Immer wieder höre ich von den TeilnehmerInnen meiner Seminare und Workshops, dass es ihnen unglaublich schwer fällt, sich mit negativen Dingen zu beschäftigen und dass EFT allem zuwider läuft, was sie bis jetzt im Rahmen ihrer (häufig auch spirituellen) Weiterbildung gelernt haben. Dazu gehört vor allem, sich nicht mit negativen Dingen zu beschäftigen. Dazu gehört aber auch, dass mittlerweile bekannt ist, dass das Gehirn das Wörtchen „Nein“ nicht kennt. Das führt zu einiger Verunsicherung. Ich werde oft gefragt, ob durch das Klopfen und explizite Benennen von Problemen diese nicht erst recht im Körper verankert werden?

Es scheint mir daher sehr angebracht, die Wirkungsweise der Meridian-Klopftechnik EFT einmal näher zu erläutern. Auf der Haut befinden sich sog. Mechanorezeptoren, die auf Druck, Dehnung, Berührung und Vibration reagieren. Beim Klopfen werden Punkte benutzt, die besonders viele Rezeptoren haben und intensiv mit den Gehirnarealen verknüpft sind, die an psychischen Verarbeitungsprozessen beteiligt sind (dazu gehört vor allen Dingen das limbische System mit Hypothalamus, Amygdala und Hippocampus). Die Rezeptoren nehmen die Signale auf, die durch das Klopfen entstehen und formen es um in einen elektrischen Reiz, der an das zentrale Nervenystem gesandt wird. Dort werden Informationsbotenstoffe, sog. Neurotransmitter, ausgeschüttet, wie z.B. Serotonin und körpereigene Opioide. Diese neurochemischen Verbindungen können Schmerz reduzieren, den Herzschlag herabsetzen und Angst verringern - kurz, sie regulieren das autonome Nervensystem und wirken beruhigend. So weit so gut.

Das ist aber noch längst nicht alles. Damit die Erlebnisverarbeitung im Gehirn wirklich positiv verändert werden kann, ist es für die Wirksamkeit des Prozesses von elementarer Wichtigkeit, eine Emotion ganz genau wahr zu nehmen bzw. sich möglichst genau an sie zu erinnern. Dadurch wird die Amygdala aktiviert, die wesentlich an der Entstehung von Angst beteiligt ist. Außerdem spielt sie eine wichtige Rolle beim Bewerten und Wiedererkennen von Situationen sowie bei der Wahrnehmung jeglicher Form von Erregung.

Die Lage der Amygdala im Gehirn

Die Lage der Amygdala im Gehirn

Durch das Aufrufen der Erinnerung oder Emotion wird die Amygdala in einen labilen Zustand gebracht. In diesem Zustand kann sie gestört und verändert werden. Im limbischen Gehirn wird also vor allen Dingen mit Emotionen gearbeitet. Das heißt, wenn Sie total gestresst sind, weil Sie das Gefühl haben, Sie können etwas nicht, dann wird es im limbischen Gehirn auch dort so aufgenommen und gespeichert.

Ein anderes Erklärungsmodell ist, dass die sensorische Stimulierung (z.B. klopfen, summen, zählen, reden) zu einer sensorischen Überladung führt. Die an sich neutralen Signale der Stimulierung disorganisieren, überladen, interferieren und neutralisieren die Erinnerung oder
Emotion. Die Überaktivität im limbischen System wird gesenkt und die Symptomgenerierung wird aufgehoben.

Letzten Endes findet vermutlich eine Entkoppelung statt bei der Verbindung des Reiz-
Reaktionsmusters, zwischen Erinnerung und Gefühl. Die Erinnerung selbst wird dabei nicht gelöscht, sie bleibt bestehen, verliert aber ihre Kraft, Symptome hervor zu rufen. Zum Beispiel wird eine Erinnerung an einen Autounfall mit belastenden Gefühlen verbunden sein. Nach dem Klopfen ist die Erinnerung an den Unfall immer noch vorhanden, die belastenden Gefühle sind jedoch verschwunden oder abgeschwächt.

Sicher trägt auch die neuronale Plastizität des Gehirns zur Wirksamkeit von EFT bei. Jeder Gedanke, jedes Bild verursacht neurologische Veränderungen im Gehirn. Die neuronalen Verbindungen zwischen dem Bild/Gedanken können durch die emotionale Antwort verstärkt oder geschwächt werden, wenn sie dem Reiz erneut ausgesetzt werden. Der Gedanke/das Bild können also sowohl mit der Emotion fester verdrahtet als auch gelöst werden.

Dies bedeutet allerdings, dass immer nur ein Gedanke aufgelöst werden kann, erklärt aber auch, warum durch neuronale Netzwerke manchmal gleichzeitig ähnliche Gedanken, Gefühle etc. aufgelöst werden. Nicht zuletzt ist es so auch möglich, durch die sensorische Überladung neue Verknüpfungen her zu stellen, wie es z.B. im Reframing geschieht (wie kann die eigene Einstellung/das eigene Verhalten zu der Situation/zu dem Problem positiv verändert werden). Natürlich ist Reframing auch ein Teil einer Klopfsitzung mit mir, allerdings nur ein kleiner. Es gibt Menschen, die klopfen nur positiv. Meine Sache ist das nicht. Ich finde es wesentlich wirkungsvoller, erst „aufzuräumen“ und hinterher positive Akzente zu setzen.

Wenn Sie EFT als Teil Ihres Weges annehmen wollen, sollten Sie die Annahme, dass es für Sie schädlich sein könnte, wenn Sie sich mit negativen Dingen beschäftigen, eine Weile beiseite legen. Ich habe ja oben schon erklärt, dass die Methode nur dann wirklich wirksam funktioniert, wenn Sie so viel Gefühl wie möglich dort einbringen, und zwar das Gefühl genau so, wie es ist.

Es ist ein wichtiger Teil des Prozesses, dass Sie lernen, dass Sie o.k. sind, auch wenn Sie diese „negativen“ Gefühle haben, mehr noch, dass Sie ein Recht auf diese Gefühle haben. Emotionen haben die Eigenart, erst dann zu verschwinden, wenn sie angenommen worden sind. Vielleicht haben Sie selbst schon die Erfahrung gemacht, dass es ein Trugschluss ist, zu glauben, dass Gefühle, die wir nicht haben wollen und verdrängen, einfach verschwinden. Das tun sie nie - vielleicht verschwinden sie aber im Untergrund und beeinflussen unser Verhalten von einer Ebene aus, auf die wir dann nicht mehr ohne weiteres zugreifen können. Ich arbeite vorwiegend mit hochsensiblen Menschen und gerade für sie mit besonderen Tendenzen zum Gefühle-herunter-schlucken ist es besonders wichtig, sich den eigenen Gefühlen zu stellen und sie nicht einfach zu verdrängen, wenn sie eigenen Lebensbedingungen positiv verändern wollen.

Ich hoffe, eventuelle Unklarheiten damit beseitigt zu haben. Wissenschaftlich Interessierte werden eventuell bei der Übersetzung des Artikels „Das neurohumorale Konzept“ von
Dr. Joaquin Andrade fündig. Gerne beantworte ich Ihre Fragen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Herzlichst,
Ihre Monika Richrath

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Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

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