Als ich klein war, war mein allererster Berufswunsch Schriftstellerin. Mein erstes Buch produzierte ich im zarten Alter von acht oder neun Jahren. Den Titel weiß ich nicht mehr, wohl aber noch, dass ich zwei Pappdeckel hatte, zwischen denen sich ein Blatt Papier befand, auf dem sogar ein paar Sätze standen.  Dieses frühe Werk blieb leider unvollendet …

Letzte Woche bin ich im Netz über die Blogparade von Eva Laspas gestolpert mit dem Titel „Mein Schreib-Weg.“ Eine schöne Gelegenheit, teil zu nehmen und gleichzeitig etwas über meinen Schreib-Weg zu erzählen.

Bildung und also auch Bücher waren bei uns zuhause allgegenwärtig. Wir wuchsen mit vielen geschriebenen Worten und spannenden Geschichten auf. Meine Favourites: Pu der Bär und Pippi Langstrumpf. Das Lesen habe ich innerhalb von zwei Wochen gelernt.  Zu meinem 8. Geburtstag bekam ich „Der Drachenfisch“ von Pearl S. Buck. Das Buch habe ich heute noch. Es geht darin um ein amerikanisches und ein chinesisches Mädchen, die zusammen weglaufen - interessant, dass sich schon damals einige Tendenzen in meinem Leben abzuzeichnen schienen … An das Schreibenlernen selbst habe ich keine Erinnerung.

Ich schreibe über alles

Woran ich mich jedoch sehr gut erinnere, ist, dass es für mich kein Halten mehr gab, nachdem ich das Schreiben gelernt hatte. Ab dem 2. Schuljahr besuchte ich eine Montessori-Schule. Dort hatten wir viele Freistunden, in denen wir uns mit Dingen beschäftigen konnten, die uns Spaß machten. Das waren für mich zwei Sachen: 1. Lesen, 2. Schreiben. Wenn ich also nicht las, schrieb ich schrieb wie verrückt, über alles, was mir einfiel. Einmal fiel mir nichts ein, also beschrieb ich den Inhalt meines Federmäppchens …

Mit acht Jahren begann ich Tagebuch zu schreiben, gab es aber wieder auf, da ich kein Versteck fand, das vor meinem Bruder sicher war. Erst als ich mit 13 ein Tagebuch mit Schloss bekam, nahm ich das Tagebuchschreiben wieder auf. Schreibend erkundete ich die Welt, schreibend erkundete ich vor allem … mich selbst … Mittleweile habe ich mehr als 100 Notizhefte und Kladden …

Schreiben ist meine Ersatzsprache

Im Laufe meiner Jugendjahre entwickelte sich das Schreiben für mich zu einer Art Ersatzsprache. Reden fiel mir unglaublich schwer, die einfachsten Dinge konnte ich nicht aussprechen oder ich geriet ins Stammeln und fand keine Worte (ich war sozial total gehemmt), aber ich konnte über alles schreiben, sehr schön, sehr eloquent schreiben und wenn die Wörter flossen, flossen sie. Während ich diesen Beitrag in den Computer tippe, kommt mir gerade in den Sinn, dass es mir vielleicht deshalb leicht fällt, über mein Leben zu erzählen, auch „private“ Dinge zu erzählen. Ich habe einfach darin eine jahrelange Übung. Eher war es das Sprechen, was ich langsam und mühselig lernen musste, das Schreiben lief immer wie von allein …

Deutsch 4-

Sie müssen aber nicht glauben, dass ich in der Schule immer nur gute Deutschnoten hatte. Das fiel und stand mit den jeweiligen Lehrern. Mit einer Lehrerin war ich so inkompatibel, dass ich es glatt auf eine 4- brachte. Unvorstellbar heute. Denn es ging immer weiter, ich trat in die Redaktion der Schülerzeitung „Der Rote Fritz“ ein und schrieb dort langatmige Artikel über alles, was mein politisch engagiertes Herz bewegte. Irgendwann wurde ich sogar V.i.s.d.P. (Verantwortliche im Sinne des Pressegesetzes) und erlangte kurzfristig eine gewisse Berühmtheit an der Schule, als wir uns entschieden, mit einem Verbot belegte Artikel der Hamburger Schülerzeitung Cyankali Flash über sexuelle Erfahrungen nachzudrucken. Das hatte zur Folge, dass uns sogar die unteren Klassen die Zeitung aus den Händen rissen und wir ein Gespräch mit dem Schulamt führen mussten - man vermutete die KPD hinter unseren Aktionen …

Ende der 80er Jahre fand ich dann den Weg in die Bonner Frauenbewegung und Sie ahnen es - meine Nische wurde das Schreiben. Ich fand einen Platz im Redaktionskollektiv der Lila Lotta und begann hier etwas, das ich heute noch sehr gerne tue, ich fand Gefallen daran, Bücher zu rezensieren …

Eine schicksalhafte Begegnung

Die Jahre gingen ins Land, ich wurde älter, die ersten Frauenzeitungen erschienen nur noch alle zwei Monate und gingen dann nach und nach ein. Dieses Schicksal ereilte auch die Lila Lotta. Mir war mittlerweile klar geworden, dass ich vermutlich nicht Schriftstellerin werden würde. (Das hat für mich mit einer sehr hohen literarischen Qualität zu tun). Meiner Schreiblust und Schreibwut tat das keinen Abbruch, ich besuchte Schreibgruppen und -seminare, schrieb einen (unveröffentlichten) Frauenkrimi, Geschichten und anderes - manches davon wurde veröffentlicht. 1995 hatte ich eine schicksalhafte Begegnung mit einer Frau namens Ulrike Anhamm, die ein Magazin für Lesben herausgeben wollte. Ich war sofort Feuer und Flamme. Als Frau Anhamm mir die Mitverlegerinnenschaft antrug, habe ich nicht zweimal überlegt und es begannen die fünf aufregendsten und kräftezehrendsten Jahre meines Lebens als Co-Verlegerin von lespress.

Es ist mir heute schleierhaft, wie ich es überstanden habe (ich war ja ganz normal angestellt mit einer 40-Stunden-Woche), aber so habe ich fünf Jahre lang ca. 80 Stunden die Woche gearbeitet. Freiwillig und gern. Von meiner Hochsensibilität wusste ich ja noch nichts. Nur: zum Schreiben kam ich weniger und weniger. Oder wenn Schreiben, dann: Rechnungen oder anderes. Insgesamt aber eine tolle Lernerfahrung, denn hier war learning by doing angesagt …

Sie können sich aber denken, irgendwann war der Akku leer. Und ich pleite. Und lange, lange Zeit habe ich überhaupt nichts anderes mehr gemacht als mich aufzurappeln und hochzupäppeln. Und viel, viel Tagebuch zu schreiben. Aber irgendwann ging es mir besser und mir kam die Idee, ein Singlebuch zu schreiben, das Buch, das ich gerne zur Unterstützung gehabt hätte, als ich 2000 gesingelt wurde.

Das kleine Singlewohlfühlbuch für Frauen

SWBDas schwierigste daran war den Entschluss zu fassen, es zu tun, das Buch selbst war in drei Monaten fertig. Ich habe es an die fünf größten Taschenbuchersteller geschickt und nur Absagen bekommen, zum Teil aber unglaublich nette. Ingeborg Mues, die Herausgeberin der Fischer-Reihe „Die Frau in der Gesellschaft“ hat MICH persönlich angerufen, um mir Verlage zu empfehlen, die sie geeigneter fand! Das hat mich so ermutigt, dass ich mein Manuskript an einige Ratgeberverlage schickte. 2004 bekam ich  kurz vor Weihnachten einen Anruf des MVG-Verlages, dass man mein Manuskript in der Redaktionskonferenz empfehlen wolle! Das waren aufregende Weihnachten! Puh, und dann der Anruf, dass das Votum für mein Buch positiv gewesen war! Ich bin ein paar Monate lang fast durchgedreht.

Das gedruckte Buch in den Händen halten

Niemals werde ich diesen Moment vergessen, als es klingelte,  der Postbote ein schweres Paket die Treppe hochschleppte und ich darin dann die frisch gedruckten Belegexemplare meines Buches fand! Das war einer der tollsten Momente meines ganzen Lebens. Die erste Auflage war nach drei Monaten weg, ohne Werbung. Heute bekomme ich dann und wann noch mal eine Abrechnung über ein paar Euro von der zweiten Auflage. Mittlerweile bin ich etwas ernüchtert. Damals sah es ja für mich nicht so aus, aber die Veröffentlichung meines Singlebuchs hat die Welt nicht angehalten oder aus mir einen anderen Menschen gemacht. Obwohl ich immer noch sehr stolz bin über mein Kapitel über Panikattacken …

Heute bin ich Bloggerin

und das ist sozusagen die logische Fortsetzung von allem. Ich kann schreiben, die Welt beschreiben, wie ich sie sehe und erlebe und ich finde ein Blog ist das perfekte Medium dafür. Ich kann praktisch über alles schreiben, was mich interessiert, wenn ich es in einen Kontext von Hochsensibilität oder Hypersensitivität setze (was ja wirklich nicht schwer ist). Es hilft mir dabei, meine Empfindlichkeit besser zu verstehen und zu respektieren. Außerdem: Schreiben macht mich einfach glücklich. Ich sehe mich immer noch nicht als Schriftstellerin, aber als Autorin. Alles ist gut.

Das Tüpfelchen auf dem i

ist, dass sich manchmal Menschen bei mir melden und sich für meine Präsenz im Netz bedanken, weil sie das, was ich schreibe, hilfreich finden und/oder die Klopfakupressur. Was will ich mehr? Doch, etwas gibt es. Ich arbeite daran, dass es mein EFT-Buch für hochsensible Menschen demnächst auch in gedruckter Form gibt. Wenn es so weit ist, lasse ich es Sie wissen.

Übrigens wurde mir unterwegs mal abgesprochen, dass ich eine Zeitung oder ein Buch veröffentlichen könne. Falls Ihnen etwas ähnliches passiert, kann ich nur sagen: Lassen Sie sich nicht beirren. Machen Sie einfach.

Wie gehts Ihnen? Schreiben Sie auch? Oder lesen Sie lieber? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare. Die Blogparade von Eva Laspas läuft übrigens noch bis zum 29. Mai 2016.

Herzlichst, Ihre
Monika Richrath

 

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

Fordern Sie  hier Ihre Klopfanleitung an
und lernen Sie kostenlos die Basics der Klopfakupressur

Ich möchte eine Klopfanleitung!
Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.

p

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

Pin It on Pinterest

Shares
Share This