Neulich saß ich zum ersten Mal seit langem wieder im Wartezimmer eines Arztes. Während ich nach gewissen Zeitschriften suchte (die ich nur in Wartezimmern lese) fiel mir ein, dass es Zeiten gab in meinem Leben, da war ich bestens informiert darüber, wer mit wem wann wo gesehen wurde, demnächst heiratete, wen welcher Schicksalsschlag ereilt hatte etcpp. Ganze Tage meines Lebens habe ich damit verbracht, in Wartezimmern herum zu sitzen, immer auf der Suche nach dem EINEN Arzt, der mir nun endlich sagen kann was los ist mit mir. Warum habe ich asthmatische Symptome, aber kein Asthma? Warum kann ich so viele Dinge nicht essen ohne eine echte Allergie zu haben? Warum gibt es so viele Dinge, die Beklemmungen in mir auslösen, ohne dass ich darauf allergisch wäre? Warum bin ich so oft krank? Warum bin ich so fertig mit 37,2° Temperatur? Warum hält dieser Zustand so lange an und warum kann ich ihn nicht beeinflussen?

EINMAL, ja einmal hatte mein damaliger Arzt einen luziden Momement. Er erklärte mir, ich hätte eine Vergiftung. Die Symptome wären ganz typisch. Ich war glücklich, ich fühlte mich gesehen, erkannt. Vergiftet, ja das traf es genau. Die Erkenntnis meines Arztes war allerdings äußerst kurzlebig. Beim nächsten Besuch wurde ich wieder behandelt wie eine Hypochonderin. Von Hochsensibilität hatte damals noch niemand etwas gehört. Ich fragte mich immer öfter, was wohl andere Menschen empfanden, wenn sie krank waren? War ich tatsächlich eine Hypochonderin? Aber ich fühlte mich doch KRANK.

Das Desinteresse der Ärzte blieb trotzdem nicht ohne Wirkung auf mich. Nachdem sich nun also in vielen, vielen Untersuchungen der mannigfaltesten Art außer einer leichten Rötung der Magenschleimhaut nichts hatte finden lassen, was meine häufigen Unpässlichkeiten erklären könnte, hörte auch ich auf, mich für meinen Körper zu interessieren. Ich gab einfach auf. Und das wäre es fast gewesen. Völlig unbemerkt hatte sich nämlich ein Magengeschwür entwickelt, dessen Durchbruch nur deswegen entdeckt wurde, weil mir das Leben gleichzeitig eine äußerst schmerzhafte Bauchfellentzündung schickte, die einfach nicht zu ignorieren war. Ich sollte wohl noch ein wenig bleiben …

Auch die Fibromyalgie (die mich rückblickend wohl an die 20 Jahre begleitet) blieb unentdeckt, so lange, bis ich nicht mehr arbeitsfähig war. Nebenbei bemerkt: Fibromyalgie ist eine ganz typische Krankheit für hochsensible Menschen. Aber das ist einen eigenen Blogeintrag wert.

Sicher können Sie es nachvollziehen, dass ich heute Ärzten gegenüber höchst misstrauisch bin und mich eher auf meine eigenen Methoden verlasse, von denen ich weiß, dass sie funktionieren, z. B. lasse ich mir grundsätzlich Kopien von Arztberichten schicken, damit ich immer weiß, wie ich beurteilt werde. Es ist ja schon höchst seltsam, dass ausgerechnet Ärzte so wenig Über Hochsensibilität wissen.

Einmal war ich bei einem hochsensiblen Gesprächskreis. Von 12 TeilnehmerInnen war genau ein Viertel krank und zwar nicht erkältungs-krank sondern völlig-arbeitsunfähig-vielleicht-nie-mehr-wieder-richtig-arbeitsfähig-krank. Persönlich halte ich diese Zahl durchaus für representativ, womit ich nicht sagen möchte, dass Hochsensibilität ganz zwingend Hand in Hand geht mit Krankheit. Ich würde eher sagen, dass wir eine Anfälligkeit für Krankheit haben, dadurch, dass wir versuchen, den Ansprüchen anderer gerecht zu werden, ohne die physischen und psychischen Voraussetzungen dafür zu besitzen. Und auch dafür, unsere vielzähligen und unglaublichen Wahrnehmungen und Emotionen zu verdrängen, weil sie sowohl uns als auch andere überfordern.

Unseren Körper können wir nicht verändern. Sehr wohl aber unseren Umgang damit - was sich widerum auf unsere Wahrnehmung und unser Selbstbild positiv auswirkt.

Vielleicht schreiben Sie mir mal, welche Erfahrungen Sie mit Ihrem hochsensiblen Körper gemacht haben, welche mit Ärzten und welche mit sich selbst? Ich freue mich über Ihre Kommentare.

Herzlichst,

Ihre Monika Richrath

Sie wollen lernen, wie man klopft?

Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

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