Stressfalle Aufschieberitis

Stressfalle Aufschieberitis

STRESSFALLE AUFSCHIEBERITIS

Kennen Sie das auch? Eigentlich ist Ihr Schreibtisch pickepackevoll und Sie haben total viel Dinge zu erledigen. Aber irgendwie mögen Sie sich gar nicht an den Schreibtisch setzen. Plötzlich fallen Ihnen lauter Dinge ein, die Sie vorher noch ganz unbedingt erledigen müssen – selbst wenn es sich um Tätigkeiten handelt, die Sie sonst auch gerne mal aufschieben. Hauptsache, Sie kommen um den Schreibtisch herum …

etwas von links nach rechts räumen können hochsensible gut

copyright: Bru-NO-1981758 Pixabay

Erst, wenn es sich überhaupt nicht mehr vermeiden lässt, nehmen Sie nur zögerlich am Schreibtisch Platz und beginnen sich, mit den Aufgaben zu beschäftigen, die vor Ihnen liegen.

Vielleicht gibt es E-Mails, die beantwortet werden müssen. Aber keine davon ist einfach. Es muss immer etwas zusätzlich erledigt werden, vielleicht müssen Sie etwas nachsehen, erst mit einer anderen Person sprechen oder vielleicht eine innere Entscheidung treffen, wie Sie zu der Angelegenheit stehen. Sie starren Ihre E-Mail an und fühlen sich gelähmt. Überfordert mit der Angelegenheit. Und dann – welch eine Erleichterung – fällt Ihnen ein, dass Sie sich gar nicht heute entscheiden müssen. Morgen ist auch noch ein Tag. Vielleicht fällt Ihnen morgen die Entscheidung leichter.

Schon schlägt sie wieder zu – die Aufschieberitis

Eine Last fällt von Ihren Schultern. Erleichtert machen Sie die E-Mail wieder zu und schieben Sie bildlich gesehen wieder zurück auf den Stapel der unerledigten Dinge.

Am nächsten Tag das gleiche Spiel.

Das geht so lange, bis die Deadline nun wirklich dringend wird oder vielleicht noch überschritten wird. Prompt stehen Sie als jemand da, der unzuverlässig ist. Irgendwie scheinen Sie offenbar den Druck von außen zu brauchen, um wirklich in die Gänge zu kommen, sagen Sie sich vielleicht. Vielleicht beschleicht Sie sogar das Gefühl grundsätzlich einfach faul zu sein, nicht in der Lage zu sein, von sich aus initativ zu handeln?

Ich kenne Sie ja nun gar nicht – und natürlich hat Aufschieberitis mit Hochsensibilität an sich gar nichts zu tun, sondern ist ein Problem, das viele Menschen haben. Aber denn noch glaube ich, dass das Thema für Supersensible besonders interessant ist. Sich entscheiden zu müssen ist Stress pur für viele HSP. Vielleicht ist die Prokrastination (so der wissenschaftliche Name) deshalb besonders attraktiv, weil wir so ungern Entscheidungen fällen. Ich glaube das liegt an mehreren Faktoren:

  1. Hochsensible Menschen ziehen Konsequenzen immer in ihre Überlegungen mit ein. Sei es, dass ihnen entweder bewusst ist, welche Konsequenz(en) eine Handlung mit sich zieht, sei es, weil sie um die Konsequenzen wissen und diese nicht abschätzen können, sie aber fürchten.
  2. Wir wollen so gerne immer alles perfekt machen. Die meisten von uns mögen keine Fehler, weder die eigenen, noch die der anderen. Es könnte also gut sein, dass unsere Entscheidung sich als nicht richtig erweist. Möglich, dass wir das viel schlimmer bewerten, als es für andere tatsächlich zu sein scheint. Außerdem kratzt es sehr an unserem Perfektionanspruch.

Ich selbst habe übrigens auch eine ausgesprochen lästige Aufschiebeangelegenheit, die ich kaum in den Griff bekomme. Meine wunderbare neue Wohnung hat eine Schwachstelle: die winzige Küche, in der richtiges Kochen eigentlich nur dann möglich ist, wenn man peinlich Ordnung hält. Und es muss nur einmal geschehen, dass ich keine Lust habe, das Geschirr gleich nach dem Kochen und Essen zu spülen, dann sieht es sofort so überwältigend unordentlich aus, dass ich überhaupt keine Lust mehr habe, überhaupt in die Küche zu gehen – was dann bedeutet, dass ich dann auch nicht koche  (was wiederum nicht gut ist für mich, weil ich mein eigenes Essen am besten vertrage) und die Küche immer unordentlicher wird, weil ich einfach alles immer nur abstelle. Dabei weiß ich theoretisch natürlich ganz genau, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt für mich und meine Küche: immer sofort nach dem Essen zu spülen. Damit die Küche immer ordentlich ist und von mir gerne betreten wird.

Am meisten ärgert mich dann der total unnötige Stress, den ich mir selbst bereite. Denn das ist im Grunde genommen das Schlimmste an der Aufschieberitis, dass man sich selbst so unter Druck setzt. Und den Druck mit jedem Mal weiter erhöht. Denn jeder Blick in die Küche zeigt mir ja „Oh, da wartet diese Unordnung auf mich. Das muss ich noch erledigen.“

Das ist so was von überflüssig.

Kürzlich habe ich in einem Bücherschrank  das Buch „Simplify your Life“ von Werner Tiki Küstenmacher gefunden und darin herumgeschmökert. Und ich habe einen Tipp gefunden, den ich schon öfter gelesen habe (allein dieses Buch habe ich bestimmt schon 2–3 Mal gelesen), aber diesmal ist er auf besonders fruchtbaren Boden gefallen – vielleicht, weil ich endlich verstanden habe, dass ich mir mit der Aufschieberitis das Leben selbst vermiese. Der Rat lautet: nehmen Sie etwas nur einmal in die Hand und entscheiden Sie sofort, wie Sie die Angelegenheit lösen. Das ist schon alles.

hochsensible Menschen brauchen Ordnung

chaos-ordnung-chaostheorie-tafel-1536612/Geralt/Pixabay

Und ich habe eine Entscheidung getroffen

Die Entscheidung, auf meinem Schreibtisch nicht mehr alles bloß von links nach rechts zu räumen und einen Zettel nicht öfter als 2mal in die Hand zu nehmen. Immer gleich zu entscheiden, was ich in einer bestimmten Sache tun möchte. Denn ich muss es ja sowieso machen, früher oder später. Früher bedeutet: mit weniger Druck.

Und schon am Tage der Einführung ist mir bewusst geworden, was für eine Erleichterung dieses Vorgehen ist, einfach, weil der Druck auf einen selbst entfällt, den man sich macht, weil etwas noch zu erledigen ist.

Der Selbstabwerter

Bei vielen hochsensiblen Menschen ist der Selbstabwerter (gibt es eine Selbstabwerterin?) sehr aktiv. Der hat bei solchen Gelegenheiten nämlich Oberwasser, weil er Ihnen Gelegenheit gibt, Sie so richtig schön runterzuputzen. Ihm (oder ihr?) kann man damit wunderbar das Wasser abgraben, wenn man sich immer gleich entscheidet.

Noch was geschieht dann:

Sie haben viel mehr Zeit!

Weil Sie weniger Zeit mit unnötiger Räumerei verbringen, weniger Zeit mit unnötigen Ausweichtätigkeiten und weniger Zeit sich selbst zu beschimpfen. Da wird Energie frei, die Sie mit anderen, schönen Dingen und Tätigkeiten füllen können. Der beste Effekt kommt zum Schluss:

Sie erleben sich selbst als eine kraftvolle Persönlichkeit

die Ihr Leben aktiv gestaltet. Und das ist wirklich unbezahlbar.

Leiden Sie auch unter Aufschieberitis? Was unternehmen Sie um dagegen anzugehen? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

In meinem kostenlosen E-Mail Kurs lernen Sie, wie Sie besser mit Stress, Überforderung und Erschöpfung aus der Hochsensibilität umgehen können.

Ihre E-Mail-Adresse wird bei meinem E-Mail-Provider Active Campaign gespeichert. Sie können sich jederzeit problemlos aus dieser Liste austragen. Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.

Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und drei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

„Das hat mir eigentlich ganz gut geholfen …

„Das hat mir eigentlich ganz gut geholfen …

DAS HAT MIR EIGENTLICH SEHR GUT GEHOLFEN …

… aber dann ging es mir besser und ich habe nicht mehr so oft geklopft.“ Das ist eine der Aussagen, die ich am häufigsten höre, nicht nur von meinen Klienten und Klientinnen, sondern auch von Menschen, die die Klopfakupressur im Rahmen meines E-Mail-Kurses ausprobieren.

Bild: Uschi_Du, Pixabay

Häufig bekomme ich geradezu euphorische Reaktionen,

wie zum Beispiel diese:

„Ich bin ja so dankbar für die Erfahrung, klopfakkupressur ausprobiert zu haben! …Ich bin immer noch erstaunt und verblüfft und kann es kaum glauben,aber der Stress,die Selbstvorwürfe und die Traurigkeit sind einfach weg! Ich ertappe mich dabei wie ich singe oder Pfeife, ich schlafe tief und wache erholt auf (und das trotz nächtlicher Störungen unseres jüngsten) und habe wieder Geduld mit den Kindern und bin einfach viel mehr „da“!“

Diese Person schrieb mir später noch einmal, dass sie nach einigen Tagen klopfen ruhiger und gelassener sei und daraufhin einfach das Klopfen vergesse. Erst, wenn die Lage sich wieder verschlimmere, erinnere sie sich daran und würde wieder mit dem Klopfen beginnen.

Ich denke, so geht es sehr vielen Menschen, die die Klopfakupressur ausprobieren. Ich hatte mir schon länger vorgenommen, hierzu einmal einen Beitrag zu verfassen.

Mein Lebenslauf motiviert offenbar viele Menschen

Auf diesem Blog erzähle ich viel über mich selbst und das Erleben meiner Hochsensibilität. Das tue ich bewusst, es ist mir schließlich ein Herzensanliegen, Sie davon zu überzeugen, dass es möglich ist, leichter oder besser mit Hochsensibilität umzugehen und es einen Weg aus ständiger Überforderung und chronisch erhöhtem Stresslevel gibt. Und was könnte überzeugender sein als meine eigene Lebensgeschichte?

Ich habe mich um 180° gedreht

  • von der sozialen Katastrophe, mit der der Umgang schwierig war zu jemandem, mit dem andere Menschen (bestimmt nicht alle!) gerne zusammen sind,
  • von jemandem, der so schüchtern war, dass er Augenkontakt mit Fremden vermied zu jemandem, der Spaß daran hat, Seminare vor fremden Menschen zu halten,
  • von jemandem, der depressiv und chronisch niedergeschlagen war zu einem fröhlichen Menschen,
  • von jemandem, der nichts und niemandem vertraute in eine äußerst vertrauensvolle Person (tatsächlich muss ich mir heute manchmal sagen lassen, dass ich naiv sei)

Aber das ging natürlich nicht über Nacht

Obwohl die Zeit, die es dauerte, natürlich sehr kurz war gemessen an der Spanne meines Lebens. Klienten und Klientinnen, die über einen langen Zeitraum klopfen, erreichen häufig ebenso spektakuläre Verwandlungen – schließlich bin ich nichts Besonderes. Nur eine Sache unterscheidet die langjährigen KlopferInnen nämlich von den anderen:

Beharrlichkeit

Beharrlichkeit ist das A und O beim Klopfen, jedenfalls wenn Sie grundlegende Veränderungen Ihres Lebens anstreben. Im Prinzip kann jedeR ja erreichen, was ich erreicht habe (außer es liegen sehr schwerwiegende Traumata vor, oder Ihnen ist das Klopfen grundsätzlich unangenehm oder Sie mögen diese Methode einfach nicht).  Für kurzfristige Verbesserungen mag ein gelegentliches oder kurzfristiges Klopfen ausreichen (Sie sehen ja an dem oben erwähnten Feedback, dass es auch so funktioniert) – es ist allerdings davon auszugehen, dass Sie dann immer eher an der Oberfläche bleiben, statt wirklich etwas aufzulösen. Aber vielleicht soll das auch so sein, denn

Veränderung kann Angst auslösen

vor allen Dingen, wenn man seine eigene Identität schon mit den gegenwärtigen Zuständen verknüpft hat. Wenn ich von mir denke, dass ich die Person bin, die immer überfordert ist und mich unmöglich mit der Welt befassen kann, weil ich permanent auf dem Rückzug bin, kann der Gedanke an Veränderung sehr viel Stress auslösen. Wenn ich nicht mehr diese Person bin, wer bin ich denn dann überhaupt? Und will ich eigentlich wirklich in der Welt erscheinen?

Was Klopfakupressur bewirken kann,

also, die wahre (wirkliche) Veränderung, die durch langfristiges Klopfen entsteht, ist die (Rück)eroberung der Selbstbestimmung – was sehr viel damit zu tun hat, wie Sie sich der Welt zeigen und wie die Welt Sie wahrnimmt. Allein der Gedanke, seine Bedürfnisse bestimmt gegenüber anderen zu äußern kann sich bedrohlich anfühlen und natürlich tatsächlich auch im Außen durchaus zu Schwierigkeiten führen. Das möchte ich an dieser Stelle nicht verheimlichen. Schließlich sind die anderen von Ihnen gewohnt, dass Sie immer zurückstecken und nehmen Ihre Bedürfnisse darum vielleicht nicht ernst. Aber es ist u. a. ja gerade dieses Gefühl, dass Ihre Bedürfnisse nicht gesehen werden, das Ihnen Stress bereitet. Unter anderem. Manchmal mehr, manchmal weniger. Und wenn man es schafft, seine Bedürfnisse (ruhig!) auszudrücken, dann hat man schon sehr viel geschafft und erlebt sich weniger als Opfer oder Spielball anderer, ist weniger ohnmächtig.

Die Klopfakupressur tut hochsensiblen Menschen gut

Bild: privat

Das kann den ganzen Blick auf die Welt ändern

und auch den Blick auf sich selbst. Ich selbst habe ganz ganz ganz lange Zeit gedacht, ich gehöre gar nicht zur Gesellschaft, ich stehe vollkommen außerhalb, weil ich so anders bin. (Viele hochsensible Menschen erleben etwas Ähnliches). Das war Isolation pur. Dieses Gefühl habe ich vollkommen hinter mir gelassen. Mittlerweile denke ich, dass ich ein Teil der Gesellschaft bin, ein Teil sogar, der etwas Wichtiges zur Gesellschaft beiträgt und habe ein Gefühl für meinen eigenen Wert entwickelt.

Wie können Sie das nun schaffen?

Am einfachsten ist es wirklich, sich ein Klopfritual zu schaffen, eine kleine Auszeit für sich selbst. Die 2–5 Minuten am Tag haben Sie immer übrig, ganz egal, ob Sie Kinder haben, kranke Eltern pflegen oder beruflich sehr eingebunden sind. Es ist vollkommen egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit Sie das machen, ob Sie dabei sitzen, liegen oder laufen …Nur eine Einschränkung gibt es: wenn Sie das Klopfen grundsätzlich belebt, sollten Sie es nicht vor dem Schlafengehen machen, das wäre dann kontraproduktiv.

Sie haben noch nie von Klopfakupressur gehört, sind aber neugierig? Dann probieren Sie sie einfach einmal aus. Wenn Sie sich hier eintragen, können Sie  an meinem kostenlosen E-Mail-Kurs teilnehmen. Das ist vollkommen unverbindlich und verpflichtet Sie zu nichts.

Fällt es Ihnen auch schwer, am Ball zu bleiben? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

In meinem kostenlosen E-Mail Kurs lernen Sie, wie Sie besser mit Stress, Überforderung und Erschöpfung aus der Hochsensibilität umgehen können.

Ihre E-Mail-Adresse wird bei meinem E-Mail-Provider Active Campaign gespeichert. Sie können sich jederzeit problemlos aus dieser Liste austragen. Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.

Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und drei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

Was Freundschaft für mich bedeutet

Was Freundschaft für mich bedeutet

 WAS FREUNDSCHAFT FÜR MICH BEDEUTET

Ich glaube nicht, dass es einfach nur ein Klischee ist, dass die meisten hochsensiblen Menschen eher wenig Freunde haben. Das habe ich nun einfach so dahingeschrieben, aber schon drängen sich mir jede Menge Fragen auf. Was ist ein Freund oder eine Freundin? Es mag stimmen für die überwiegend introvertierten Hochsensiblen, die sich nicht so gerne in größeren Menschengruppen aufhalten, weil dies schnell zu Überforderung führt. Aber was ist mit den extravertierten Hochsensiblen? Vielleicht ist auch die Annahme mit den Freunden falsch, vielleicht geht es eher um gute Freunde als Freunde an sich …

Freundschaft ist nicht einfach für hochsensible MenschenWas macht einen guten Freund aus?

Diese Frage wird jedeR sicherlich anders beantworten. Ich glaube aber, dass meine Hochsensibilität da wirklich maßgeblich mitbestimmt.  Jemand, mit dem ich nicht reden kann, kann nie ein Freund werden. Für mich ist ein guter Freund (tatsächlich habe ich eher gute Freundinnen) jemand, mit dem ich über alles reden kann, jemand, zu dem die Verbindung nie abreißt, auch wenn sie manchmal sehr dünn wird, jemand, der sehr viel von mir weiß und jemand, von dem ich sehr viel weiß.

Tatsächlich kann ich meine guten Freundinnen an einer Hand abzählen

Darüber hinaus sind meine wenigen Freundinnen über das ganze Land zerstreut und sind eher Fern-Freundschaften. Das finde ich total schade, aber so ist es eben. Freundschaften entwickeln sich, oder eben nicht, oder verlassen ein gewisses Stadium nie.

Freundschaften sind für mich eigentlich Liebesbeziehungen

ohne Sexualität und mit einem anderen Vorzeichen. Es gibt ja diesen Spruch „Ein Freund ist jemand, der dich kennt und dich trotzdem liebt.“ Das „trotzdem“ darin hat mich immer schon gestört. Für mich haben Freundschaften Liebesbeziehungen gegenüber den Vorteil, dass das Wissen über den anderen einfach anders bewahrt und nicht eingesetzt wird um die Freundschaft zu verändern. Jedenfalls ist es so bei meinen Freundschaften. Vermutlich habe ich in Sachen Freundschaften ziemlich hohe „Qualitätsansprüche“ …

Vertrauen

Einer Freundin muss ich vertrauen können und zwar bedingungslos. Ich bin in dieser Hinsicht ziemlich geschädigt.

Ich war ein total einsames Kind

trotz meiner vier Geschwister. Bestimmt habe ich in irgendeinem Artikel schon erwähnt, dass ich an einer geradezu pathologischen Schüchternheit litt und es sich  für mich wahnsinnig schwierig bis unmöglich gestaltete, mit anderen Kindern außerhalb meiner Familie in Kontakt zu treten. Ich glaubte nicht, dass mich irgendjemand interessant finden könnte und gerne mit mir zusammen wäre.

Es gab natürlich immer wieder Ausnahmen

Im zweiten Schuljahr hatte ich einen ganz entzückenden Freund namens Alvaro. Wir haben uns sogar geküsst, aber wieso und warum dass dann vorbei war, daran erinnere ich mich nicht mehr. Danach kam dann sehr lange Zeit niemand mehr. Im Wesentlichen ging ich meine ganze Kindheit hindurch

Zweckgemeinschaften

mit anderen Menschen ein. Keine Spur von Zuneigung, auf beiden Seiten nicht. Wenn ich mir das so recht überlege, waren es häufiger Kinder, die aus dem Klassengefüge herausfielen, dort auch keinen rechten Platz hatten. Häufig wuchsen sie in wesentlich mehr Wohlstand auf als ich und ich genoss das sehr, bei anderen Menschen zu sein, wo man fühlen konnte, dass es mehr Geld gab. Wo man an einem ganz normalen Wochentag nachmittags Rosinenstullen bekam (den gab es bei uns nur an Festtagen). Wo man fernsehen konnte - ganz ganz große Motivation für mich …

Leider nahm es oft ein schlechtes Ende

Sobald die Mütter (Väter kamen in unserem Alltag meistens nichts vor) mitbekamen, dass ich aus ganz anderen wirtschaftlichen Verhältnissen kam, kamen sie auf die Idee, mir Strumpfhosen zu schenken. Gebrauchte natürlich. Ich habe mich natürlich artig bedankt (ich wusste, was sich gehört), aber das war dann meistens auch der Beginn des Anfangs vom Ende. Rosinenbrote in der Woche und Fernsehgucken war ok, Almosen nicht.

Meiner sozialen Defizite war ich mir nur zu deutlich bewusst

In jeder, wirklich jeder Klasse, die ich besucht habe (aber ich nehme an, das wird auch in den Klassen heute noch so sein), gab es einen Kern wirklich beliebter Kinder. 3-4 Mädchen (meistens blond), in die sich alle Jungen verliebten und 3-4 Jungen, in die sich alle Mädchen verliebten. Die Alpha-Mädchen und die Alpha-Jungen. Die Mädchen spielten in der Pause Vater-Mutter-Kind. Neidisch und sehr eifersüchtig schielte ich auf diese Gruppe, während ich bei den Eisenbahnfahrern mitmachte. Das totlangweiligste Spiel, das Sie sich nur vorstellen konnten: wir verbrachten die gesamte Pause damit, eine imaginäre Bahnstrecke zurückzulegen, zu tuten oder die Bremse zu ziehen - ich könnte weinen, wenn ich heute nur daran denke. Denn das fühlte sich total danach ein, ein LOSER zu sein (obwohl ich das Wort damals natürlich noch nicht kannte). Die Alternative dazu wäre gewesen, wirklich für alle deutlich sichtbar alleine herumzustehen, das hatte ich schon probiert. Den Eisenbahnfahrern hatte ich mich aus purer Verzweifelung angeschlossen, aber mir war selbst klar, dass ich mich schämte, für alle sichtbar allein zu sein.

Der Wechsel aufs Gmynasium brachte eine Veränderung

Tatsächlich bekam ich eine Freundin. Jemand aus meiner Grundschulklasse kam auf das gleiche Gymnasium wie ich und weil wir uns schon kannten, setzten wir uns zusammen in eine Bank. Das war der Beginn einer großartigen Zeit. Zum ersten Mal hatte ich eine richtige Freundin! Ich verbrachte viel Zeit mit K. Wir schafften uns sogar identische T-Shirts an mit unseren Namen drauf. Wir verstanden uns ziemlich gut, interessierten uns beide für Bücher, Filme und Musik … bis irgendwas passierte. Ich habe keine Ahnung mehr, was es war. Irgendwann zogen wir einen Strich auf der Mitte des Pultes und wehe, eine kam mit dem Ellenbogen drüber, dann gab es Krach … In der nächsten Klasse saßen wir dann nicht mehr zusammen in einer Bank.

Alles wie gehabt

Jetzt war ich wieder allein. K. hatte ganz schnell eine neue Freundin, G., die dann mit ihr in der Bank saß. Ich weiß nicht mehr, wer mein Banknachbar war. Ich erinnere mich an eine kurze Verbundenheit mit einem Mädchen, die aufhörte, als die Mutter des Mädchens tot aufgefunden wurde. Hat sie die Schule gewechselt? Ich weiß bloß, dass ich in den Pausen wieder alleine war. Kurzfristig habe ich es noch einmal mit Eisenbahnfahren probiert, es aber gleich wieder aufgegeben, das war zu doof.

Allmählich änderten sich die Dinge

Ich habe mich oft geärgert, dass ich mich mit K. verkracht hatte. G. und sie passten überhaupt nicht zusammen. Ich weiß gar nicht, wann und wo die Wende eingeläutet wurde, ich schaffte es im Laufe der Zeit doch, mir einen Platz im Klassengefüge zu schaffen und ich hatte sogar die ein oder andere Freundin. Mädchen, die auf mich zukamen und mit mir befreundet sein wollten. Aber es stellte sich dann jedesmal heraus, dass es einen Zusammenhang hatte mit meinem nahenden Geburtstag, zu dem die betreffende eingeladen zu werden hoffte. War der Geburtstag vorbei, dann wandte sich diese Freundin dem Mädchen zu, das als nächstes Geburtstag haben würde. Ganz schön traurig, könnte ich heute sagen. Damals war ich nur verstört. Ich begriff einfach nicht, wieso ich gestern noch die beste Freundin von jemand gewesen war und heute nur noch die zweitbeste, obwohl ich gar nichts gesagt oder getan hatte um so degradiert zu werden.

Das hat in mir ein ziemliches Misstrauen gesät

das auch heute noch dann und wann mal wieder aufpoppt und Stress verursacht … Es ist ein bisschen kurios, dass mir das vorhin nicht eingefallen ist. Aber natürlich ist ein Freund jemand,

dem ich vertrauen kann und für den ich alles tun würde

Puh, alle möglichen Gefühlszustände haben mich durchlaufen, während ich über die Geschichten meiner Freundschaften nachgedacht habe. K. habe ich übrigens zurückerobert, mit sehr, sehr viel Geduld und dem Wissen, dass wir viel besser zueinander passten als K. und G. Und wir waren richtig lange befreundet, mindestens zwanzig Jahre lang.

Leider nahm es aber auch ein schlechtes Ende mit uns

Nachdem wir unglaublich lange Zeit durch dick und dünn gegangen sind, hatte ich mehr und mehr den Eindruck, für K. nur noch ein Teil der Clique zu sein, die sie gerne um sich scharte. Ich fühlte mich nicht mehr gesehen und zunehmend unwohl. Und irgendwann habe ich die Freundschaft dann richtig beendet. Dieses Schicksal haben auch andere Freundschaften erlitten. Dass eine Freundschaft sich einfach so verliert, kenne ich kaum. Aber ich finde das ist ok so.

Freundschaften haben einen sehr hohen Stellenwert für mich

und ich finde es gut, sie zu beenden, wenn es einfach nicht mehr passt (genauso, wie man eine Liebesbeziehung beendet, die nicht mehr passt). Ich habe schon öfter gelesen, dass hochsensible Menschen dazu tendieren, mehr in Beziehungen zu sehen als ihr Gegenüber, bzw. der- oder diejenige zu sein, die die Beziehung am Laufen hält. Für mich stimmt das ganz definitiv.

Was haben Sie für Erfahrungen mit Freundschaften? Wie viele Freunde haben Sie? Was machen Sie, wenn die Chemie nicht mehr stimmt? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.
Herzlichst,

Ihre Monika Richrath

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

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Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und drei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

7 Unterschiede – Traumatisierung oder Hochsensibilität

7 Unterschiede – Traumatisierung oder Hochsensibilität

7 UNTERSCHIEDE TRAUMATISIERUNG ODER HOCHSENSIBILITÄT

Es gibt zwei Arten der Hochsensibilität …

  • Die eine ist genetisch bedingt und angeboren. Die „echte Hochsensibilität“. Diese ist nicht ablegbar genau wie die Augenfarbe.
  • Die zweite entsteht durch Traumatisierung. Die erhöhte Sinneswahrnehmung und auch der Hang zur Überreizung gehen zurück, wenn das Trauma verarbeitet ist.

Eine These, die zurzeit im Internet grassiert, besagt, die Hochsensibilität sei immer auf ein Trauma zurückzuführen ist. Einige meiner Seminarteilnehmer sind dadurch sehr verunsichert und suchen nach einem Trauma, wo eventuell gar keins ist.

Gleichzeitig ist diese These, wenn man sich genau mit Hochsensibilität auseinandergesetzt hat genauso nahe liegend - aber falsch. Warum? In vielen Aspekten haben die Hochsensibilität und die Auswirkungen von Traumatisierungen das gleiche Gesicht.

Das Modell des Stresstoleranzfensters erklärt die Zusammenhänge

Jeder Mensch hat eine emotionale Komfortzone. Wie groß diese Komfortzone ist, hängt zu einem großen Teil von unserer Fähigkeit der Selbstregulation ab. Also davon, wie gut wir mit Über- oder Unterstimulation umgehen können. Schaffen wir es nicht, uns bei Überstimulation zu regulieren, läuft unsere Hormonproduktion auf Hochtouren und unser Körper reagiert mit Flucht oder Kampfimpulsen.

Beispiel: Wenn ich im Winter dick angezogen in ein Kaufhaus gehe, wird es mir sehr schnell unerträglich warm. Einfach die dicken Sachen ausziehen, ist nicht immer möglich, wenn ich schon einiges an Taschen trage. Ich fange an zu schwitzen, es fängt überall an zu jucken und meine Kleidung fühlt sich tonnenschwer an. Da ich in diesem Geschäft unbedingt etwas besorgen will, bleibt mir im Moment nur, die Situation auszuhalten. Ich habe also subjektiv nicht die Möglichkeit mein Unbehagen zu regulieren. Es dauert keine 5 Minuten und meine Adrenalinproduktion ist in Gang gesetzt. Da ich mir die Flucht verwehrt habe, komme ich in den Kampfimpuls. Besser, wenn man mir dann nicht in die Quere kommt.

In diesem Moment ist meine Komfortzone überschritten und ich rase in die Übererregung. Komme ich dann wieder in angenehmere Gefilde dauert es ungefähr 5 Minuten, und ich habe mich akklimatisiert. Nach meiner Erfahrung benötigt ein traumatisierter Mensch wesentlich länger um sich zu beruhigen.

Hochsensible haben genetisch bedingt ein schmaleres Stresstoleranzfenster, damit sie schneller auf Reize reagieren können. Dies dient zur Erhaltung der Art und findet sich auch bei allen höheren Säugetieren. Auch bei Ihnen sind, wie beim Menschen, ca. 20 Prozent hochsensibel.

Auch traumatisierte Menschen haben ein schmaleres Stresstoleranzfenster und gelangen leicht in die in die Über- oder Untererregung. Gleichzeitig gibt es große Unterschiede zwischen „reinen“ Hochsensiblen und traumatisierten Menschen. Selbstverständlich kann auch ein hochsensibler Mensch traumatisiert sein. In vielen Fällen ist das so. Dazu später mehr.

Es ist immens wichtig als Therapeut beides unterscheiden zu können, da der (reine) Hochsensible und der traumatisierte Mensch ein anderes therapeutisches Vorgehen benötigen. Hier kann Unwissenheit viel Schaden anrichten.

Ich habe 2007 meine erste Trauma Ausbildung gemacht. Seitdem habe ich mich sehr intensiv mit Trauma und Hochsensibilität auseinandergesetzt. Folgende Unterschiede resultieren aus meinen Beobachtungen und Erfahrungen.

 

Traumatisierte Menschen:

 

Hochsensible Menschen:

sind oftmals permanent in Bewegung. Sie tun alles, um nicht zur Ruhe zu kommen, da das für sie ein unangenehmer Zustand ist. Häufig werden sie im Urlaub krank, weil der Organismus dann kollabiert und er von der Übererregung in die Untererregung rauscht.suchen die Ruhe. Sie brauchen Zeit, gerne auch allein, ohne Input. Diese Zeiten genießen sie. Wenn sie diese Zeiten nicht bekommen, fühlen sie sich unbehaglich. Durch „Auszeiten“ kommen sie wieder in ihre Kraft.
haben eher eine egozentrische Empathie, die darauf abscannt, ob Gefahr droht. Das hält andere eher auf Distanz.haben „echte“ Empathie, durch die sich andere gesehen und verstanden fühlen.
haben oft wenig bis gar kein Körpergefühl. Sie können Köperempfindungen nur schwer wahrnehmen und benennen.haben ein extrem gutes Körpergefühl. Sie haben ein ausgeprägtes körperliches Frühwarnsystem. Hochsensible Frauen können oft Ihren Eisprung spüren und viele schildern, dass sie den Zeitpunkt der Eiverschmelzung gespürt haben und wussten, dass sie nun schwanger sind. Sie nehmen sehr differenziert Empfindungen wahr und können diese auch benennen.
neigen zur Selbstmedikation zur Beruhigung; zum Beispiel durch Alkohol oder Medikamente.tendieren eher dazu, sogar ärztlich verschriebene Medikamente nicht zu nehmen und trinken häufig gar keinen oder nur wenig Alkohol.
fühlen sich häufig allein (zum Teil auch in Gesellschaft) mit einem Gefühl der Einsamkeit.sind gerne allein, weil sie dann besser zu sich kommen.
nehmen ihr “Bauchgefühl“ nicht wahr.nehmen ihr Bauchgefühl wahr, aber leider nicht immer ernst.
Wenn Sie noch mehr Unterscheidungsmerkmale wissen möchten klicken Sie hier:

 

Das waren nur einige der Merkmale, woran man Hochsensibilität und Trauma unterscheiden kann. In den Situationen, in denen die Komfortzohne verlassen wird, sind die Reaktionen identisch.

Die Hochsensibilität führt dazu, dass das Stresstoleranzfenster schneller verlassen wird als bei Normalsensiblen. Das ist mit den Auswirkungen einer Traumatisierung deckungsgleich.

In über 200 Seminaren zur Hochsensibilität wiederholte sich die grundlegende Teilnehmerstruktur immer wieder.
Ein Teil der Teilnehmer sind Hochsensible, die einfach Interesse daran haben mehr über sich zu erfahren (auch eine typische Eigenschaft der Hochsensiblen). Außerdem möchten Sie einige Dinge in ihrem Leben optimieren. Sie sind mit ihrem Leben und ihrem Sein generell zu frieden.

Ein Teil hat Schwierigkeiten mit einigen Herausforderungen, die die Hochsensibilität bietet, führen aber generell ein befriedigendes, glückliches Leben.

Und ein Teil leidet sehr stark unter der Hochsensibilität. Bei diesen Menschen ist eine Traumatisierung sehr wahrscheinlich. In dieser Gruppe finden sich Hochsensible und Normalsensible, die Ihre Trauma-Auswirkungen fälschlich als Hochsensibilität interpretieren oder von anderen diese Interpretation erhalten haben.

Was genau ist ein Trauma?

Es gibt verschiedene Arten von Trauma. Auf zwei gehe ich hier näher ein.

Das Schocktrauma

ist das allgemein geläufige Trauma. Hier gab es eine einmalige Situation, zum Beispiel einen Unfall als Auslöser.

Die Negativerfahrung ist im Gehirn gespeichert. Unser Organismus möchte uns nun vor weiteren Erfahrungen dieser Art schützen und geht hormonell auf „Hab-Acht-Stellung“. Die Folge ist eine innere Wachheit, die sich häufig in Unruhe und Anspannung, und eine erhöhte Reaktion auf Sinnesreize zeigt. Gibt es dann später einen Reiz, der an diese Situation erinnert (Trigger), werden wir emotional aus dem Stresstoleranzfenster geschleudert und reagieren mit heftigen Angriff/Flucht-Reaktionen (Der Sympathikus wird aktiviert. Das Stresstoleranzfenster wird überschritten) oder wir kollabieren (Der Parasympathikus wird aktiviert, wir gehen nervlich unter das Stresstoleranzfenster).

Nach der Verarbeitung des Traumas gehen die Betroffenen wieder auf ihr ursprüngliches Erregungs- und Sinneswahrnehmungsniveau zurück.

Das Entwicklungstrauma oder auch Komplextrauma

Hier ist der Betroffene wiederholt durch toxischen Stress überfordert. Das Vorderhirn und der Hippocampus schalten sich ab und wir reagieren instinktiv mit archaischen Verteidigungsreaktionen. Das Entwicklungstrauma konkretisiert eigentlich den Begriff des Komplextraumas, da es sich speziell auf unsere Erfahrungen im frühen Kindesalter bezieht.

  • Wie werden wir erzogen?
  • Was prägt uns in dieser Zeit?
  • Wie ist die Bindung zu den Bezugspersonen?

Gerade wenn wir im ersten Lebensjahr mit ständigen negativen Erfahrungen aufwachsen, erleben wir das als toxischen Stress. Dieser Stress hat in der Regel ein Entwicklungstrauma zur Folge.

Toxischer Stress kann entstehen durch:

  • Gewalterfahrungen, psychischer und physischer Art.
  • Überbehütung
  • Erziehung zur Angst (die Welt da draußen ist schlecht, nur hier bist du sicher)
  • Zwanghaftes Umfeld
  • Sehr rigide Erziehung
  • Verwahrlosung
  • Permanente Grenzüberschreitung
  • Fehlendes Spiegeln der kindlichen Wahrnehmung und der kindlichen Gefühle
  • Keine Unterstützung der Stressregulation durch die Eltern (z.B. das Baby schreien lassen)
  • Fehlender Kontakt - körperlich und emotional. Viele Menschen können sich nicht mehr angemessen mit ihrem Kind

beschäftigen. Ihnen fehlen selbst die entsprechenden Erfahrungen.

Erziehung ist ein Abbild aus unseren Erfahrungen und Möglichkeiten.

Unsere Erziehung ist immer noch geprägt aus den Vorstellungen des dritten Reiches. Babys sollte man schreien lassen, damit sie lernen sich selbst zu regulieren und den Eltern nicht auf der Nase rumtanzen. Die damals propagierte Erziehung war eine Anleitung zur Bindungsunterbrechung und damit zur frühkindlichen Traumatisierung.

Leider halten sich einige extrem schädigende Ehrziehungsvorstellungen bis heute noch hartnäckig. Eltern, die Ihre Kinder wie oben genannt behandeln, tun das nicht, weil Ihnen ihre Kinder egal sind. Sie selbst sind geprägt von ihrer eigenen Geschichte, ihren Bindungserfahrungen und ihrem Wissen. Viele sind selbst traumatisiert. Jeder erzieht nach seinen Möglichkeiten. Bei einigen sind diese Möglichkeiten einfach begrenzt.

Das kann ein tröstender Gedanke sein. Das Handeln meiner Eltern ging nicht gegen mich, sie konnten es nicht besser. Und auch wenn man selbst erzieht, kann dieser Gedanke entlastend sein. Die meisten Hochsensiblen wollen gerne alles richtigmachen. „Fehler“ in der Erziehung machen ihnen oft sehr zu schaffen. Auch das Kind braucht Erfahrungen, an denen es wachsen kann. Es ist wichtig zu erleben, dass die Eltern nicht unfehlbar sind. So kann es die eigene Unfehlbarkeit besser annehmen. Ist ein Elternteil traumatisiert, wird das Trauma häufig an das Kind weitergegeben. Um das zu verhindern, ist es meines Erachtens wichtig das Trauma zu bearbeiten.

Wo sehen sie sich nach diesem Text? Hochsensibel, traumatisiert oder beides? Geht die Tendenz in Richtung Trauma?
Ein Trauma ohne Unterstützung aufzulösen, ist kaum möglich. Hier braucht es kompetente Unterstützung; für ein zufriedenes, glückliches Leben. Leider ist gerade das Annehmen von Hilfe für viele traumatisierte Menschen sehr schwer.

Hochsensibilität und Trauma zusammengefasst:

  • Es gibt Hochsensible, „nur“ traumatisierte und hochsensible, traumatisierte Menschen.
  • Leiden sie sehr stark unter der Hochsensibilität, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie traumatisiert sind groß.
  • Viele Hochsensible sind „nur“ traumatisiert. Sie sind durch das Trauma übersensibilisiert, aber nicht hochsensibel im eigentlichen Sinne.
  • Man unterscheidet zwischen Schock- und Entwicklungstrauma.
  • Um Traumatisierungen aufzulösen, braucht es kompetente therapeutische Unterstützung.

Dies ist nur ein kleiner Einblick in ein sehr komplexes Thema. Ich schreibe gerade ein Buch über das Thema Hochsensibilität und Trauma. Es wird Ende des Jahres erscheinen.

Des Weiteren werde ich ein entsprechendes Onlineseminar anbieten. Vielleicht haben Sie ja auch Interesse, noch mehr über das Thema zu erfahren.

Ich wünsche Ihnen alles, was sie für ein befriedigendes und glückliches Leben brauchen. Es ist nicht immer einfach, aber es ist machbar. Gönnen Sie sich Zeit.

Herzliche Grüße
Sandra Quedenbaum

Sandra Quedenbaum

Sandra Quedenbaum

Sandra Quedenbaum Coaching

Erzieherin
Sozialpädagogin
Heilpraktikerin für Psychotherapie.
NLP-Lehrtrainerin
Systemische Familienberaterin
Marte Meo Therapeutin
iEMDR Coach

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

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Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

Über soziale Phobie

Über soziale Phobie

ÜBER SOZIALE PHOBIE

Letzte Woche bin ich auf dem Weg von meiner Praxis nach Hause mit dem Fahrrad in einen richtig heftigen Regen geraten. Zugegebenermaßen hatte es schon vorher nicht gerade gut ausgesehen, aber ich war äußerst motiviert, mich wieder einmal ordentlich zu bewegen, habe ein Cape fürs Fahrrad eingesteckt und es gewagt. Und darum stand ich ein paar Stunden später tropfnass wie ein großer Zwerg in einem Drogeriemarkt und fühlte mich so richtig bescheuert.

Ich hatte es geschafft, meine Sachen einzukaufen, ohne mit anderen Menschen zusammenzustoßen und  von der Nässe an mir weiterzugeben. Aber dafür hatte ich meinen Rucksack ausziehen müssen, um das Portemonnaie herauszuholen und meine Einkäufe einzupacken. Den Rucksack wieder anzuziehen hatte auch geklappt. Aber dann stand ich ziemlich hilflos da. Ein Blick durch die Scheibe zeigte mir, dass der Regen an Intensität eher noch zugenommen hatte. Und ich bekam das blöde Cape einfach nicht über den Rucksack. Dazu hätte ich besondere körperliche Fertigkeiten besitzen müssen.

Da stand ich nun mit meinem Cape. Der Vergleich mit einem großen Zwerg war sicherlich nicht allzu weit hergeholt, außer Kaputze und diesem heillos verhederten Umhang war nicht allzuviel von mir zu sehen. Ich fühlte mich furchtbar, schutzlos, lächerlich, preisgegeben. Wie mir schien, eine Ewigkeit lang. In Wahrheit waren es bestimmt nur ein paar Sekunden, in denen ich vollkommen in meiner schrecklichen Wahrnehmung verschwand.

Aber dann macht etwas PING in meinem Kopf

und ich wachte auf. Ich konnte doch nicht hier so stehen bleiben. Die Fahrt durch den Regen hatte dafür gesorgt, dass ich trotz des Capes pitschnass war. Und ich musste nach Hause, unter die Dusche und etwas Trockenes anziehen.

Als hätte jemand einen Hebel umgelegt

um die Prioritäten zu vertauschen. Und die Priorität war, dass jemand mir dabei helfen musste, mein Cape zu richten. Schließlich wollte ich nicht, dass es mir auf dem Fahrrad über den Kopf flog. Ich musste jemanden um Hilfe bitten. Also drehte ich mich um und sprach eine junge Frau an, die den Laden gerade betreten hatte, ob sie mir vielleicht das Cape über den Rucksack ziehen könnte? Natürlich hat sie mir geholfen, gar keine Frage. Sie zupfte hier und dort und obwohl ich mich so absolut albern fühlte, musste ich dann doch lachen und alles war gut. Ich habe mich bedankt und den Laden verlassen.

„Wow“, habe ich draußen gedacht

„früher hättest du das nicht gemacht“

„früher wärst du einfach mit diesem halb um dich gewickelten nassen Cape so nach Hause gefahren, einfach geflüchtet, hättest nicht deine Lächerlichkeit ertragen und schon gar nicht um Hilfe gebeten. Du hast wirklich einen weiten Weg zurückgelegt!“ Und ich habe mir selbst anerkennend in Gedanken auf die Schulter geklopft.

Und das schöne ist, dass diese alberne Situation in meinem Kopf nun eher als etwas Lustiges gespeichert ist. Aber ich dachte, es wäre eine gute Gelegenheit, einmal etwas über Sozialphobien zu schreiben.

Eine soziale Phobie oder auch soziale Angststörung

zeichnet sich dadurch aus, dass man fürchtet in Situationen mit anderen Menschen im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen und sich beschämend oder peinlich zu verhalten. Sie sehen also, warum diese Situation das bei mir angetriggert hat.

Ich bin ziemlich sicher, dass ich früher unter einer sozialen Angststörung gelitten habe (sonst hätte das mit dem Triggern ja auch nicht so gut geklappt). Zum einen hat man sich aber früher mit solchen Dingen weniger auseinandergesetzt, zum anderen hat das auch niemand bemerkt. Als Kind ließ ich andere Menschen kaum an mir teilhaben. Meine Mutter sagte einmal, dass man mich meistens nur von hinten sah …

Die soziale Phobie wurde zwar schon 1903 durch einen französischen Psychiater beschreiben, aber erst 1966 durch die Psychiater und Verhaltenstherapeuten Marks und Gelder in einer modernen Form beschrieben und es dauerte noch bis 1990, bis die soziale Phobie in das internationale Diagnoseschema, dem ICD-10, aufgenommen wurde (dort ist sie klassifiziert als F40.1 soziale Phobien).

Soziale Phobien entwickeln sich in der Kindheit und Jugend

und ich sehe ganz klar einen Zusammenhang mit dem Thema Hochsensibilität. Soziale Phobien entwickeln sich nämlich aus einer bestimmten seelischen Verwundbarkeit heraus, für die hochsensible Menschen geradezu prädestiniert sind.

Kommen dann noch Eltern hinzu, die entweder überbehütend sind, starke Kontrolle ausüben und nur wenig emotionale Zuwendung geben (ich glaube, das ist das schlimmste überhaupt), können Kinder und Jugendliche einfach kein gutes Selbstvertrauen aufbauen, vor allen Dingen dann nicht, wenn sie immer nur Negatives über sich zu hören bekommen.

Bei hochsensiblen Menschen ist das sehr häufig der Fall,

denken Sie nur einmal an die Sätze, mit denen Sie groß geworden sind „Stell dich nicht so an“, „Du bist so komisch“, „sei nicht so empfindlich“ usw. Solche Sätze haben Sie bestimmt auch schon gehört. Wo soll denn da das Selbstvertrauen herkommen?

Natürlich können auch noch andere Umstände ins Spiel kommen. Zum Beispiel, wenn wir traumatische Erfahrungen gemacht haben, mit denen wir alleine blieben. Oder wenn unsere Eltern selbst sehr ängstlich waren. Dann ist es sehr wahrscheinlich, dass wir uns die Ängste der Eltern abgucken und später unsere liebe Mühe damit haben, diese Ängste loszuwerden. Kurz und gut, in einer Kindheit, in der es uns nicht nur an Zuwendung, Sicherheit und Geborgenheit gefehlt hat, sondern auch an Zuspruch, Ermutigung und Liebe fehlt der gesunde Nährboden, um mit Verletzungen umgehen zu können.

Dies kann zu einer Angst vor Ablehnung und Kritik führen

und sich dahingehend weiterentwickeln, dass man Situationen meidet, in denen man überhaupt kritisiert werden könnte. Oder auch Situationen, in denen man befürchten muss, sich unpassend zu verhalten. Durch die permanenten schlechten Erfahrungen mit anderen Menschen hat man dann nicht nur kein positives Gefühl für sich selbst, sondern häufig auch eine vollkommen verzerrte Wahrnehmung der Situation. Siehe mein eigenes Beispiel, das ich oben beschrieben habe.

Ich hatte als Kind wirklich Angst vor anderen Kindern (abgesehen von meinen Geschwistern). Ich empfand sie als total unberechenbar und gemein und ich fühlte mich ihnen immer hoffnungslos unterlegen. In jeder nur denkbaren Hinsicht. Und es gibt Erfahrungen, bei denen ich mich auch heute noch vor Scham winde, wenn ich mich an sie erinnere.

„Du stinkst!“

Zum Beispiel gab es in der Grundschule einen Jungen, der mit mir immer nur sprach, indem er sich den Arm vor den Mund hielt und behauptete, ich würde stinken. Ich weiß nicht, wie er dazu kam, so etwas zu sagen, bei uns wurde täglich abends gebadet. Manchmal frage ich mich, ob ich vielleicht Mundgeruch hatte, ich war ja ein sehr gestresstes Kind und hatte oft „Bauchschmerzen“. Andererseits hatte niemand sonst etwas Diesbezügliches zu mir gesagt. Und doch hat sich das scheinbar unlöschbar in mein Gehirn eingeschrieben (Ich sollte das wohl mal klopfen …)

Apropos klopfen: das wirklich tolle an meiner Erfahrung vor ein paar Tagen ist, dass ich so dazu gekommen bin, noch einmal den Weg zu würdigen, den ich zurückgelegt habe. Es ist ein wirklich weiter Weg. Und obwohl, wie gesagt, immer noch Reste meiner sozialen Ängste vorhanden zu sein scheinen, habe ich es geschafft, damit fertigzuwerden. Nicht nur das, am nächsten Wochenende gebe ich vom 16. bis 18. März im Frauenbildungshaus in Zülpich ein Seminar zum Thema „Hochsensibilität in der Arbeitswelt“. Dies bedeutet, ich stehe das ganze Wochenende vor einer Gruppe Frauen, die ich vorher nicht kannte. Das ganze Wochenende stehe ich als Referentin also meistens im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit in einer möglichen Kritiksituation. Und wissen Sie was? Ich freue mich darauf!

Ich schreibe es einzig und alleine der Klopfakupressur und meiner eigenen Beharrlichkeit zu, dass ich es geschafft habe, dorthin zu kommen … und darum gebe ich das auch so gerne an andere weiter.

Ist soziale Angst auch ein Thema für Sie?  Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Ich habe im Netz einen Test für Sie gefunden, der Ihnen vielleicht eine Vorstellung davon vermitteln kann, ob Sie unter einer sozialen Phobie leiden.

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Monika Richrath

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Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und drei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

Die Liebe empathischer Menschen

Die Liebe empathischer Menschen

DIE LIEBE EMPATHISCHER MENSCHEN

Schon lange habe ich mich beim Lesen eines Buches nicht mehr so gesehen und erkannt gefühlt - was sich wunderbar anfühlte. Gleichzeitig habe ich mich beim Lesen aber auch pausenlos vor Scham gewunden, eben weil ich mich darin zu 300 % selbst wiedererkannt habe …

Unbequeme Wahrheiten hören vermutlich die wenigsten Menschen gern. Und doch bin ich wirklich froh, dieses Buch gelesen zu haben, denn nachdem ich diese Wahrheiten nun aufgenommen und verarbeitet habe, habe ich natürlich auch den Beschluss gefasst, etwas an meinem Liebesverhalten zu verändern. Von daher bin ich sicher, dass Die Liebe empathischer Menschen mich nun eine ganze Zeitlang begleiten wird.

Schon der Untertitel des Buches

Die Gratwanderung zwischen wahrer Liebe und seelischen Verletzungen

machte mich ziemlich neugierig. Ich glaube ja, dass ich sie schon gefunden habe, die „wahre Liebe“, hadere aber immer wieder mit seelischen Verletzungen.

Grundsätzlich hat es mir übrigens sehr gut gefallen, dass Herr Rohleder über empathische Menschen schreibt, und Hochsensibilität eher als Extremform der Empathie betrachtet. Hier fühlte ich mich sehr gut aufgehoben.

Wie schon in „Die Berufung für Hochsensible“ greift der Autor auch in diesem Buch auf das  theoretische Konstrukt des „Drei-Ich-Modell nach Luca Rohleder© “ zurück: das NEUGEBORENEN-ICH (NI), ERWACHSENEN-ICH (EI),  und das HÖHERE-ICH (HI).

Neugeborenene verfügen nach der Geburt über Urinstinkte oder Reflexe, denn sie sind allein nicht überlebensfähig. (Mit den Instinkten sind der Zugriff des HÖHEREN-ICHs auf die Informationen der UNSICHTBAREN WELT gemeint). Das Gehirn ist noch nicht vollständig ausgereift, die Festplatte quasi unbeschrieben und einige Teile des Gehirns entwickeln sich erst durch bestimmte Lernprozesse. Wenn Sie Kinder haben, haben vielleicht selbst schon die Erfahrung gemacht, dass sie in jungen Jahren eine gewisse Übersinnlichkeit besaßen, die sich in späteren Jahren verloren hat.

Empathische Menschen zeichnen sich nach Luca Rohleder dadurch aus, dass sie die Anbindung an die UNSICHTBARE WELT nicht vollständig verloren haben. An einem bestimmten Zeitpunkt vor oder nach der Geburt kam die Entwicklung eines herkömmlichen Inneren Kindes zum Erliegen. An seine Stelle trat das NEUGEBORENEN-ICH. Herr Rohleder glaubt, dass dies bei allen Extremformen der Hochsensibilität kurz vor oder nach der Geburt geschehen sein muss, bei den empathischen Menschen irgendwann danach. Er schreibt so schön „Empathische Menschen stehen noch mit einem Bein in der UNSICHTBAREN WELT.“ Mit der UNSICHTBAREN WELT sind das intuitive Wissen von Zusatzinformationen über Umwelt, Umfeld und andere Menschen gemeint. Das HÖHERE-ICH stellt dabei die Verbindung zur UNSICHTBAREN WELT dar. Vielleicht haben empathische Menschen deshalb oft das Gefühl, nicht auf die Erde zu gehören?

Halten wir an dieser Stelle erst einmal fest, dass Sie als empathischer Mensch über ein NEUGEBORENEN-ICH verfügen. In der prägenden Phase werden Sie daher vermutlich ein gewisses empathisches Liebesideal entwickeln, das geprägt ist von Ehrlichkeit, Bedingungslosigkeit, Engagement und Selbstlosigkeit - Ihre Vorstellung von WAHRER LIEBE. Vielleicht werden Sie niemals aufhören, nach diesem Ideal zu suchen … Dieses Ideal orientiert sich an der Zeit ihrer Geburt, als ihre Mutter höchstwahrscheinlich vollkommen auf Sie fixiert war und Sie selbst nichts tun mussten. Ein Teil von Ihnen hat sich die Erinnerung an diese Zeit bewahrt und hört nie mehr auf, nach der bedingungslosen Liebe zu suchen, die Sie erlebt haben.

Da habe ich schon ziemlich geschluckt

Denn ich habe tatsächlich selbst das Problem, dass meine Erwartung auf Händen getragen zu werden, meist nicht erfüllt wird. Erst durch das Lesen die Liebe empathischer Menschen ist mir das überhaupt klar geworden - und auch, wie schräg diese Erwartung eigentlich ist. Auch wenn ich eine sehr fürsorgliche Partnerin bin, wäre ich zu diesem selbstlosen Engagement selbst gar nicht bereit …

Außerdem geschah noch etwas Anderes, was ebenfalls in dieser prägenden Phase geschehen kann:

die Entwicklung von Urängsten.

Warum empathische Menschen so Schwierigkeiten mit der Liebe habenWenn Säuglinge das Gefühl haben, nicht beachtet und vergessen zu werden kann sich das zu einer Sache auf Leben und Tod entwickeln. Denn wenn niemand kommt und das Baby füttert, muss es sterben. Herr Rohleder hat es ganz wunderbar beschrieben: das die Instinkte eines Neugeborenen permanent dafür sorgen, sicherzustellen, dass die Eltern anwesend sind. Daher liegen Babys nur da und schauen und hören. Sobald es Anzeichen dafür gibt, dass z. B. die Mutter nicht mehr verfügbar ist, stellt dies für das Kind eine Bedrohung dar. Denn das Kind kennt nur den aktuellen Augenblick und es weiß, dass es in Gefahr ist, wenn keiner da ist …

Das NEUGEBORENEN-ICH beobachtet permanent seine Bezugspersonen um herauszufinden, ob es geliebt wird und wenn es das Gefühl hat, dass es nicht so ist, kann es Urängste entwickeln. Dies sorgt zum einen dafür, dass Sie schon als ganz kleiner Mensch übermässigem Stress ausgesetzt waren (was sich auf Ihr ganzes weiteres Leben auswirken kann), zum anderen können Sie Verhaltensweisen entwickeln, die Sie selbst behindern, auf andere Menschen befremdlich wirken und nur sehr schwer wieder loszuwerden sind. Mich z. B. triggert das Gefühl, nicht beachtet zu werden, unglaublich an und kann tagelang andauernde Stressattacken in Gang setzen …

Wachsen und werden

Natürlich ist Herr Rohleder mit seinem Latein da noch längst nicht am Ende. Im Gegenteil, nach diesen wichtigen Grundlagen geht es nun um weitere Lebensphasen

  • die vergeistigte Phase
  • die überlastete Phase
  • die lebensverneindende Phase
  • die erwachende Phase
  • die erlösende Phase
  • die liebende Phase

und darum, wie Sie die Liebe in den jeweiligen Phasen erleben. Auch das ist ungemein spannend und erhellend und baut auf den Erkenntnissen auf, die Sie als Säugling erlebt haben. Warum sind empathische Menschen im hohen Grade gerade in Liebesdingen erregbar? Warum entwickeln sie Zukunftsängste? Was ist das empathische Liebesparadoxon? Warum haben viele empathische Menschen (EM) Schwierigkeiten mit Bindung und emotionaler Nähe? Warum sind empathische Menschen häufig regelrechte Kontrollfreaks? Wie kann ich eine Bindungsphobie auflösen?

Dieses Buch ist wirklich spannend

von der ersten bis zur letzten Zeile. Ich hoffe, ich konnte Sie ein bisschen neugierig machen. Ich habe ganz bewusst nur einen Aspekt des Buches so ausführlich beschrieben, in der Hoffnung, dass Ihnen das Lust auf mehr macht. Die Liebe empathischer Menschen ist meiner Meinung nach eine Anschaffung fürs Leben. Dazu kommt noch, dass Herr Rohleder seinen Schreibstil ganz entscheidend verbessert hat. Mein Lesefluss wurde nicht mehr durch inneres Aufbegehren gestört, sondern ich konnte mich ganz und gar auf den (wie ich finde äußerst wertvollen) Inhalt konzentrieren. Das Buch bekommt einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal und ich bin ganz sicher, dass ich es in absehbarer Zeit wieder zur Hand nehmen und noch einmal lesen werde. Bestimmt auch um die ein oder andere Erkenntnis zu beklopfen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Liebe gemacht? Kennen Sie die oben beschriebenen Phänomene von sich selbst? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Die Liebe empathischer Menschen
Luca Rohleder
dielus edition
ISBN 978-3-9817975-8-9

22,99 EUR

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

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Monika Richrath

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Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und drei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig