7 Fehler, die Coaches machen können

hochsensible helfen anderen Menschen gern

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

30. September 2018

Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen dieses Artikels in Stress geraten, klopfen Sie doch einfach beim Lesen Ihre Handkante, wie auf dem Foto gezeigt.

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Die berufliche Selbstständigkeit ist für viele hochsensible Menschen der einzige Weg, überhaupt am Arbeitsleben teilnehmen zu können. Hier gilt es, die häufig mit der Hochsensibilität einhergehenden Wesenseigenschaften wie z. B. Empathie als Triebfeder für Veränderung zu nutzen – die eigene und die anderer. Viele hochsensible Menschen entscheiden sich daher dafür Coach zu werden. Dies bringt aber neue Herausforderungen mit sich. Ich habe daher in diesem Artikel 7 Fehler aufgelistet, denen ich in meinem Leben begegnet bin, manchmal sind sie mir bei anderen aufgefallen (als (potentielle) Klientin), die meisten habe ich aber selbst auch irgendwann einmal begangen …

1. Fehlende Empathie

Dass jemand Coach ist, bedeutet noch lange nicht, dass jemand dann unbedingt auch hochsensibel ist. Ich bin im Laufe der Zeit einigen Menschen online begegnet, die definitiv die Hauruck-Methode (oder besagt: Haudraufmethode) bevorzugen. Kürzlich war ich auf facebook einmal geschlagene fünf Minuten Mitglied einer Marketinggruppe, weil mir der Auftritt der Moderatorinnen ein physisches Unbehagen verursachte. Falls Sie auf der Suche nach einem Coach sind, ist es immer empfehlenswert, sich über die Person zu informieren. Ich selbst lasse mich nicht von jemandem coachen, der nicht hochsensibel ist. Zwar habe ich das noch nie so explizit festgelegt, ich vermute aber, dass ich das intuitiv mache. Aber selbst wenn jemand erwiesenermaßen hochsensibel ist, bedeutet das nicht automatisch, dass man immer empathisch behandelt wird. Mir selbst hat übrigens neulich auch jemand vorgeworfen, ich hätte es an Empathie mangeln lassen. Zum Glück kann ich damit mittlerweile ganz gut umgehen. Es kommt häufig vor, dass Menschen „einfach nur so“ mit mir sprechen und die Last ihres Lebens bei mir ablegen möchten. Sie können sich sicherlich vorstellen, dass das für mich ziemlich belastend ist. Viele Coaches bieten etwas Ähnliches an wie ich mit meinem Startergespräch. Man muss also nicht die Katze im Sack kaufen und kann schauen, ob die Chemie stimmt und ob man sich die Zusammenarbeit miteinander vorstellen kann. Zu fehlender Empathie gehört für mich auch ein

fehlendes bzw. unvollständiges Bewusstsein für die Bedürfnisse der Zielgruppe.

Diesem Fehler begegne ich vor allen Dingen online immer wieder. Einmal habe ich ein superspanndes Webinar besucht, das sich explizit mit dem Thema Hochsensibilität beschäftigte, die Organisatorin war hochsensibel, der Referent war hochsensibel, das Webinarthema beschäftigte sich mit Hochsensibilität. Dann war es aber so: es gab aber drei geöffnete Fenster: in einem war der Referent zu sehen. In einem anderen Fenster sah man die Moderatorin, die dauernd Geräusche machte und auf ihrem Computer herumklickte, im dritten Fenster lief der Chat. Ich bin dabeigeblieben, weil ich das Thema so spannend fand, aber hinterher war ich total erschöpft und auch empört über diese völlig unnötige Strapaze. Außerdem fand ich es so schade für den Referenten, der so natürlich nicht die Aufmerksamkeit bekam, die er verdient hatte …

2. Die eigene Methode für die beste halten

Es gibt so unendlich viele Möglichkeiten zur Entfaltung und zum Wachstum. Als Coach verschreibt man sich meistens einer, höchstens zwei verschiedenen Methoden, die man dann für den universellen Weg für alle hält. Letzteres ist definitiv ein Fehler, weil man den individuellen Menschen dann nicht mehr wahrnimmt. Die Klopfakupressur ist zum Beispiel nicht für jeden was. Es gibt Menschen, die damit überhaupt nicht können. Das ist dann so. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Veränderung und Wachstum können nur dann geschehen, wenn Körper UND Geist gleichermaßen begeistert sind. Kürzlich hat mir jemand aus meinem Kontaktpool geschrieben: „Wenn Sie Gott gefunden haben, brauchen Sie nichts mehr.“ Autsch. Kontakt löschen. Schade. Das bringt mich direkt zu

3. Sich für unfehlbar halten

Ich versuche, relativ konstant meinen Kontaktkreis zu erweitern und schreibe Menschen an, von denen ich das Gefühl habe, es könnte passen. Auf Xing kommt es dabei häufiger mal zu Irritationen, dass ich, als Coach, andere Coaches anschreibe. Das finde ich ein wenig seltsam. Als wäre man dadurch, dass man als Coach arbeitet, unfehlbar, als hätte man nicht eigene Themen und Schwierigkeiten, die anzusehen und zu bearbeiten sich lohnen würde. Auch wenn ich Coach bin, bleibe ich ein Mensch mit menschlichen Schwierigkeiten, die erst dann aufhören, wenn ich tot bin. Mit so jemandem würde ich als Klientin niemals zusammenarbeiten. Für mich ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe das A und O im Coaching. Vor allen Dingen, aber nicht nur, als Klientin. Wie soll Veränderung in mir entstehen, wenn ich das Gefühl habe, mein Gegenüber ist mir überlegen?

4. Eigene Widerstände nicht reflektieren

Dieser Punkt ist mir besonders wichtig. Nachdem ich einmal ein längeres Seminar zu diesem Thema mitgemacht habe, ist mir auch klargeworden, warum. Dieser Punkt ist im Grunde genommen sehr eng mit Punkt 3 verbunden. Es sind ja immer zwei Menschen, die in einer Coachingbeziehung miteinander in Kontakt treten. Im vergangenen Jahr habe ich mich viel von anderen Menschen coachen lassen. Vor allen Dingen in einem Fall habe ich irgendwann bemerkt, dass ich mich nach dem Coaching viel schlechter fühlte als vorher. Was daran lag, dass mein Coach einfach auf ihren Methoden beharrt hat und sich überhaupt nicht damit beschäftigen wollte, warum etwas für mich nicht ging. Ich fühlte mich richtig schlecht, nicht gesehen. Spannenderweise kam das Seminar zum Thema Widerstände genau zu diesem Zeitpunkt in mein Leben und ich konnte mich entscheiden, dieses Coaching zu beenden – damit fiel eine Last von meinen Schultern. Ich fühlte mich wie befreit!

5. Coacheritis

Eine sehr gute Methode, andere Menschen vor den Kopf zu stoßen und gegen sich aufzubringen ist die Coacheritis, die vor allen Dingen frischgebackene Coaches gerne befällt. Das hängt natürlich eng mit Punkt 2 zusammen, mit der Begeisterung für die eigene Methode und ihren Möglichkeiten. Das möchte man gerne in die Welt hinaustragen (gerne auch in den Freundeskreis)! Leider schießt man dabei häufig über das Ziel hinaus. Andere Menschen möchten nicht gedrängt werden, dieses oder jenes Problem zu bearbeiten. Am liebsten mit einem selbst. Sie möchten selbst entscheiden, ob und wann sie das Problem bearbeiten und mit wem. Ich vermute, es bringt praktisch niemals was, wenn Sie zu jemandem sagen, „Das könntest du mal bearbeiten.“ Denn damit erheben Sie sich automatisch in eine übergeordnete Position und die Augenhöhe ist sofort flöten. Für den oder die andere ist das unangenehm. Ab sofort hat sie überhaupt keinen Grund mehr, mit ihnen zusammenzuarbeiten – wenn sie es je in Erwägung gezogen haben sollte. Ich kenne so eine Person, die mit anderen praktisch nur als Coach spricht. Das ist grottenunangenehm. Auch wenn ich vermute, dass das letzten Endes nur Tarnung ist und anderes verbergen soll, vermeide ich Begegnungen mit dieser Person.

6. Zu viel Werbung

Die meisten hochsensiblen Menschen sind extrem allergisch gegen Werbung – jedenfalls so lange, bis sie selbst Coach werden und sich mit der Notwendigkeit auseinandersetzen müssen, Werbung zu betreiben um auf sich aufmerksam zu machen. Zu diesem Thema möchte ich auf jeden Fall noch einmal einen extra Artikel schreiben – ich denke, das lohnt sich. Ich bin selbst schon mal aus einer Gruppe bei facebook rausgeflogen, weil ich meinen Blogbeitrag gepostet habe und in der Seitenleiste mein Buch zu sehen war. Damals war ich ganz schön empört, dass sich jemand darauf fokussierte statt auf den interessanten Artikel … Ich habe daraus aber gelernt und halte mich von solchen Gruppen fern, bzw. lese die Gruppenbeschreibungen vorher aufmerksamer 😉 Von TeilnehmerInnen meiner kostenlosen Kurse habe ich schon öfter die Mitteilung erhalten, dass sie meinen Auftritt als unaufdringlich empfinden, das freut mich natürlich. Offenbar habe ich das richtige Maß gefunden  …

7. Mangelempfinden

Ich bin jetzt ja schon ein paar Jahre dabei und ich kann sagen, dass ein Mangeldenken wirklich äußerst schädlich ist. Vor allen Dingen für einen selbst, weil Verbitterung ziemlich ausufern kann und völlig unnöter Stress ist. Das kann praktisch alles beinhalten, z. B. wenn man denkt, man kennt so viel potentielle KlientInnen, denen man viel Gutes tun könnte, aber die kommen nicht einmal auf die Idee, zu einem zu kommen! Dazu möchte ich gerne etwas anmerken. Sie können niemals wissen, was für jemand anderen gut ist. Jeder hat seine Gründe dafür, etwas zu unternehmen oder eben weiter zu leiden. Möglicherweise möchten die, die Sie als potentielle Klienten betrachten, sich sowieso eher von jemandem behandeln lassen, der sie nicht kennt. Vielleicht würden sie sich im Coaching mit Ihnen unterlegen fühlen (Siehe Punkt 5). Vor allen Dingen möchten Sie vielleicht die Freundschaft mit Ihnen nicht aufs Spiel setzen … Wenn keine Klienten zu Ihnen kommen, hat das in erster Linie immer mit Ihnen zu tun und weniger mit anderen. Blockaden und Glaubenssätze können eine Rolle spielen, zum Beispiel, wenn Sie insgeheim glauben, keinen Erfolg zu verdienen. Dann ist es viel sinnvoller, aktive Glaubenssatzarbeit zu betreiben, statt sich zu grämen. Eine spirituelle Weisheit, die mir einmal auf einem online-Kongress über Geld zugeflogen ist: Es kann bei Ihnen niemand Kunde werden, wenn Sie auch bei niemandem Kunde sind. Stimmt zu 100% – kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Als hochsensibler Coach können Sie unglaublich davon profitieren, sich mit anderen hochsensiblen Coaches zusammenzuschließen. Gedanken wie: „Die anderen könnten mir die KlientInnen wegnehmen“ sind nicht nur unglaublich unproduktiv und angsterzeugend, sondern auch unglaublich falsch. Coaching beruht weniger auf Methoden, sondern im wesentlichen auf Persönlichkeit – Ihrer! Die Menschen arbeiten mit Ihnen zusammen, weil Sie sie mögen, weil sie zu Ihnen Vertrauen haben und weil Ihre Geschichte ihnen vielleicht Hoffnung schenkt. Was für Erfahrungen haben Sie gemacht als Coaches, oder auch als KlientIn? Es wäre auch ein guter Rahmen, sich über mich zu beschweren … 😉 Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare. Herzliche Grüße, Ihre Monika Richrath Bildnachweise: Pixabay

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6 Kommentare

  1. Anna Wehrmann

    Liebe Frau Richrath,
    ich habe mich über Ihren neuen Artikel gefreut. Ich selbst bin eigentlich Kunsttherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Den HP habe ich nach dem Studium noch gemacht, um als Kunsttherapeutin selbstständig arbeiten zu können. Bisher ist es nicht dazu gekommen. Die von Ihnen geschilderten Themen sind unter anderem der Grund. Ich habe in der Vergangenheit einfach nicht den richtigen Dreh bekommen, mit meiner hohen Sensibilität umzugehen. Statt das daraus hervor gehende Potenzial auszuschöpfen, mache ich mir Sorgen, dass ich überfordert sein könnte von den sozialen Anforderungen oder den Dingen, die in der Selbstständigkeit halt stressen können und arbeite statt dessen in einem wirklich reizüberflutenden Umfeld, bei recht niedrigem Lohn. Das möchte ich ändern. Aus Ihrem Artikel geht für mich einfach auch hervor-Übung macht den Meister, Ausprobieren ist eine Notwendigkeit und Fehler sind dabei normal, lassen einen wachsen. Das wusste ich schon vorher, aber es ist schön, wenn es einem mal jemand mit Erfahrung aus der Praxis erzählt, der auch den Hintergrund der Hochsensibilität kennt. Vielen Dank 🙂

    Antworten
    • Monika Richrath

      Gerne, liebe Anna. Demnächst kommt auch noch einmal ein Artikel darüber, wie man sich als hochsensibler Mensch in der Selbstständigkeit vor Überforderung schützen kann. Herzliche Grüße, Monika Richrath

      Antworten
  2. Constanze Lindner-Auhage

    Hallo liebe Frau Richrath.
    Was für ein schöner Artikel und so war. Ich bin zwar selber nicht wirklich als Therapeuten oder selbständiger Coach unterwegs, aber auch ich habe diese Erfahrung im privaten Umfeld gemacht. Ich probiere selber gerne Dinge und Coaches aus, die mich im Umgang mit meiner Hochsensibilität unterstützen. Dabei habe ich in der Vergangenheit dann nur zu gerne meine positiven Erfahrungen und Veränderungen auch meinen Familienangehörigen angedeihen lassen wollen. Ich konnte zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht verstehen, warum alle meine Unterstützung abgeblockt haben, schließlich habe ich es doch nur gut gemeint. Aber gut gemeint, ist nicht gut gemacht. Ich habe damit aufgehört anderen etwas aufzudiktieren. Ich berichte lediglich weiterhin von meinen Erfahrungen und Ergebnissen und wer mehr darüber erfahren möchte aus meinem Umfeld, der kann sich gerne an mich wenden. So mache ich mir und den anderen nicht mehr den Stress. Denn Sie haben vollkommen Recht, nicht jeder kommt mit jedem Coach oder jeder Methode zurecht oder ist überhaupt schon so weit an sich zu arbeiten.

    Liebe Grüße
    Constanze

    Antworten
    • Monika Richrath

      Vielen Dank, liebe Constanze, es bleibt einfach wahr: man kann niemanden ändern außer sich selbst 😉

      Herzliche Grüße,
      Monika Richrath

      Antworten
  3. Franziska

    Liebe Monika,

    ich habe Ihre Website heute entdeckt und fühle mich bei so vielem, was Sie schreiben, sehr zu Hause.
    “Die berufliche Selbstständigkeit ist für viele hochsensible Menschen der einzige Weg, überhaupt am Arbeitsleben teilnehmen zu können.“ – Diese Erkenntnis treibt mich tatsächlich seit einigen Wochen um. Ich war lange selbständig, bis ins Burnout… Danach habe ich mich nicht mehr belastbar genug gefühlt und mir Teilzeitanstellungen in neuen Berufsfeldern gesucht. Glücklich werde ich als hochbegabte Hochsensible in der „normalen Wirtschaft“ jedoch wohl eher nicht, das habe ich in den letzten drei Jahren schmerzhaft lernen müssen – denn wenn ich (als einfache Angestellte) keinen Einfluss auf die Rahmenbedingungen meiner Arbeit haben kann, macht mich das auf Dauer (wieder) krank. Viele Chefs schätzen meine Talente, können aber nicht damit umgehen, das ich für diese auch „besondere Pflege“ brauche.
    Also arbeite ich aktuell doch wieder auf eine Selbständigkeit hin – ich suche noch mein Modell irgendwo zwischen Coaching, Organisationsentwicklung und Kunsttherapie 😉
    Ich freue mich, über diesen tollen Artikel gestolpert zu sein und werde mich hier bestimmt noch etwas weiter umsehen.

    Herzliche Grüße
    Franziska

    Antworten
    • Monika Richrath

      Gerne, liebe Franziska. Ja, es bleibt eine Herausforderung, in der Selbstständigkeit für sich zu sorgen. Viel Vergnügen beim Stöbern. 😉 Herzliche Grüße, Monika Richrat

      Antworten

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