Es ist wie ein Kick: Plötzlich wird mir kurz ganz heiß und dann schwemmt etwas durch meinen ganzen Körper, eine mitreißende, unendliche Welle, die meinen Adrenalinspiegel hochtreibt, elektrisiert und mich antreibt, jetzt sofort etwas zu unternehmen. Irgendwas, Hauptsache bewegen. Es ist wie ein kleiner Rausch, eine Befreiung, eine emotionale Reinigung im Schnellverfahren.

Als es das erste Mal geschah, wusste ich gar nicht, was los war und konnte mit all diesen rauschhaften Gefühlen gar nichts anfangen. Aber ich fühlte mich unendlich lebendig. Das war schön. Irgendwann dämmerte mir dann:

So fühlt sich Wut an!

Es ist im Grunde genommen sehr traurig, aber bis vor noch nicht allzu langer Zeit (1-2 Jahre) wusste ich weder wirklich, was Wut ist, noch wie sie sich anfühlt, oder wie herrlich dieses Gefühl von elektrisierender Lebendigkeit ist, das Wut mit sich bringt.

Wütend zu sein war verboten

Das hatte verschiedene Gründe. Zum einen fand ich die Wut anderer Menschen höchst bedrohlich, zum anderen habe ich, wie viele andere hochsensible Menschen, schon ganz früh damit begonnen, meine eigenen Gefühle einfach zu ignorieren. Im Blogbeitrag der letzten Woche hatte ich über die Graphic Novel Wer ist hier die Mutter? von Alison Bechedel geschrieben. Darin geht es um eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zu ihrer Mutter. Vieles davon hat ein Echo bei mir ausgelöst. Am nachhaltigsten hat mich die Feststellung getroffen, dass ihre Mutter es von ihr (Alison) brauchte, dass sie (Alison) die Mutter nicht braucht. Da Kinder sich bemühen, ihren Eltern zu helfen, hat Alison ihre Gefühle und Bedürfnisse ignoriert und unterdrückt, um diesem (unausgesprochenen) Anspruch möglichst gerecht zu werden. Ich habe ähnlich reagiert, um meine (alleinerziehende) Mutter (von fünf Kindern) zu entlasten (zumindest von mir). Was ich nicht wusste:

Wut lässt sich nicht auslöschen

negieren, ignorieren und auch nicht wirklich unterdrücken. Wut ist ein sehr mächtiges Gefühl. Sie lässt sich vielleicht transformieren in ein anderes, gesellschaftlich etwas akzeptierteres Gefühl, z. B. Traurigkeit. Sicher ist aber:

Nicht ausgelebte Wut richtet sich gegen uns selbst

Wut ist für den Körper Stress. Studien belegen, dass häufig unterdrückte Wut Krankheiten hervorrufen kann, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und das Risiko für Herzinfarkt steigen lässt. Manche Psychologen glauben, dass Essstörungen, Alkoholismus und Depressionen durch unterdrückte Wut ausgelöst werden.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird die Wut dem Organ Leber zugeordnet. Die Leber sorgt für den freien Energie- und Blutfluss im Körper. Wenn das s.g. Qi nicht mehr frei im Körper zirkulieren kann, wird unsere Kreativität blockiert und unser Wohlbefinden beeinträchtigt. Der Wissenschaftler Jean- Pierre Barral (der vom Times Magazin unter die 100 bedeutendsten Pioniere der Alternativmedizin des 20/21. Jahrhunderts gewählt wurde)  hat folgende Funktionsstörungen der Leber identifiziert:

  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Fettiges Haar, Schuppen, fahler Teint
  • Überempfindliche Haut
  • Weiße, belegte Zunge und Mundgeruch
  • (Übelriechender) Schweiß
  • Überempfindlicher Geruchssinn
  • Empfindliches Zahnfleisch
  • Gereizte Schleimhäute
  • Dunkler Urin
  • Körperliche Erschöpfung
  • Schlaflosigkeit/Wenig erholsamer Schlaf
  • Schwindel
  • Verdauungsprobleme
  • Geistige Erschöpfung
  • Sinkende Leistungsfähigkeit im Sport

Puh, eine ganz schön schreckliche Latte … Hellhörig geworden bin ich natürlich durch die verschiedenen Überempfindlichkeitssymptome. Vielleicht gibt es  hier eine Schnittstelle zur Hochsensibilität?

Die Leber ist das zentrale Organ unseres Stoffwechsels, hier wird nicht nur Galle produziert, sondern es werden auch Nahrungsbestandteile verwertet, abgebaut und ausgeschieden, ebenso wie Medikamente und Giftstoffe. Die Leber ist also unser Entgiftungsorgan. Die Leber ist aber auch ein Speicherorgan. (Darum wird davon abgeraten, zu häufig die Leber von Tieren zu verzehren, weil sich dort die Schadstoffe anreichern.) In der TCM wird die Leber einerseits als General angesehen, der die innere Ordnung von Körper und Seele aufrecht erhält, andererseits aber auch als „Mutter aller Emotionen“, die nicht nur Blut und Nährstoffe speichert und so für Vitalität sorgt, sondern auch alle vor- und nachgeburtlichen Ereignisse aufzeichnet. Sie kontrolliert die Sinnesorgane und reagiert empfindlich auf emotionale Belastungen, vor allen Dingen im Beziehungsbereich. Gefühle, Erfahrungen und Emotionen werden also auch durch die Leber entgiftet.

Falls Sie das zweifelhaft finden, probieren Sie doch einmal diese Übung für den Lebermeridian von Stefan Metzler aus Österreich eine Zeitlang aus. Sie werden feststellen, dass nicht nur die Verdauung viel besser funktioniert, sondern Sie für den eigenen Körper und dem, was Sie ihm zuführen, sehr viel aufmerksamer sind, auf allen Ebenen.

Es ist wichtig, dafür zu sorgen, dass wir Frust, Zorn und Ärger nicht in uns hineinfressen

Aber das ist leichter gesagt als getan. Wut ist kein gesellschaftlich akzeptiertes Gefühl. Vielleicht, weil wir Wut automatisch mit Schädigung einer anderen Person assoziieren. Heutzutage sogar noch weniger als früher, weil viele Menschen Wut aus spirituellen Gründen ablehnen oder uns von spirituellen Führern jedweder Couleur suggeriert wird, dass Wut und alle negativen Gefühle schlecht sind, die keineswegs ausgelebt werden dürfen. Wissen Sie was? Ich halte das für grundfalsch. Ich glaube:

Wir müssen unsere Wut spüren. Hochsensible Menschen ganz besonders

Eben weil viele von uns den Hang haben, sich selbst hintenanzustellen, unsere Bedürfnisse an denen anderer ausrichten, uns weniger wichtig nehmen als andere. Wut hilft uns, Grenzen zu ziehen und unser Revier abzustecken. Bis hierher und nicht weiter. Unsere Wut hilft nicht nur uns, uns selbst wichtiger zu nehmen, sondern auch anderen dabei, uns und unsere Bedürfnisse wichtiger zu nehmen.

Sie glauben gar nicht, wie toll und befreiend es für KlientInnen ist, wenn Sie in einer Coachingstunde bei mir mal so richtig schimpfen dürfen. Die meisten denken nicht einmal Schimpfworte … da ist einfach ein Loch, das ich aus eigener Erfahrung nur zu gut kenne. Mittlerweile habe ich aber in dieser Hinsicht eine sehr wertvolle Erfahrung gemacht:

Wut ist nicht gefährlich!

Wut ist zwar ein sehr heftiges Gefühl, aber wenn Sie sich erlauben, die Wut wahrzunehmen, anzunehmen und den Stress körperlich abzubauen, ist es schon gut. Im Idealfall sprechen Sie die Wut auch aus. Es ist aber nicht notwendig, oder förderlich, jemanden wirklich zu schlagen o. ä. Die Wut will einfach gesehen werden. Danach kann sie wieder gehen.

Wie kann man lernen, wütend zu sein?

Ich empfehle die EFT-Klopfakupressur. Durch das regelmäßige Klopfen wird man sanft und völlig unaufgeregt zu sich selbst und seinen Gefühlen zurückgeführt. Manchmal eben auch zu Wut. Falls Sie grundsätzlich nicht wütend werden können, wäre das eine Supergelegenheit, die Klopfakupressur mal auszuprobieren und einen entsprechenden Satz 14 Tage lang zu klopfen.

Ich bin immer noch nicht oft wütend. Aber wenn ich wütend bin, freue ich mich und genieße das belebende, reinigende Gefühl, das damit einhergeht.

Wie geht es Ihnen? Können Sie Wut spüren und Wut zeigen?  Ich freue mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Herzlichst, Ihre
Monika Richrath

Bild: Dilanranjith via Pixabay

 

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

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Ich möchte eine Klopfanleitung!
Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.

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Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

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