Die Autorin Yalda Lewin hat eine ganz eigene Art gefunden, das Thema „Hochsensibilität“ in die Öffentlichkeit zu tragen. Im nachfolgenden Interview erzählt sie uns über die Entstehung des Romans „Die dunkle Seite des Weiß“.

In letzter Zeit tauchen in den Medien immer mehr Menschen mit hypersensitiven Fähigkeiten auf, die ihre besonderen Begabungen in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Frau Lewin, welche besondere Begabung hat Ihr Held, Jakob Roth?

Jakob Roth ist hochsensibel und ermittelt in besonderen, mysteriösen Kriminalfällen in und um Berlin. Er nimmt Atmosphären deutlicher wahr als andere Menschen, kann sich hineinfallen lassen in die Geschichten, die an Orten vor langer Zeit passiert sind und sieht gelegentlich Geister. Als Mitarbeiter einer speziellen Abteilung für das Lösen paranormaler Kriminalfälle nutzt er seine empathischen Fähigkeiten, um scheinbar unerklärliche Rätsel aufzuklären. Abgesehen davon kämpft er aber natürlich auch mit den ganzen üblichen Begleiterscheinungen, die hochsensible Wahrnehmungen im Alltag so mit sich bringen können. Kurz gesagt: er ist ein ganz normaler Typ, der zusätzlich über ein paar ungewöhnliche „Antennen“ verfügt.

Wie sind Sie auf die Idee für das Buch gekommen, gibt es eine Entstehungsgeschichte?

Ich wollte schon lange eine Geschichte über die Beelitzer Heilstätten schreiben, weil mich der Ort fasziniert. Ich habe eine Schwäche für Medizingeschichte und besondere Orte, und dieses mysteriöse verfallene Lungensanatorium hatte es mir gleich angetan. Mir fehlte nur noch geeignetes „Personal“ für den Roman. Eines Tages tauchte dann Jakob Roth während eines Spaziergangs in meinem Kopf auf. Wir haben uns ein wenig unterhalten und ich stellte fest, dass ich sein Leben gerne mit der Szenerie der Beelitzer Heilstätten verbinden wollte. Das war der Zündfunke für die Geschichte.

Wie sind Sie denn auf die Beelitzer Heilstätten gestoßen?

Die Beelitzer Heilstätten sind nicht weit von Berlin entfernt, und da ich mich eben für Medizingeschichte interessiere, bin ich irgendwann im Zuge von Recherchen zum Thema Tuberkulose über dieses alte Lungensanatorium gestolpert. Ich habe eine echte Schwäche für die TBC, das ist einfach eine hochinteressante Krankheit 😉 Ich bin dann nach Beelitz gefahren, um mir das Areal anzusehen, und die Atmosphäre hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Es ist, als würde jedes Gebäude dieser verfallenen Klinik unzählige Geschichten erzählen. Eine davon habe ich in „Die dunkle Seite des Weiß“ aufgegriffen. Es war eine wunderbare Möglichkeit, meine Liebe zur Medizingeschichte, einen unheimlichen Ort und die Fähigkeiten eines hochsensiblen Ermittlers zusammenzubringen.

Sind Sie denn selbst hochsensibel?

Das ist eine wirklich gute Frage. Ich denke, dass viele der „Parameter“, die man zur Hochsensibilität findet, auf mich zutreffen, ja. Aber ich scheue mich ein wenig davor, mich in eine Schublade einzuordnen. Ebenso wie meine Romanfigur Jakob reagiere ich sehr stark auf Stimmungen und Atmosphären und habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ich bin gerne für mich, hasse Lärm und Menschenmengen und brauche viele Ruhezeiten, in denen ich alle Eindrücke und Gedanken sortieren kann. Für mich ist der kreative Ausdruck durch schreiben, durch Musik oder zeichnen eine wunderbare Möglichkeit, alles zu verarbeiten, was so auf mich einströmt, und ich musste erst lernen, Introvertiertheit als wirkliche Stärke zu sehen. Das geht vielen Menschen mit hochsensiblen Antennen so. Man weiß ja anfangs überhaupt nicht, was mit einem los ist und warum man sich so oft fühlt, als käme man von einem anderen Planeten. In unserer Gesellschaft wird ausgeprägte Empathie ja leider noch häufig belächelt, und wer sich nicht der Ellbogen bedient, um voranzukommen, gerät leicht unter die Räder. Für mich hat sich im Lauf der Jahre sehr deutlich herauskristallisiert, was ich mir zumuten kann und möchte, und in welcher Art und Weise ich mich am besten beruflich und privat einbringen kann. Ich bin froh, dass ich extrem gut mit Stress umgehen kann und trotz hochsensibler Wahrnehmungen belastbar bin, das macht es deutlich leichter. Inzwischen sehe ich Hochsensibilität eindeutig als Geschenk, ohne mich aber pausenlos darum zu drehen.

Das klingt schon nach einem längeren Lernprozess ….?

Oh, ja 🙂 Ich hatte aber inzwischen auch 36 Jahre, um mich damit auseinanderzusetzen. Und die ersten 25 davon tappte ich ziemlich im Dunkeln, rückblickend betrachtet. Allerdings glaube ich, dass es ein lebenslanger Prozess ist. In immer anderen Facetten.

Ja, das glaube ich auch. Die beiden Protagonisten Ihrer Geschichte haben jeweils unterschiedliche Wege für sich gewählt, mit der Hypersensitivität umzugehen …

Ja, die beiden unterscheiden sich sehr. Mirella würde ich aber auch nicht unbedingt in die Kategorie „hypersensibel“ einstufen. Ihre Stärke liegt eher darin, alle Eindrücke gekonnt auf Distanz zu halten, während Jakob sich in alles hineinfallen lässt - Emotionen, Wahrnehmungen, Begegnungen. Es war spannend, die beiden miteinander interagieren zu lassen. Da es eine Krimireihe ist, gibt es natürlich auch noch eine Menge Entwicklungspotential in dieser Beziehung. So etwas macht beim Schreiben eine Menge Spaß.

Ach so, ich hatte das anders verstanden. Mögen Sie noch ein paar Worte zum Titel sagen, was assoziieren Sie selbst damit?

Cover_Taschenbuch_WEISS_4c-01Der Romantitel war eine längere Suche. Mein Verlag und ich wollten einen Titel, der einen Bezug zur Handlung aufweist und zugleich ein wenig geheimnisvoll wirkt. „Die dunkle Seite des Weiß“ war dann ein Einfall von mir, der glücklicherweise den Verlag auch überzeugt hat. Es geht im Buch u.a. um dunkle Machenschaften im Bereich der Medizingeschichte und Pharmabranche, aber es gibt im Roman auch eine weiße Blume, die eine bedeutende Rolle spielt. Nicht zuletzt ist die klassische Farbe, die mit Ärzten und Medizin assoziiert wird, ebenfalls Weiß. Insofern eignet sich dieser Titel wunderbar für das Buch.

Jetzt ist natürlich die spannende Frage, wo man Ihr Buch kaufen kann?

„Die dunkle Seite des Weiß“ ist in jeder Buchhandlung erhältlich und natürlich auch bei den gängigen Online-Shops. Es gibt die Geschichte um Jakob und Co. sowohl als Taschenbuch als auch als Ebook. Inzwischen ist zudem ein weiterer Roman mit meinem hochsensiblen Ermittler erschienen: „Ruf der Drachen“. Aktuell arbeite ich am nächsten Band, das wird aber noch ein wenig Zeit in Anspruch nehmen.

Auf Lesungen stelle ich fest, dass die Leute oft ganz überrascht sind, dass es sowas wie „Hochsensibilität“ gibt, und das man diese dann auch literarisch verwenden kann, um eine interessante und vielschichtige Figur zu schaffen. Für mich ist Jakob inzwischen nicht mehr einfach nur ein Ermittler, der mysteriösen Fällen auf die Spur kommt. Er ist auch so etwas wie ein „Vermittler“, wenn man das so sagen möchte. Er zeigt, dass Empathie in unserer Gesellschaft nicht negativ belegt sein muss, hat aber trotzdem immer noch genügend Scherereien und eigene Konflikte damit, um nicht zu einem reinen Abziehbildchen zu werden. Für mich ist das sehr spannend, weil mich diese Figur natürlich beim Schreiben auch herausfordert. Für Leser hoffe ich, dass es einfach Spaß macht, Jakob zub begleiten und Teil seiner Welt zu werden. Wenn ich unterhalten kann, und es dann auch noch ein wenig zum Nachdenken anregt, dann ist mein Job als Autorin eigentlich schon bestens getan.

Das ist ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Spaß beim Schreiben!

Yalda Lewin wurde 1978 geboren. Erste Geschichten entstanden mit Wachsmalstiften auf der Kinderzimmertapete, spätere auf der mechanischen Schreibmaschine ihres Vaters. Nach dem Abitur folgte ein Studium der Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft und Neueren deutschen Literatur, das sie 2005 abschloss. Heute lebt und arbeitet Yalda Lewin in Berlin, hat ein Faible für die 1920er Jahre, medizinische Fachliteratur, Krimis und Tangotanzen und genießt das bunte Leben in Kreuzberg. Mehr zu Yalda auf der Autorenseite www.yaldalewin.de, auf Facebook unter www.facebook.com/YaldaLewin oder auf Twitter unter https://twitter.com/YaldaLewin.

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Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

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