Ich habe mich mit Ulrike Schlüter unterhalten, die uns die Geheimnisse der Homöopathie sehr leicht  verständlich erklärt. Die Heilpraktikerin ist seit 2008 in eigener Naturheilpraxis mit Schwerpunkt Homöopathie tätig. Sie ist Autorin zahlreicher Artikel zum Thema Naturheilkunde. Einen Schwerpunkt stellt hier ebenfalls die Homöopathie dar. Viele Artikel beschäftigen sich aber auch mit Naturheilkunde allgemein und der Anwendung von altbewährten Hausmitteln. Als Dozentin für Kinder-Homöopathie betreut sie eine Fachweiterbildung für Heilpraktiker und Ärzte im Bereich der Kinderheilkunde.

Ulrike, kannst du kurz erklären, was Homöopathie eigentlich ist?

Ulrike Schlüter

Ulrike Schlüter

Die Homöopathie ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode aus der Naturheilkunde. Das besondere an der Homöopathie sind die individuelle Mittelauswahl, die potenzierten Arzneien und die Betrachtung von Körper, Seele und Geist. Im Vordergrund steht nicht die Erkrankung, sondern der erkrankte Mensch. Ein Beispiel, damit du dir etwas darunter vorstellen kannst: Zu mir kommen Menschen mit Diagnosen, die sie von Ärzten erhalten haben. Mich interessiert diese Diagnose zur Mittelfindung erstmal nicht, sondern ich schaue mir genau an, wie sich die Erkrankung individuell bei diesem Patienten zeigt. Da gibt es nämlich sehr große Unterschiede. Dazu befrage ich den Patienten sehr ausführlich. Das Erstgespräch bei einem Homöopathen kann mehrere Stunden dauern. Nach diesem Gespräch kann ich mir ein umfassendes Bild vom Patienten, seinen individuellen Symptomen und seinem körperlichen, geistigen und seelischen Zustand machen. Wie du ja sicher weißt, können körperliche Beschwerden auch Veränderungen auf der seelischen Ebene auslösen und umgekehrt. Mit diesem Patienten-Bild mache ich mich auf die Suche nach dem individuellen homöopathischen Mittel für diesen Patienten. Die Suche ist nicht ganz einfach, denn es gibt über 2.000 homöopathische Arzneimittel aus dem Pflanzen-, Tier- und Mineralreich. Manchmal muss man auch mehrere Mittel ausprobieren bis das genau passende Mittel gefunden wurde. Aber dann ist die Wirkung sehr deutlich und die Patienten bemerken Veränderungen auf allen drei Ebenen.

Was fasziniert dich an der Homöopathie denn ganz besonders?

Du triffst es auf den Punkt. Ich bin wirklich fasziniert von der Homöopathie. Vor über 20 Jahren habe ich persönliche Erfahrungen mit der Homöopathie machen dürfen und seitdem beschäftige ich mich auch sehr intensiv mit dieser Behandlungsmethode. Mich fasziniert die Betrachtungsweise. Im Vordergrund stehen nicht die körperlichen Symptome, sondern es wird auch „dahinter“ geschaut. Aus der Psychosomatik weiß man, dass seelische Probleme körperliche Erkrankungen begünstigen können. Leider wird dieser Zusammenhang in der heutigen medizinischen Behandlung aufgrund der Kostenpolitik nicht ausreichend beachtet. So werden viele Menschen mit ihren Problemen und Beschwerden alleine gelassen. In der Homöopathie steht dann wieder der Mensch als Individuum mit Körper, Seele und Geist im Fokus der Behandlung.

Könntest du noch erklären, was die besondere Wirkungsweise von homöopathischen Substanzen ist?

Die Wirkung der Homöopathie beruht auf dem Ähnlichkeitsprinzip - Similia similibus curentur (Ähnliches werde mich Ähnlichem geheilt). Dieses Prinzip wurde bereits von Paracelsus beschrieben und von dem Begründer der Homöopathie wiederentdeckt. Samuel Hahnemann beobachtete, dass Beschwerden durch das Mittel geheilt werden können, welches diese Beschwerden beim gesunden Menschen hervorruft. Am besten verdeutliche ich das an der Küchenzwiebel. Wahrscheinlich kennt das jeder: beim Schneiden von Zwiebeln tränen und brennen die Augen, die Nase läuft und man läuft an die frische Luft, weil es einem dort sofort besser geht.  Nun gibt es Menschen, die bei einer Erkältung oder bei Heuschnupfen genau diese Beschwerden entwickeln. Tränende und brennende Augen, laufende Nase und Verbesserung an der frischen Luft. Einem Homöopathen fällt bei dieser Beschreibung sofort das homöopathische Mittel Allium cepa ein, welches aus der Küchenzwiebel hergestellt wird.

Homöopathische Mittel liegen oft in verschiedenen Potenzen vor. Was sind Potenzen eigentlich und wie entstehen sie?

Zunächst wurden homöopathische Mittel nur aus ungiftigen Ausgangssubstanzen hergestellt. Um auch potentiell giftige Ausgangssubstanzen (z.B. verschiedene Pflanzen oder Tiergifte) verwenden zu können, wurden die Ausgangssubstanzen verdünnt. Bei der Herstellung der verschiedenen Verdünnungsstufen wurden die Mittel auch verschüttelt. Diesen Vorgang nennt man potenzieren. Je höher die Potenz desto weniger Ausgangssubstanz ist enthalten. Hohe Potenzen enthalten gar keine nachweisbaren Wirkstoffe mehr.

Wie kann eine Substanz denn noch wirken, wenn gar kein Wirkstoff mehr enthalten ist?

Die Frage konnte von den Wissenschaftlern bislang nicht geklärt werden. Mit dem Wissen, welches Wissenschaftler heute zur Verfügung haben, scheint dies nicht möglich zu sein. Es gibt aber Experimente, die nachgewiesen haben, dass es eine Wirkung gibt. In diesem Forschungsreader sind die aktuellsten Forschungsergebnisse zur Homöopathie zusammengefasst http://www.wisshom.de/index.php?menuid=102

Deshalb zählt die Homöopathie auch zu den Behandlungen aus der sogenannten Erfahrungsheilkunde. Die Homöopathie ist deshalb als Behandlungsmethode derzeit so beliebt, weil so viele Menschen positive Veränderungen durch die Behandlung bei sich bemerkt haben.

Ich weiß selbst, dass Homöopathie sehr gut wirkt. Glaubst du, dass homöopathische Substanzen besonders sinnvoll sind für hochsensible Menschen?

Da man davon ausgeht, dass homöopathische Mittel eher auf der energetischen Ebene wirken, kann ich mir gut vorstellen, dass hochsensible Menschen besonders gut auf die Impulse aus den Mitteln reagieren. Allerdings sollte bei hochsensiblen Menschen die Wahl der Dosierung besonders sorgfältig getroffen werden, um zu heftige Reaktionen zu vermeiden.

Ziel einer homöopathischen Behandlung von hochsensiblen Menschen ist meiner Meinung nach nicht das „Abstellen“ der Sensibilität, sondern vielmehr ein leichterer Umgang mit der eigenen Persönlichkeit. Die Besonderheiten der Hochsensibilität sind ja per se nicht schlecht, können allerdings zur Last werden und Beschwerden verursachen.

Ulrike, könntest du mal ein Beispiel geben für eine hochsensible Reaktion?

Vielen ist im Zusammenhang mit einer homöopathischen Behandlung der Begriff „Erstverschlimmerung“ bekannt. Nach der Einnahme eines homöopathischen Mittels kann es zu einer vorübergehenden Verschlechterung der bestehenden Beschwerden kommen. Homöopathen sprechen hier von einer „Erstreaktion“. Der Körper zeigt durch die Verschlimmerung, dass er reagiert. In der Regel bessern sich die Beschwerden schnell wieder. Ziel einer homöopathischen Behandlung ist natürlich, die Erstreaktion so sanft wie möglich zu erreichen. Gerade bei hochsensiblen Menschen gestaltet sich das häufig schwierig. Sie reagieren besonders empfindlich auf die Reize einer homöopathischen Behandlung. So habe ich bereits mehrfach in der Praxis beobachten können, dass hochsensible Menschen extrem stark auf die Einnahme eines homöopathischen Mittels reagieren können. Bei bekannter Hochsensibilität kann die Dosierung natürlich direkt darauf angepasst werden. So werden etwa die Tropfen nicht pur genommen, sondern in einem Glas Wasser aufgelöst und von dieser Lösung wird dann nur ein Teelöffel eingenommen. Ich habe auch schon beobachtet, dass eine weitere Verdünnung bis ins zweite oder dritte Wasserglas nötig war. Bei dieser Verdünnungsart wird jeweils ein Teelöffel aus der zubereiteten Mischung in ein weiteres Glas gegeben. Mir haben auch schon Patienten berichtet, dass bei Ihnen die Wirkung selbst bei der Gabe eines Teelöffels aus dem vierten Glas noch zu stark war. Diesen Patienten hat es oft gereicht, an der geöffneten Tropfenflasche des homöopathischen Mittels zu riechen oder gar nur das Fläschchen kurz in die Hand zu nehmen. Das hört sich gewöhnungsbedürftig an, aber ich denke hochsensible Menschen können sich in die Thematik hineinversetzen.

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Du rätst aber entschieden ab von einer Selbstbehandlung …?

Jein.

Leichte Alltagsbeschwerden wie ein Schnupfen oder Husten können sicherlich auch von Laien selbst behandelt werden. Zum Einsatz kommen dann meist Mittel, die sich in der Praxis häufig bewährt haben. Die Ratgeber-Literatur ist sehr umfangreich und bietet einen guten Überblick.

Bei schweren oder chronischen Erkrankungen und wenn Menschen mehrere unterschiedliche Krankheiten oder Befindensstörungen haben, halte ich eine Selbstbehandlung für nicht ratsam. Es erfordert eine breite Arzneikenntnis um das individuelle Mittel, die richtige Potenz und die geeignete Dosierung herauszufinden. Auch die Verlaufsbeurteilung erfordert eine genaue Kenntnis der homöopathischen Gesetzmäßigkeiten. Homöopathische Therapeuten haben in der Regel eine mehrjährige Ausbildung und investieren zusätzlich viel Zeit in die Weiterbildung. Sie können genau beurteilen, ob das Mittel richtig dosiert ist und entsprechend wirkt. Verschlechterungen im Rahmen einer Erstreaktion oder einer Arzneimittelprüfung können Sie richtig interpretieren und angemessen darauf reagieren.

Stichwort: Arzneimittelprüfung. Könntest Du meinen LeserInnen noch kurz erläutern, was das ist?

Homöopathische Mittel werden in Form von Arzneimittelprüfungen an gesunden Menschen getestet. Dazu nimmt ein gesunder Mensch ein homöopathisches Mittel solange ein, bis Symptome auftreten. Diese Symptome werden dann notiert. Das homöopathische Mittel kann dann einem kranken Menschen helfen, der eben diese Beschwerden hat.

Homöopathische Mittel werden nur bei Bedarf eingenommen. Sobald eine Besserung eintritt, werden die Mittel nicht mehr eingenommen. Nimmt nun ein Patient das Mittel immer weiter ein, obwohl es ihm schon längst bessergeht, so kann er in eine Arzneimittelprüfung geraten und die Prüfsymptome entwickeln. Für den Patienten sieht es dann so aus, als würde es ihm schlechter gehen. Wird das Mittel dann abgesetzt, so verschwinden auch die Symptome wieder. Laien ist diese Problematik in der Regel nicht bewusst. Daher rate ich auch so entschieden von der Selbstbehandlung chronischer Beschwerden ab.

Gibt es denn ein Mittel aus dem homöopathischen Bereich, das du hochsensiblen Menschen grundsätzlich empfehlen kannst?

Grundsätzlich empfehlen kann ich kein homöopathisches Mittel, da bei einer homöopathischen Behandlung das Mittel individuell ausgewählt wird. Es gibt eine Vielzahl an Mitteln, die bei Hochsensibilität in Frage kommen könnten.

Mein Tipp für Hochsensible: Achtsamkeitsübungen

Die Übungen nehmen nicht viel Zeit in Anspruch, bringen aber schnell Ruhe und Entspannung. Werden Sie über längere Zeit regelmäßig durchgeführt, können Sie dabei helfen, Stress-Situationen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Vielen Dank, Ulrike!

Gerne!

Was für Erfahrungen haben Sie mit Homöopathie gemacht? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Herzlichst, Ihre
Monika Richrath

Bild: detcos via Pixabay

 

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

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Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.

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Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig