Hochsensibilität in den Alltag umzusetzen bedeutet die Auseinandersetzung mit einer Vielzahl scheinbarer Kleinigkeiten, die schon jede für sich große Stressfaktoren darstellen. Der Umgang mit den Medien, der Presse vor allen Dingen, gehört z. B. dazu. Ich habe mich vor langer Zeit für eine Nachrichtensperre entschieden - eine Entscheidung, zu der ich mich immer wieder neu beglückwünsche.

Das war aber nicht immer so.Früher sah mein Alltag so aus: „Es ist sieben Uhr. Sie hören die Nachrichten. Die Lage in … spitzt sich immer mehr zu. … hat besucht … keine Einigung erzielt … Flugzeug abgestürzt … entführt … vermisst …getötet …“ Fünf Minuten und der Tag war eigentlich schon gelaufen, noch bevor er überhaupt angefangen hatte, Balsam auf den Mühlen meiner Depression. Wie sollte es einem denn in so einer Welt schon gut gehen können?

Es hat Jahre, wirklich Jahre gedauert, bis ich den Entschluss fassen konnte, einfach morgens keine Nachrichten mehr zu hören. Denn ich war in meinen Sturm- und Drangjahren politisch sehr aktiv gewesen und fand es auch wichtig, immer auf dem Laufenden zu sein. So etwas wie das Dritte Reich sollte nie mehr vorkommen. Von daher war alleine diese Entscheidung ungeheuer schwierig. Dennoch, ich traf sie, und nachdem ich merkte, wie gut es mir tat, statt Nachrichten morgens schöne Musik zu hören, weitete ich das nach und nach aus, auf die Nachrichten im Fernsehen und das Lesen von Tageszeitungen. Natürlich habe ich zu niemandem ein Wort gesagt und geriet darum öfter in neue Stress-Situationen, wenn jemand die politische Lage mit mir diskutieren wollte und ich wusste einfach nichts. Dann habe ich mich unendlich geniert und geschämt, als seien die anderen irgendwie im Recht und ich nicht.

Von meiner Hochsensibilität wusste ich ja noch nichts. Mir war überhaupt nicht klar, dass Nachrichten für empfindsame Menschen die totalen Trigger sind, Reize pur. Gelegentlich habe ich dann noch Tests gemacht, hier und da mal eine Woche lang die Nachrichten im Fernsehen angesehen - mit dem Ergebnis, dass meine allgemeine Gemütsverfassung meist sehr schnell wieder in den Keller ging. Irgendwann habe ich es einfach aufgegeben. Ebenso wie den Gedanken, dass ich jeden Tag an dem allgemeinen Leid der Welt teilhaben muss. Die Welt dreht sich weiter, auch ohne mich. Schreckliche Dinge passieren, die ich nicht beeinflussen kann.

Dafür sehe ich mir Filme an, vor denen die meisten Menschen wohl eher zurückschrecken, über Prostituierte, Kindersoldaten etc. In der Regel bleiben diese Filme jahrelang in meinem Bewusstsein und geben mir das Gefühl, dass es gut ist, das Leid der Menschen, um die es in dem jeweiligen Film ging, mitzutragen,indem ich mir den Film ansehe und die Menschen darin nicht vergesse. Manchmal handle ich dann auch noch gezielt hinterher.

Es passiert öfter mal, dass ich im Zug Zeitungslesern gegenüber sitze. Ich kann mich eine halbe Stunde lang über eine gelungene Überschrift oder ein gut ausgewähltes Foto freuen. Aber es funktioniert einfach nicht, dass ich mir jeden Tag die Welt in den Kopf stopfe. Und von den Medien wird gefordert, dass wir immer mitgehen, Anteil nehmen, mitfiebern, mitleiden. Da bleibe ich doch lieber bei meiner Nachrichtensperre.

Das Internet hat meine Nachrichtensperre natürlich ein bißchen aufgeweicht, aber ich kann immer noch entscheiden, welchen Meldungen ich nachgehe und welchen nicht. Zum Glück werfen mir nicht alle Email-Anbieter das Weltgeschehen an den Kopf, jedesmal, wenn ich meine Email öffne. Dafür bin ich wirklich dankbar.

Heute schäme ich mich übrigens kein bisschen mehr (auch, wenn es sich gerade wie ein Coming-Out anfühlt). Ich weiß, dass mein eigenes Wohlbefinden für mich als hochsensibler Mensch wichtiger sein muss als das Leid der Welt. Mittlerweile weiß ich auch, dass ich durchaus Einfluss nehmen kann. Wenn ich dafür sorge, dass es mir gut geht, beeinflusst das auch andere. Wenn ich einen Blogartikel veröffentliche, in dem sich andere hypersensitive Menschen wiederfinden können, hat das Auswirkungen. Und letzten Endes kann ich den Lauf der Welt dadurch beeinflussen, wenn ich andere darin unterstütze, zu sich selbst (zurück) zu finden - ich kann mir nichts Dankbareres vorstellen.

Spannende Frage: Wie halten Sie es mit den Nachrichten? Ich freue mich über Ihre Kommentare und habe wieder eine kleine Umfrage vorbereitet.

Gerne mache ich Sie noch einmal auf das Gewinnspiel „Mein Ruheort“ aufmerksam. Bis zum 30. April können Sie eine EFT-Sitzung gewinnen.

Herzlichst, Ihre
Monika Richrath

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Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

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