte ich anständiges Werkzeug, vor allem eine Spitzhacke. Aber wie heißt sowas auf Spanisch. Meine gestotterten Worte aus dem Lexikon ließen die Männer im kleinen Baumarkt nur in schallendes Gelächter ausbrechen. So lernte ich meine ersten nützlichen Wörter.  

Ich hackte also nun auf das Geröll ein, dass mir die Funken um die Ohren flogen und grub überall Löcher für die Pflanzen. Bei jeder Fahrt über die Berge schleppte ich 5 Eimer Erde herbei. Aber nach harter Pionierarbeit und vielen Rückschlägen habe ich es am Ende geschafft. Der Beweis ist, dass ich in diesem Moment unter einem Johannisbrotbaum sitze und dem Plätschern meines Wasserfalls am Teich lausche. Jetzt wollen natürlich alle wissen, wie hast du denn das geschafft? Ganz einfach, sage ich, man darf nur nicht auf andere hören. Diese Erfahrung muss man als hochsensibler Mensch sowieso machen. 

Aber vom Garten und seinem Gemüse allein kann man nicht leben, und nach ein paar Monaten eröffneten wir die erste private Arztpraxis im Ort. Was liegt näher für einen Arzt und eine Therapeutin? Bisher hatte es nur eine öffentliche medizinische Versorgung auf El Hierro gegeben. Also schon wieder eine Pionieraufgabe.  

Der Anfang war ganz schön hart, vor allem wegen der Sprache. Ich lernte zwar sehr schnell, aber die Herreños sprachen immer noch etwas schneller, als ich verstehen konnte. Besonders schwierig war das am Telefon, auch die Namen waren mir natürlich nicht geläufig. Aber ich hatte schon immer zündende Ideen. Also machte ich mich eines Tages zum Friedhof auf. Dort schrieb ich mir eine lange Liste Namen von den Gräbern ab. Und siehe da, es gab nur ganz wenige Nachnamen. Das ist der Vorteil, wenn alle irgendwie miteinander verwandt sind.  

Die Praxis lief ganz gut an, und unsere Patienten waren eine Freude für mich, so freundlich und liebenswürdig. Leider wurde diese Phase brüsk beendet, als mein Partner beschloss, dass das Leben auf so einer kleinen Insel doch nicht das richtige für ihn sei. Er fühlte sich beengt und trat die Flucht an. Das war ein schwerer Schock für mich, von dem ich mich lange nicht erholen konnte. Die nächsten Jahre schlug ich mich mit Massagen, Sprachunterricht in mehreren Sprachen, Häuserverwaltung und auch putzen durch.  

Niemals kam mir aber der Gedanke, aufzugeben und nach Deutschland zurück zu kehren. Das liegt nicht in meiner Natur. Mit einem lieben Freund baute ich mein Gästezimmer und Bad zu einem kleinen Apartment aus. Das Ferien Domizil Los Delfines war geboren. Von jetzt ab gings bergauf. 

Meine Gäste waren begeistert von dem Meeresblick, der Stille und meiner liebevollen Einrichtung. Ich trat einer Folkloregruppe bei, denn mein Spanisch war jetzt schon richtig gut. Den Kanarischen Akzent hatte ich mir auch einverleibt, keiner musste sich schämen, wenn ich ein Solo sang. Groß und blond wie ich bin, war ich natürlich ein exotischer Vogel unter den eher kleinwüchsigen Canarios. Aber ich fühlte mich immer angenommen, geliebt und ermutigt.  

Die Gruppe war in dieser Zeit wie meine Familie. So stand ich auf vielen Bühnen hier und auf anderen Inseln und sogar in anderen Ländern, auch einmal in Deutschland. Das Leben war schön und abwechslungsreich, und ich konnte alle meine Fähigkeiten so richtig entfalten, bis diese Episode eines Tages ein abruptes Ende fand. Das war, als die Erde zu beben begann. Das vulkanische Herz der Insel war erwacht und das Magma drängte nach oben. 

Oh, es gibt also einen aktiven Vulkan auf El Hierro? 

El Hierro ist die Insel der 1.000 Vulkane. Auf keiner anderen Kanarischen Insel gibt es so viele. Im Frühjahr 2011 begannen die Seismographen leichte Erdbeben zu registrieren. Ich machte mir da noch keine Sorgen, aber ihre Intensität nahm schnell zu, und damit auch eine ständige innere Anspannung. Mit meiner Sensibilität spürte ich auch schon ganz leichte Erschütterungen, denen wenig später stärkere folgen sollten. Mein Haus ist erdbebensicher gebaut. Was ich nicht wusste, ist, dass ein solches Haus viel mehr vibriert, weil es ja flexibel ist. Im Sommer waren die Erdbeben für mich bedrohlich geworden.  

Sie zerstörten zwar keine Gebäude, aber sie erinnerten an eine unheimliche Kraft, die tief unter der Insel lauerte. Fensterscheiben schepperten, das Wasser in den Vasen zitterte ununterbrochen, der Boden schwankte unter den Füßen. Nachts rollte das Magma mit dumpfem Grollen unter dem Haus hindurch, und gleich darauf wackelte wieder das ganze Bett. Der Tunnel war nun schon lange geschlossen, und auch die wilde Lavastraße im Westen war gesperrt. Einziger Ausweg aus dem Golf Tal war im Notfall die Straße durch die Berge. Die Lage spitzte sich immer weiter zu. Schulkinder lernten, sich beim Signal einer Trillerpfeife unter ihre Tische zu werfen. Der Vulkan war zu einem Dauerstress geworden.  

Die ersten Menschen verließen die Insel. Wir erhielten Instruktionen für den Ernstfall, und ich war auf alles gefasst. Im Auto hatte ich Decken, Kopfkissen und Proviant für mehrere Tage. Neben meinem Bett stand der gepackte Rucksack, Taschenlampe Atemmaske, Schutzbrille, Trinkwasser … Befürchtungen wurden laut, dass das Magma vielleicht durch den Krater des Hauptvulkans der Insel, Tanganasoga, nach oben drücken könnte.  

Eines schönen Tages bestieg ich diesen majestätischen Vulkan, der sich hinter meinem Haus erhebt, um mir ein Bild von seinen Ausmaßen und dem Krater zu machen. Stundenlang stolperte ich durch eine Lava zerrissene Landschaft, in Wolken gehüllt und mit Flechten bewachsen, bis mir endlich klar wurde, dass dies der Krater war. Da beschloss ich, mein Haus zu verlassen.  

Ich versiegelte Fenster und Türen mit Klebeband gegen Ascheflug, befestigte eine Leiter in meinem Swimmingpool, damit dort notfalls herumirrende  Tiere trinken konnten, dann packte ich meine wichtigsten Sachen, trug meine beiden Katzen zum Auto und zog in ein Häuschen in den Bergen. Von hier aus konnte ich zumindest Hafen und Flughafen schnell erreichen. Jeden Tag lief ich zum nahegelegenen Restaurant auf einem Bergkamm mit herrlichem Blick ins Golf Tal. Dort schaute ich sehnsüchtig auf mein Haus herab. Mein Laptop hatte ich immer dabei um mich über neueste Beben und Instruktionen der Inselregierung zu informieren. Das Restaurant war immer voll von Reportern und Fernsehjournalisten, die Interviews gaben oder an ihren Berichten schrieben.  

Inzwischen war auch der Katastrophendienst eingetroffen und hatte ein Notfalllager mit 2000 Betten neben dem Flughafen errichtet. Und immer stärker wurden die Beben, jetzt schon manchmal bis 5 auf der Richterskala. Das führte zu jeder Menge Erdrutsche und machte das Passieren der Straßen gefährlich.  

Am 11. Oktober passierte es dann, der Vulkan brach aus. Und zwar an der Südspitze der Insel, und zur größten Erleichterung aller, unter Wasser. Schwefelgase drängten an die Oberfläche, und die Menschen mussten ihr Fischerdorf verlassen. In wenigen Tagen hatte sich das Meer in eine grünliche Brühe verwandelt, die sich stündlich ausdehnte und bald die ganze Insel umgab. Überall trieben tote Fische an der Oberfläche. Dann plötzlich tauchten knollenartige, ganz leichte Vulkansteine auf und trieben an die Strände. Kein Geologe konnte sie bestimmen und so wurden sie nach dem Fischerdorf Restinga, Restingoliten genannt.  

Immer höher türmte sich der Vulkan auf. Er war jetzt schon so hoch wie ein 18stöckiges Gebäude, aber dann, ganz plötzlich, ließen seine Kräfte nach, und 200 Meter unter der Wasseroberfläche kam die Eruption zum Stillstand. Der Spuk war vorbei und der Vulkan wieder eingeschlafen, vermutlich für die nächsten 1.000 Jahre. Ich kehrte zurück  in mein Haus zurück und nahm mein Leben im Paradies wieder auf. Aber ich wusste jetzt, wie es sich anfühlt, alles zu gewinnen und auch wieder alles zu verlieren. 

Puh, das klingt sehr unheimlich … Wenn ich es richtig verstanden habe, hat der ganze Spuk ein rundes halben Jahr gedauert? Du hast dich aber dennoch entschieden, zu bleiben … 

Ja die Beben bis zum endgültigen Ausbruch des Vulkans haben zirka ein halbes Jahr gedauert. Die Eruption ging aber dann noch über mehrere Monate. Für die Leute im Süden war das eine besonders schwere Zeit. Es kommt nämlich zu einem sogenannten Tremor, das ist ein Dauerzittern der Erde, während der Vulkan seine Lava ausspuckt.  

Die Fischer waren auch von einem Tag auf den anderen ohne Arbeit, denn das Meer war ja zum Hexenkessel geworden. Für mich normalisierte sich das Leben schnell wieder, die Insel hatte ein Ventil gefunden und der unglaubliche Druck ließ nach. Was allerdings auch nachließ war unser Tourismus. Es sind ja sowieso sehr wenig Menschen, die unsere Insel besuchen, aber jetzt wollte gar niemand mehr kommen.  

Die Medien hatten das Ereignis im Ausland dermaßen aufgebauscht, dass alle glaubten eine Reise nach El Hierro sei mit höchster Lebensgefahr verbunden. Was da alles zusammengelogen wurde! Ein einziges Mal brodelte das Wasser über dem Vulkan bei einer besonders heftigen Eruption. Davon hatte jemand zufällig ein Video gemacht. Zufällig deswegen, weil das ganze nur 10 Minuten dauerte. Dieses Video wurde dann auf der ganzen Welt in den Nachrichten ausgestrahlt, auch im deutschen Fernsehen. Die folgenden Jahre waren ganz schwer hier auf der Insel. Spanien steckte  sowieso schon in der Wirtschaftskrise, und jetzt brach auch noch der Tourismus weg. Die Leute begannen abzuwandern und auf anderen Insel Arbeit zu suchen. Als ich hierherzog, waren wir ungefähr 10.000, jetzt ist mal gerade die Hälfte hiergeblieben.  

Das hat aber auch Vorteile, die Leute erinnern sich wieder an die Landwirtschaft, die teuren Pickups, die alle auf Kredit gekauft waren, verschwanden aus dem Straßenbild und es wurde weniger gebaut. El Hierro war jetzt auch viel bekannter geworden. Naturliebhaber aus aller Welt begannen die Insel zu entdecken. Sie machte als sogenannte grüne Insel Schlagzeilen. Ein aufwendiges Windwasserkraftwerk wurde gebaut. Man legte immer mehr Wert auf Umweltverträglichkeit und biologischen Anbau, die Insel kämpfte um ein zeitgemäßes Image. Ich selbst habe zu keinem Zeitpunkt daran gedacht, sie wirklich zu verlassen. Sie ist mein ganzer Kosmos.  

Und abgesehen von diesen äußeren Ereignissen, geschehen hier auch subtile Dinge. Es mag für manchen weit hergeholt klingen, aber manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass einem hier Dinge vor Augen geführt werden, die man anderswo nicht gesehen und gelernt hätte. Wie eine mystische Kraft, die den Menschen hilft, die auf der Suche nach der Wahrheit sind. Kräfte und Energien, die hier am Ende der Welt ungehindert an die Oberfläche strömen, so wie die Lava im Vulkanschlot. 

Diese Erfahrungen sind nur schwer zu vermitteln, aber man kann sie spüren, wenn man oben im Wald steht oder auf einer Klippe über dem schäumenden Meer. Diese Kräfte haben hier schon so manchen inspiriert. Darum leben auch viele Künstler auf der Insel. Ihre Schönheit und Vielfalt ist nur schwer zu beschreiben, sie ist verborgen und muss erst vom Suchenden entdeckt werden. 

Ja, manche Orte auf der Welt sind eben ganz besonders … Nun hast du also dort Wurzeln geschlagen, scheint es. Reist du denn auch weniger? 

Ja das ist wahr, ich reise jetzt weniger. Das hat zum einen damit zu tun, dass ich nicht mehr die finanziellen Mittel habe, die ich in Deutschland hatte, und zum anderen, dass ich meine Mutter vor einigen Jahren nach Teneriffa über gesiedelt habe. Sie lebte nach dem Tod meines Vaters in ihrer kleinen Wohnung in Deutschland und erkrankte dort lebensbedrohlich. Es wurde schnell klar, dass sie im dritten Stock ohne Aufzug nicht hätte weiterleben  können. Mit ihrem Einverständnis habe ich ziemlich Hals über Kopf die Wohnung aufgelöst, in der meine Eltern über 50 Jahre gewohnt haben. Und ab ging es in den Flieger und in ein neues Leben auf der Insel Teneriffa.  

Wir fanden dort eine wunderschöne kleine Wohnung mit großer Terrasse, Blick in Palmen und tropischen Garten mit Gemeinschaftspool. Das erste Jahr war natürlich nicht so einfach, aber dann hat sie sich sehr gut erholt. Das Klima, die ständigen Anregungen und das doch irgendwie urlaubshafte Leben haben viel dazu beigetragen.  

Während ihre Freundinnen in Deutschland langsam ins Altersheim abwandern oder immer reduzierter leben, lernt meine Mutter fast jede Woche neue Leute kennen, die alle viel jünger sind als sie. Man trifft sich am Pool, geht zusammen essen oder bummeln. Die Wohnung und Umgegend sind bestens für ihren Rollator geeignet. Sie lebt dort jetzt recht unabhängig, trotzdem traue ich mich nicht, langfristig zu planen und längere Reisen zu machen, sie wird immerhin dieses Jahr 89. Jetzt haben wir also beide Wurzeln hier geschlagen. Ich nur vorerst, denn ich bin eigentlich nicht der Typ, der sich verwurzelt. Lieber möchte ich frei wie ein Vogel sein und mit leichtem Gepäck weiterziehen. 

Im Jahre 2012, was ja von vielen so gefürchtet wurde, ist mir tatsächlich etwas Schlimmes zugestoßen. Ich hatte einen Unfall und so eine Art Schleudertrauma mit ganz starken Schmerzen, die ich tapfer aushalten wollte.  

Das war ein großer Fehler, denn sie sind nach 3 Monaten chronisch geworden. Ich hatte früher schon etwas über chronische Schmerzen gehört, aber nicht die geringste Ahnung gehabt, was das in Wirklichkeit für einen Menschen bedeutet.  

Leider musste ich feststellen, dass auch die meisten Ärzte keine Ahnung von diesem speziellen Gebiet hatten. Das ganze Nervensystem ist betroffen , und man kann überall am Körper Schmerzen bekommen. Inzwischen bin ich mir so gut wie sicher, dass das vor allen Dingen hochsensiblen Menschen passiert.  

Ich habe zwar noch nie eine Studie zu dem Thema gefunden, aber inzwischen mehrere Leute mit den gleichen Beschwerden kennengelernt. Unser Nervensystem ist eben anders, viel sensibler und damit auch anfälliger für Störungen.  

Mein Vater hatte Epilepsie, die er ohne jeden erkennbaren Grund mit 16 Jahren entwickelte. So wie ich es heute verstehe, handelt es sich bei dieser Form der Epilepsie um eine Art Schutzreaktion. Er wusste ja nichts von seiner Hochsensibilität, wie so viele Menschen, und er empfand sich immer als anders und seltsam. Und wenn alles zu viel wurde, war das vielleicht seine Möglichkeit um sich aus der Realität abzumelden. Seit ich weiß, dass ich hochsensibel bin, verstehe ich meinen Vater natürlich viel besser im Nachhinein.  

Jedenfalls begann für mich eine lange Odyssee von Arzt zu Arzt, und eigentlich konnte mir niemand helfen. Ich war bei insgesamt fünf Chefärzten aus  drei verschiedenen Ländern. Das einzige, was ich von denen bekommen habe, waren lange Rechnungen, aber keine Hilfe in meiner inzwischen verzweifelten Situation.  

Letztlich habe ich selbst heraus gefunden, was mir fehlt und mich an eine Schmerzklinik gewandt. Dort gab es dann zum ersten Mal Verständnis und Hilfe. Für mich war das wie meine Lebensrettung. Ich konnte mich wieder bewegen und auch leichte Arbeiten verrichten.  

Trotzdem, mein Leben war nicht mehr wie vorher. Die Arbeiten auf der Finca, im Garten, das Apartment, alle diese Dinge, die mir so viel Freude gemacht hatten, waren nun zur schweren Bürde geworden. Vor einem Jahr nahte dann die Rettung in Gestalt einer jungen Frau, die ich eigentlich schon lange kannte, und die eine Praxis für Naturheilmedizin im Ort eröffnete. Es stellte sich heraus, dass sie selber hochsensibel ist und über enorme naturheilkundliche Kenntnisse verfügt.  

Für mich ist es immer noch wie ein Wunder. Sie kennt und versteht jede Faser meines Körpers und meines Seins. Unter ihrer Obhut hat sich meine Situation ganz enorm verbessert. Da sieht man es mal wieder. Man sucht hinter dem Horizont, und die Hilfe liegt gleich um die Ecke.  

Größere Arbeiten und sitzen am Computer machen mir immer noch viel zu schaffen, aber zum Glück bin ich nicht mehr allein. Vor drei Jahren kam auch die Liebe zu mir zurück. Ein Mann von der Nordküste Spaniens, der sein Leben lang auf den Meeren der Welt unterwegs gewesen war, entschied sich, an Land zu gehen um vielleicht doch noch die Liebe seines Lebens zu finden. So landete er eines Tages auf dieser Insel am Ende der Welt an. Jetzt habe ich alle Unterstützung, sowohl körperlicher als auch seelischer Art, und wer könnte wohl besser zu mir passen als ein Kapitän, der das Meer, die Freiheit und den weiten Horizont liebt.  

Jetzt ist unser Leben hier, und wir erkunden jede Woche die Insel, kraxeln an allen Küsten entlang, steigen auf alle Berge und kriechen in alle Höhlen. Vielleicht setzen wir ja eines Tages nochmal die Segel und steuern neue ferne Inselgefilde an. Vielleicht ein tropisches Eiland mit einer türkisblauen Lagune. Wer weiß das schon… 

Wie hast du denn erfahren, dass du hochsensibel bist? 

Ich habe das gar nicht von einem auf den anderen Tag erfahren. Nach und nach ist diese Wahrheit in mein Bewusstsein aufgestiegen. Dabei hat mir das Internet geholfen. Ich gehe dort ganz oft irgendwelchen Fragen nach, und eines Tages fand ich einen Test. Irgendwie hatte ich schon so eine Ahnung, und die wurde dann Gewissheit, als ich alle Fragen mit ja beantworten konnte. Ich war also hochsensibel.  

Erstaunlicherweise beeindruckte mich diese Erkenntnis zunächst gar nicht besonders. Aber dann setzte sich ein Prozess in Gang. Immer mehr Dinge aus der Vergangenheit fielen mir wieder ein. Ich begriff plötzlich, warum ich als kleines Kind nicht mit nackten Beinen durch hohes Gras gehen konnte. Das stach mir immer dermaßen in meine zarte Haut. Ich konnte auch beim leisesten Geräusch nicht einschlafen, und hatte immer tausend bunte und abenteuerliche Träume, während sich alle anderen an nichts erinnern. Ich spielte stundenlang alleine mit den kleinsten Dingen.  

Die Erwachsenen konnten sich gar nicht erklären, was ich da tat, aber für mich waren das riesige Welten. Und auch meine Liebe zur Makrofotografie bekam einen neuen Sinn. Auf meinen Fotos war nicht die ganze Kuh zu sehen, sondern ihre wunderschönen langen Wimpern. 

Inzwischen habe ich diese Art der Fotografie perfektioniert und sogar schon eine Ausstellung gemacht.  Viele Worte aus der Vergangenheit bekamen für mich eine neue Bedeutung. All die verletzenden Sätze meiner Mutter fielen mir wieder ein. Sei doch nicht immer so hypersensibel! Jetzt bausch das doch nicht so auf! Aber ich fühlte eben so, und jetzt wusste ich auch endlich, warum. Immer war ich wie ein Fremdkörper über diesen Planeten gewandelt. War ich denn wirklich der einzige Mensch, der sich fragte warum wir hier sind und was dann mit uns geschieht. Konnte es denn noch wichtigere Fragen als diese im Leben überhaupt geben? 

Nach und nach begann sich mein ganzes Bild von mir selbst und den anderen Menschen zu verändern. Da flossen auch viele Tränen. Ich war also gar nicht komisch und unnormal, ich war einfach nur anders, und es gab noch mehr Menschen, die so fühlten wie ich. Das war so befreiend. Ich begann Bücher zu dem Thema zu lesen und im Internet zu recherchieren.  

So stieß ich auf deinen Blog. Alles war so neu und aufregend für mich, als hätte ich mich neu erfunden oder wäre neu geboren worden. Ich eignete mir so gleich die Klopftechnik an und  fand sie ganz fantastisch. Ich mache das jetzt jeden Tag und spüre ihre tiefe Wirkung.  

Meine Vergangenheit und meine Familie sehe ich plötzlich in neuem Licht. Immer hatte ich versucht, so wie meine Mutter zu sein. Es war ja klar, dass sie normal war und mein Vater seltsam und anders. Hätten mein Vater und ich doch nur die Wahrheit gekannt. Wie anders wäre unser Verhältnis gewesen. Inzwischen erkenne ich ganz leicht, ob ein Mensch hochsensibel ist. Ich habe mir fest vorgenommen, allen diesen Menschen, die meinen Weg kreuzen, zu helfen.  

Neulich habe ich eine Familie angesprochen, die hier auf der Insel lebt. Sie versuchen seit Jahren ihren kleinen hochsensiblen Jungen abzuhärten. Das Kind war schon komplett verängstigt und wollte mit niemandem mehr Kontakt aufnehmen. Endlich konnte ich den Vater überzeugen, ein Buch zu dem Thema zu Rate zu ziehen. Nach ein paar Monaten war das Kind nicht wiederzuerkennen. 

Mein nächstes Ziel ist, einen Vortrag hier auf der Insel zu organisieren. In Spanien gibt es schon Gruppen für Hochsensible, aber hier auf den Kanaren ist das Thema wohl noch  unbekannt. 

Ich möchte dir an dieser Stelle sehr danken, Monika. Es berührt mich außerordentlich dass du so offen über dich und deine Vergangenheit sprichst. Ich finde deine Arbeit kurz gesagt lebensrettend. Bitte mach so weiter. Vielleicht können ja wir, die hochsensiblen Menschen,  aus dieser Welt einen besseren Ort machen. 

Oh vielen Dank, Gabriella. Das machen wir ganz bestimmt 🙂 

Seminar: Besser umgehen mit Hochsensibilität

18.-19.11.17

Notzing, Erding

Anmeldeschluss: 16. Oktober 2017

 

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

Lernen Sie hier kostenlos, wie Sie Stress, Erschöpfung und Überforderung aus der Hochsensibilität auflösen

Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

Krebs ist wenn man trotzdem lacht – eine Rezension

Krebs ist wenn man trotzdem lacht – eine Rezension

GESUNDHEIT BÜCHER

KREBS IST
WENN MAN TROTZDEM LACHT
EINE REZENSION

Foto: Ruth Frobeen

Ich muss zugeben, als ich das erste Mal das Buch der Autorin Sabine Dinkel „Krebs ist, wenn man trotzdem lacht“, in den Händen hielt, bin ich innerlich ein bisschen zurückgezuckt vor dem Titel, der mir ganz plötzlich etwas anstößig erschien. Ich las weiter „Wie ich von heute auf morgen Krebs hatte und wieder zu neuem Lebensmut fand“ und riss ich mich zusammen (schließlich wollte ich dieses Buch unbedingt rezensieren. Beherzt schlug ich die erste Seite auf und begann zu lesen.

Schon im ersten Kapitel begann ich zu kichern.  Sabine Dinkel hat einfach einen ganz unnachahmlichen Schreibstil, unglaublich komisch, ein bisschen schnoddrig, ehrlich, selbstironisch und voller Humor. Bei alledem ist „Krebs ist, wenn man trotzdem lacht“ eigentlich

ein unglaublich informativer Ratgeber,

den man gerne allen Menschen mit doofen Krankheiten in die Hand drücken möchte, weil er eine sehr aufrührerische und mitreißende Energie hat. Und das alles, ohne die LeserInnen mit Samthandschuhen anzufassen. Nein, Sabine Dinkel hat eine andere Taktik: neue Begriffe müssen her: der Krebs wird zur Schnieptröte, die Krebs-Diagnose zur Doof-Diagnose, Metastasen zu Doofmanns-Gehilfen, die Chemo zur Schorle grün-weiß …

Die Autorin wurde eines Tages selbst ganz überraschend mit der Diagnose Eierstock-Krebs konfrontiert. Die vorhandene Literatur fand sie viel zu runterziehend, ungeeignet für die in dieser Zeit so ungemein wichtige moralische Unterstützung. Also schrieb sie selbst nach einer Zeit der Eingewöhnung auf „Planet Schnieptröte“ das Buch, das sie zum Zeitpunkt der Diagnose gerne gehabt hätte.

Inhaltlich ist das Buch wunderbar organisiert

Zum einen geht es sehr viel um Organisatorisches und auch wenn das ein wenig drüsch klingt, fand ich einiges davon geradezu revolutionär: zum Beispiel, dass man sich ein richtiges Helferteam zusammenstellt, das nur zum Teil aus medizinischem Fachpersonal besteht. Dazu gehören z. B. auch Freunde, Verwandte und Bekannte, die z. T. auch bestimmte Aufgaben übernehmen können wie sich um Haustiere kümmern, Blumen gießen usw.

Oder dass man sich die Zeit nimmt, Fachmediziner zu suchen, mit denen man sich wohl fühlt, ebenso wie Psychoonkologen (den Begriff hatte ich noch nie zuvor gehört). Oder wie man seine Unterlagen sortiert, mit medizinischem Fachpersonal umgeht usw.

Letzten Endes geht es darum, dass man diese organisatorischen Fragen bewusst im Sinne des eigenen Wohls regelt, anstatt sich einfach nur irgendwie durchzuwurschteln und sich mit den Gegebenheiten abzufinden.

Das allerwichtigste ist aber:

Wie gehe ich mit mir selbst um?

Wie begegne ich dem Krankheitsstress, was kann ich tun, um trotzdem den Kopf oben zu halten, mich selbst nicht aufzugeben, wie und wohin kann ich meine Gedanken steuern (denn das geht!), was kann ich für mich tun, wenn unangenehme Dinge anstehen, vor denen ich mich vielleicht fürchte, wie Behandlungen, Operationen, Gespräche usw. Was ist, wenn Metastasen auftreten? Wie kann ich souverän bleiben oder meine Souveränität zurückbekommen?

„Lachen kann einem die schlechte Laune verderben“

Alleine, wenn ich diesen Spruch angucke, muss ich kichern. Humor ist für die Autorin ein Schutzfaktor erster Klasse und Humor zieht sich durch das Buch von der ersten bis zur letzten Zeile. Ich bin sicher, ich habe noch nie einen so lustigen Ratgeber gelesen. Und das liegt nicht daran, dass ich keine primär Betroffene bin, denn ich komme im Freundes- und Bekanntenkreis immer häufiger mit Krebs in Berührung.

Apropos Freundes- und Bekanntenkreis: Auch für Angehörige, Familie und Freunde gibt es ein Kapitel, das ich extrem hilfreich fand. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es sein kann damit umzugehen, Angst zu haben, etwas Falsches zu sagen, nicht genug Unterstützung zu bieten usw.

Beim Humboldt Verlag gibt es übrigens wunderbares Promomaterial, das Sie bestellen und weiterverteilen können , z. B. das Krebs Bullshit Bingo auf dem blöde Sprüche stehen wie „Man sieht es dir gar nicht an“ oder „Ach, das haben ja heutzutage so viele“, „Krebs ist doch auch eine Chance!“ usw.

Das Buch ist äußerst zielgruppenfreundlich gestaltet

Da das „Chemobrain“ einem schon mal das Gehirn vernebeln kann, so dass nicht sehr viel Konzentration vorhanden ist, ist der Text in sehr viele kleine Häppchen unterteilt, mit Sprüchen von MitpatientInnen und anderen Autorinnen garniert, so das das Buch wirklich sehr einfach zu lesen ist. An der Aufmachung des Buches ist mir auch das ausgewählte Papier ganz besonders aufgefallen, es ist schwer und glatt und schön anzufassen.

Alles in allem habe ich bei der Lektüre allerhand gelernt. Zwar weiß ich aus eigener Erfahrung, dass körperliche Gesundheit ein relativer Zustand ist, habe aber beim Lesen dieses Buches gemerkt, dass ich noch korrekturwürdige Überzeugungen habe, was Krebserkrankungen angeht. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Lesen Sie das Buch am besten selbst und /oder verschenken Sie es großzügig.

Von Sabine Dinkel werden Sie auf diesem Blog sicherlich noch mehr hören. Ein Interview mit der hochsensiblen Autorin ist in Arbeit 😉

Übrigens hat Frau Dinkel ihre Erfahrungen mit der Krebserkrankung auch in einem Comic verarbeitet, den Sie im Internet herunterladen können. Hier geht es zu Meine Arschbombe in die Untiefen des Lebens.

Hier geht es zum Blog von Frau Dinkel - und weil sie sehr aktiv ist in den sozialen Netzwerken, können Sie ihr gerne folgen unter den folgenden Links:

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P.S. Meine Vorbehalte wegen des Titels haben sich übrigens im Null Komma nichts aufgelöst. Wenn Sie das Buch lesen, werden Sie verstehen, warum.

Sabine Dinkel
Krebs ist, wenn man trotzdem lacht
Wie ich von heute auf morgen Krebs hatte und wieder zu neuem Lebensmut fand
humboldt Verlag, ISBN 978-3-86910-412-6
19,99 EUR

Promomaterial bestellen bei:
PR & Werbung humboldt
may@schluetersche.de

 

Seminar: Besser umgehen mit Hochsensibilität

18.-19.11.17

Notzing, Erding

Anmeldeschluss: 16. Oktober 2017

 

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

Lernen Sie hier die Basics der Klopfakupressur

Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

Elektrosensible spüren etwas, was alle Menschen betrifft

Elektrosensible spüren etwas, was alle Menschen betrifft

HOCHSENSIBILITÄT GESUNDHEIT

ELEKTROSENSIBLE MENSCHEN
SPÜREN ETWAS
WAS ALLE MENSCHEN BETRIFFT

Immer öfter wird in den Medien vor einem Übermaß an „digitalem Konsum“ gewarnt. Was ich in diesem Gespräch erfahren habe, fand ich ziemlich erschreckend, zumal ich vergangenes Wochenende einen regelrechten Ekel vor meinem Handy entwickelte, nachdem ich längere Zeit damit gefilmt hatte. Meine Gesprächspartnerin Karin Chlupaty hat schon in den Anfängen des Mobilfunknetzes herausgefunden, dass sie elektrosensibel ist und sich zur Aktivistin entwickelt.

Karin, du bist als Aktivistin in Sachen “Elektrosensibilität” unterwegs. Was versteht man unter diesem Begriff?

Bei Wikipedia werden Menschen als elektrosensibel bezeichnet, die angeben, elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder (EMF) wahrnehmen zu können. Solche Felder werden von elektrotechnischen Anlagen erzeugt und sollen den sog. Elektrosmog verursachen. Quellen der primär technisch genutzten EMF sind zumeist Mobilfunk, Rundfunksender, Radargeräte, DECT-Telefone, WLAN, Mikrowellenherde oder Bluetooth.

Was bedeutet das nun für mich?

Wenn ich mich in Räumen aufhalte, in denen Wlan eingeschaltet ist, entwickelt sich für mich ein zunehmender Schmerz in den Nerven. Angefangen von Schwindel, Übelkeit, das Gefühl betrunken zu sein bis hin zu Versagen einzelner Muskelgruppen. Weiterhin entwickle ich nach ca. von zwei Stunden ein instinktives Fluchtverhalten mit starken Stresssymptomen (schwitzen, Herzrasen, beschleunigte Atmung, Flucht). Ist Wlan vorhanden kann ich so gut wie gar nicht schlafen. Hierzu muss man wissen, dass Wlan z. T. auf der gleichen Frequenz arbeitet, wie die Frequenzen im Gehirn.

Bei Mobilfunk habe ich ähnliche körperliche Probleme, die nicht ganz so stark ausgeprägt sind. Hinzu kommt noch ein “Tinnitus”. Je nach Nähe zu einem Funkmast sind die Ohrgeräusche stärker oder schwächer. Aber auch bei Stromleitungen, die nicht geschützt sind, entwickeln sich Ohrgeräusche.

Beim Umgang mit einem Smartphone spüre ich ein Kribbeln in den Fingern und Händen.

Elektrosensibilität könnte man auch als “Allergie” gegen elektromagnetische Felder und Funk bezeichnen.

Wie bist du denn darauf gekommen, dass du elektrosensibel bist? Ich könnte mir vorstellen, dass es gar nicht so einfach ist, das herauszufinden?

Das habe ich schon recht früh gemerkt. So in den neunzigern, als das Mobilfunknetz noch ganz am Anfang stand. Damals musste man/frau sich noch an einigen Stellen aus dem Fenster lehnen, um überhaupt ein wenig Empfang zu haben. Ich konnte immer spüren, wenn ich in die Nähe eines Mastes kam. Und ich konnte so ganz gut den Unterschied zwischen “Mast in der Nähe” und “kein Mast weit und breit” spüren. Je mehr das Netz ausgebaut wurde, desto schwieriger ist es, einen Unterschied wahrzunehmen. Mittlerweile haben wir ja einige Funkfrequenzen und ein “gut ausgebautes” Mobilfunknetz. Das heißt, ich spüre ständig die Auswirkungen auf meinen Körper. Auch bei Wlan ist es ähnlich. Anfangs hatte noch jeder Router einen Knopf zum einschalten (!) von Wlan. Heutzutage gibt es meistens nicht mal mehr einen Knopf zum Ausschalten. Und wenn doch, ist dies noch lange keine Sicherheit, dass z.B. Telekom nicht das Wlan ToGo freigeschaltet hat. Die Ausschaltung von Wlan ToGo muss man dann bei der Telekom beantragen. Im Büro haben wir kein Wlan und zu Hause auch nicht.

Eine meiner beiden Töchter hat mich vor ca. Sechs Jahren ausgetestet. Ich bin einkaufen gegangen und sie hat bei mir zu Hause das Wlan eingeschaltet. Sie war schon sehr erstaunt, als ich reinkam und sie als erstes auf das eingestellte Wlan angesprochen habe.

Ich stelle mir vor, dass es immer schwieriger wird, WLan-freie Zonen zu finden, vor kurzem hatten z. B. die Supermärkte in meiner Umgebung die Ankündigung, dass es nun auch im Supermarkt Wlan gibt … ?

Ja, da hast du recht. Nicht nur in den Supermärkten, Museen, bei Ärzten und auch in Zügen gibt es immer häufiger Wlan. Und das obwohl z. B. auch das Bundesamt für Strahlenschutz folgende Empfehlung gibt:

Elektrosensibilität kann auch hochsensible Menschen treffenEmpfehlungen und Vorsorge

1.) Vom Hersteller angegebene Mindestabstände (WLAN, Bluetooth Klasse 1) beachten.

2.) Der Trend zu portablen und mobilen Funkanwendungen führt insgesamt zu einer vermehrten Belastung gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfiehlt generell, die persönliche Strahlenbelastung zu minimieren, um mögliche, aber bisher nicht erkannte gesundheitliche Risiken gering zu halten. Einfache Maßnahmen sind hierfür:

  • Kabelverbindungen bevorzugen, wenn auf Drahtlostechnik verzichtet werden kann.
  • Die Aufstellung von zentralen WLAN-Zugangspunkten in unmittelbarer Nähe der Orte vermeiden, an denen sich Personen ständig aufhalten, zum Beispiel am Arbeitsplatz.
  • Falls vorhanden, die Reichenweitenbegrenzung einstellen, um die maximale Strahlungsleistung zu reduzieren.

Weitere Informationen zu Vorsorgemaßnahmen finden Sie auch unter www.bfs.de/elektro

Im elektrosensiblen Ghetto leben?

Das findet nur nirgendwo Beachtung. Mir ist es zum Glück noch möglich, mich bis zu zwei Stunden in Räumen mit Wlan aufzuhalten. Sonst könnte ich nicht mehr zum Zahnarzt oder ins Museum gehen. Aber ich kenne auch Menschen, die auch das nicht mehr können. Deren Leben ist noch weitaus mehr eingeschränkt, als meines. In der Rhön hat sich ein Verein gegründet, der ein Haus gefunden hat, das Strahlungsarm ist. Hier gibt es eine sogenannte “Weiße Zone”. Das bedeutet für mich, dass ich bei Bedarf dort Urlaub machen könnte und mich von den Funkstrahlen in Bonn erholen könnte. Denkt man die Idee aber weiter, ist es ein vorstellbares Szenario, dass elektrosensible Menschen in einer Art Ghetto leben werden. Das finde ich gruselig.

Oh, so weit habe ich noch gar nicht gedacht. Das ist wirklich gruselig. Ich selbst bin nicht so wirklich technikaffin, eine Sache, die mir nicht wirklich klar ist, ob man die ganze neue Handytechnik, Tablets usw. Gar nicht nutzen kann im Grunde, wenn man elektrosensibel ist. Oder gibt es Alternativen?

Alternativen können kabelgebundene Computer (Lan-Kabel) und Telefone sein. Aber auch hier kenne ich Menschen, die sich gar nicht erst an einen Computer setzen können. Dann gibt es immer häufiger Techniken, die einen vor der ganzen Strahlung schützen sollen (Sticker aufs Handy kleben, irgendwelche Kästchen aufstellen und so weiter z. B. https://www.i-like.net/de/ ). Ich bin mir nicht sicher, was hiervon einfach nur Scharlatanerie ist und was wirklich hilft, da es unterschiedliche Erfahrungen gibt und unterschiedliche Empfindungen. Aber insgesamt hat sich die Technik schon weiterentwickelt. Irgendwann werden Alternativen auf den Markt kommen (z. B. die Visible Light Communication (https://www.fraunhofer.de/de/forschung/forschungsfelder/kommunikation-wissen/kommunikationssysteme-breitbandkommunikation/visible-light-communication.html). Wenn aber dann die ganzen elektrisch betriebenen Autos unterwegs sind, die selber fahren können - was nur mit Hilfe von Funk möglich ist - weiß ich nicht, wie sich die elektrosensiblen Menschen verhalten können/sollen.

Zum Verständnis:

Elektrosensible Menschen spüren etwas, was alle Menschen betrifft.

Nur, weil ich nichts spüre, wenn ich stundenlang mit dem Handy am Ohr telefoniere oder ständig im Wlan-Bereich sitze, arbeite oder ähnliches, heißt das nicht, dass die gesundheitlichen Wirkungen ausbleiben. Es gibt unzählige Studien, die belegen, dass Funkstrahlung Krebs hervorrufen … können. Ameisen z.B. telefonieren in der Regel ja nicht, aber unter Einfluss von Mobilfunk versagt ihr Nervensystem (https://www.diagnose-funk.org/publikationen/artikel/detail&newsid=1157).

Ich könnte hier noch stundenlang gruselige Ergebnisse aufzählen, denke aber, dass das nicht der Sinn dieser Seite ist. Wenn ich  mich verlaufe in meinen Erzählungen, gib mir Bescheid.

Karin, ich kenne das selbst. Ich hatte einmal eine Zeit, da lebte ich in einem 1Zimmer-Appartment, wo ich mich extrem unwohl fühlte mit der Fritzbox im gleichen Zimmer, da habe ich sie in den Flurschrank verbannt, in einem Pappkarton, dann ging es. Danach hat sich das aber irgendwie gelegt.

Eine Frage noch: wie unterscheiden sich D-Lan und W-Lan?

Wlan funkt in einem vorher festlegbaren Umkreis. Dieser ist in der Regel voreingestellt und beträgt ca. 300 Meter (was absolut unnötig ist). Man kann den Umkreis reduzieren. So ganz genau kenne ich mich da nicht aus, aber ich glaub eine Reduzierung auf 30 Metern ist möglich. Dlan funkt über die Stromleitungen. Da kann es z. B. passieren, dass ich in einem Wohnblock lebe, der sagen wir drei Eingänge hat mit je 8 Mietparteien. Je nach Baujahr und Qualität von diesem Wohnblock kann es sein, dass alle Mieter über das Stromnetz die Funkstrahlung von meinem Dlan abbekommen. Die meisten denken, dass sie mit Dlan auf der sicheren Seite sind. Das ist leider ein Trugschluss.

Weder Dlan noch Wlan sind gesund. Siehe hierzu auch Artikel bei www.diagnose-funk.de oder www.buergerwelle.de. Technische Details kann ich keine weitergeben.

Jetzt bist du über all dem ja irgendwie zur Aktivistin in Sachen Elektrosensibilität geworden, welche Möglichkeiten gibt es für andere Menschen hier aktiv zu werden?

Es gibt da mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann man über eine Anzeige versuchen gleichgesinnte Menschen zu finden. So habe ich es gemacht und hierdurch ist eine nette Gruppe entstanden. Allerdings muss ich dazu sagen, dass den meisten Menschen nicht bewusst ist, dass ihre Probleme, sei es körperlicher oder seelischer Natur, durch Elektrosmog kommt. Und diejenigen, die es ahnen, sind häufig sehr belastet und haben wenig Möglichkeit, aktiv zu werden. Ich höre immer wieder von Betroffenen, dass die Menschen als depressiv oder gestört hingestellt werden. Es gehört Mut dazu, öffentlich dazu zu stehen, dass man elektrosensitiv ist und dann auch noch zu handeln.

Man kann bei vielen Vereinen Mitglied werden (Diagnose-Funk, Buergerwelle, Weiße Zone Rhön). Wie hier die Mitarbeit aussieht, kann ja jeweils verhandelt werden.

Insgesamt gibt es viel zu wenig Aktivitäten, nicht zuletzt auch, weil hinter dem Mobilfunk eine mächtige Industrie steht. Das Thema ist politisch nicht wenig heikel. Zum Glück gibt es immer häufiger Artikel in Zeitungen, die vor dem “Digitalen Konsum” warnen.

Und wer das Internet dann nutzt, um sich weiter zu informieren, findet die Informationen auch.

Eine letzte Frage habe ich noch: Siehst du für dich einen Zusammenhang zwischen Elektrosensibilität und Hochsensibilität?

Ich denke, dass es da einen Zusammenhang gibt. Vielleicht insofern, als dass Menschen, die hochsensibel sind, eher die Elektrosensibilität spüren und einordnen können. Wir haben einfach mehr Antennen für die Dinge und einen ganz anderen Blick auf das Leben und sehen Zusammenhänge, wo andere nichts von ahnen.

Vielen Dank für das Interview, Karin. Das ist ja hochgradig spannend und ein ganzes Themengebiet, mit dem ich mich noch näher beschäftigen möchte.

Gerne! Vielen Dank auch!

 

Seminar: Besser umgehen mit Hochsensibilität

18.-19.11.17

Notzing, Erding

Anmeldeschluss: 16. Oktober 2017

 

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

Lernen Sie hier die Basics der Klopfakupressur

Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

4 Ungewöhnliche Klopforte

4 Ungewöhnliche Klopforte

KLOPFAKPRESSUR

UNGEWÖHNLICHE
KLOPFORTE

MONIKA RICHRATH

Wer sagt denn eigentlich, dass man zum Klopfen immer zuhause auf dem Stuhl sitzen oder im Bett liegen sollte? Es gibt Alternativen, wirklich tolle Alternativen, finde ich. Sowieso gilt, dass Ihre Hochsensibilität Sie hier wunderbar unterstützen kann, weil sich die Effekte des Ortes für Sie vermutlich noch verstärken.  Hier stelle ich Ihnen meine besten vier ungewöhnlichen Klopforte vor:

1. Unterwegs

Zugegebenermaßen ist dies eigentlich kein richtiger Ort, weil er sich ja andauernd verändert. Bewegung durch Laufen und Gehen verändert das Gehirn, das haben Forscher herausgefunden. Durch das Auftreten der Füße sollen in den Adern Druckwellen entstehen, die für eine bessere Durchblutung des Gehirns sorgen. Bestimmt haben Sie selbst schon die Erfahrung gemacht, dass ein einfacher Spaziergang dazu führen kann, dass man plötzlich in der Lage ist eine Entscheidung zu fällen, die man vorher nicht treffen konnte. Noch krassere Effekte soll es geben, wenn man joggt, dabei soll sich das Gehirn neu strukturieren - aber ich gehe jetzt mal nicht davon aus, dass Sie während des Joggens klopfen wollen, bzw. für mich als bekennende Nichtjoggerin fühlt sich allein die Vorstellung ziemlich anstrengend an …

Zurück zum Gehen: Es ist äußerst angenehm, sich langsam zu bewegen, während man klopft, denn beim Klopfen selbst führt man ja durch das Bewegen von einem Punkt zum nächsten eine Art von Bewegung aus, die insgesamt ein rundes Fließen ergeben. Probieren Sie das einfach einmal aus. Ich finde es ist insofern auch ganz praktisch, als dass Sie nicht allzuviel Rücksicht nehmen müssen auf andere Spaziergänger, bzw. falls Ihnen welche entgegenkommen, können Sie einfach Ihre Klopfsession kurz unterbrechen und wieder aufnehmen, wenn sie vorbei sind. Außerdem sind Sie dann an der frischen Luft, was per se ja schon mal gut ist. Natürlich können Sie auch zuhause herumwandern, wenn Ihre Wohnung das hergibt …

2. An einem Fluss

An einem Fluss zu sitzen, auf träge vorbeiziehendes Wasser zu blicken und dabei zu klopfen, hat etwas ganz Magisches. Ich finde, der Fluss des Wassers intensiviert den Klopffluss. Man hat das Gefühl, dass das, was man gerade beklopft, leichter mit dem Strom des Wassers davonfließt.

Falls Sie das Glück haben und die Sonne scheint gerade, gibt Ihnen vielleicht das Funkeln des Wassers genauso einen Energiekick wie mir. Sowieso denke ich, dass dadurch, dass Sie durch das Klopfen in einen besonders empfänglichen Zustand kommen, Sie auch das Wasser anders wahr- und aufnehmen. Außerdem gilt auch hier: Sie sind (höchstwahrscheinlich) an der frischen Luft und atmen tiefer ein- und aus.

3. Im Wald

Auch im Wald bekommt das Klopfen etwas Mysthisches. Das Grün der Bäume, die Stille, die Natur üben sowieso schon einen positiven Effekt auf uns aus und führen dazu, dass wir uns entspannen und beruhigen. Durch das Klopfen wird diese Beruhigung und Entspannung noch vertieft. Dazu kommen die Terpene in der Waldluft, die unserer Gesundheit besonders zuträglich sind und von denen wir dann durch tiefes Ein- und Ausatmen besonders viele aufnehmen.

Im Wald zu klopfen ist wie eine andere Welt zu betreten. Probieren Sie es einmal aus und erzählen uns von Ihren Erfahrungen. Ich bin sehr gespannt.

4. Unter der Dusche

Unter der Dusche zu klopfen gehört zu meinen krassesten Klopferfahrungen. Vermutlich liegt es daran, dass das fließende Wasser irgendetwas in unserem Gehirn in Gang setzt. Schließlich habe ich selbst unter der Dusche oft großartige Ideen.  Für diesen Artikel habe ich mal gegoogelt, woran das liegen könnte. Die Antwort war ganz einfach: beim Duschen braucht sich das Gehirn nicht nicht mit eingehenden Informationen in Form von Sinneseindrücken auseinanderzusetzen (bzw. weniger) und kann sich darum mit anderen Dingen beschäftigen.

Aber sowieso ist Wasser hervorragend dazu geeignet, Loslassprozesse zu unterstützen, meine KlientInnen trinken z. B. immer während des  Klopfakukpressur-Coachings reichlich Wasser. Es tut einfach gut und hilft, das Klopfen zu unterstützen. Und dieses vollkommen Strömende, das Sie unter der Dusche haben, ist wirklich etwas ganz Besonderes.

ABER ACHTUNG: Diese Intensität hat auch eine Kehrseite. Meine Erfahrung ist, dass sich beim Klopfen unter der Dusche Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben oder sich nicht so weit öffnen (denn ich klopfe meistens ja auch nur einen Satz.) Ich komme mit dieser Intensität an Gefühle, die sich sonst nicht zeigen. Das kann aber durchaus auch beängstigend sein. Darum kann ich Ihnen nur sagen: Probieren Sie das Klopfen unter der Dusche nicht, wenn Sie in einem labilen Zustand sind und nehmen Sie dazu keinen krassen Satz. Sonst schaden Sie sich mehr als dass Sie sich helfen.

Falls Sie mit dem Begriff „Klopfen“ gar nichts anfangen können, sehen Sie sich doch diesen Clip zur Klopfakupressur mal an und probieren Sie es.

Haben Sie auch ungewöhnliche Klopforte? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare!

Herzlichst,

Ihre
Monika Richrath

 

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

Lernen Sie hier wie Sie Stress, Erschöpfung und Überforderung aus der Hochsensibilität auflösen

Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

Die 5 Grundbedürfnisse Ihres Körpers

Die 5 Grundbedürfnisse Ihres Körpers

HOCHSENSIBILITÄT  GESUNDHEIT

Die 5 Grundbedürfnisse
Ihres Körpers

MONIKA RICHRATH

Die Grundbedürfnisse unseres menschlichen Körpers sind nicht anders als die anderer Lebewesen. Allerdings haben wir Menschen im Gegensatz zu diesen jedoch die Tendenz, unsere Bedürfnisse nicht zu achten und auszuleben. Für hochsensible Menschen, die per se häufig mit dem Körper auf Kriegsfuß stehen, ist es besonders wichtig, auf die Erfüllung dieser Grundbedürfnisse zu achten. Grund genug für mich, mir in diesem Artikel Gedanken über diese fünf Grundbedürfnisse zu machen.

 

1. Grundbedürfnis: Atmung

Um zu leben zu können, braucht unser Körper Luft. Beim Einatmen nehmen wir Sauerstoff aus der Atemluft auf, der über das Blut in das Gewebe und zu den Zellen transportiert wird und für Stoffwechselprozesse notwendig ist. Dabei entsteht Kohlendioxid, das durch das Blut zur Lunge transportiert und dort abgeatmet wird.

Die Mitochondrien

Vielleicht haben Sie schon einmal von den Mitochondrien gehört. Die 70 bis 100 Billionen Körperzellen des menschlichen Körpers enthalten eine Zellmembran, einen Zellkern und verschiedene sog. Zellorganellen. Darunter versteht man eine kleine, abgeschlossene Funktionseinheit in der Zelle, die eine ganz spezifische Aufgabe hat. Die Aufgabe der Mitochondrien ist es in erster Linie, unsere Lebensenergie zu produzieren (die man auch ATP nennt). Deswegen werden die Mitochrondrien auch „Kraftwerke der Zelle“ genannt. Um wie vorgesehen Energie produzieren zu können, brauchen die Mitochondrien u. a. Sauerstoff, den wir durch die Atmung mit der Luft aufnehmen. Und da wird es schon schwierig, denn sehr, sehr viele Menschen atmen eher flach, in die Brust hinein. Unser Körper lernt, mit wenig auszukommen.

Tiefe Bauchatmung

Zwar kommen wir auch so „über die Runden“, besser ist es jedoch, tief in den Bauch hinein zu atmen. Das Zwerchfell (ein Muskel zwischen Bauch- und Brustraum) zieht sich zusammen, wenn wir tief einatmen, die Lungenflügel können sich weiter nach unten ausdehnen und wir können bis zu 80 % mehr Sauerstoff aufnehmen. Der Körper wird also insgesamt mit sehr viel mehr Sauerstoff versorgt und kann mehr Energie bereitstellen.

Ich hatte in diesem Zusammenhang mal ein etwas denkwürdiges Aha-Erlebnis. Vor einigen Jahren habe ich einen Kurs besucht zum Thema „Auftreten in der Öffentlichkeit“, bei dem es auch um Atmung ging. Ich habe an einem Tag sehr bewusst und tief geatmet und war vollkommen verblüfft, dass ich plötzlich mehr Energie hatte als vorher. Ich atmete offenbar sehr schlecht.  Als ich darüber nachdachte, warum das so war, ist mir eingefallen, dass meine Mutter zu mir als Kind sehr häufig sagte, ich solle den Mund schließen, weil das nicht schön aussehe, wenn mein Mund offen sei. Ich habe mir also Mühe gegeben, meinen Mund nun immer zu schließen und ich habe mir gleichzeitig angewöhnt, nur noch flach zu atmen, mich mit dem Atem abzufinden, den ich mit einem geschlossenen Mund erzeugen konnte. Und das mache ich immer noch so, wird mir beim Schreiben dieses Artikels klar … Puh …

Das Atmen an sich hat natürlich auch eine Komponente, die über das rein biologische hinausgeht. Zu atmen, bedeutet auch, das Leben selbst aufzunehmen …

2. Bedürfnis: Wasser und Nahrungsmittelaufnahme

Unser Körper braucht Wasser und Nährstoffe um zu funktionieren. Der menschliche Körper besteht zu 65 % aus Wasser. Ohne ausreichend Wasser funktioniert der menschliche Stoffwechsel nicht richtig. Wasser regelt nicht nur die Herzkreislauffunktion, den Wärmehaushalt und die Verdauung, löst Salze und Mineralstoffe, es dient auch als Transportmittel für Nährstoffe und Abbauprodukte. Ca. 2-3 l Wasser verliert der Körper in etwa im Laufe eines Tages durch schwitzen, atmen und Ausscheidungen - dieser Verlust muss über Nahrung und vor allem über Getränke wieder ausgeglichen werden.Wasser ist unverzichtbar für hochsensible Menschen

Obwohl ich selbst ganz genau weiß, wie es geht, finde ich es immer wieder schwierig, hier auf einem ganz konstanten Level zu bleiben. Eigentlich weiß ich ja, dass abgekochtes, warmes Wasser für meinen Körper absolut paradiesisch ist, schaffe es aber leider immer nur anfallsweise dem zu entsprechen. Da muss ich für mich selbst auch noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. Das abgekochte warme Wasser wird z. B. in China verwendet. Wenn Sie es einmal probieren wollen: kochen Sie Wasser ca. 10-20 Minuten, füllen Sie es in eine Thermoskanne und trinken Sie es über den Tag verteilt. Ich finde es ausgesprochen wohlschmeckend (leicht süßlich), umso unverständlicher ist mir mein eigener innerer Widerstand …

Was die Nahrungsmittelaufnahme angeht ist es noch schwieriger. Es hat sich als äußerst kompliziert erwiesen, sich einen Weg zu bahnen durch die vielen Ernährungsstile und Angebote, bei dem einen darf ich dieses essen, was bei einem anderen absolut tabu ist. Bei gluten- und laktosefrei war ich ja schon angekommen. Kürzlich habe ich versehentlich bei einem Systemneustart meine umfangreiche Rezeptsammlung aus dem Computer gelöscht. Ich bin geneigt, darin ein Zeichen zu sehen, dass neue Wege gefragt sind. Mich weniger an Ernährungsdogmen zu orientieren, sondern an meiner individuellen Verträglichkeit, die vermutlich auf gluten-, und laktosefrei hinauslaufen wird, fettarm und low carb. Als neue Herausforderung wird noch „zuckerfrei“ hinzukommen. Als hochsensibler Mensch hat man ja sehr häufig mit Unverträglichkeiten usw. zu tun, ich denke, der einzige Weg ist es, diese auch zu beachten, um in irgendeiner Weise voran zu kommen.

Auch hier gilt wieder, dass auch auf einer höheren Ebene wichtig ist, sich anzusehen, was wir uns eigentlich einverleiben und ob uns das wirklich nährt?

3. Bedürfnis: Verdauung

Verdauung bezeichnet den Vorgang der Zerkleinerung und Aufspaltung der aufgenommenen Nahrung in ihre Bestandteile, die dann über das Blut zu den Zellen transportiert werden. Diese beginnt bereits im Mund (bzw. sollte im Mund beginnen), durch gründliches Kauen wird die Nahrung zu einem Brei zerkleinert und mit Speichel gemischt, das dabei entstehende Enzym Amylase ist zuständig für die Verdauung der aufgenommenen Kohlenhydrate.

Nächste Station ist der Magen: hier wird der Nahrungsbrei mit Magensäure vermischt, Keime und Bakterien in der Nahrung werden durch die aggressive Magensäure abgetötet. Im Magen wird die Verdauung der Eiweiße eingeleitet, durch Freisetzung bestimmter Enzyme.

Weiter geht es in den Dünndarm. Der erste Abschnitt des Dünndarms wird Zwölffingerdarm genannt, Verdauungssäfte und Enzyme aus der Leber und Bauchspeicheldrüse fließen in den Zwölffingerdarm, wo sie für eine Aufspaltung der Nahrung in kleinste Bestandteile sorgen. Die Nährstoffe werden durch die Wand des Dünndarms in die Blut- und Lymphgefäße transportiert, von wo aus es weiter zur Leber geht.

Übrig bleiben nur noch unverdauliches und Flüssigkeit. Die Flüssigkeit wird im Dickdarm entzogen und der unverdauliche Rest an den Enddarm gegeben und wieder ausgeschieden. Soweit die Theorie.

Leider ist es in der Praxis oft schwierig, viele Organe sind an diesem Vorgang beteiligt. Außerdem ist das ganze System äußerst störanfällig. Vor allen Dingen Stress kann dafür sorgen, dass der Verdauungsvorgang entweder zum Erliegen kommt, sich beschleunigt oder verlangsamt (je nach Typ). Ich kann wirklich selbst ein Lied davon singen, mit einer mehr als 30 Jahre alten chronischen Gastritis, dem Zwölffingerdarmdurchbruch usw. Alleine das gründliche Kauen fällt mir unendlich schwer (obwohl ich natürlich sehr genau merke, dass es mir gut tut).

Schwierigkeiten mit der Verdauung hat auch wieder eine seelische/emotionale Komponente: Wie gut kann man Neues verdauen? Bei Louise Hays fand ich den Hinweis, dass Verdauungsstörungen mit Furcht und Ängstlichkeit zu tun haben, mit einer Unfähigkeit, Neues freudig aufzunehmen …

4. Bedürfnis: Ausscheidung

Ausscheidung bedeutet in der Biologie und Medizin übrigens nicht einfach nur die Abgabe unverdaulicher Nahrungsbestandteile, sondern grundsätzlich den Prozess der Abgabe von Stoffen aus dem Körperinneren an die Körperoberfläche um sie aus dem Körper zu entfernen. Es gibt verschiedene Mechanismen der Ausscheidung, dazu gehören neben der Defäkation auch das Wasserlassen, Erbrechen, ja sogar die Atmung.

Fehler, oder Probleme, die bei den vorherigen Bedürfnissen aufgetreten sind, treten hier noch einmal zu tage, zum Beispiel, wenn man falsche Dinge isst, die der eigene Körper nicht richtig verarbeiten kann, nicht gut genug kaut und die Nahrung nicht richtig verdaut wird, oder die Ballaststoffe fehlen, wird es vermutlich auch mit der Ausscheidung Probleme geben. Verstopfung, Hämorrhoiden, Blasenkrankheiten usw können die Folge sein.

Die seelisch-emotionale Komponente dabei sind Schwierigkeiten mit dem Loslassen grundsätzlich. Oh je, da bin ich wieder bei der Hochsensibilität angelangt. Ein Merkmal der Hochsensibilität ist es ja z. B., dass man Reize besonders schnell aufnimmt, aber schwerer wieder loslassen kann. Dabei kann es sich um alles Mögliche handeln: Ideen, Denkweisen, Vorstellungen über sich selbst und die Welt …

Sehr interessant fand ich die Idee, Hämorrhoiden seien auf das Gefühl von Überforderung der Ereignisse des eigenen Lebens zurückzuführen, die ich in einem Buch gefunden habe. Vielleicht gestalte ich hierzu demnächst mal eine kleine Umfrage 😉

5. Bedürfnis: Bewegung

Über die Bewegung habe ich schon einmal einen Blogbeitrag geschrieben. Aber dass wir einfach mehr Bewegung brauchen, kann wohl nicht oft genug gesagt und betont werden. Wir sind einfach nicht für das Leben gemacht, das wir heute führen: mit stundenlangem Herumsitzen, erst im Büro, dann vor dem Fernseher und relativ wenig Bewegung zwischendurch. Vielleicht sollten wir überhaupt nicht sitzen, und uns nur dann und wann einfach hinlegen?

Die Bewegung rundet übrigens die anderen Bedürfnisse mit ab: denn wenn wir uns viel bewegen, kann dies auch Schwierigkeiten in den anderen Bedürfnissen etwas ausgleichen - vermutlich haben Sie diese Erfahrung selbst schon einmal gemacht.

So, ich habe hier nun schon verschiedlich meine eigenen Schwierigkeiten mit der Erfüllung dieser Grundbedürfnisse anklingen lassen und freue mich wie immer, wenn Sie uns erzählen, wie gut oder schlecht Sie mit diesen Grundbedürfnissen zurecht kommen.

Herzlichst,

Ihre
Monika Richrath

 

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Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

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