Sich als hochsensibler Mensch vom Karneval fern zu halten ist als Nicht-geborene-Rheinländerin relativ einfach. Sofern man sich nicht selbst in das närrische Treiben hinein fallen lässt, braucht es nur einen winzigen, distanzierenden Schritt zur Seite um das Kafkaeske des karnevalistischen Treibens zu sehen. Wenn ich nicht in Stimmung bin, bleibe ich fern. Punkt. Anders verhält es sich jedoch mit Großveranstaltungen, die für mich einen ideellen Wert besitzen, zum Beispiel der CSD.

In Köln war der ideelle Wert in diesem Jahr besonders groß, da dort die Teilnahme rechter Organisationen an der Parade nur dadurch ausgehebelt werden konnte, dass die Parade abgesagt und statt dessen eine Demonstration angemeldet wurde. Flagge zeigen war also angebracht.

Als ich den Gedanken, bei der Demo mit zu laufen, zaghaft ins Auge fasste, erwachten sofort unschöne Erinnerungen an einen CSD vor einigen Jahren, den ersten, den ich mit meiner Freundin verbrachte. Sie wollte immer dort sein, wo die Action ist, mitten in den Massen, ich als mittlerweile ausgeprägte HSP wollte am liebsten niemanden um mich herum haben … Sie können sich selbst ausmalen, dass es für uns beide höchst anstrengend war. Die Frage war also, konnte ich es mir so einrichten, dass ich diesen Tag mit der Hypersensitivität nicht nur eben so überstehen, sondern genießen würde?

Vorab kann ich sagen, es hat wunderbar geklappt, obwohl ich am Sonntagmorgen nicht gerade vor Energie strotzte. Ich habe mich gut vorbereitet. Ohrenstöpsel waren natürlich ein Muss, Wasser und genügend energiereiche Nahrung (Das nächste Mal muss ich unbedingt an Salzgebäck denken!).

Schon im Zug habe ich meine Freundinnen darüber informiert, dass ich mich unter Umständen einfach verdrücke, wenn ich mich nicht gut fühle (was auch immer das sein könnte). Auch wenn sie das nicht wirklich gut fanden, gab es mir jedoch von Vornherein die Sicherheit, nicht unbedingt alles aushalten zu müssen.

Gut, es war ausgesprochen grenzwertig, zwischen zwei LKWs mit jeweils unterschiedlich wummernder Musik eingeklemmt zu sein. Dieses Problem löste sich im Laufe der Demonstration jedoch von alleine auf. Die Ohrenstöpsel erwiesen sich dabei als unschätzbare Hilfe.

Kleine Highlights am Rande: die Mutter, die ihr kleines Kind auf dem Arm hält und ihm gute Ohrenschützer aufgesetzt hat. Die Freundin, die zu mir kommt und mir sagt: „Du stehst hier so cool. Ich bin so aufgeregt.“ Da habe ich erst gemerkt, ja, das stimmt. Ich bin nicht mehr so aufgeregt wie früher, ich kann das jetzt besser steuern. Und so bleibt es auch den ganzen Tag über. Immer wieder checke ich nach: Wie gehts mir? Was brauche ich? Wie sich dann zeigt, sind es ganz einfache Dinge, die gehen. In der Sonne herum stehen geht gar nicht. Also schnell in den Schatten, wenn es die Möglichkeit gibt. Wenn nicht, lieber tanzen. Dazu gab es reichlich Gelegenheit, alleine der Marsch über die Deutzer Brücke dauerte eineinhalb Stunden. Mir wird flau? Schnell etwas essen und ausblenden, dass etliche Menschen dabei zusehen, wie ich Möhrensalat in mich hinein schaufele. Mir gefällt, dass es immer und überall genug Platz gibt für mich (was man von den Zuschauern nicht unbedingt sagen kann, die sich wie immer eng in der Altstadt drängen). Ich bedanke mich innerlich bei meiner Freundin, die mir zu der langärmeligen, weißen Bluse geraten riet - es hat definitiv etwas, völlig ohne Sonnenbrand-Stress zu sein.

Das letzte Drittel war zugegebenermaßen ziemlich hart, nach dreieinhalb Stunden Laufen in der Hitze war es auch mit Tanzen nichts mehr. Aber ich habe es trotzdem geschafft, die Demo mit anderen Teilnehmerinnen zusammen in einem Café ausklingen zu lassen. Den Rest des Tages habe ich zuhause in meinem Garten in klösterlicher Stille verbracht. Das musste dann unbedingt sein. Ich hatte allerdings abends Mühe, einzuschlafen. Die Demo ging endlos in meinem Kopf weiter, ich konnte einfach nicht zur Ruhe kommen. Das war sehr anstrengend.

Am nächsten Tag ging es mir trotz der körperlichen Strapazen wirklich wunderbar. Ich habe wieder einmal gemerkt, dass es grandios sein kann, sich ab und zu etwas zu trauen was auf den ersten Blick völlig über die eigenen Grenzen hinaus zu gehen scheint. Das wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben und mich motivieren, mich auch weiterhin gelegentlich zu fordern.

Die Frage ist: was sind Ihre Herausforderungen, denen Sie sich stellen und bei denen Sie über sich selbst hinauswachsen?

Ich wünsche Ihnen und uns einen schönen Sommer
Herzlichst,
Ihre Monika Richrath

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Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.