Arbeiten wie ein Tier

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

21. Juli 2014

Ich kann arbeiten wie ein Tier. Das kann gut sein, oder schlecht, je nachdem aus welchem Blickwinkel ich es betrachte. Sicher ist, dass meine Hochsensibilität dabei eine ganz entscheidende Rolle spielt, sowohl im Guten als auch im Schlechten. Es geht los mit der ganz simplen Tatsache, dass mir Arbeit Freude macht. Nicht jede Arbeit natürlich, sie muss mir schon irgendwie liegen und entgegenkommen. Es macht mir zum Beispiel Spaß, komplexe Prozesse effektiv zu organisieren. Dies konnte ich gut in meinem Job als Fremdsprachenassistentin einbringen (es hat allerdings gedauert, bis ich herausgefunden habe, dass mir diese Art von Arbeit ganz grundsätzlich Spaß macht). Es verschafft mir eine tiefe Befriedigung, wenn ich es schaffe, kniffelige Probleme zu lösen oder technische Herausforderungen zu meistern (denn ehrlich gesagt, bin ich alles andere als ein Technikfreak). Ich davon überzeugt, dass hochsensible Menschen einfach gerne nachdenken, egal, ob es sich dabei nun um eher philosophische oder technische Fragen handelt. Wenn ich also einer Herausforderung gegenüber stehe, kann ich darüber alles andere vergessen, das ist grundsätzlich ja erst einmal gut. Wenn andere Menschen mit ins Spiel kommen, werden andere „hypersensitive Eigenschaften“ (Mir ist bewusst, dass es keine „hochsensiblen Eigenschaften“ an sich gibt, sondern lediglich Eigenschaften und Verhaltensweisen, zu denen hochsensible Menschen neigen!) aktiviert: Empathie und Hilfsbereitschaft (wenn ich sehe, jemand anderer könnte gut eine tatkräftige Hilfe gebrauchen), die Fähigkeit, schnell (und manchmal ungefragt) Verantwortung zu übernehmen, der Wunsch, etwas möglichst effektiv und schnell über die Bühne zu bringen (und dabei möglichst keine Fehler zu machen). Egal, ob für andere oder für mich, wenn ich mich in eine Arbeit hinein stürze, dann ganz, mit Leib und Seele. Manchmal habe ich dann das Gefühl, dass in mir ein Tier lebt, vielleicht sogar eine Art Monster, das dann erwacht. Es ist, als übernähme jemand oder etwas anderes in mir die Regie. Es fühlt sich an wie: es arbeitet mich. Das ist schön und schrecklich zugleich. Auch wenn es mich auf der einen Seite erfüllt, etwas zu tun, was mir Spaß macht, weiß ich doch, dass eine andere Eigenart angesprungen ist, mit der viele hypersensitive Menschen zu tun haben: die Fähigkeit, sich selbst völlig zurück zu nehmen und sich ganz in den Dienst anderer Menschen oder einer Sache zu stellen. Was ganz profan dazu führt, dass das eigene Selbst und Empfinden völlig ausgeblendet wird. Nur vage nehme ich dann noch wahr, dass ich eigentlich schon recht erschöpft bin, einen Schluck Wasser, etwas zu essen oder eine Pause brauche - meine Bedürfnisse werden völlig dem großen Ziel untergeordnet. Am befremdlichsten dabei ist: Ich mache das ganz freiwillig. Ich habe erst in den letzten Monaten erkannt, das dieses Verhalten zu mir gehört. An meinen drei Burnouts habe ich so aktiv selbst mitgestrickt. Damals stellte ich mich ganz in den Dienst meiner jeweiligen Arbeitgeber - was von diesen auch gerne ausgenutzt wurde. Nun bin ich ja selbst meine eigene Arbeitgeberin und muss leider feststellen, dass es mir unglaublich schwer fällt, meinen Bedürfnissen nachzugeben, wenn diese sich melden. Auch wenn ich schon gemerkt habe, dass ich mich eigentlich jetzt mal ein bisschen hinlegen und abschalten müsste, denke ich meistens „Ach, das muss ich aber noch machen“ und dahinter wartet schon ein anderes „Das muss ich auch noch machen“ undsoweiterundsofort … Nun ja, das Leben ist ein immerwährender Prozess … ich klopfe jetzt, dass ich mir die Erlaubnis zu Auszeiten gebe und habe mir vorgenommen, bis Ende August einfach mal ein bisschen langsamer zu machen, weniger zu arbeiten und mich mehr zu erholen … bis zu meinem nächsten Blogbeitrag kann es also ein wenig dauern. Mich interessiert aber brennend, ob Sie das auch kennen, diese Freude etwas zu leisten? Darum gibt es weiter unten eine kleine Umfrage dazu. Über Kommentare, Weiterleitungen etc. freue ich mich auch. Ich wünsche Ihnen eine gute Sommerzeit! Herzlichst, Ihre Monika Richrath

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7 Kommentare

  1. pia maria

    In diesem Artikel finde ich mich sehr gut wieder,
    ich liebe es etwas zu leisten, ergegnisse vorzuzeigen,“ das gefühl etwas gut erledigt zu haben“…….und genau,auch ichvergesse dann gerne meine grundbedürfnisse, mein lieblingsbeispiel ist es,sogar den gang zur toilette sooo lange rauszuschieben bis es echt nicht mehr geht :))

    ich empfinde es allerdings nicht als MUSS, sondern als ein ICH WIL.L

    herzensgruss pia

    Antworten
  2. Uwe Hinrichs

    Ja, 100% ich. Nur habe ich dann noch das Problem, das ich für meine Arbeit kein Geld nehmen kann bzw. nur sehr schwer annehmen.
    Egal ob handwerklich oder kopf mäßig.
    Immer glaube ich daran das es keine richtige Arbeit war. Oder die Dinge schon da waren und ich habe sie nur hervorgehoben.

    Gruß Uwe

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  3. Wagenbrenner Gaby

    Moin Monika,
    auch ich habe mich wieder erkannt und ich bin froh, endlich mal über meine Erlebniswelt reden zu können. Vor ca 2 Jahren hat mir eine ganz liebe Dame die Frage gestellt, ob ich HSP bin. Ich bekam von ihr die Seite < zart besaitet< genannt, da gäbe es einen Test, den ich auch gemacht hab. Allerdings hat es noch 2 Jahre gebraucht, bis mir klar wurde, was es damit auf sich hat und wie und wer ich bin. Letzte Woche war die Erkenntniswoche. Wenn ich so zurück blicke, dann habe ich im Grunde nur gearbeitet. Ich bin Mutter von 6 Kindern und hab funktioniert, obwohl ich einem Therapeuten versprach, nicht mehr wie eine Maschine zu funktionieren. Also, wenn ich mal in Gang komme, fällt es mir unheimlich schwer wieder auf zu hören. Selbst bei dem Thema HSP geht es mir so. Ich will Input, Input und nochmals Input, obwohl ich merke, ich bin schon wieder ausgepowert. Ich will aber jetzt so schnell wie möglich immer mehr erfahren und mich immer besser verstehen lernen um dann in mein neues Leben zu gehen, so als müsste ich noch durch diese Tür und mich vorher wappnen für das was da auf mich zu kommt. Dabei bin ich doch schon in meinem neuen Leben, weil ich mich schon mit mir selber beschäftige ( ich hoffe, das was ich schreiben wollte, kommt bei jemandem an) . Früher, als die Kinder noch klein waren, gab es Zeiten, da hab ich erst gar nicht gefrühstückt, sondern gleich nachdem alle aus dem Haus waren, hab ich zu arbeiten begonnen. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich mein damaliges Haus an einem einzigen Tag säubern müsste, damit ich endlich sehen kann, dass ich was getan habe. Dazu kam dann noch die Gartenarbeit und eine Zeitlang Heimarbeit. Bei Beiden konnte ich eher erkennen, dass ich was geleistet hatte, als beim Hausputz, denn sobald die Kids wieder zu Hause waren, war meine Arbeit Geschichte und für meinen Exmann sah es abends so aus, als hätte ich den ganzen Tag nichts gemacht. In dieser Phase habe ich erst abends mit meiner Familie die erste feste Nahrung zu mir genommen. Ich war wie im Hamsterrad und fand den Ausweg nicht mehr. Meine Freundin meinte mal zu mir, in der Zeit, in der Andere eine Runde im Hamsterrad gedreht haben, hätte ich drei Runden geschafft. Heute ist es eher umgekehrt. Ich mache soviele Pausen, dass ich nicht mehr wirklich etwas schaffe. Ich bin ständig müde, so wie heute und genau da ist gerade mein Problem, denn ich weiß nicht, soll ich jetzt dagegen ankämpfen oder ist das genauso "normal" wie mein damaliges Leistungsniveau. Ich meine, im Grunde genieße ich mein faulenzen in vollen Zügen, doch ein kleines schlechtes Gewissen schleicht sich in Bezug auf meine Beiden noch bei mir lebenden Kinder ein,obwohl die absolut nichts dagegen haben, wenn ich so bin, wie ich gerade bin. Kommt wohl eher aus der Erziehung heraus…. Als "Ausrede" hab ich immer noch meine Haut, die sich sowas von meldet, wenn es mal wieder zu stressig wird…. es juckt und juckt und juckt (Allergie ausgeschlossen) und die meldet sich seit letzter Woche wieder sehr ausgiebig.
    LG Gaby

    Antworten
  4. Monika Richrath

    Liebe Gaby, das ist total normal und ich fürchte, dagegen ankämpfen verzögert den Prozess nur. Ich kenne von mir und auch anderen, dass, wenn man einmal so richtig ausgebrannt ist und dann aufhört sich im Hamsterrad zu drehen, dass „Leistung“ eine Zeitlang immer weniger möglich ist. Ich glaube, im Grunde genommen will der Körper nur, dass wir erkennen, WIE erschöpft wir eigentlich sind. Oft scheint die Erschöpfung schier grenzenlos. Aber nur, wenn man sie annimmt und sich selbst darin auch, kann man irgendwann nach Handlungsalternativen suchen und neue Wege gehen. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.

    Antworten
  5. Klaus Helwes

    Ich habe viele viele Jahre für und mit Menschen gearbeitet. Sie auf ihrem Weg begleitet und sie bei ihrer Weiterentwicklung unterstützt.
    Dann bekam ich an einem Tag drei Hinterwandinfarkte.
    Hurra, ich lebe noch…
    Aber ich lebe anders.
    Bewusster…
    Ich durfte lernen und fühlen. Lebenserfahrung…
    Und das Wissen mehr auf mein Gefühl zu hören… Das ist ein Schatz der mich das tun lässt was ich weiter mache…
    mit Menschen arbeiten..

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  6. Suse

    Oh ich kenne zu gut was Gaby und Monika schreiben:
    machen machen machen – bis gar nix mehr geht. Nicht zum Klo gehen, nix essen oder nur im Vorbeigehen irgendwas in den Mund stopfen. Immer schnell schnell, immer mehr, schön in vorauseilendem Gehorsam, bin ja ach so unersetzlich und dann ja nix falsch machen bitte. Ich habe zwar keine 6 Kinder, aber das ward auch zu Problem, ich konnte / musste ja arbeiten, hatte ja keine ‚Berechtigung‘ nicht zu arbeiten, da kleine Kinder (ich weiß das das Blödsinn ist, aber es hat mich sehr lange weiter angetrieben, dieses Minderwertig fühlen, keine Leistungsfähige Mutter zu sein)
    Und jetzt…. ich treffe jetzt erst auf den Begriff HSP. Refelektiere, erkenne und begreife, jetzt wo ich nicht mehr kann, nur noch schlafen will, meine Ruhe will, mein Antreiber mich aber immer noch anschreit, meine Lust Freunde zu treffen, mithalten wollen, Informationen sammeln… ich bin so müde und kann (noch) nicht anhalten…. mein Kopf ist so überreizt… gestartet bin ich vor vielen Jahren Bipolarität, dann Burnout und immer wieder kehrende Depression und jetzt lese ich HSP und mir geht ein Licht auf, während mein Kopf nicht zur Ruhe kommt….
    Ich bin irgendwie erleichtert und doch habe ich Angst. Angst, aus vielen Jahren schlechter Angewohnheiten nicht wieder raus zu kommen. Runde um Runde im Hamsterrad weiter zu laufen, aus abtrainieren Reflex und Gewohnheit, und wieder Angst….

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    • Monika Richrath

      Hallo Suse, Selbsterkenntnis ist auf jeden Fall der erste Schritt. Alles andere kommt nach und nach. Herzliche Grüße, Monika

      Antworten

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