Ich kann kein Small Talk!

Ich kann kein Small Talk!

Wenn es eine Sache gibt, die ich besonders häufig in meinem Seminar über Hochsensibilität oder auch von Klienten höre, dann das, dass sie keinen Small Talk können.

Ich dachte, dass das einmal einen Blogartikel wert ist. Ich kenne das nämlich sehr gut aus eigener Erfahrung.

Früher habe ich Small Talk auch abgelehnt. Ich wollte Nichts Belangloses,

alles, was ich tat, sollte von Tiefe und Sinn durchdrungen sein.

Darum wollte ich keine oberflächlichen Gespräche führen.

Small Talk stand stellvertretend für mich für das Wesen dieser Welt, in der ich mich so wenig wohl fühlte: immer schön an der Oberfläche bleiben, bloß nicht kratzen oder gar bohren – wer weiß, was dann zutage treten könnte – am besten gar nicht erst hinsehen.

Die Weigerung, mich an solchen Gesprächen nicht zu beteiligen, hatte Konsequenzen. Letzten Endes bedeutete es immer, allein und außen vor zu bleiben. Vor allen Dingen am Arbeitsplatz, aber auch bei allen anderen Gelegenheiten, wo ich mit Menschen zusammentraf, die ich nicht kannte, Parties, Seminare usw. Es war jedes Mal eine neue Gelegenheit, die Erfahrung zu machen:

ich bin ausgeschlossen, ich gehöre nicht hierher.

Das tat und tut jedes Mal immer wieder neu weh, der Gewöhnungseffekt ist gleich null.

Irgendwann aber – ich habe keine Erinnerung daran, was den Prozess letzten Endes ausgelöst hat – ist mir aber etwas klar geworden.

Nämlich, dass Small Talk absolut kein oberflächliches Daherreden ist. Dass es letzten Endes gar nicht darum geht, was gesagt wird, sondern, dass Small Talk eine ungemein wichtige soziale Funktion erfüllt.

Wenn Menschen aufeinandertreffen, die einander nicht kennen und sie beginnen, z. B. über das Wetter zu reden, dient das Gespräch in allererster Linie dazu, Kontakt aufzunehmen. Und natürlich ist es dann wichtig, richtig und sinnvoll, über etwas zu sprechen, über das alle Menschen etwas sagen können. Es geht also darum, miteinander in Beziehung zu treten, sich durch Worte miteinander zu verbinden. Der Inhalt des gesagten ist dabei absolut zweitrangig. Die Verbindung aber nicht. Und das ist ungemein wichtig. Gerade für hochsensible Menschen.

Wir brauchen diese Verbindung.

Oft haben wir ja viel zu selten das Gefühl, überhaupt mit anderen Menschen verbunden zu sein. Und Verbundenheit mit anderen kann ungemein zu unserem Wohlbefinden beitragen.

Wenn ich eine Sache gelernt habe in den vergangenen Jahren, dann diese: wenn ich mich getrennt fühle von anderen, dann habe ich mich meistens von den anderen selbst getrennt. In diesem speziellen Fall schon von vornherein durch meine Weigerung, an dem Gespräch überhaupt teilzunehmen.

Wäre es nicht schön, die Anzahl der Gelegenheiten zu reduzieren, bei denen dieses Gefühl des Andersseins überhaupt aufkommt? Das funktioniert natürlich nicht immer und für alle Gelegenheiten. Ich selbst mache diese Erfahrung immer wieder auf zum Teil sehr tiefen Ebenen. Erst vor kurzem habe ich darüber den Beitrag „Ich bin vollkommen fremd hier“ geschrieben. Und um diese ganz tiefen  Bindungserfahrungen und den damit verbundenen Stress zu verändern, bedarf es gewisser Tools, wie z. B. Klopfakupressur, Matrix Birth Reimprinting, usw.).

Beim Small Talk geht es aber um Menschen, die wir noch nicht kennen. Ich habe irgendwann beschlossen,

dass ich mir das gönnen darf, mich mit anderen zu verbinden.

Dabei habe ich die sehr angenehme Erfahrung gemacht, dass das entsprechende Ereignis dann für mich ganz anders verläuft, wenn ich es anfangs schaffe, durch Small Talk mit anderen in Verbindung zu treten. Ich bin dann viel präsenter in der Gruppe, nicht nur für die anderen, auch für mich selbst. Ich habe das Gefühl, dazu zu gehören. Und das trägt sehr zu einem positiven Empfinden meines eigenen in-der-Welt-seins bei.

Übrigens spricht gar nichts dagegen, sich selbst

eine kleine hochsensible Small Talk Variante

zu schaffen.

Vor Jahren habe ich einmal an einem Speed-Dating teilgenommen. Und ich habe alle Teilnehmerinnen als erstes gefragt: „Wie fühlst du dich mit diesem Setting hier?“ Nach einem kleinen Verblüffungsmoment haben mir aber alle eine ehrliche Antwort gegeben, von wo aus wir dann schnell in ein richtiges Gespräch geraten sind, was in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nicht selbstverständlich war. Ich bin dann nach Hause gegangen, in dem Bewusstsein, dass  es mir gelungen war, mich zu verbinden,

dass ich etwas Schönes geschaffen hatte an diesem Abend,

nicht nur für mich, sondern auch für die anderen.

Überlegen Sie sich doch einmal ein paar offene Fragen (auf die man nicht mit ja/nein antworten kann), die Sie bei passender Gelegenheit stellen können. Meine Lieblingsgesprächseröffnung ist nach dem obigen Event tatsächlich „Wie gefällt es Ihnen hier?“ aber es gehen auch Dinge wie „Wie sind Sie hergekommen“, „Wie haben Sie von dieser Veranstaltung erfahren“, „Haben Sie schon öfter ähnliche Veranstaltungen besucht?“ usw.

Ich bin gespannt, ob Sie eine Lieblingseröffnung haben oder sich eine überlegen. Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

Image by Steve Cliff from Pixabay 

 

Und was ist mit Werbung?

Und was ist mit Werbung?

Dieses Thema beschäftigt mich schon sehr lange. Im Netz wird es bislang kaum thematisiert. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Es würde mich freuen, wenn ich mit meinem Artikel einen Dialog oder Austausch in Gang setzen könnte.

Die meisten hochsensiblen Menschen reagieren sehr empfindlich auf Werbung, oder wenn sie das Gefühl haben, dass ihnen etwas angedreht werden soll.

„Ich Ich selbst bin schon einmal (hochkant!) aus einer hochsensiblen Facebookgruppe herausgeflogen. Der Grund dafür war, dass in der Seitenleiste meines Blogs Hinweise auf mein Klopfbuch „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“ standen (Heute finden Sie dort auch noch Hinweise auf mein zweites Buch „Die Geheimnisse des gesunden Schlafs„). Damals war ich sehr empört, ein bisschen verstört und fühlte mich zu Unrecht gemaßregelt. Das ist aber schon ein paar Jahre her.

Hochsensibilität trägt bisweilen besondere Blüten, dazu gehört auch, dass alles,

was nicht wahrhaftig aussieht oder von Idealismus getragen wird, abgelehnt wird.

Ich finde das, mit Verlaub gesagt, äußerst weltfremd. Denn auch als hochsensible Menschen sind wir ein Teil dieser Gesellschaft, ein ganz schön großer sogar, auch wenn so viele dies immer noch nicht von sich wissen oder nicht in Erscheinung treten.

Letzten Endes ist

Werbung eng verknüpft mit den alternativen Lebensentwürfen,

denen empfindsame Menschen häufig nachgehen, wenn sie merken, dass sie nicht in den üblichen Arbeitsstrukturen bestehen können.

Viele Menschen ziehen sich dann einfach vollkommen zurück, indem sie sich frühzeitig berenten lassen. Ich kann das sehr gut verstehen, ich habe mich ja selbst einmal auf diesen Weg begeben und mich erst in letzter Sekunde dann umentschieden.

Wie andere auch, habe ich dann doch versucht, mein Leben so zu gestalten, dass sich

die Rahmenbedingungen mit meiner Hochsensibilität vereinbaren lassen.

Ganz häufig werden wir dann eben Coaches oder lehren etwas oder unterstützen andere Menschen auf ihrem Lebensweg. Und das sind sehr gute Berufe für uns, weil wir anderen Menschen grundsätzlich ein echtes tiefes Interesse entgegenbringen, weil wir empathisch und einfühlsam sind.

Aber spätestens wenn es darum geht, mit seinem Angebot an die Öffentlichkeit zu gehen, wird sich die Frage nach der Werbung wieder stellen. Diesmal ist sie ganz eng gekoppelt mit dem Erfolg des eigenen Geschäfts- und Lebensmodells:

Wie sollen andere Menschen von unserem Angebot erfahren, wenn wir es nicht bewerben?

Es gibt natürlich offline-Möglichkeiten, aber darauf können sich heutzutage die wenigsten Menschen verlassen.

Dennoch stellt sich die Frage, ob etwas weniger wahrhaftig ist, bloß, weil es beworben wird?

Der Ton macht eben die Musik.

Es gibt eine ganze Menge hochsensibler Menschen im Netz, deren Werbemethoden ich selbst unglaublich aufdringlich finde, die mich alleine schon durch ihre Penetranz verschrecken. So eine Werbung verursacht Stress bei den Betroffenen und ist eigentlich eher selbstschädigend. 

Dennoch denke ich, dass gerade wir hochsensible Menschen Werbung machen sollten. Wir müssen andere Menschen auf uns aufmerksam machen, um Kunden zu gewinnen. Nur so können wir erfolgreich sein mit unseren alternativen Lebensentwürfen. Aber die Werbung muss eben zugeschnitten sein auf die Bedürfnisse der Zielgruppe, sonst geht es einfach nicht.

Kürzlich habe ich in irgendeiner Facebookgruppe eine Beschwerde einer Frau gelesen, die es schrecklich fand, dass niemand ihr „einfach so“ hilft, sondern dass alle immer nur ihr Angebot an den Mann/die Frau bringen möchten.

Ich gestehe, dass ich mich richtig geärgert habe, auch wenn es gar nicht um mich ging.

Weil ich diese Forderung sehr maßlos fand.

Wenn es das bedingungslose Grundeinkommen schon gäbe, dann könnte man dies noch einmal überdenken. Aktuell gibt es das bedingungslose Grundeinkommen aber nicht, und wir benötigen Einkünfte, um Miete und Essen zu bezahlen.

Und wir benötigen Einkünfte, um die kostenlosen Gratisangebote zur Verfügung zu stellen – die mich zum Beispiel jeden Monat mehrere hundert Euro kosten. Aber letzten Endes führen die Gratisangebote zu einer Win/Win-Situation für beide Seiten, solange wir als Coaches mit oder in unseren Gratisangeboten auf unsere Leistungen aufmerksam machen können. Ich bekomme häufig Zuschriften von Menschen, die es nur mit dem Gratisangebot schaffen ihr Leben wirklich zu verändern.

Letzten Endes wünsche ich mir eigentlich

ein Umdenken hochsensibler Menschen in Sachen Werbung.

Eine Haltung, die statt: „Hilfe, hier wird mir etwas übergestülpt“ von mehr Offenheit geprägt ist: Vielleicht kommt hier etwas, das mir helfen kann, besser mit meiner Hochsensibilität umzugehen, etwas, was, mein Leben positiv verändert. Oder: Wie interessant, was andere  hochsensible Menschen alles so machen, wie sie ihr Leben gestalten, kann ich das als Impuls sehen, meinen eigenen Lebensweg noch einmal zu betrachten (und/oder vielleicht zu verändern?)

Jetzt bin ich vielleicht zu idealistisch. Wahrscheinlich.

Nichtsdestotrotz habe ich mir im Laufe der Jahre einfach erarbeitet, dass ich Werbung machen darf und muss und ich glaube, dass es mir ganz gut gelingt. Jedenfalls bekomme ich häufig Rückmeldungen, dass die Abonnent*innen meines E-Mail-Kurses ihn angenehm empfinden und als nicht zu aufdringlich.

Aber natürlich kann nicht alles für alle gleich passen. Im Zweifelsfall kann man sich ja wieder abmelden.  Und in meinem Online-Kurs können Sie das Tempo sogar selbst bestimmen und die E-Mail Benachrichtigungen deaktivieren.

Noch eins: Ich habe sehr lange überlegt, ob ich tatsächlich eine Werbe-/Empfehlungsseite für andere auf  meiner Webseite einrichten soll. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich es gut finde, auf Menschen, Produkte und Dienstleistungen hinzuweisen, die ich selbst gut finde. Dass ich dafür eine Provision bekomme, falls jemand dann etwas kauft, finde ich richtig (hier kommt wieder das Win-Win-Prinzip zum Tragen!). Aber ich mache das nicht wegen der Provision.

Ich kann Ihnen versichern, dass nur die Menschen es auf meine Seite schaffen,

die ich wirklich richtig gut finde.

Menschen, deren Dienstleistungen ich selbst immer wieder nutze.

Tatsächlich werde ich immer wieder einmal angeschrieben von Menschen, die sich mit ihren Dienstleistungen für hochsensible Menschen da gerne dranhängen möchten. Aber ich lehne das dann ab, weil es nicht zu meinen eigenen Werbeprinzipien passt. Ich möchte nämlich nicht einfach Werbung für andere Menschen machen (auch wenn deren Dienstleistungen vielleicht für hochsensible Menschen vielleicht besonders wertvoll sein mögen).

Ich möchte diese Menschen selbst entdecken, ich möchte selbst die Entscheidung treffen, Initiatorin dieser Werbung zu sein und ich möchte zu 100 % oder mehr von deren Dienstleistungen oder Produkten überzeugt sein.

Damit fühle ich mich sehr gut. Dadurch ist meine Werbungs-/Empfehlungsseite mit sehr viel Freude verbunden. Und das fühlt sich einfach wunderbar an. Und ich denke, Sie können es auch merken an der enthusiastischen Begeisterung, die ich für die jeweiligen Produkte habe.

Wie gehen Sie mit Werbung um? Ist Werbung eher ein rotes Tuch, haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie es auf der anderen Seite aussieht oder wie muss eine Werbung für Sie beschaffen sein, damit sie bei Ihnen ankommt? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Gedanken mit uns teilen.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

Bild von Sasin Tipchai aus Pixabay 

Was Krankheit uns nutzt

Was Krankheit uns nutzt

Haben Sie schon einmal den Begriff „Sekundärer Krankheitsgewinn“ gehört? Hinter diesem etwas pompös klingenden Namen steckt ein ganz einfaches Prinzip.

Es geht nämlich darum,

was Krankheit uns nützt.

„Wie? Was? Was soll das denn? Warum soll meine Krankheit einen Nutzen für mich haben?“ mag sich die eine oder der andere jetzt empört fragen und mich zur Spinnerin erklären.

Das ist ein Gedanke, der sehr schwer zu akzeptieren sein kann, vor allen Dingen, wenn man schon schwer erkrankt ist oder eine sehr komplizierte und/oder chronische Erkrankung hat, die sehr leidvoll ist.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Meine eigene Krankheitsgeschichte erstreckt sich über einen Verlauf von rund 20 Jahren. 

Wie ich heute, dank der medialen Medizin von Anthony William weiß, muss alles

mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber begonnen haben,

das ich Mitte der 30er bekam und über eineinhalb Jahre lang nicht mehr loswurde. Dann kam zuerst der Hashimoto, dann, langsam die Fibromyalgie, die sich über die Jahre schleichend verschlimmerte. Drei Trennungen, die mich so aus der Bahn geworfen haben, dass ich mich jahrelang nicht davon erholte. Kein Wunder, dass sich irgendwann eine Nebennierenschwäche dazu gesellte.

In einer psychosomatischen Klinik ließ ich mich zur Einnahme von Psychopharmaka überreden wegen Schlafstörungen. Das half ein bisschen. Gegen die Schlafstörungen. Aber ich nahm davon zu, innerhalb von ein paar Monaten wog ich 20 kg mehr und erkannte mich selbst nicht mehr, wenn ich in den Spiegel sah.

(Was habe ich nicht alles unternommen, um abzunehmen. Nix klappte. Das war der totale Frust. Einmal habe ich mit meiner damaligen Partnerin einen Monat strikt nach Atilla Hildmann gegessen. Sie hat abgenommen. 5 kg. Die Personen im Begleitbuch haben auch abgenommen. Ich nicht. Allenfalls ein halbes Kilo).

Am schlimmsten war die Erschöpfung.

Und die war so allumfassend, dass klar war, ich werde meinen alten Beruf als Fremdsprachenassistentin nicht mehr ausüben können. Viel zu viel Stress.

Ich habe ja schon auf diesem Blog erzählt, dass ich aufgrund meiner vielen Fehlzeiten (30 Tage im Jahr) unglaublich arbeitswillig war, was fast alle meine Arbeitgeber nach Strich und Faden ausgenützt haben, indem sie mich die Arbeit von 2–3 Sekretärinnen erledigen ließen.

Damals wusste ich nichts von meiner Hochsensibilität. Ich wusste nicht, was ich mir antat. später wusste ich nicht, wie ich da rauskommen sollte. Aber mein Körper, mein Geist und meine Seele wussten es.

Irgendwann habe ich mir natürlich die Frage gestellt, warum sich bei mir nichts veränderte, obwohl ich mir so eine Mühe gab?

Ich suchte nach Antworten.

Und fand den „sekundären Krankheitsgewinn“.

Die Idee, dass mein Zustand mir in irgendeiner Form nutzen könnte, war sehr neu für mich. Schließlich wünschte ich mir nichts sehnlicher, als wieder gesund zu werden. Außerdem hängt diesem Begriff für mich so etwas wie „Schuld“ an, wie den eigenen Zustand selbst verursacht zu haben. Dem ist natürlich nicht so. Obwohl es den sekundären Krankheitsgewinn unbestreitbar gibt, wird er doch vom Unbewussten, von

unseren inneren Wächtern, unserer internen Sicherheitspolizei,

gesteuert und ist für Vernunft und klare Logik nicht zugänglich.

Mir fällt ein, dass die vielen Auszeiten, die ich in meinem Arbeitsleben hatte, vielleicht auch ein sekundärer Krankheitsgewinn waren. Früher habe ich nur verstanden, dass ich von Zeit zu Zeit offenbar solche Auszeiten brauche, da mein System einfach überfordert ist. Ein paar Tage Ruhe waren wie ein Reset.

Eine zeitlang habe ich mich durchaus intensiv mit dem sekundären Krankheitsgewinn beschäftigt. Sehr weit bin ich bei mir aber nicht gekommen. Aufmerksamkeit bekam ich dadurch, ja. Das ist sicherlich für viele, viele Menschen ebenso. Aber sonst?

Im Prinzip kann eigentlich alles zu einem sekundären Krankheitsgewinn werden,

habe ich so nach und nach erfahren. Z. B. die Aufrechterhaltung eines gewissen Status Quo. So kann Krankheit dafür sorgen, dass sich nichts verändert, nichts verändern kann und nichts verändern darf. (Das entbehrt nicht einer gewissen Tragik, weil Krankheit ja auch immer einen Zustand anzeigt, der nicht akzeptabel ist.) Irgendwo habe ich z. B. einmal einen Podcast gehört, in dem eine Frau erzählte, dass sie selbst es sich nicht erlaubte gesund zu werden, weil sie sonst ihren Mann hätte verlassen müssen. Eine Krankheit kann also immer auch dafür sorgen, dass wir uns gewissen Dingen nicht stellen (müssen). Auch hier sind sicherlich die inneren Wächter am Werk.

Es mag Zufall gewesen sein, dass ich eine Herpesvireninfektion bekam.

Glaube ich allerdings nicht wirklich. Letzten Endes ist es auch egal. Fest steht, mein Weg in die Krankheit dauerte 10 Jahre und genauso lange brauchte ich für den Weg hinaus.

Ich hatte durchaus mal lichte Momente, 

wo mir ganz deutlich klar wurde, dass ich mich ohne meine Krankheiten immer noch als unangepasste Sekretärin in mies bezahlten Zeitarbeitjobs durchs Leben schlagen würde. Eine berufliche Selbstständigkeit war für mich vollkommen unvorstellbar. Dass ich meinen Lebensunterhalt u. a. damit verdienen könnte, andere Menschen dabei zu unterstützen, zu sich selbst zurückzufinden, lag vollkommen jenseits meiner Vorstellungskraft. Dass ich so gut oder wertvoll sein könnte um eine solche Arbeit zu machen. Dass ich dafür von anderen Menschen Geld bekommen könnte ebenfalls …

Jetzt hatte ich es viel besser:

Mittlerweile hatte ich Behindertenprozente, einen Rehabilitandenstatus und galt aufgrund meiner Geschichte, Einschränkungen und meines Alters als „schwer vermittelbar“.Ich konnte in aller Ruhe mein Coachingangebot aufbauen und bezog über einen sehr langen Zeitraum ergänzende Leistungen vom Jobcenter.

Im Laufe der letzten Jahre ist noch die ein oder andere Tätigkeit hinzugekommen, und es hat sich (sehr, sehr langsam) herauskristallisiert, dass mein Angebot richtig ist und es eine Zielgruppe dafür gibt …

Manchmal ist mir – ganz flüchtig nur – in den Sinn gekommen, dass ich vielleicht aber trotzdem krank bleiben muss, damit ich weiter Geld vom Jobcenter bekommen kann? Darauf hatte ich natürlich keine Antwort. Ich habe das sogar mal eine Zeitlang beklopft. Ohne Erfolg leider. (Damals kannte ich das Thema Sicherheit noch nicht).

Vor ein paar Jahren wurde meine Körpermaßnahmen dann zielgerichteter, ich begann eine Behandlung bei einer Heilpraktikerin, behandelte meine HPU und meinen lausigen Darmstatus. Ich begann, glutenfrei zu leben, Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen, meine Nebennierenschwäche zu behandeln. 

Allmählich ging es mir besser, ich hatte wieder etwas mehr Energie. Ich nahm aber immer noch nicht ab und blieb offenbar in der Gesamtsituation gefangen, auch dann noch, als ich mich konkret mit der Herpesviren-Infektion beschäftigte.

Es war mir schon klar, dass ich irgendwo,

tief drinnen, eine panische Angst

davor hatte, dass ich in die „normalen Strukturen“ zurückgeschickt werden könnte. Zurück zu den Männern in Anzügen und in den Office-Alltag, dem ich mich einfach nicht mehr gewachsen fühlte. Das hatte mir soviel Leid verursacht, um nichts in der Welt wollte ich da wieder hin. 

Auf der anderen Seite wurde immer klarer, dass ich mich endlich finanziell abnabeln muss. Es war echt schwer, dieses kleine Stück finanzielle Sicherheit aufzugeben.

In den letzten Monaten haben sich die Ereignisse in meinem Leben überstürzt. Ich wurde quasi gezwungen, das Jobcenter und die damit verbundene Sicherheit loszulassen und endlich mir selbst und meinen Fähigkeiten zu vertrauen. Vor ein paar Wochen habe ich festgestellt, dass ich wieder fast gesund bin. Und plötzlich nehme ich auch wieder ab. Problemlos.

Mir war sehr schnell klar, dass das nur einen Grund haben kann:

es nützt mir nichts mehr, krank zu sein.

Offenbar hat der Körper seine eigene Wahrheit, an der er unerschütterlich festhält. Aber alles, was er getan hat, tut er nur, um mich zu unterstützen. Diese Erkenntnis hat mich sehr glücklich gemacht. Und seitdem tue ich alles, was ich kann, um meinerseits meinen Körper zu unterstützen. 

Ich bin noch lange nicht da, wo ich hin will, aber jetzt erkenne ich mich zumindest wieder, wenn ich in den Spiegel schaue und habe das Gefühl, mir zu gehören. Das ist unbezahlbar.

Haben Sie selbst auch vielleicht schon einen Nutzen für sich im Kranksein entdeckt? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Bild von silviarita auf Pixabay 

Ein ganz normaler Arbeitstag

Ein ganz normaler Arbeitstag

In der letzten Woche konnte ich leider vollkommen ungeplant keinen Blogbeitrag veröffentlichen. Die Leipziger Buchmesse hat dann letzten Endes doch ihren Tribut von der Hochsensibilität und der völligen Reizüberflutung verlangt. Es war eine tolle Zeit, ich habe spannende Begegnungen gehabt, nette Menschen kennengelernt und es aus vollen Zügen genossen, aber hinterher gab es eine Art „Shutdown“ und ich musste mich erst einmal halbwegs regenerieren.

Dieser Blogbeitrag geistert schon lange in mir herum. Ich habe einfach einmal aufgeschrieben, wie mein ganz normaler Arbeitsalltag aussieht, was ich tun möchte eigentlich und was ich tatsächlich dann tue. Vielleicht haben Sie einen Wiedererkennungseffekt beim Lesen …

08:00 Uhr

Heute sitze ich früh an meinem Arbeitsplatz. Mein Programm ist ziemlich voll: 3 Sitzungen stehen auf dem Programm, aber es gibt noch jede Menge Kleinkram abzuarbeiten. Die erste Sitzung beginnt um 09:00 Uhr.

Als erstes will ich meinen letzten Blogbeitrag noch weiter bei Facebook posten. Kann mir aber nicht versagen, zuerst meine E-Mail aufzumachen. Da wartet ein kleiner Auftrag auf mich. Runterladen – fertig. Als nächstes öffne ich meine Webseite. Zuerst mal den Cache löschen. Da wartet auch ein Kommentar, der freigegeben und beantwortet werden will. Außerdem soll ich das Theme und ein Plugin aktualisieren.

08:20

Am Samstag will ich ausgehen, dafür brauche ich eine Streifenkarte. Meine Schreibtischschublade habe ich schon durchsucht, aber vielleicht sehe ich einfach im alten Portemonnaie in der Abstellkammer nach? Da ist die Streifenkarte nicht. Zurück an den Schreibtisch.

Ich mache Facebook auf. Auf meiner Startseite ist ein Post, der mich spontan anspringt. Soll ich den jetzt wirklich angucken? Außerdem eine Benachrichtigung, dass jemand Geburtstag hat. Ich entscheide mich in beiden Fällen dagegen, diesen Impulsen nachzugeben und arbeite brav meine Posting-Liste ab. Ach g+ gibts ja nicht mehr, also löschen aus der Liste. Mir fällt auf, dass meine Liste für diesen Tag sehr kurz ist, vielleicht sollte ich die mal aktualisieren, bestimmt habe ich mich zu Gruppen angemeldet, die noch gar nicht in meiner Liste sind. Heute habe ich aber keine Zeit dazu.

08:30

7 Posts später. Ich kann es mir nicht versagen, schnell eine Benachrichtigung anzuklicken. Jemandem gefällt meine Seite. Eigentlich sollte ich mal alle Verlage anschreiben, von denen ich was von der Buchmesse mitgenommen habe. Wo ist die Streifenkarte? Mir fällt noch ein anderer Ort ein, wo die Karte sein könnte, ich gehe in mein Schlafzimmer und sehe in eine Mappe, in der sich verschiedene Dinge befinden. Die Streifenkarte ist dort nicht. Aber ich finde ein paar alte Prospekte, die umgehend ins Altpapier wandern. Also muss ich wohl doch mal die Schublade ausräumen.

08:38

Die Schublade ist halbleer. Brauche ich eigentlich meine alten Zykluskalender noch? Da entdecke ich die Streifenkarte. Wusste ich es doch, dass sie dort ist, wo sie hingehört. Langsam wird es Zeit, mich auf meine Sitzung vorzubereiten. Erst mal meine Nahrungsergänzungen nehmen, Wasser für Tee aufsetzen in der Küche. Ich habe Kopfschmerzen. Das Telefon muss ich auch noch ausstellen. Wieder ins Wohnzimmer, wo ein Tiegel Tigerbalm steht. Hoffentlich klopfe ich mir das jetzt nicht versehentlich irgendwo hin … Apropos wohin, das muss auch noch sein, den Tee aus der Küche abholen, mir Lippen und Hände eincremen. Das Protokoll der letzten Sitzung lesen.

08:49

Wo ist der Spitzer? Während ich um mich sehe, fällt mein Blick auf ein Kurzprotokoll, das ich offensichtlich noch nicht verschickt habe. Da liegen noch zwei Quittungen, die ich noch kurz in meine Ausgabenliste eintragen könnte. Ich könnte eigentlich nochmal kurz lüften vorher. Schnell mache ich noch die Datei mit der Ausgabenliste auf. Mist, die ist noch nicht für April eingerichtet. Also wieder zu. Dabei fällt mein Blick auf eine Datei, die ich nicht dauernd vor Augen haben will, schnell in den Papierkorb verschieben. Jetzt ein paar Minuten ruhig sitzen und atmen. Jetzt noch das Mikrofon anstellen und die Webcam aus der Verkleidung befreien. Ein Klick und es geht los …

10:10

Die Sitzung ist beendet. Erstmal brauche ich ein großes Glas Wasser. Vielleicht sollte ich noch mal das Fenster aufmachen? Erstmal laufe ich ein bisschen unmotiviert in der Wohnung herum, bis mir einfällt, dass Fremdenergien ausleiten auf jeden Fall eine gute Idee ist. Das lemurische Heilzeichen liegt im Schlafzimmer. Danach kann ich mich an den Schreibtisch setzen und mit der Zusammenfassung der Sitzung anzufangen.

10:32

Das Telefon klingelt, ich muss aufstehen und führe ein kurzes Gespräch.

11:35

Da ist eine Nachricht, dass ich einen Job abrechnen kann. Wunderbar.

10:45

Das Protokoll ist endlich fertig. Jetzt noch die neuen Termine in den Kalender eintragen, das Protokoll verschicken – fertig. Ich habe Hunger. Erstmal eine Banane essen. Was jetzt? Eigentlich sollte ich mal einkaufen gehen. Ich habe mir noch nicht überlegt, was ich heute essen will. Oder schreibe ich Rechnungen? Ach Mist, da wartet ja noch dieser Lektoratsauftrag. Erstmal koche ich mir eine neue Tasse Tee. Mir fällt ein, dass ich auch noch ein paar Rechnungen bezahlen muss. Und ist die Überweisung von Paypal eigentlich auf meinem Konto? Schnell mal checken. Ja. Eigentlich wäre es doch gut, die Überweisungen jetzt zu machen, wo alles auf ist. Erst mal in die Küche, den Tee holen. Dann rufe ich mich zur Ordnung. Das Online-Banking kann warten. Das wichtigste zuerst. Der Auftrag hat einen Termin.

11:00

Den Auftrag aus dem Download-Ordner in den richtigen Ordner kopieren und öffnen. Was soll ich heute essen? Was ist denn das, das ist ja eine Übersetzung! Nochmal das Postfach öffnen und die Auftragsbeschreibung lesen.

11:13

Übersetzung erledigt, ok, jetzt kann ich ein Rückpaket erstellen. Wo ist die Funktion? Ich kann sie nirgends finden. Uff, gefunden, aber wo ist jetzt das Paket gelandet? Übersetzerprogramm wieder öffnen, neues Paket erstellen. Was wird mir als Speicherort vorgeschlagen? Ach der Monat März. Dort ist das Paket gelandet. Also zurück ins Mailprogramm, Paket zurückschicken – fertig. Aber da ist eine Nachricht einer Klientin, im Eifer des Gefechts habe ich vor einigen Tagen offenbar vergessen, die Zusammenfassung zu verschicken. Also das auch noch nachholen.

11:20

Was soll ich essen? Erst noch den Auftrag in die Auftragsliste eintragen. Die Liste ist noch nicht für April eingerichtet, also erstmal alles auf dem Blatt löschen, Blatt umbenennen, Auftrag eintragen – fertig. Noch schnell zwei Rechnungsnummern vergeben. JETZT gehe ich einkaufen. Weiß immer noch nicht, was ich essen soll. Im Kühlschrank ist noch Fenchel, wie wäre es mit Buletten dazu aus dem Anne Fleck-Buch? Ich schmeiße mich aufs Sofa, nachgucken, was ich brauche, dazu noch schnell eine kleine Einkaufsliste schreiben und los gehts. Unten finde ich noch ein paar Briefe im Briefkasten.

11:55

Eigentlich ist jetzt Pause, aber ich kann es mir doch nicht versagen, beim Nachhausekommen einen der Briefe aufzumachen. Meine erste Umsatzsteuer-Voranmeldung.

13:00

Das Essen war super. Danach habe ich mich hingelegt und meine Trancedatei Selbstsabotageprogramme löschen gehört. Ich bin gerade so richtig schön halb weg, da klingelt es. So ein Mist. Ob das jetzt für mich ist? Es steht aber außer Frage, die 3 Stockwerke herunterzustürzen. Ich gucke aus dem Fenster, ob ich dort einen Wagen eines Paketdienstes stehen sehe. Ich sehe nichts und lege mich wieder hin.

13:25

Zurück am Schreibtisch. Ich scanne eine Vollmacht für die Steuerberaterin ein, während ich mir einen Tee koche. Das gibt einiges Gerenne zwischen Küche und Büro. Scan versenden – fertig. Es wird Zeit, mich auf die nächste Sitzung vorzubereiten. Erst nochmal ins Postfach gucken, da warten drei Nachrichten, von denen eine beantwortet werden muss. Ich habe wieder Kopfschmerzen. Ach, da waren doch noch zwei Rechnungen zu schreiben, das kann ich gerade erledigen. Ich öffne meine Webseite. Was ist denn das, ich hatte die Aktualisierungen heute morgen doch gemacht, oder doch nicht? Nachdem ich die erste Rechnung ausgedruckt habe, wird mir klar, dass die Umsatzsteuer-Nr. fehlt. Wo kann ich das nochmal ändern? Nach einigem Herumsuchen finde ich die entsprechende Einstellung, aber im Entwurf lässt es sich nicht mehr ändern. Ich schreibe die Nr. irgendwo hin, Hauptsache, sie ist drauf.  Jetzt noch bereitlegen: Kalender, Schreibzeug, Uhr. Mich vertiefen in die Unterlagen, was haben wir letztes Mal gemacht?

15:05

Die Sitzung ist vorbei, die Zusammenfassung geschrieben und verschickt. Jetzt kann ich mich an die zweite Rechnung machen. Dazu muss ich wieder eine neue Seite öffnen. Huch, da fehlt die Mwst. Wer ist der Auftraggeber? Schnell im Mailprogramm nachsehen, ach US, dann keine Mwst. Aber halt, die wollen ja keine Dollar, sondern Euro. Also Währungsrechner öffnen, Betrag umrechnen, Rechnung speichern, hochladen und einreichen. Puh, endlich erledigt.

15:30

Um 16:00 h habe ich einen neuen Klienten. Seine Ausgangsbeschreibung habe ich schon ausgedruckt, jetzt nehme ich mir die Zeit, sie sorgfältig zu lesen um mir zu überlegen, wo wir anfangen.

17:02

Die Sitzung war schön, jetzt nur noch schnell die Zusammenfassung schreiben. Aber bevor ich damit anfangen kann, muss ich nochmal ins Postfach gucken. Mist, die Korrektur der Übersetzung. Kurz das Programm öffnen, Korrekturen annehmen, speichern, zurücksenden.

17:17

Eigentlich hatte ich gehofft, heute evtl. die Zeit zu haben, eine Lektion aus meinem Trauma-Kurs zu wiederholen. Das kann ich mir wohl abschminken. Ich bin fix und fertig. Noch schnell die neuen Termine in den Terminkalender eingeben. Das letzte Protokoll verschicken. Uff, das wars für heute.

Ich bin sehr neugierig, wie es Ihnen gegangen ist beim Lesen dieses Beitrages. Haben Sie sich wiedererkannt?

Ich selbst habe die verschiedensten emotionalen Zustände beim Verfassen durchlebt. Beim Schreiben selbst wurde mir ganz Angst und bange, weil ich eine Ahnung davon bekommen habe, wie stressig mein Arbeitsalltag trotz allem ist. Dass die ruhigsten Momente des Tages die Zeit war, mit denen ich mit Klienten geklopft habe, stimmt mich schon sehr nachdenklich.  Beim Abtippen allerdings erfasste mich eine unglaubliche Heiterkeit. Vor allen Dingen, weil ich natürlich nun ganz klar sehen kann, dass diese Art von Stress „hausgemacht“ ist und ich meine Arbeitsabläufe einfach besser organisieren muss. Da ist noch sehr viel Handlungsbedarf. Als allererstes schreibe ich mal einen Speiseplan für die Woche.

Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Bild von ThePixelman auf Pixabay

Kein Gefühl für Grenzen?

Kein Gefühl für Grenzen?

Ich vermute (glaube eigentlich eher), dass hochsensible Menschen eine ganz besondere Beziehung zu Grenzen haben. Mir fallen da vor allen Dingen drei verschiedene Aspekte ein:

Ein Aspekt: Das kennen bestimmt fast alle Hochsensiblen sehr gut: das Gefühl,

dass andere permanent unsere Grenzen überschreiten.

Dies kommt praktisch andauernd vor. Im Supermarkt, wenn die Person hinter uns zu sehr auf die Pelle rückt, wenn andere ihren emotionalen Müll bei uns abladen, wenn uns dauernd neue Arbeit aufgedrängt wird, wenn andere uns unerfüllbare Aufgaben aufbürden, wohl wissend, dass sie unerfüllbar sind, wenn niemand uns Ruhe gönnen will, wenn unsere Kinder dauernd an uns zerren, damit wir mit ihnen spielen usw.

Manchmal kann sich das ganze Leben überhaupt wie eine einzige riesige Grenzüberschreitung anfühlen. Dann sind wir offenbar schon an jenem besonderen Punkt angekommen, an dem sich die Stressspirale immer weiter nach oben schraubt und uns einfach alles nervt. Dann erleben wir uns häufig als besonders ohnmächtig, weil wir offenbar nichts tun können, um diesen Zustand zu ändern (Gibt es aber doch: Wenn Sie an diesem Punkt sind, könnten Sie es mal mit der Klopfakupressur probieren, um wieder herunterzukommen auf ein normales Stresslevel).

Ein weiterer Aspekt:

Wir selbst können uns nicht abgrenzen.

Sehr, sehr, sehr viele hochsensible Menschen haben ein echtes Problem damit, sich abzugrenzen.  Es vergeht quasi kein Coaching, ohne dass dieser Punkt auf den Tisch kommt.

Die Ursachen sind äußerst vielfältig

Wenn ich von mir selbst ausgehe, kann ich sagen, dass es den Großteil meines Lebens (ich meine, mehr als 2/3) mir überhaupt nicht möglich war, NEIN auch nur zu denken, geschweige denn zu sagen.

Ansprüche und Anforderungen anderer abzulehnen war einfach ein Ding der Unmöglichkeit.

Denn ich dachte: wenn ich die Anforderungen der anderen nicht erfülle, werde ich nicht geliebt. Dann würde der Berg der ohnehin schon empfundenen Ablehnung der Umwelt (von der ich heute übrigens gar nicht mehr so recht weiß, ob er tatsächlich existierte) noch weiter anwachsen und das erschien mir unerträglich.

Im letzten Jahr habe ich mich sehr intensiv mit meiner Vergangenheit beschäftigt

Früher habe ich immer gedacht, ein Geheimnis müsse meine Geburt umranken, ein tragisches Ereignis, eine grandiose Erklärung für das sehr deutliche Gefühl, nicht wirklich gewollt gewesen zu sein. Was ich herausgefunden habe: es gibt kein solches tragisches Ereignis. Nur tragischen Alltag. Und tragische Überforderung. Während mein Vater verzweifelt versuchte, mit dem Leben zurecht zu kommen und dies nur schaffte, indem er von einem Nervenklinikaufenthalt zum nächsten reiste, kämpfte meine sehr junge Mutter in dieser Zeit alleine mit dem stressigen Alltag einer alleinerziehenden Mutter zweier kleiner Mädchen. Und dann noch ich im Anmarsch. Ich kann es ihr heute nicht verdenken, dass sie sich nicht wirklich auf mich gefreut hat, natürlich nicht. Das Gefühl aber bleibt, scheint irgendwie in mir eingefroren zu sein.

Ich habe übrigens schon verschiedene Versuche unternommen, dieses Gefühl aufzulösen, den großen Durchbruch hat es aber bislang noch nicht gegeben.

Für mich ist jedenfalls dieses Grundgefühl nicht wirklich willkommen zu sein, der Motor gewesen, nicht NEIN sagen zu können.

Ich habe immer alles gemacht, was man mir an- und aufgetragen hat und ich habe niemals hinterfragt, warum ich das eigentlich mache. Sehr lange Zeit jedenfalls nicht. Für meine Arbeitgeber war das immer äußerst praktisch. Ich habe für 3 gearbeitet (in einem Fall wurde tatsächlich einem Mitarbeiter gekündigt, damit ich seine Arbeit mitmache!) Kein Wunder, dass ich so mehrere Burnouts erwirtschaftet habe.

Dazu kam auf jeden Fall auch noch das Gefühl, nicht und nie in Ordnung zu sein. Heute verbinde ich dies vor allen Dingen mit der Hochsensibilität, aber es gibt natürlich auch noch andere, familiär bedingte Konstellationen und Aspekte.

Wichtig ist dabei vor allen Dingen eins: Wenn wir nicht lernen, uns abzugrenzen

verhalten wir uns selbst anderen gegenüber grenzüberschreitend,

natürlich nicht immer, aber häufig. Es hängt eben davon ab, wie gut wir es gelernt haben, uns auf gesunde Art und Weise abzugrenzen. Wenn nicht, können die Formen der Grenzüberschreitungen die unterschiedlichsten Formen annehmen:

indem wir über andere bestimmen oder versuchen sie zu kontrollieren oder auf andere Weise zu manipulieren, indem wir überhaupt nicht wahrnehmen können, wie es sich für andere anfühlen mag, wenn wir uns ihnen gegenüber so und so verhalten (trotz einer grundsätzlichen Empathiefähigkeit). Manchmal ist das eigene Leid oder die eigene Bedürftigkeit eben größer …

Meine eigene sehr schräge Erfahrung ist, dass Therapeut*innen sich besonders häufig grenzüberschreitend verhalten, aber vielleicht ist dies eigentlich verständlich. Ich habe irgendwo mal gehört oder gelesen, dass Therapeut*innen häufig Therapeut*in werden, weil sie eigentlich selbst Hilfe benötigen. Mir erscheint das äußerst logisch.

Abgrenzen kann und muss man üben.

Immer und andauernd. So wie jetzt! Eigentlich habe ich heute Abend noch sehr viel zu tun und zu erledigen. Aber trotzdem wollte ich Sie am Sonntag nicht ohne einen Blogbeitrag lassen (so im Laufe der Zeit entwickele ich doch eine Art Blogger-Ehrgeiz), von daher grenze ich mich mal definitiv ab gegen meine eigenen Ansprüche. Darum bekommen Sie diese Woche nur einen kurzen Artikel …

Wie gut können Sie sich abgrenzen? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Bild von Thomas B. auf Pixabay 

Extrem hellfühlig: Silke Kitzmann

Extrem hellfühlig: Silke Kitzmann

Diese Woche unterhalte ich mich mit Silke Kitzmann. Als geistige Heilerin arbeitet sie mit Menschen, die sich Veränderung für einen kraftraubenden Aspekt ihres Lebens wünschen. Silke ist außerdem Reikilehrerin und hat mit den Lemurischen Heilzeichen kraftvolle energetische Selbsthilfetools entwickelt. All dies hat sich über die Jahre aus einer extremen Hellfühligkeit heraus entwickelt …

Silke, wann hast du das erste Mal gemerkt, dass du andere Dinge wahrnehmen kannst als andere Menschen?


Liebe Monika, ich bin niemand, der “schon immer mit Tieren geredet hat” oder als Kind “unsichtbare Freunde” hatte. Wenn es überhaupt so einen besonderen Moment gab, dann bei meiner ersten Reikieinweihung:  Die Reikilehrerin hat mich damals nicht berührt, aber ich wurde von einem Energiestrom so heftig in den Sitz gepresst, als säße ich in einem Karussell!

Nach diesem Erlebnis habe ich mit der energetischen Arbeit nie wieder aufgehört. In verschiedenen Seminaren hat sich immer stärker gezeigt, dass ich extrem “hellfühlig” bin. Die anderen medialen Kanäle (Hellhören, Hellsehen, Hellwissen) öffneten sich dann über die Jahre so nebenher. Im übrigen halte ich das nicht für etwas Besonderes: Jeder Mensch hat diese Kanäle zur Verfügung und kann sie sich zurückerobern.

Wusstest du zu diesem Zeitpunkt auch schon von deiner Hochsensibilität?

Nein, davon hatte ich noch nie gehört! Das Ganze liegt ja inzwischen bereits 12 Jahre zurück. Da war der Begriff “HSP” noch nicht bekannt. Erst um einiges später gingen mir die Lichter eines ganzen Tannenbaumes auf, als ich mich mit dem Thema Hochsensibilität auseinander setzte.

Hm, was du oben erzählt hast von der Reikieinweihung, klingt für mich schon ein wenig beängstigend. War dir denn dann gleich klar, dass das etwas Gutes ist?

Ich hatte die Arbeit meiner damaligen Reikilehrerin bereits ein Weilchen im Netz verfolgt und habe ihr wirklich vertraut. Wir haben vorher länger über Reiki als solches gesprochen und alle Fragen geklärt. Auch war das Gefühl nicht unangenehm, sondern nur verblüffend intensiv. Ich hätte den Vorgang jederzeit abbrechen können, wenn ich das gewollt hätte. Aber es hat sich toll angefühlt! Nach der Einweihung war ich wieder ganz bei mir, nur freier und leichter als vorher.

Wie ging es dann weiter? War dir dann gleich klar, dass das dein Weg ist?

Nein, überhaupt nicht!  Ich habe die Energiearbeit erst einmal nur für mich selbst und meine Familie als Hobby gesehen. Bzw. hat sich plötzlich ein hochinteressantes Feld aufgetan, das unendlich viele Möglichkeiten bot.

Meine Reikilehrerin hat mich damals mit den Worten: “Herzlichen Glückwunsch zu deinem ersten Grad! Jetzt schau mal, was du damit machst!”, entlassen. Ich habe Zuhause “Mr. Google” angeworfen und erst einmal ordentlich im Internet gestöbert, um mehr darüber zu erfahren.

So bin ich auf vielen Internetplattformen gelandet. “Wer kennt Wen” war damals sehr wichtig für mich. Hier gab es Interessengruppen, u. a. auch über Reiki und viel Austausch. Auch habe ich so von wirklich vielen anderen energetischen Heilmethoden gehört (Quantenheilung, Russische Heilmethoden, EFT, MET, Familienstellen,Tierkommunikation etc.) und diese im Anschluss durch Seminare oder Bücher ausprobiert.

Es war anfangs wirklich nicht meine Absicht, Heilarbeit mit Menschen zu machen. Aber wenn man so viel Handwerkszeug ansammelt, nun ja – dann möchte man es irgendwann auch gerne zum Einsatz bringen!

Silke KitzmannHat sich durch die Annahme für dich noch etwas in der Wahrnehmung verändert?

Meinst du mit Annahme, dass ich begonnen habe, mit Menschen zu arbeiten? Falls ja, dann kann ich dazu nur sagen: Alle Medialität entwickelt und verstärkt sich durch die Anwendung. D. h., mit jedem energetischen Arbeiten verfeinert sich die feinstoffliche Wahrnehmungsfähigkeit. Ich bin mit und an meinen Klienten gewachsen! Es gab viele Herausforderungen zu durchschreiten, Grenzen zu setzen und viele wunderbare Momente zu genießen.

Zusätzlich habe ich seit der Reikieinweihung nie aufgehört, auch für mich selbst und meine persönlichen Themen transformativ zu arbeiten.

Auch als Coach braucht man hin und wieder Einzelsitzungen, denn für sich selbst ist man ab einem bestimmten Punkt “betriebsblind”. Inzwischen habe ich mir bereits 3 spirituelle Reisen gegönnt, eine vierte steht bald an. Mit jedem einzelnen Schritt verändert sich etwas: Man kommt in Reinigungsprozesse. Man wirft uralten, alten, übernommenen und aktuellen Ballast ab. Spirituelle Reisen sind besonders intensiv, da man über einen zusammenhängenden Zeitraum in “Bearbeitung” ist und die hohe “Gruppenenergie” nutzt.

Oh, das war mir so gar nicht bewusst 😉 ich meinte das Annehmen der eigenen Fähigkeiten. Ich habe z. B. selbst früher kein Vertrauen in meine Intuition gehabt, aber nachdem ich irgendwann akzeptiert habe, dass ich diese Fähigkeiten habe, haben sie sich sofort intensiviert …

Siehst du, genau das meine ich!  Das Annehmen der Tatsache, dass es “mehr” geben könnte, ist der erste wichtige Schritt. Das Ausloten der eigenen Talente, die Beschäftigung damit, lässt sie wachsen – wie alles, dem man seine Aufmerksamkeit schenkt!

Was hast du ursprünglich denn machen wollen?

Meinst du damit meinen “studierten” Beruf? Ich war lange Zeit Grundschullehrerin. Am Ende bin ich aber in eine Schieflage gekommen und litt unter Burnout, Hörstürzen und anderen, damit zusammenhängenden Beschwerden, die mich letztlich aus diesem Beruf katapultiert haben. Ich war mir damals meiner extremen Feinfühligkeit nicht bewusst, habe mich weder gereinigt noch geerdet. Rückblickend ist mir dann einiges klar geworden …

Dem entnehme ich, dass es auch mit der spirituellen Arbeit zunächst vielleicht nicht so einfach war?

Hm, was heißt einfach?  Wenn man feiner ist und mehr wahrnimmt, dann nimmt man nicht nur das Angenehme intensiver wahr…
Mit jeder tieferen energetischen Arbeit, also dem Verabschieden von Blockaden, kann es erst einmal eine kurze Erstverschlimmerung geben. Das kennt man schon von der Homöopathie.

Das ist z. B. bei Einweihungen auch so. Je nachdem, was für ein Typ man ist, können sich dann die Widerstände entweder im Körper (Schnupfen, Schwitzen, Ausschlag …) oder im Geist (Träume, Phantasien, erhöhte Emotionalität, nahe an den Tränen …) als Reinigungswirkungen zeigen. Dies ist aber i.d.R. nur wenige Tage so, dann beruhigt sich alles wieder. Das ist ein “Kann, aber muss nicht!”-Ding und sehr individuell.

Anfangs, als ich noch viel “aufzuräumen” hatte, hat fast jede Sitzung mit einer anderen Person einen kleinen Prozess in mir ausgelöst. Das ist nun nicht mehr so, weil ich meine Resonanzthemen inzwischen gründlich aufgearbeitet habe.

Auch meinen Klienten geht es gut hinterher, weil ich inzwischen Wege gefunden habe, die Veränderungen am Ende der Sitzungen so zu integrieren, dass Körper und Geist damit entspannt umgehen. Eigenarbeit ist aber definitiv ein Muss, wenn man mit anderen Menschen arbeitet! Du möchtest keinen Coach oder Heiler, der bei deinem Thema in Tränen ausbricht, weil er selbst einen ungeheilten Schmerz dazu in sich trägt. Das wäre wenig hilfreich!  Auch darf jeder Coach noch viele andere Dinge für sich klären, wenn es ihm mit der Arbeit gut gehen soll …

  • Was bin ich mir wert?
  • Was ist mir meine Arbeit wert?
  • Wo grenze ich mich ab, wie viel Raum gebe ich den Klienten?

Das kennst du sicher auch aus deiner Tätigkeit heraus: Es ist ein ständiger Lernprozess mit und an den Klienten oder Seminarteilnehmern.

Wie hat es sich auf deine Arbeit mit Klienten ausgewirkt, als dir deine Hochsensibilität bewusst geworden ist? Hast du danach Dinge bewusst verändert?

Ich habe das lange gar nicht als Hochsensibilität gesehen, sondern einfach als eine ausgeprägte Hellfühligkeit … Auch heute noch bin ich der Meinung, dass das Phänomen “HS” einfach das (teilweise heftige) Öffnen der medialen Kanäle ist, die ja jeder Mensch besitzt!

Du fragst, ob ich Dinge bewusst verändert habe? Hm, eigentlich nicht. Ich weiß einfach inzwischen besser Bescheid. Wenn ich eine Schwere fühle, dann teste ich erst einmal, ob ich vielleicht eine Besetzung bei mir habe. Naja, dann löse ich sie ab und in kurzer Zeit geht es mir wieder besser. Oder wenn ich mal ganz neben der Spur bin, dann haben wir meist einen “Portaltag” (Def.: Besondere kosmische Konstellation, bei der die Energien hoch sind.), es gab wieder mal Sonnenstürme etc. oder es arbeitet anderweitig an meinem Energiefeld.

Seit ich meine “Lemurischen Heilzeichen” habe, reinige ich mich energetisch viel regelmäßiger. Einfach, weil es so leicht ist und ich eher daran denke. Ich habe mir die wichtigsten Zeichen in einer Zimmerecke übereinander gelegt und stelle mich dann ein paar Minuten drauf – fertig! Auch trenne ich mich nach einem Coaching ganz bewusst von meiner Klientin. Damit geht es mir insgesamt energetisch viel besser!

Das sollte ich mir wirklich auch mal angewöhnen! Wie bist du denn zu den Lemurischen Heilzeichen gekommen?

Damals war ich auf einer spirituellen Reise auf der schönen Insel Santorin. Während einer Meditation zu unserer Seelenfamilie und unseren Gaben aus der atlantischen Zeitepoche  habe ich mich eine Art Schaltpläne zeichnen sehen … Damit konnte ich zunächst wenig anfangen. Also habe ich es im Zimmer einfach mal ausprobiert! Ich habe ein Blatt und einen Stift genommen und schon lief dieser von alleine los. Mit jedem Strich lösten sich bei mir innere Blockaden … Dadurch, dass ich so fühlig bin, konnte ich das deutlich spüren! Zwischen diesem Erlebnis bis hin zum Entstehen und vor allem Veröffentlichen der Lemurischen Heilzeichen lagen noch einige Monate sowie viel Testen und Ausprobieren. 🙂

Ich habe mir selbst mittlerweile das ein oder andere Zeichen zugelegt und kann das wirklich sehr empfehlen.

Vielen Dank, liebe Silke, für dieses Interview!

Liebe Monika, ich danke DIR für das Interview und die Möglichkeit, meine Geschichte zu erzählen!

Fotos: privat

 

Hier können Sie nachlesen, welche Erfahrungen ich mit den Lemurischen Heilzeichen von Silke Kitzmann gemacht habe und warum ich sie gerade für hochsensible Menschen so besonders klasse finde.

Lebe lieber leicht und frei

 


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