Wie viele hochsensible Menschen bin ich sehr nah am Wasser gebaut. Allerdings hat sich meineinnere Einstellung zu Tränen und Weinen mehrfach verändert. Heute genieße ich es eher, das war aber beileibe nicht immer so. Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind Emotionen hatte, die mich so richtig würgten, denen ich mich hilflos ausgeliefert fühlte. Darüberhinaus hatte ich offenbar schon ganz früh beschlossen, andere Menschen nicht an mir teilhaben zu lassen, mich und meine Gefühle zu verstecken, Tränen und Trauer nicht zu zeigen.  Mit der Zeit wurde ich darin immer besser …

Die Jahre vergingen, ich wurde größer, älter und hatte irgendwann meinen ersten richtigen Freund. Da wurde es erst richtig schlimm. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich besonders viel weinte, oder ob sich das in normalem Maß bewegte, jedenfalls gewöhnte mein Freund sich an, mich zu fragen: „Weinst Du schon wieder?“ Die Herablassung, die für mich in dieser Frage lag, fand ich so schlimm, dass ich mir das Weinen abgewöhnte. Ganz und gar. So gründlich, dass ich mehrere Jahre lang auch nicht mehr weinen konnte, als ich es wollte. Das war noch schrecklicher. Allerdings hat es eine ganze Zeit gedauert, bis ich überhaupt bemerkt habe, dass mir die Fähigkeit zu weinen einfach abhanden gekommen war. Ich schlug auch keinen Bogen zu der Tatsache, dass ich es auch nicht ertrug, andere Menschen weinen zu sehen, auch im Fernsehen nicht. Menschen, die im Fernsehen weinten, erschienen mir ihrer Würde beraubt und wenn ich mir doch einmal einen weinenden Menschen ansehen musste, wand ich  mich vor Scham und Unbehagen vor dem Fernseher.

Warum Menschen überhaupt weinen, wird in der Wissenschaft noch diskutiert. Es gibt die These, dass mit Tränen Schadstoffe ausgeschieden werden, die sich durch Stress und Belastung im Körper ansammeln. Für mich klingt das aufgrund meiner eigenen Erfahrungen höchst plausibel. Nicht weinen zu können kam nach einigen Jahren dem Gefühl gleich,  sich nicht übergeben zu können, obwohl einem sehr schlecht ist. Wenn ich an diese Zeit zurück denke, fühlt sich das an wie ein sehr schlechter Traum. Es war extrem schwierig, den Prozess wieder umzukehren und ehrlich gesagt kann ich Ihnen nicht sagen, wie es mir gelungen ist, nur, dass ich es geschafft habe.

Heute gehören die schnell feucht werdenden Augen einfach mit zu meiner Empfindsamkeit und Hochsensibilität dazu. Im Kino weine ich sowieso fast immer - dafür sorgt mein Hang zu Dramen und Dramödien. Aber ich bekomme auch feuchte Augen, wenn mich etwas ganz besonders be- und anrührt, oder aus reiner Sympathie und Mitgefühl (auch wenn sich das für mich als Trainerin durchaus ein wenig grenzwertig anfühlt). Das Wichtigste ist: ich denke schon lange nicht mehr, dass meine Gefühle für andere Menschen eine Belastung sein könnten! Ich fühle etwas. Ich drücke es aus. Punkt. Die reine Befreiuung!

Mein oben erwähnter erster Freund hatte übrigens noch vor mir einen Magendurchbruch. Das nenne ich ausgleichende Gerechtigkeit 😉

Wie sieht es mit Ihnen aus? Sind Sie auch nah am Wasser gebaut? Ich habe hierzu wieder eine kleine Umfrage erstellt.

Herzlichst, Ihre

Monika Richrath

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Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

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