Tief verbunden – eine Rezension

Tief verbunden – eine Rezension

Auf dieses Buch habe ich mein Leben lang gewartet! Diesem Umstand schreibe ich die Tatsache zu, dass ich es nur zwei Tage nach dem offiziellen Erscheinungstermin in Deutschland im Netz gefunden habe. Dabei folge ich der Autorin Diane Poole Heller schon eine ganze Weile.

Auf sie bin ich gestoßen im Rahmen eines englischsprachigen online Kongresses zum Thema Trauma. Schon damals hat mich begeistert und fasziniert, dass sie sich spezialisiert hat auf Beziehungswunden, bzw. das Thema „Bindung“. Ich hatte sogar geliebäugelt mit der von ihr angebotenen entsprechenden Ausbildung, habe aber schon gelernt, dass ich solche Dinge doch lieber in der Muttersprache tue. Umso mehr freut es mich, dass Tief verbunden* in deutscher Sprache erschienen ist.

„Wie wir alte Beziehungsmuster auflösen und dauerhafte Partnerschaften eingehen“,

lautet der Untertitel. Das Vorwort stammt von Peter A. Levine, dessen Schülerin Diane Poole Heller ist. Sie hat seine Methode Somatic Experiencing in ihre Arbeit einfließen lassen. Das Ergebnis ist wundervoll geworden.

Tief verbunden* besticht meiner Meinung nach durch einen sehr intensiven praktischen Ansatz, d. h., das Buch enthält sehr viele Übungen, die man zum großen Teil alleine durchführen kann.

Bevor ich mich der Gliederung zuwende, lege ich Ihnen noch ans Herz, vor dem Lesen

das Attachment Quizz

zu machen, das Diane Poole Heller auf ihrer Webseite anbietet (leider nur in englischer Sprache), aber ich empfand es als äußerst hilfreich, die eigenen Beziehungsmuster in Form einer Torte dargestellt zu sehn. Ich glaube, dass man sich mit dem Buchinhalt noch mal anders verbinden kann …

Das Buch ist superklar und logisch strukturiert: Nach dem Vorwort und der Einleitung stellt Diane Poole Heller

die verschiedenen Bindungstypen

vor. Dabei beginnt sie mit der sicheren Bindung zuerst. Vielleicht, weil sie davon ausgeht, dass der Wunsch und die Fähigkeit zu sicherer Bindung in allen Menschen biologisch verankert ist (Schon dies empfand ich als große Erleichterung, kein ganz und gar hoffnungsloser Fall zu sein). Manchmal haben wir das nur vergessen aufgrund von Strategien, die wir uns als Kinder aneignen mussten.

Bei der Beschreibung der verschienen Bindungstypen (sichere Bindung, vermeidende Bindung, ambivalente Bindung, desorientierte Bindung) geht es immer auch um die speziellen Ausprägungen und die Auswirkungen auf das eigene Leben, sowie der Darstellung nach außen.

Meines Erachtens nach ist dieses Buch für hochsensible Menschen super super spannend, denn auch wenn das Wort „Hochsensibilität“ an sich nicht fällt, geht die Autorin auf vieles ein,

was hochsensible Menschen häufig erleben:

zum Beispiel sind viele HSP extrem nüchtern und kopfgesteuert. Dies könnte daran liegen, dass Kinder, die nicht genug Unterstüzung, Präsenz und Verbundenheit erlebt haben, eher die linke Gehirnhälfte stärker entwickeln, wo es eher um Logik etc. geht. Dies ist nur ein Merkmal des vermeidenden Bindungstyps.

Aufgemerkt habe ich jedoch besonders im Teil, der sich mit der ambivalenten Bindung beschäftigt. Die ambivalente Bindung entsteht, wenn Eltern nicht beständig und sicher verfügbar sind, also mal da und dann wieder nicht und/oder sich uns gegenüber nicht angemessen verhalten, indem sie unsere Grenzen nicht respektieren etc.

Dies bedeutet, dass wir nicht lernen konnten, uns selbst zu regulieren, unser eigenes Gefühlsleben zu steuern und auch nicht, uns darauf zu verlassen, dass immer jemand für uns da ist. Dazu gehört übrigens auch, dass unsere Bedürfnisse vielleicht nicht erfüllt wurden und dass wir es nicht lernen konnten, gesunde Grenzen zu setzen.

Klingelt da was bei Ihnen?

Bei mir hat es beim Lesen von Tief verbunden* pausenlos geklingelt. Ich fand praktisch auf jeder Seite eine spannende Aussage oder Erkenntnis, obwohl ich durchaus mit den Grundzügen der Bindungstheorie vertraut bin.

Alleine das Lesen des Buches hat schon sehr viel in mir bewirkt. Vor allen Dingen eine große Erleichterung. Bisher fand ich es vor allen Dingen eher beschämend, jemandem nahe sein zu wollen und dies gleichzeitig zu fürchten. Ich empfand das als eine Art persönlichen Versagens. Aber das ist es nicht. Es ist einfach eine ganz normale Ausprägung eines ambivalenten Bindungsmusters.

Zuguterletzt geht es dann noch natürlich um Bindungstypen und Liebesbeziehungen, was sie jeweils ausmacht, was man tun kann um eine Beziehung zu finden, sie sicherer zu machen oder sich aus einer Beziehung zu lösen. Auch hier gibt es natürlich wieder Übungen.

Alles in allem kann ich Ihnen nur raten, sich Tief verbunden* unbedingt anzuschaffen (ich finde, es ist wirklich  eine Schatztruhe voller interessanter  nützlicher Informationen) und natürlich auch, mit dem Buch zu arbeiten, vor allen Dingen, wenn Sie unter Ihrer Hochsensibilität leiden und Beziehungen zu anderen Menschen Sie grundsätzlich in Stress versetzen. Ich bin sicher, da geht ganz viel und freue mich meinerseits auch schon darauf, die Übungen jetzt mal ganz in Ruhe zu machen.

Bleiben Sie gesund! Ich freue mich wie immer über Ihre Kommentare.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

 

 

Diane Poole Heller
Tief verbunden*
Kösel
ISBN 978-3-466-34751-3
20 EUR

Der Sinn des Ganzen

Der Sinn des Ganzen

Eigentlich war ich, seit ich mich erinnern kann, eine eingefleischte Pessimistin. Sozial gestört, depressiv, konnte ich mir gar nicht vorstellen, wie sich das Leben eines optimistischen Menschen anfühlen könnte. Optimistische Menschen hatten für mich irgendwie „einen Hau weg“, die die bittere Realität verleugneten.  Ich wusste noch nichts darüber,

dass Bewusstsein Realität erschafft.

Grundsätzlich ging ich davon aus, dass am Grunde von allem Traurigkeit ist und Freude nur eine dünne Oberfläche darüber.

So ging das mein ganzes Leben lang, über die frühen Jugend- bis in die mittleren Erwachsenenjahre, wo sich Dinge ganz langsam verschoben und entfalteten. Die Klopfakupressur hatte daran übrigens einen ganz entscheidenden Anteil.

Durch das Klopfen entdeckte ich zum einen das wahre Wesen der Dinge: Dass am Grunde von allem Freude ist und diese Freude von Trauer und Traurigkeit überlagert werden kann. Zum anderen entdeckte ich durch das Klopfen auch, dass ich keine gestörte, depressive Persönlichkeit bin, wie bis dahin angenommen, sondern dass in mir ein überaus fröhlicher, optimistischer Mensch steckt, ja sogar, dass

ich durch und durch Optimistin bin.

Noch eines habe ich seitdem gelernt (ich halte es für eine der wichtigsten Lektionen meines Lebens überhaupt!): dass alles, was mir in meinem Leben widerfährt, einen Sinn für mich hat. Auch wenn ich ihn nicht immer sofort zu erkennen vermag. (Tatsächlich dauert es manchmal sogar Jahre, bis ich sagen kann: gut, dass diese oder jene Sache, die ich mir so sehnlich gewünscht habe, nicht geschehen ist!) Das gilt natürlich auch für schwierige Dinge. Wenn ich z. B. nicht an Fibromyalgie erkrankt wäre, hätte ich vielleicht niemals den Mut gefunden, mich auf in ein Leben zu machen, das mir gemäß ist und mich noch viel, viel länger in Arbeitsstrukturen herumgequält, für die ich weder das psychische, noch das physische Rüstzeug besaß.  Vielleicht hätte es auch sehr viel länger gedauert, bis ich meine Hochsensibilität entdeckt hätte …

Ich will jetzt aber nicht zu weit abschweifen. Für mich sind meine neu (wieder)entdeckte Fröhlichkeit und mein unverbesserlicher Optimismus Meilensteine in meiner Entwicklung, die nicht nur mein ganzes Leben verändert haben, sondern sich immer wieder als äußerst nützlich erweisen, z. B. ganz besonders in der aktuellen Lage.  

Hatte ich mich in den ersten Tagen noch mitreißen lassen von der Berichterstattung in den Medien, habe ich aber sehr schnell gemerkt, dass mir das

sehr viel zusätzlichen Stress

verursacht. Ich fand die den ganzen lieben langen Tag lang zur Verfügung gestellten Informationen nicht wirklich hilfreich, da viel zu widersprüchlich, eher heizen sie die allgemeine Verwirrung an, als dass sie beruhigen. Also habe ich getan, was ich eigentlich immer tue: ich habe aufgehört, die Nachrichten zu gucken. Die wichtigsten Informationen wurden mir sowieso immer persönlich zugetragen.

Ich habe mich natürlich relativ bald gefragt,

was wohl der Sinn dieser Pandemie sein könnte?

Nach ein paar Tagen zuhause, als ich das erste Mal wieder rausging, habe ich unendlich gestaunt über die wunderbare, weiche, leichte Luft. Ich habe mich sofort in dieses neue Element verliebt. Wenn ich mich draußen aufhielt, wurde ich sofort leicht und froh, nur, weil dieses Schöne Neue um mich herum war.

Und natürlich konnte ich so zum ersten Mal ermessen, wie verseucht die Luft also normalerweise sein muss, wenn es jetzt so einen krassen Unterschied im Erleben gibt. Mir scheint, so etwas habe ich noch nie eingeatmet. (Aber ich weiß natürlich nicht, wie es als Kind war, damals gab es ja sehr viel weniger Autos als heute.)

Es ist vielleicht etwas schräg, aber ich habe das Gefühl, dass die Natur durch die schöne Luft für mich viel erreichbarer geworden ist. Jetzt möchte ich draußen sein, nicht nur, weil die Sonne scheint, sondern weil ich mit allem verbunden sein und mich als Teil der Natur erleben möchte …

Diese schöne, neue Luft empfinde ich als ein Geschenk, auch als ein Sinn-Geschenk. Und dann lief auch noch auf Terra X ausgerechnet der Dreiteiler „Anthropozän“, in dem es um die Veränderungen geht, die der Mensch auf der Erde bewirkt (hat). In der Folge „Luft“ erzählt ein Mensch von der Nasa dem Moderator Dirk Steffens, dass jedes Jahr acht Millionen Menschen sterben, deren Tod direkt auf die Luftverschmutzung zurückzuführen ist. Acht Millionen jährlich? Irgendwie kann ich die ganze Corona-Aufregung nicht wirklich verstehen. Da fehlen mir die Relationen, für mich nehmen sich die 200.000 Corona-Toten (zum Zeitpunkt an dem ich diesen Artikel schrieb) weltweit ja fast lächerlich dagegen aus … Ich bin ja keine Wissenschaftlerin, aber es wäre durchaus denkbar, dass die Menschen, die an Corona sterben, sowieso in den acht Millionen enthalten sind, da die Luftverschmutzung sich ja vor allem auf die Atemwege auswirkt.

Eine andere Sache, die ich ebenfalls sehr genossen habe (und ich denke, viele hochsensible Menschen werden mir da zustimmen), ist die Stille auf den Straßen, der reduzierte Verkehr, das fehlende Gewusel …

Auch in mir selbst ist es schlagartig ruhig geworden.

In der letzten Zeit bin ich sehr viel unterwegs gewesen. Jetzt fand ich es sehr wohltuend, viel, viel Zeit in meiner Wohnung zu verbringen und meinen eigenen Raum in aller Ausführlichkeit zu genießen.

Interessanterweise habe ich ganz von alleine, ohne, dass ich es mir irgendwie vorgenommen hätte, einen ruhigeren Gang eingeschlagen. Mir wurde bewusst, wie erschöpft und ruhebedürftig ich im Grunde genommen bin und habe ganz ohne schlechtes Gewissen meinen Blog erstmal auf Eis gelegt und mich weitestgehend aus den sozialen Netzwerken zurückgezogen. Auch das fand ich sehr angenehm. Auch die Ruhe im oder auf dem Computer hat mir gut getan. Ich habe sogar darüber nachgedacht, das Bloggen aufzugeben. Mich aber dagegen entschieden. Ich habe noch so viel vor und so viel zu sagen. Aber vielleicht kommt in absehbarer Zeit nur noch alle zwei Wochen ein neuer Artikel, das habe ich noch nicht entschieden.

Über Whatsapp bekam ich in der Sinnfrage einen kleinen Clip, in dem es darum ging, dass ein Sinn dieser Krise sein könnte, uns an

die Wichtigkeit des menschlichen Kontakts zu erinnern.

Das erscheint mir auch ein sehr guter Sinn zu sein. In der ersten Woche habe ich auf der Straße allen Menschen ins Gesicht gesehen, weil es etwas sehr Kostbares geworden war. Später habe ich begonnen, mehr zu telefonieren und mich auszutauschen …

Jetzt bin ich allerdings ziemlich traurig, die Maßnahmen wurden vor kurzem gelockert und schlagartig war es vorbei mit der guten Luft …

Mittlerweile ist das Tragen von Masken Pflicht und das finde ich wirklich sehr gruselig und verunsichernd. Ich merke, dass jedes Mal, wenn mir ein Mensch mit Maske begegnet, eine ganz archaische Furch in mir aufsteigt, weil es mir durch die Bedeckung des Mundes schwer fällt, den Menschen einzuschätzen in dem Sinne von „Freund oder Feind“ und grundsätzlich ich das Tragen von Masken mit Terrorismus und Kriminalität in Verbindung bringe …

Wie geht es Ihnen? Welchen Sinn können Sie in dem ganzen entdecken? Wie geht es Ihnen mit der Maskenpflicht? Ich freue mich, wenn Sie mir schreiben und Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Herzlichst, Ihre

Monika Richrath

 

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Schwarze Erinnerungen – Kinderverschickung

Schwarze Erinnerungen – Kinderverschickung

Im Herbst letzten Jahres ist eine Art Bombe in mein Leben geplatzt, die in einer fb-Gruppe auftauchte, in der ich Mitglied war. Ein Link zu einer Reportage über die Initiative ehemaliger Verschickungskinder einer befreundeten Buchautorin. Sofort war das Gefühl von damals da. Ein paar Tage habe ich mir die Reportage angesehen – als ich mich dem gewachsen fühlte.  Dafür sofort einen Kurzbericht auf der Seite der Initiative im Netz hinterlassen. Daraufhin hat mich jemand kontaktiert, der ebenfalls in diesem Heim war und heute habe ich schließlich mit einer Frau gesprochen, die ein paar Monate nach mir in Schloss Ratzenried gewesen ist und mir mit ihren Erinnerungen einen Rahmen gegeben hat. Vielen Dank, Barbara! In meiner Erinnerung ist diese Zeit wie mit einem schwarzen Schleier überzogen und sowieso schwarz-weiß. Als könnte ich das nicht richtig wahrnehmen.

Natürlich gibt es keinen ganz unmittelbaren Zusammenhang mit dem Thema Hochsensibilität, außer dem, dass Kinderverschickung das Potential besitzt, zu einer eventuell vorhandenen Traumatisierung eines hochsensiblen Kindes weitere hinzuzufügen.

 

Ich war, siebenjährig, vom März bis April 1970 mit meiner Schwester, damals zehn Jahre alt, im Antonius-Heim in Schloss Ratzenried im Allgäu, zu einer sog. „Kinderverschickung“. In meinem Gedächtnis lief dieser Aufenthalt bis zu der Reportage als „Kuraufenthalt.“

Meine Erinnerungen waren sehr dürftig, aber das, woran ich mich erinnere, ist immer präsent.

Jedes Mal, wenn ich heiße Milch rieche, fange ich an zu würgen.

Dann ist sofort der Stress, der Ekel wieder da, diese Tortur, die Ohnmacht. Denn morgens zum Frühstück gab es heiße Milch mit Haut. Vor der Haut habe ich mich schon immer geekelt. Aber man musste die Tasse leeren, koste es, was es wolle. Es gab kein Pardon. Eines Morgens hat sich nun tatsächlich ein Mädchen, das die Milch nicht herunterbrachte, übergeben. Sie bekam eine Ohrfeige und wurde ins Bett geschickt. Das fand ich schlimm. Das Mädchen tat mir so leid. Aber natürlich wollte ich nicht, dass mir das auch passiert.

Ich entwickelte eine Taktik, um mit der Milch fertig zu werden. Ich fischte die Haut – schon leicht würgend – aus der Tasse und hängte sie über den Tassenrand. Dann verschloss ich meinen Mund weitgehend bis auf einen winzigen Spalt und nahm dann 7 winzige Schlucke direkt hintereinander. Wenn ich genug Mut gesammelt hatte, gab es die nächsten 7 Schlucke. So ging es. Aber meine ältere Schwester bekam ihre Milch auch nicht herunter. Ich weiß nicht mehr, ob sie mich darum gebeten hat, ihre Milch auch zu trinken, aber ich befürchte, ich könnte diese schreckliche Aufgabe auch einfach so übernommen haben. Ich wollte ja nicht, dass meine Schwester geschlagen wird. (Ich finde heute, dass dies ein ganz typisches hochsensibles Verhalten ist, sich eine sehr schwere Bürde aufzuladen, mit der man im Grunde genommen nicht fertig werden kann, nur damit andere nicht leiden müssen …)

In Ratzenried hatte ich

die erste Panikattacke meines Lebens.

Das kam so: Aus irgendwelchen Gründen wurde ich aus dem Schlafsaal in ein Turmzimmer verlegt. An und für sich eine Verbesserung, in dem Turmzimmer standen weniger Betten und der Turm an sich war ja auch aufregend. Um den Umzug vollständig zu machen, wollte ich mein Handtuch, das im Erdgeschoss an einem Haken hing und meine Waschsachen mit in den Turm nehmen. Da hatte ich mich aber geschnitten. Unten lief ich ein paar „Tanten“ über den Weg, die mich so richtig zusammenfalteten, was mir denn einfiele, mein Handtuch einfach vom Haken zu nehmen? Ich war total verstört. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich daraufhin ins Bett geschickt wurde oder freiwillig ins Bett ging. Woran ich mich sehr deutlich erinnere, ist, dass ich dann wenig später die erste Panikattacke meines Lebens erlitt. Ich guckte auf meine Hand und bemerkte die geschwollenen blauen Adern auf dem Handrücken, die mir so noch nie aufgefallen waren. Warum waren die so geschwollen? Wurden die nicht immer dicker? Ich begann mich sehr aufzuregen und am Ende war ich davon überzeugt, jetzt sterben zu müssen. Ich war ganz allein. Es gab niemanden, bei dem ich gerade hätte Trost suchen oder finden können. Irgendwann habe ich mich (natürlich) wieder beruhigt. Aber ich war danach sehr erschöpft und ich glaube, ich habe auch lange, lange Zeit niemandem davon erzählt. Meiner Schwester sicherlich nicht. Das war viel zu unaussprechlich.

Heute glaube ich, dass diese Panikattacke direkt ausgelöst worden ist durch das Verhalten der „Tanten“, das für mich wie ein Angriff war, vollkommen unverständlich, ungerecht und auch traumatisch, weil ich mich klein, hilflos und ausgeliefert fühlte.

Ich habe natürlich nach der Reportage mit meiner Schwester Erinnerungen ausgetauscht, sie glaubte, dass mein Umzug eine Art von Bestrafung war, dafür, dass sie ein weinendes Kind im Schlafsaal getröstet hatte. Ob ich das Kind gewesen bin, wusste sie nicht mehr. Offenbar habe ich jedoch viel geweint, ich war ja erst sieben Jahre alt und zum ersten Mal von Zuhause weg. Und nach allem, was auf der Seite der Initiative zur Kinderverschickung zu lesen ist, war es damals durchaus üblich, Geschwister einfach zu trennen.

Auch wenn ich mein Zuhause nicht besonders mochte, war es doch vertraut und überschaubar.

Sehr befremdlich ist für mich, dass ich offenbar mehrfach von Freunden oder Freundinnen geschrieben habe, die ich dort kennen gelernt haben will. Eigentlich hatte ich vor anderen Kindern Angst und wenn ich an den Aufenthalt in Schloß Ratzenried denke, dann legt sich als erstes eine unglaubliche Einsamkeit auf mich.

Das Kindererholungsheim in Ratzenried wurde

betrieben wie eine Kaserne.

Die Schlafsäle waren riesig. Barbara erinnert sich an einen Schlafsaal mit 40 Betten. Neben jedem Bett stand ein Hocker, darauf wurde abends die Kleidung sorgfältig Kante auf Kante abgelegt. Sie erinnert sich ebenfalls, dass es absolut verboten war, Geräusche zu machen. Man durfte nicht nur nicht weinen, man durfte auch nicht sprechen. Und

man durfte sich nicht umdrehen!

Das verursachte ja ebenfalls Geräusche. Wenn man solche Geräusche verursachte, musste man aufstehen und kam allein in die Dachkammer zu den Koffern.

Die Kleidung wurde in riesigen Schränken auf dem Gang aufbewahrt und jeden Tag bekam man seine Kleidung für den Tag von den „Tanten“ zugeteilt.

Man musste jeden Tag kalt duschen (kommt daher meine Abneigung gegen kaltes Abduschen?). Und auf jeden Fall musste immer aufgegessen werden. Man musste so lange sitzen bleiben, bis alles aufgegessen war. Von „gutem“ Essen konnte auch nicht so richtig die Rede sein. Vor allen Dingen gab es eine genau festgelegte Anzahl an Broten.

Und wenn man ein Päckchen mit Süßigkeiten von Zuhause bekam, durfte man nur die Hälfte davon behalten und musste die andere Hälfte abgeben, zur Verteilung an andere.

Und das Schlimme war:

man durfte nichts davon nach Hause schreiben!

Die Post wurde zensiert. Nur gute Nachrichten wurden geduldet. Die Turmepisode findet sich in meinem Brief nur mit einem einzigen Satz wieder: „Abends muß ich immer runter gehen und mir die Zähne putzen.“ Ein Wunder, dass das Wörtchen muss nicht der Zensur zum Opfer gefallen ist.

Schade, dass ich keine Gelegenheit mehr hatte, mit meiner Mutter über unseren sog. „Kuraufenthalt“ zu sprechen. Den Postkarten, die meine Mutter uns geschickt hat, ist jedenfalls nicht zu entnehmen, dass sie irgendetwas geahnt haben könnte. Wie denn auch? Damals war man wohl der Meinung, den Kindern etwas Gutes zu tun. Wir sollten aufgepäppelt werden. Unsere Eltern, selbst Kriegskinder, die zu einem großen Teil sicherlich selbst noch mit schwarzen Pädagogikmethoden groß geworden sind, kamen kaum auf die Idee, dass die ganze Idee hinter der Verschickung höchst fragwürdig war.

Ich war äußerst befremdet, als ich unter dem Briefwechsel zwischen meiner Mutter und uns Kindern eine Postkarte fand, die augenscheinlich von den „Tanten“ im Heim selbst verschickt worden war. Es war ja nicht unsere Handschrift. Hat meine Mutter sich da nicht gewundert? Das werde ich wohl nie mehr erfahren.

Viele Dinge aus meinen eigenen Briefen sind mir ganz unverständlich. Im Grunde ist ja fast jeder Satz kodiert. Bis zu dem Gespräch mit Barbara konnte ich mir nicht erklären, warum ich schon so viele Schallplatten gehört hatte. Ganz sicherlich war uns kein eigener Zugang zu einem Plattenspieler erlaubt. Das wäre ja richtiggehend unter selbstermächtigtes Handeln zu verbuchen gewesen. Und das wurde auf Schloss Ratzenried nicht geduldet. Sowieso fand alles grundsätzlich in der Gruppe statt.

Barbara klärte mich darüber auf, dass wir alle zusammen abends eine Schallplatte hörten, die natürlich von den „Tanten“ ausgewählt wurde.

Richtig absurd ist es ebenfalls, dass man kurz vor der Heimfahrt Andenken kaufen konnte für zuhause (damals war es noch üblich, dass man von Reisen Andenken mitbrachte für die Daheimgebliebenen), Baumscheiben mit einer gemalten Ansicht von Schloss Ratzenried darauf zum Beispiel. Andere Gelegenheiten, eventuelles Taschengeld auszugeben gab es nicht.

Heute mutet es mich ein wenig seltsam an, dass die Briefe, die damals zwischen Bonn und Ratzenried in meiner Familie hin und her gingen, voller Zeichnungen und Anspielungen auf das Osterfest sind, ich selbst aber nicht die leiseste Erinnerung an das Osterfest habe. Als klaffe da ein Loch in meinem Leben, oder als hätte Ostern ohne mich stattgefunden. Ich kann nur vermuten, dass es eine bodenlose Enttäuschung war …

Sind Sie auch zur Kinderverschickung gewesen? Ich freue mich, wie immer, wenn Sie Ihre Erinnerungen mit uns teilen und kann Sie nur ermutigen, auch auf der Seite der Initiative eine Nachricht zu hinterlassen. Es gibt mittlerweile schon Gruppen für bestimmte Heime. Ich bin jedenfalls megafroh, dass ich jemanden gefunden habe, der meinen Erinnerungen auf die Sprünge geholfen hat. Zumindest weiß ich jetzt, warum alles, was Schloss Ratzenried betrifft, hinter einem schwarzen Schleier verborgen war – und ein bisschen hat sich der Schleier ja schon gehoben. 

Übrigens hat meine liebe hochsensible Autoren-Kollegin Beate Felten-Leidel eine ganze, äußerst lesenswerte Artikelserie zum Thema Kinderverschickung geschrieben, darunter auch zwei Berichte von Freundinnen.

Von Herzen,

Ihre Monika Richrath

Der hochsensible Blick

Der hochsensible Blick

Ich besuche relativ regelmäßig Filmvorführungen und tausche mich hinterher mit anderen über den Film aus. Filme, die mich begeistern, veranlassen andere zu entnvervtem „Ach, wie langweilig“. Darum ist mir klargeworden, dass es für mich offenbar eine Art hochsensiblem Blick gibt, der dazu führt, dass ich bestimmte Filme meide und anderen den Vorzug gebe.

Darum habe ich mir einmal Gedanken gemacht darüber, wie ein Film für mich beschaffen sein muss, damit er mir gefällt …

Er muss ruhig sein

Das beinhaltet sehr viele Dinge. Meine Hochsensibilität äußert sich z. B. darin, dass ich mega bewegungsempfindlich bin und schnelle Bewegungen in meinem Umfeld mich in sehr kurzer Zeit sehr nervös machen. Harry Potter ist mir z. B. aus diesem Grund ein Graus. Auch Action Filme scheiden da von vornherein aus oder auch Science Fiction (die meisten jedenfalls).

Einen ruhigen Film zu sehen, bei dem ich mich so richtig entspannen kann, impliziert meistens auch eine ruhige Kameraführung, lange Kamerafahrten und wenig Schnitte. Also möglichst wenig Stress beim Schauen.

Ruhig bedeutet auch, dass es möglichst keine Hintergrundmusik gibt. Nicht weil ich per se nicht mit diesem zusätzlichen Reiz zurecht komme, sondern, weil es mich immer ärgert, dass durch die Musik meine Emotionen manimpuliert werden. Ich möchte bitteschön selbst entscheiden, ob ich traurig oder gerührt sein möchte und nicht dazu gezwungen werden. Dem kann ich mich in der Regel nicht entziehen. Hintergrundmusik führt bei mir letzten Endes immer dazu, dass ich mich durch den Ärger vom Filmgeschehen entferne.

Inhalt

Das ist natürlich ein sehr großer Komplex. Einerseits soll der Inhalt mich fesseln, darf auf der anderen Seite aber nicht zu gewalttätig sein.

Trotzdem liebe ich

Krimis

sehr, aber nicht jeden, natürlich. Mit dem Tatort habe ich schon vor Jahren abgeschlossen, da viel zu viel Aufregung vor dem Schlafengehen. Am liebsten habe ich britische Krimis, zu meinem großen Leidwesen habe ich allerdings mittlerweile den Großteil der englischen Krimiserien durch, auf die ich ohne Netflix Zugriff habe.

Ich glaube übrigens, dass Krimis trotz potentieller Gewaltszene für hochsensible Menschen durchaus eine sehr geeignete Filmlektüre sind, weil sie hochsensiblen Werten entgegenkommen:

  • Es geht meistens um Gerechtigkeit, darum, dass Übeltäter bestraft werden und die Toten (oder andere Geschädigte) Gerechtigkeit erfahren.
  • Es geht auch darum, eine Ordnung wiederherzustellen.

Ich liebe außerdem alles, was sich in weiterem und engerem Sinn mit

Naturwissenschaft

beschäftigt. Auch das hat, glaube ich, durchaus einen Zusammenhang mit Hochsensibilität: Ich will verstehen, wie die Welt funktioniert und das Leben. Aus diesem Grunde mag ich

Tierfilme

so gerne. Weil sie mir ein Fenster geöffnet haben in Bereiche, die mir früher vollkommen verschlossen waren.

Jetzt wächst mit jeder neuen Doku, die ich mir ansehe, meine Ehrfurcht vor dem Leben auf dieser Erde, von den Wundern, die die Natur uns schenkt.

Jeder Film trägt dazu bei, mich meines Platzes im Großen und Ganzen zu vergewissern: Dass es dieses Universum gibt, dass ich ein Teil davon bin, welch ein Glück ich habe, die Schönheit dieser Erde erleben zu dürfen (Ich gehe davon aus, dass dies für die nachfolgenden Generationen immer schwieriger werden wird.).

Natürlich lache ich auch total gerne. Aber grobschlächtiger Humor geht dar nicht. Oder Clips, bei denen darüber gelacht wird, dass andere Menschen sich weh tun.

Am liebsten sehe ich

Dramedy-Filme,

die so sind wie das Leben selbst, wo Trauer und Komik immer nebeneinander existieren. Ich mag Geschichten über Menschen, die sich weiterentwickeln, innerlich wachsen. Ich mag Filme, die mich berühren, auch solche, die mir manchmal tagelang „nachlaufen“.

Immer noch gefallen mir auch ganz besonders Filme, die sich in irgendeiner Form mit dem Thema Tod auseinandersetzen, weil dieses Mysterium für mich nach wie vor spannend und faszinierend ist.

Und ich mag (wirklich wirklich)

Tiefsinn und philosophische Betrachtungen über das Leben.

Vor kurzem habe ich noch einmal „Das brandneue Testament“ gesehen. Das ist so richtig nach meinem Geschmack, sehr skuril, sehr schräg, aber sehr viel Hintersinn …

Ich mag

Filme, die das Leben feiern,

sich zum Beispiel mit der Freude des Essens beschäftigen, wie Julie & Julia, (selbst wenn ich mittlerweile Essen zu mir nehme, das gar nichts mehr mit dem Essen im Film zu tun hat). Ich mag aber das Gefühl der Fülle und Lebensfreude und Sinnlichkeit, die Filme über Essen vermitteln.

Es ist ganz verrückt, aber während ich dies aufschreibe, fallen mir lauter Filme ein, die ich sehr gerne wieder einmal sehen würde, weil sie die von mir beschriebenen Eigenschaften aufweisen. Dabei überkommt mich ein Gefühl großer Fülle, dass es immer genug schöne Dinge geben wird, die ich Lust habe, mir anzusehen …

Jetzt sind Sie am Zug. Was sehen Sie gerne? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

 

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So lösen Sie Widerstände auf

So lösen Sie Widerstände auf

Seit ich im Jahre 2010 mit meiner Klopfakupressur-Ausbildung begonnen habe, habe ich unzählige unterschiedliche Klopftechniken kennengelernt und eingesetzt. Aber keine hat mein Leben so tiefgreifend verändert wie die „Ja-Aber-Technik“ von Dr. Susanne Marx (die übrigens meine Klopflehrerin ist), die diese vergangenes Jahr beim Klopf-Kongress vorgestellt hat. Daher möchte ich Ihnen an dieser Stelle dieses unglaublich geniale Tool vorstellen.

Die Ja-Aber-Technik beschäftigt sich mit Widerständen. Immer, wenn wir etwas verändern möchten, es aber partout nicht erreichen können, haben wir es mit Widerständen zu tun.  Widerstände sind unglaublich mächtige Glaubenssätze, die wir über uns und die Welt entwickelt haben, vielleicht sogar zu einem Zeitpunkt, an dem wir Dinge noch gar nicht in Worte fassen konnten.

Als Säuglinge, Kleinkinder oder aber auch schon im Mutterleib sind wir extrem schutzlos und auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Ohne diese besondere Zuwendung können wir nicht überleben.

Dabei hilft es uns, alles, was wir erleben, in einen Kontext einzuordnen, womit wir im Grunde genommen ja auch als Erwachsene nicht aufhören.

Allerdings gibt es einen sehr entscheidend Unterschied zu unserem Leben als Erwachsene. Als Baby fehlt uns bis zu einem gewissen Alter die Fähigkeit zur Abstraktion und distanzierten oder kritischen Betrachtung. Alles, was wir erleben,  beziehen wir auf uns. Wir können gar nicht anders,

als uns als den Mittelpunkt unserer Welt zu sehen.

Das ist einfach natürlich so vorgegeben.

Selbst, wenn dieses System uns beim Überleben nützt, so ist es doch sehr fehleranfällig, nämlich dadurch, dass uns in diesen Augenblicken die Fähigkeit fehlt, das ganze Bild zu sehen. Wir sehen nur: Mama macht dies und Papa das, aber wir sind nicht in der Lage, die Ursache des Verhaltens von Mama und Papa wirklich zu verstehen. Wir geben uns dann eine Erklärung, nämlich z. B. die, dass Mama und Papa sich so und so verhalten, weil wir etwas gemacht haben, was nicht gut war oder auch, dass wir nicht gut (genug) sind. Aus diesen Erklärungsversuchen bilden sich dann unsere Grundüberzeugungen.

Sie glauben gar nicht, wie viele Menschen sich mit Glaubenssatz

„Ich bin nicht gut genug.“

herumplagen. Ich selbst übrigens auch. Sharon King schreibt in ihrem Buch über Matrix Birth Reimprinting Heile Deine Geburt, heile dein Leben*, dass dieser Glaubenssatz z. B. alle dienigen betrifft, die den Zeitpunkt ihrer Geburt nicht selbst bestimmen durften, also durch einleitende Geburtsmaßnahmen, Kaiserschnitt etc. auf die Welt gekommen sind.

Nicht gut genug zu sein ist ein sehr mächtiger Glaubenssatz, der sich in alle Lebensbereiche hinein erstrecken und ausbreiten kann. Letzten Endes ist es ein Satz, der uns wirklich davon abhalten kann, unser Potential zu leben, in welcher Richtung auch immer.

Kommen wir zu zurück zu den Widerständen.

Stellen wir uns vor, Sie suchen eine neue Arbeitsstelle, aber egal, was Sie unternehmen, es klappt einfach nicht. Ihr Glaubenssatz, nicht gut genug zu sein, sorgt dafür, dass Sie gar nicht erst in die Situation kommen müssen, dies zu empfinden.

Denn letzten Endes geht es immer um Ihre Sicherheit.

Ihr System weiß ja schon, dass dies für Sie viel Stress bedeutet, vor dem es Sie schützen will. (Vielleicht ist Sicherheit im Zusammenhang mit Hochsensibilität ganz besonders wichtig, weil wir möglicherweise einfach zu wenig Sicherheit erfahren haben zu den Zeiten, an denen es besonders wichtig gewesen wäre.)

Sie können das im Grunde auf jede beliebige andere Situation übertragen, z. B. Beziehung, Wohlstand, Wohnung usw.

Es gibt viele verschiedene Gründe für Widerstand,

z. B. Sicherheit ist ein sehr großes Thema.

Manchmal wird eine Entwicklung boykottiert durch die inneren Systeme (die inneren Wächter), weil sich das gewünschte Ergebnis einfach nicht sicher anfühlt, also im Grunde genommen, gefürchtet wird. Manchmal nicht für uns, manchmal aber auch nicht für andere. (Dies kann z. B. der Fall sein, wenn wir glauben, dass wir für andere sorgen oder Verantwortung übernehmen müssen).

z. B. Loyalität

Es kann z. B. vorkommen, dass wir Ansichten und Lebensweisen unserer Eltern oder anderer Menschen übernommen haben. Manchmal ist es das einzige, was uns wirklich mit diesen Menschen verbindet. Dann können wir einfach nicht loslassen, weil wir das Gefühl haben, diese Menschen dann zu verraten.

z. B. Selbstbild

Dies ist ein äußerst starker Widerstand. Wenn ich ein bestimmtes Bild von mir habe, kann es sehr bedrohlich sein, dieses Bild von mir loszulassen. In dem Artikel „Eine Frage der Identität“ habe ich mehr dazu geschrieben.

z. B. etwas nicht wert sein

Manche Grundüberzeugungen können sich miteinander verschränken und verstärken. Aus der Überzeugung ich bin nicht gut genug kann sich sehr schnell die Überzeugung entwickeln, etwas nicht zu verdienen. Das ist nur ein winziger Schritt.

z. B. keine Erlaubnis haben

Sie werden sich wundern, was bei diesem Widerstand alles zum Vorschein kommen kann. Nicht nur, dass man sich selbst häufig die Erlaubnis verweigert, etwas zu bekommen oder zu tun, nein, auch die Familie, die Arbeitskollegen, Partner*in, Exen, Gesellschaft, Gott und  sogar das Unviersum können Ihnen etwas nicht erlauben (wenn Sie dies glauben).

z. B. Groll

Manchmal ist das eigene Leid, alles, was man hat. Dann kann man das Gefühl entwickeln, dass man umsonst gelitten hat, wenn man den Groll loslässt. (Das ist sehr verständlich, aber trotzdem ein Eigentor, denn Groll schadet letztendlich nur dem eigenen Körper und der eigenen Psyche und nicht der Person, der man grollt.)

Und natürlich kann es einen sehr großen Widerstand gegen Veränderung selbst geben. (Deswegen beginnt man beim klassischen Klopfen ja jeden Satz mit „Auch wenn …“ um dem Widerstand der Veränderung mit diesem Thema vorbeugend zu begegnen.)

Wenn wir das Gefühl haben, dass alle Veränderung irgendwie bedrohlich ist, wird es uns natürlich schwer fallen, Veränderung überhaupt zu begrüßen.

Das Problem mit den Widerständen ist, dass man sie zum einen in der Regel nicht kennt, zum anderen nicht weiß, wo sie herkommen.

Und da kommt die geniale Ja-aber-Technik ins Spiel. Es ist nämlich gar nicht notwendig, zu wissen, wo die Widerstände herkommen um sie auflösen zu können. Auch das Auflösen ist denkbar einfach, fast schon langweilig. Aber das bedeutet, dass im Grunde genommen jedeR das machen kann, ohne in alten Wunden herumstochern zu müssen. Und ich verspreche Ihnen: es ist unglaublich effektiv!

Sie formulieren einen gewünschten Satz mit dem gewünschten Ziel.

Sie testen diesen Satz kinesiologisch aus mit Ja/Nein.

Sollte sich herausstellen, dass es einen Widerstand gibt, klopfen Sie diesen ganz klassisch mit der „negativen“ Form („Auch wenn ich nicht …) 2 Runden.

Dann testen Sie wieder kinesiologisch aus. Es hat dann auf jeden Fall eine Veränderung gegeben. Wenn nicht von einem „Nein“ zu einem „Ja“, doch immerhin zu einem „Vielleicht“ oder „Unentschieden“. Das ganze Prozedere können Sie ja zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen.

Es geht übrigens auch ohne das kinesiologische Austesten. Frau Dr. Marx verwendet in ihrem Miniworkshop, den ich hier verlinke, eine andere Technik, die jedeR anwenden kann.

Jetzt bin ich natürlich neugierig, ob Sie die Ja-aber-Technik ausprobiert haben, welche Erfahrungen Sie damit gemacht haben und welche Veränderungen sich dadurch für Sie ergeben haben.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

Jede*r braucht eine Schutzmütze!

Jede*r braucht eine Schutzmütze!

Ich glaube, Mützen haben Ewigkeiten ein sehr stiefmütterliches Dasein unter den Kopfbedeckungen geführt. Für mich waren Mützen lange Zeit etwas, was hauptsächlich mit Kindheit verbunden war – im wesentlichen keine gute Erinnerung. Ganz frühe Erfahrungen mit Hochsensibilität waren bei mir unweigerlich mit unliebsamen Körpererfahrungen mit „Materie“ verbunden. Meistens war die Mütze kratzig, und schon deshalb schrecklich, sie wurde unter dem Kinn zugebunden und man sah damit unweigerlich affig aus … 

Erst die  „Nerds“ (wann genau das war, weiß ich nicht mehr), haben für mich die Mütze wieder interessant gemacht. (Dabei stand ich sowieso auf Kopfbedeckungen, allerdings vornehmlich solche, mit denen man eher cool aussah, wie Hüte zum Beispiel, Basecaps usw. ) Vorbei waren die eierwärmerähnlichen Zeiten. Plötzlich bekamen Mützen interessante Formen und Designs.

Dann kam ein kalter Winter und ich legte mir die erste warme schöne Mütze zu.

Mittlerweile habe ich eine ganze Kollektion …

Vor ein paar Jahren hatte ich zum ersten Mal seit langer, langer Zeit wieder Ohrenschmerzen. Das erste, was mir dazu einfiel, war, mir einen warmen Schal um den Kopf zu binden. Welch ein angenehmes Gefühl das war … Aber warum eigentlich den Schal, ich konnte es doch viel bequemer haben mit meiner Mütze …

Das war so schön.

Auch ohne Schmerzen. Eine Mütze anzuhaben, verschafft mir

ein ganz einzigartiges Gefühl von Schutz.

(Hochsensibilität bringt häufig eine gesteigerte Empfindlichkeit gegen kratzige Wolle mit sich. Daher ist es natürlich ist es sehr wichtig dabei, dass die Mütze absolut nicht auf dem Kopf kratzen darf, ein Inneres aus Fleece oder Baumwolle ist auf jeden Fall ratsam.)

Vielleicht schwingt dabei doch noch ein wenig von der Energie des sich Kümmerns von seiten der Eltern mit, die um das Wohlergehen ihres Sprößlings besorgt waren. Jetzt kümmere ich mich selbst um mich. Mit einer Mütze auf dem Kopf fühle ich mich behütet und geschützt, irgendwie in Sicherheit, irgendwie gefeit gegen den Unbill der Welt, besser gewappnet, mir kommt es dann so vor, als käme ich besser mit dem Stress in meinem Leben zurecht.

Ganz viele hochsensible Menschen haben auch ein echtes Problem mit Grenzen. Viele wissen oder erleben oft nicht, wo eigentlich der eigene Körper aufhört. Oder spüren zu viel von anderen Menschen. Da kann es super angenehm sein, die eigenen Körpergrenzen direkt zu erleben. Zu spüren:

hier hört mein Körper auf.

Alles, was Ihren Körper berührt, kann dabei helfen. Ich fühle mich z. B. mittlerweile nur wohl beim Einschlafen, wenn ich ein Kissen vor mir und eins im Rücken habe, weil ich so ein genaueres Gefühl für meinen Körper bekomme. Wenn ich die Mütze aufhabe, ist es ähnlich. Die Mütze verleiht meinem Kopf eine Grenze und das ist äußerst angenehm.

Im vergangenen Jahr hatte ich angefangen, mich mehr mit dem Thema Trauma zu beschäftigen. Über eins sind sich alle Trauma-Expert*innen einig: zur Überwindung von Trauma gehört unweigerlich auch

die Zurückeroberung der Verbindung mit dem eigenen Körper.

Dabei kann auch eine so simple Sache helfen, wie eine Mütze zu tragen – obwohl ich Ihnen hier natürlich nicht weismachen möchte, dass Sie durch das Tragen einer Mütze ein Trauma überwinden können. Im wesentlichen geht es darum, dem Körper angenehme Empfindungen zu verschaffen.

Meine Mütze bereitet mir jedenfalls ein unglaublich angenehmes körperliches Wohlgefühl. Auch durch die Wärme, die dadurch in meinem Körper entsteht.  Da ich immer Untertemperatur habe, weiß ich das sehr zu schätzen.

Kürzlich bin ich sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Obwohl keine dringende Notwendigkeit dafür bestand, habe ich einfach einen Nachmittag lang meine Mütze nicht ausgezogen, sondern auch noch einen weichen Schal dazu getragen, ebenso wie Handschuhe ohne Finger. Einfach nur, weil es sich so wunderbar angenehm kuschelig anfühlte. Vielleicht sollte ich mir auch noch ein paar Pulswärmer anschaffen 😉

Der Begriff „Schutzmütze“ ist mir erst heute eingefallen. Ich bin ziemlich darüber begeistert. Für mich ist die Schutzmütze etwas wie

eine Art „Tarnkappe“,

nur, dass ich dabei nicht unsichtbar werde, sondern dass die Mütze für mich andere gute Eigenschaften aufweist.

Wie sieht es mit Ihnen aus? Haben Sie auch eine Form von „Schutzbekleidung“? Wie sieht sie aus und wie fühlen Sie sich darin?

Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

Image by Pezibear from Pixabay 

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