Es ist Freitagmittag, kurz vor zwei. Im Radio

wird die plärrende Musik unterbrochen und durch exaltierte Stimmen ersetzt, die irgendetwas anpreisen. Mindestens sechs sehr junge Angestellte, die so aussehen, als gingen sie eigentlich noch zur Schule, wuseln im Laden herum, während sie die Kunden bedienen. Waren das immer schon so viele? Ich bereue schon fast, gekommen zu sein, dabei freue ich mich sehr auf eine ordentliche Frisur.

War meine Friseuse immer schon so dünn? Ich habe schon den Mund aufgemacht um sie zu fragen, ob sie abgenommen hat, aber ich mache ihn dann doch wieder zu. Blöde Frage. Ich mag es ja auch nicht, wenn man mich fragt, ob ich zugenommen habe.

Ich ärgere mich, dass ich nicht daran gedacht habe, wie laut es hier sein kann – muss ich wohl verdrängt haben. Während des Haarewaschens steigert sich der Geräuschpegel zu einem unerhörten Crescendo. Die Angestellten beschleunigen ihr Tempo, ein Föhn wird am anderen Ende des Ladens gesucht oder zurück gebracht, die Tür klingelt, ein neuer Kunde kommt, alle unterhalten sich mit allen … ich werde immer kleiner in meinem Stuhl … jetzt bin ich hochgradig gestresst und muss mich sehr beherrschen, nicht aufzuspringen und aus der Tür zu laufen. Dabei wäre das mal eine Abwechselung, so etwas habe ich noch nie gemacht.

Und dann plötzlich Stille. Feierabend, na klar. Der Sturm vor der Ruhe sozusagen. Ich entspanne mich wieder. Ob meine Friseuse krank ist? Schon mehrmals ist ihr der Kamm aus der Hand gefallen und sie fühlt sich an, als hätte sie nicht genug Energie, ganz schlapp irgendwie.

Als ich den Laden verlasse, habe ich Kopfschmerzen und der Geruch der Friseurin, obschon alles andere als unangenehm, haftet bis zum Einschlafen an mir. Manchmal hätte ich schon gerne eine Nase, die weniger hochgradig empfindlich ist. Ich nehme mir vor, beim nächsten Mal ganz bestimmt daran zu denken, meinen Termin für eine andere Zeit zu vereinbaren (aber ich weiß schon jetzt, dass ich es vermutlich vergessen werde).

Eine kleine Begebenheit, aber doch ganz typisch für Hochsensible. Obschon ich mittlerweile versuche, mein Leben dementsprechend einzurichten, gerate ich immer wieder in unvorhersehbare Stress-Situationen, denen ich mich meist nicht entziehen kann und die darum einfach ausgehalten werden müssen, Hochsensibilität hin oder her. Friseurbesuche sind tatsächlich immer eine haarige Angelegenheit, deren eigentlicher Genuss oft durch unvorhersehbare Ereignisse getrübt wird. Das kann auch schon gerne mal im zwischenmenschlichen Bereich liegen. Kürzlich habe ich einen neuen Salon ausprobiert, wo eine aussgesprochen lustlose Angestellte mein bisschen vorhandenes Frisur schlicht ruinierte. Ich fühlte mich erschüttert durch die Verachtung, mit der sie ihrer Tätigkeit nachging. Danach habe ich mir geschworen, besser darauf zu achten, wer mir so nahe kommen darf.

Aber jetzt ist Land in Sicht! Ich habe an meinem neuen Wohnort einen Friseur ausfindig gemacht und einen Termin vereinbart. Das ganz schlichte Innere des Ladens hat mich sofort angesprochen, ich fühlte mich gleich sehr wohl. Aber obwohl ich hypersensitiv bin hat es eine ganze Zeit gedauert, bis mir klar wurde, warum ich mich so wohl fühlte. Zum einen war dies ein Ein-Mann-Betrieb, der mit Terminen arbeit, also nicht allzuviel Kundenverkehr herrschte. Aber es gab kein Radio, keine Dauerbeschallung, kein Geschwätz … herrlich. Alles was ich tun musste, war mich zurück zu lehnen und zu genießen ….

Wie sieht es mit Ihnen aus? Gehen Sie gerne zum Friseur?
Herzlichst, Ihre
Monika Richrath

Sie wollen lernen, wie man klopft?

Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

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