10 belastende Kindheitserfahrungen

10 belastende Kindheitserfahrungen

Ich bin schon ziemlich lange davon überzeugt, dass Trauma, bzw. Entwicklungstrauma sich sehr massiv auf die Persönlichkeitsentwicklung und vor allen Dingen auch auf die Gesundheit auswirkt.

Unter einem Entwicklungstrauma versteht man sich wiederholende Erlebnisse als Kind, die in uns sehr viel Stress ausgelöst haben und uns quasi auf eine innere Alarmbereitschaft geprägt haben.  Häufig ist dies auch mit vielen Ängsten verbunden (die einen dann auch im Erwachsenenleben nicht wirklich loslassen). Es ist davon auszugehen, dass diese Ereignisse in uns eine innere Landschaft anlegen, die wir dann als „Hochsensibilität“ empfinden. (Also eher eigentlich Vulnerabilität und natürlich ist auch klar, dass es an der jeweiligen persönlichen Resilienz und den Umständen liegt, wie intensiv die Ausprägung dann ist.)

Im Rahmen meiner Beschäftigung mit dem Thema Trauma bin ich immer wieder auf den Begriff

ACE (Adverse Childhood Event: Belastende Kindheitserfahrung)

gestoßen. Natürlich beschäftigen sich auch Wissenschaftler mit der Frage, ob die belastenden Kindheitserfahrungen sich auf das spätere Leben auswirken. Dabei sticht besonders die CDC-Kaiser-ACE Studie vor, die 1998 im Journal of Predictive Medicine veröffentlicht wurde. Diese Studie wurde gemeinsam mit dem Center for Disease Control and Prevention und der privaten Krankenversicherung Kaiser Permanente durchgeführt. Die Studie enthält Daten von 17.421 Menschen, die in der Mehrheit weiß waren und eine akdemische Bildung erhalten hatten und über eine gute Gesundheitsversorgung verfügten. Mehr Einzelheiten über diese Studie finden Sie hier.

Diese Studie hat übrigens dazu geführt, dass viele Länder ebenfalls Studien über belastende Kindheitserfahrungen durchgeführt haben.

Graph showing how adverse childhood experiences are related to risk factors for disease, health, and social well-being. The lifespan is represented as an arrow ascending past the layers of a pyramid, beginning at Adverse Childhood Experiences and moving through Social, Emotional, and Cognitive Impairment; Adoption of Health-risk Behaviors; Disease, Disability, and Social Problems; and finally Early Death. Smaller arrows depict gaps in scientific knowledge about the links between Adverse Childhood Experiences and later risk factors. Charles Whitfield, M.D., Centers for Disease Control and Prevention

Nur kurz zu den Ergebnissen (denn eigentlich finde ich vor allem die Liste der Erfahrungen für uns interessant): mehr als zwei Drittel Studienteilnehmer*innen erlebten mindestens eine belastende Erfahrung in der Kindheit, eineR von 5  Teilnehmer*innen mindestens 3 . Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass belastende Kindheitsereignisse chronische Krankheiten begünstigen, wie schweres Übergewicht, Krebs, Herzkrankheiten, Lungenkranktheiten, Schlaganfall, Diabetes, Depression, usw.) Dazu kamen noch Verhaltensweisen, die der Gesundheit nicht zuträglich waren wie Rauchen, Alkoholmissbrauch, Substanzmittelmissbrauch usw.) Es gilt als belegt, dass ein Dosis-Wirkungs-Verhältnis zwischen den ACEs und negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden besteht und dass dieses Risiko mit der Anzahl der ACEs steigt.

Wenn Sie sich weiter unten die Liste ansehen, dann werden Sie merken, dass es sich hierbei nicht um einmalige Vorkommen handelt, sondern eher um Zustände, die nicht punktuell, sondern vermutlich andauernd – wenn nicht sogar anhaltend über einen sehr langen Zeitraum – waren.

Ich möchte mich mit meine Liste nicht ganz sklavisch an die offizielle ACE-Liste halten, auch wenn sie im Wesentlichen übereinstimmt:

 

1. Ein oder beide Elternteile sind süchtig

Dabei muss es sich durchaus nicht nur um Alkohol handeln, es kann sich auch um Sex, Spiele, Drogen, Arbeit, Essen, Fremdgehen, Fernsehen, Putzen usw. handeln. Was man dabei im Blick haben sollte: die Sucht geht immer, immer vor. Und der nichtsüchtige Elternteil ist dabei sehr häufig vor allem auf den süchtigen Elternteil bezogen, d. h., die Kinder bleiben eher außen vor und erhalten sehr viel weniger Aufmerksamkeit, abgesehen von allen anderen Schwierigkeiten, die die Sucht eines oder mehrerer Elternteile mit sich bringt. Ich stamme selbst aus einem Alkoholikerhaushalt und werde demnächst dazu noch mehr schreiben. Auf jeden Fall gehört zur Liste der Konsequenzen das  (unangebrachte) Übernehmen von Verantwortung für die Familie, weil die Eltern selbst dazu häufig nicht in der Lage sind. Auch das Verleugnen und Verdrängen sowohl nach innen (was eigene Gefühle angeht) als auch nach außen (was die Zustände in der Familie angeht) sind ebenfalls sehr wichtige Auswirkungen auf Kinder, deren Eltern süchtig sind.

2. Verbale Angriffe

In Ihrem Zuhause gibt es keine Ruhe, die Eltern streiten sich häufig untereinander. Auch für Sie gibt es keine Liebesbeweise, nie bekommen Sie zu hören, dass Sie etwas gut gemacht haben, dass Sie geliebt werden o. ä. Statt dessen werden Sie dauernd heruntergeputzt und man lässt keine Gelegenheit aus, Ihnen zu vermitteln, dass Sie einfach nicht wichtig sind. Häufig machen Sie die Erfahrung, dass ein Geschwisterkind durchaus geliebt oder bevorzugt wird, oder dass die Eltern oder ein Elternteil sich mit Geschwisterkindern gegen Sie verbünden.

3. Emotionaler Missbrauch

Sie müssen häufig als Partnerersatz für einen Elternteil herhalten, entweder, weil der Elternteil tatsächlich nicht mehr da ist, oder weil er sich abgewandt hat und emotional überhaupt nicht mehr verfügbar ist. Sie werden als Vertraute der Mutter benutzt und in Ehegeheimnisse eingeweiht, die sie nicht wissen wollen oder auf die Seite des Vaters gezogen und dienen als Verbündete. Sie dürfen kein Kind sein.

4.Vernachlässigung

Sie haben einfach das Gefühl, nicht zu zählen, bedeutungslos zu sein.  Und das ist das schlimmste von allem. Vielleicht haben Sie schon einmal von den Experimenten mit gegorenem Reis gehört, der jeweils unterschiedlichen Behandlungen unterzogen wurde (liebevoller Zuspruch, verbale Attacken und völliges Linksliegenlassen). Die Reisproben, die einfach nicht beachtet wurden, zweigten die schlimmsten Auswirkungen. Jemand der so aufwächst, wird Schwierigkeiten haben, sich selbst wichtig zu nehmen, Selbstliebe zu entwickeln und ein erfülltes Leben zu führen. Hier gibt es durchaus Überschneidungen mit anderen Punkten, zum Beispiel mit Punkt 2.

5. Gewalt

Dies kann sowohl sexuellen Missbrauch beinhalten, als auch tatsächlich köperliche Züchtigung und Schläge. Hier geht es um Grenzverletzungen, Vertrauensverlust, körperliche Unversehrtheit, aber es spielen auch noch andere Faktoren mit hinein. Vielleicht haben wir Verantwortung dafür übernommen, für die Sicherheit andere Familienmitglieder zu sorgen (manchmal zu Lasten unserer eigenen).

6. Verlassenwerden

Dies kann alles mögliche beinhalten. Vielleicht stirbt jemand, der für Sie eine wichtige Bezugsperson war. Vielleicht verlässt ein Elternteil tatsächlich die Familie, und der andere Elternteil ist mit der Sicherung des Lebensunterhaltes beschäftigt, so dass niemand sich mehr mit Ihnen beschäftigen kann. Es kann aber auch bedeuten, dass niemand jemals Zeit für Sie hat. Viele von uns hatten Eltern, die nach dem Krieg damit beschäftigt waren, sich eine neue Existenz aufzubauen. Die Kinder liefen einfach nur so mit.

7. Frühe Bindungsabbrüche

Vielleicht wurden Sie zur Adoption freigegeben oder wuchsen als Pflegekind bei anderen als den ursprünglichen Eltern auf, vielleicht sogar in einem Heim. Aber vielleicht war es nicht einmal so etwas Dramatisches, sondern viel Alltäglicheres. Vielleicht hat Ihre Mutter unter einer Postnatalen Depression gelitten, konnte sich nicht mit Ihnen anfreunden, sich nicht auf Sie freuen, musste (vielleicht sogar wiederholt) ins Krankenhaus oder war sonstwie abwesend.

8. Geschwistertrauma

Dies kann ebenfalls viele verschiedene Dinge beinhalten. Vielleicht war ein Geschwister krank und Sie standen daher immer im Schatten dieses Geschwisterkindes.  Vielleicht haben die Eltern auch ein Kind vor Ihrer Geburt verloren und Sie haben den (niemals ausgesprochenen Auftrag) diesen Verlust wieder gut zu machen. Vielleicht wurden Sie Zeuge eines traumatischen Erlebnisses eines Geschwisterkindes, dem Sie nicht helfen konnten. Vielleicht haben Ihre Geschwister Sie gequält. Vielleicht wurde ein Geschwisterkind wie das „goldene Kind“ behandelt (hier kann es durchaus Überschneidungen mit Punkt 2 geben) und Sie wie „Aschenputtel“ behandelt, das kommt gar nicht so selten vor.

9. Armut

In Armut aufzuwachsen ist eine Erfahrung, die sehr, sehr tief prägt, vor allen Dingen unsere Glaubenssätze über uns selbst und die Welt. Meistens haben unsere Eltern ein entsprechend geprägtes Weltbild, das wir als Kinder übernehmen, weil wir es nicht besser wissen. Dies beinhaltet zum Beispiel, dass wir nicht daran glauben, dass wir alles Gute dieser Welt verdienen und es auch in der Hand haben, etwas dafür zu tun, wir haben kein Bewusstsein für das Potential, das in uns schlummert und möglicherweise fehlt uns eine Art natürlicher Mut …

10. Ein oder beide Elternteile sind psychisch krank

Das ist ebenfalls ein sehr schwieriger Punkt. Psychisch kranke Elternteile sorgen dafür, dass man die Familie nicht als sicheren Ort empfinden kann, da sich die kranke Person immer wieder auf unvorhersehbare Weise verhält, und vielleicht auch dafür sorgt, dass die eigene Wahrnehmung in Frage gestellt wird. Als Kind hat man relativ wenig Möglichkeiten, den Wahrheitsgehalt von Behauptungen Erwachsener zu prüfen, sondern übernimmt deren Ansichten ungefiltert. Das ist sowieso schon schwierig genug, wenn ein Elternteil psychisch krank ist, kann dies bedeuten, dass man selbst in seinem Ausdruck und Verhalten vollkommen gehemmt wird, weil man zur Zielscheibe der Unsicherheiten, des Spotts oder Zorns usw. des entsprechenden Elternteils wird. Auf jeden Fall

Und natürlich können auch hier wieder Verschränkungen mit anderen Punkten entstehen.

Das war ziemlich harter Tobak. Falls Sie jetzt aufgebracht sind, klopfen Sie bitte wie oben gezeigt. Ich selbst bin übrigens mit mindestens 5 der oben genannten Erfahrungen aufgewachsen.

Ich bin natürlich jetzt sehr neugierig, wie es mit Ihnen ist. Darum habe ich mal wieder eine Umfrage erstellt und bin meganeugierig, wie sie sich über die Zeit entwickeln wird.

Falls Sie Lust haben, Ihre Erfahrungen mit uns zu teilen, freue ich mich über Ihren Kommentar unter dem Artikel.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

Image by Alexas_Fotos from Pixabay 

Es tanzt mich

Es tanzt mich

Gibt es eine Sache für Sie, bei der Sie sich mit Ihrem Körper richtig wohl und verbunden fühlen? Etwas, wobei Sie sich sicher fühlen?

Bei mir ist das das Tanzen.

Schon Ende letzten Jahres ist mir aufgefallen, dass ich mich beim Tanzen, also auch auf der Tanzfläche, einfach sicher fühle. Und dass ich, wenn ich dafür sorgen, dass ich mehr Tanzen kann, auch

den Sicherheitsfaktor in meinem Leben erhöhe.

Das war selbst schon vor Corona mit vielen Schwierigkeiten verbunden.  Nicht nur, weil die guten alten Diskotheken, in denen ich mir in meiner Jugend die Nächte um die Ohren geschlagen habe, verschwunden sind und Clubs erst dann aufgemacht haben, wenn ich schon im Bett lag. Und jetzt gibt diese Sonderlage. Es gibt einfach keine Parties. Das ist ja auch richtig, von wegen Ansteckungsgefähr usw. – ich würde auch auf keine Party gehen, wenn es eine gäbe. Trotzdem finde ich das  von allen schwierigen Dingen  am schwierigsten auszuhalten.

Es hatte sich auch als äußerst schwierig herausgestellt, eine Begleitung für solche Unternehmungen zu finden, weswegen ich es aufgegeben hatte, andere zu fragen und mich nur noch an mir selbst orientierte: Ob ich es heute abend schaffen würde, mit allen Widrigkeiten klar zu kommen? Meistens war ich recht entschlossen, dafür zu sorgen, dass ich diese Sache, die so gut für mich ist, bekommen kann, allen Widrigkeiten zum Trotz.

Ohnehin hätte ich dazu für die Location meiner Wahl in die nächste größere Stadt fahren müssen, was ohne Auto zwar machbar war, aber doch einer kleinen Expedition gleichkam, für die ich emotional in der richtigen Verfassung sein musste. Am Wochenende gab es immer junge betrunkene Menschen im Zug. Irgendjemand kotzte immer. Das musste man dann aushalten. Hochsensibilität lässt grüßen.

Jetzt gilt diese Stadt als Risikogebiet.

Im Laufe der Jahre habe ich auch meine musikalischen Ansprüche heruntergeschraubt. Am liebsten tanze ich zu House, Trance und Elektromusik, mit viel Rhythmus und Bässen, statt dessen läuft es manchmal auf Schlager hinaus. Ich habe gelernt mich anzupassen, mit dem auszukommen, was ich bekommen kann. Denn was zählt, ist die Bewegung.

Na ja, fast. Auf körperlicher Ebene ist für mich wichtig, dass Tanzen Stress abbaut.

Beim Tanzen schaltet sich (jedenfalls bei mir) meistens der Kopf ab, der Körper übernimmt und ich fühle mich ganz und gar mit meinem Körper verbunden. Schließlich ist Tanzen auch eine Form des Selbstausdrucks, wenn wir tanzen, stellen wir dar, wie wir die Musik erleben.

Ich tanze also bin ich

Der Kopf schaltet sich ab. Es gibt nur noch die Musik und mich. Und die pulsierende Energie der anderen Menschen um mich herum, die mir auf magische Weise auch Energie verleiht (die dann noch Tagelang anhalten kann). Ich persönlich kenne

keine bessere Möglichkeit in Gegenwärtigkeit zu versinken.

Denn am Tanzen auf Parties ist auch schön, dass ich mich dabei mit vielen, vielen anderen Menschen verbinden kann, ohne dass ich mit ihnenn sprechen oder sonstwie Kontakt aufnehmen muss. Wir sind einfach Teil einer großen, pulsierenden Masse, die gerade in Gegenwärtigkeit hingegeben ist.

Einer meiner Lieblingslocations ist der Tanzspaß in Köln. Das ist so richtig nach meinem Geschmack. Dort ist die Tanzfläche schon um 20:30 gefüllt, es tummeln sich jung und alt, vornehmlich aus der Heilerszene. Wenn ich Glück habe und einer meiner Lieblings-DJs auflegt, kann dann auch schon um die Uhrzeit ein Techno- oder Trancestück laufen.

Als ich das erste Mal dorthin kam, lief gerade ein Stück von Anne Clark. Alle fingen an, vor Begeisterung zu schreien, auch die Männer. Ich habe fast vor Rührung geweint …

Mir kommt gerade in den Sinn, dass ich vielleicht

meine Jugend nur deshalb überlebt habe,

weil ich sehr, sehr, sehr viel tanzen gegangen bin. Nach ein paar Stunden Tanzen ist es

praktisch unmöglich, mich über irgendetwas aufzuregen.

Was auch immer vorher in mir gegärt hat, ich habe es in Bewegung verwandelt und freigesetzt.

Eine Sache gibt es natürlich, die sehr kontraproduktiv ist: Wenn ich zum Tanzen ausgehe und dann gar nicht tanzen kann. Auf manche Musik kann ich mich trotz heruntergeschraubter Ansprüche nicht bewegen (Rap und Reggae ist für mich ein Alptraum, wo ich das Gefühl habe, mit Tönen beworfen zu werden). Und manchmal gefällt mir etwas natürlich wirklich überhaupt nicht.

Meine Beziehung zur Musik läuft über Bewegung

weniger über Worte. Zuhause höre ich fast nie Musik (aber wenn ich unterwegs bin). Das fehlt mir auch überhaupt nicht. Die Stille hilft mir, besser bei mir zu sein.

Apropos bei mir sein: Abgesehen von dem ganz grundsätzlichen Einssein mit einer tanzenden Masse kann ich beim Tanzen keine Verbindung zu anderen aufnehmen. Blickkontakt usw. finde ich viel zu kompliziert, das reißt mich sofort aus meiner Verbindung mit der Musik. Und die ist auf der Tanzfläche das Allerwichtigste für mich.

Mir ist erst in letzter Zeit so richtig klar geworden, welche Bedeutung Tanzen für mich hat.  Und dass es nicht reicht, nur mal ab und zu mal auf eine Veranstaltung tanzen zu gehen. Eigentlich muss ich mich wöchentlich austoben. Noch besser: täglich.

Zum Ende des letzten Jahres hatte ich allerlei bislang nicht genutzte Möglichkeiten gefunden: z. B. eine dynamische Tanzmeditiation am morgen, ein Barfußtanzen am Abend. Events von Tanztherapeuten. Tanztherapeutische Selbsterfahrung klingt auch spannend für mich.

Noch bevor ich diese Möglichkeiten untersuchen konnte, habe ich sie schon wieder verloren. 

Dummerweise habe ich mir die unselige Angewohnheit angeeignet, mich morgens sehr früh zur Arbeit an den Computer zu setzen. Vor kurzem habe ich dann mal mit mir ganz kurzen Prozess gemacht und habe wieder begonnen, täglich vor dem Frühstück ein bisschen zu tanzen. Mich wild zu schütteln zu irgendwelchen Technorhythmen. Na also, geht doch … Mein Körper findet’s himmlisch. Der Rest von mir auch 🙂

Wie ist es mit Ihnen? Tanzen Sie gern? Oder welche Sache machen Sie, die Ihnen dabei hilft, sich mit Ihrem Körper sicher zu fühlen? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

bild: Geralt von Pixabay

 

Superfood Gerstengrassaftpulver

Superfood Gerstengrassaftpulver

Da ich ja weiß, dass das Interesse an der Medialen Medizin von Anthony William* recht groß ist, habe ich mir vorgenommen, Ihnen mal das eine oder andere Produkt aus meinem Shop vorzustellen, das ich selbst nutze. Den Anfang möchte ich mit Gerstengrassaftpulver machen.

Begonnen habe ich ursprünglich mit Weizengraspulver. Damals habe ich es genommen, weil ich immer so erschöpft war und ich hatte den Eindruck, dass es eine gute Unterstützung war. Das Wort Superfood war damals bestimmt noch nicht erfunden. Irgendwann fand ich heraus, dass Gerstengraspulver noch besser sein soll.

Nun habe ich ja Anthony William und die Mediale Medizin entdeckt und bin deswegen noch einmal umgestiegen auf das Superfood Gerstengrassaftpulver.

Gerste ist ein sehr altes Getreide. In Vorderasien soll sie seit 7.000 vor Chr. angebaut worden sein.  Die Römer brachten die Gerste nach Europa, wo sie u. a. von den Germanen als Nahrungsmittel und zum Bierbrauen genutzt wurde. Der griechische Arzt Hippokrates nutzte zerstampfte Gerste für Heilbehandlungen. Von ihm stammt der Ausspruch

„Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein“

Auch Hildegard von Bingen war von der heilenden Wirkung der Gerste überzeugt und verabreichte Gerstenwasser als Heilgetränk gegen Atemwegserkrankungen. In den 1970er Jahren untersuchte der japanische Wissenschaftler Dr. Yoshihide Hagiwara im Rahmen einer Studie 200 verschiedene Blattgemüsearten auf ihren Nährwert. Dabei stellte sich heraus, dass das

Gerstengras die höchste Nährstoffkonzentration

von allen untersuchten Blattgemüsen aufwies und eine sehr gute Bioverfügbarkeit zeigt, d. h., vom Körper besonders gut aufgenommen werden kann. Insgesamt ist es vor allen Dingen die Kombination von Mineralstoffen, Vitaminen, Antioxidantien und sekundären Pflanzenstoffen. Eine 2018 veröffentlichte Studie bezeichnet Gerstengras als eines der besten Functional Foods zur Vorbeugung chronischer Erkrankungen.

Gerstengras entsteht, wenn man die Samen der Gerste keimen lässt und

die jungen Triebe kurz vor der Herausbildung der Körner

erntet. Dann ist die Konzentration der Phytovitalstoffe am höchsten.

Für Gerstengraspulver werden die Halme getrocknet und dann pulverisiert. Für Gerstengrassaftpulver werden die geernteten Halme zu Saft gepresst, der dann erst getrocknet und pulverisiert wird. Dadurch wird die Konzentration der Nährstoffe noch einmal erhöht.

Gerstengras enthält: das Antioxidans SOD (Superoxiddismutase), GABA, Flavonoide, Lutonarin, Saponarin, Kalium, Calcium, Selen, Tryptophan, Vitamine (C und B12), Ballaststoffe, Enzyme, sehr viel Chlorophyll, sekundäre Pflanzenstoffe, Zink, Eisen, Magnesium, Folsäure.

Es ist natürlich ganz klar, dass Gerstengrassaftpulver an und für sich nichts zu tun hat mit Hochensibilität. Aber da viele meineR Leser*innen häufig mit gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, die sich unter Stress noch verschlimmern, könnte das Gerstengrassaftpulver interessant sein.

Die Liste der förderlichen Eigenschaften des Gerstengrases ist wirklich lang. Hierzu gibt es eine ganze Reihe von Studien im Netz. (Eine habe ich schon weiter oben verlinkt.)

Gerstengras kann

  • die Abwehrkräfte stärken
  • antidepressiv wirken
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen
  • den Blutdruck regulieren
  • sich positiv bei Diabetes auswirken
  • Blutfette und Harnsäurewerte senken
  • die Leber bei der Entgiftung unterstützen
  • die Leber reinigen und schützen
  • die Magen-Darm-Funktionen positiv beeinflussen
  • bei Hautkrankheiten (Akne und Neurodermitis) helfen
  • krebsfeindlich, entzündungshemmend und antioxidativ wirken
  • und die kognitiven Funktionen verbessern.

Mein ganz persönlicher Lieblingsgrund für Gerstengrassaftpulver ist, dass es eine wunderbare Alternative ist zu frisch gepresstem Selleriesaft, den viele Menschen ja weder mögen, noch vertragen. Das

Gerstengrassaftpulver erhöht den Salzsäuregehalt des Magens

– ebenso wie Selleriesaft (was übrigens auch den Nebennieren zugute kommt). Und das ist unglaublich wichtig, denn sehr viele Schwierigkeiten in der Verdauung können dadurch entstehen, dass im Magen nicht genug Salzsäure vorhanden ist. Wenn dies der Fall ist, kann die Nahrung im Magen nicht richtig in kleinere Bestandteile aufgebrochen werden. Das wiederum führt dazu, dass, wenn die zerkleinerten Nahrungsbestandteile dann in den Darmtrakt kommen, sie gar nicht mehr aufgeschlossen werden können. Das bedeutet, dass die in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe vom Körper gar nicht mehr genutzt werden können. Statt dessen können dann „Darmfäulnis“, Faulgase, Schmerzen, Aufgedunsenheit usw. entstehen. Nicht schön. Vielleicht kennen Sie diese Zustände aus eigenem Erleben.

Es versteht sich von selbst, dass man das Gerstengrassaftpulver* über einen längeren Zeitraum einnehmen sollte und es nicht mit einer einmaligen Einnahme getan ist.

Am besten wirkt das Gerstengrassaftpulver morgens auf nüchternen Magen 30 Minuten vor einer Mahlzeit in ein Glas Wasser gerührt. Man kann es natürlich aber auch anders zu sich nehmen. Ich rühre es immer in meinen morgendlichen Smoothie. Es schmeckt ganz leicht süßlich und hinterlässt einen sehr angenehmen samtigen Nachgeschmack.

Ich bekomme davon immer einen kleinen Energiekick morgens. Und meine Haare, die schon seit Urzeiten ganz dünn und fein sind, sind kräftiger geworden. Alles andere arbeitet im Hintergrund.

Jedenfalls freue ich mich sehr, dass ich nun das Gerstengrassaftpulver* der Fa. Vimergy in meinem Shop anbieten kann, die sich das Angebot von Nahrungsergänzungsmitteln in höchster Qualität auf die Fahnen geschrieben hat.

Die Produkte von Vimergy werden von Anthony William selbst wegen der herausragenden Qualität empfohlen.

Nicht nur das, sondern er benutzt sie selbst ebenfalls! Besser geht es doch nicht. (Falls Sie mehr wissen wollen: hier habe ich den entsprechenden Clip in deutscher Übersetzung ausfindig gemacht)

Die Preise relativieren sich sehr, sehr schnell angesichts der Packungsgrößen.  Früher habe ich eher auf den Preis geschielt und habe sehr kleine Packungen gekauft, die letzten Endes dann auch nicht preisgünstiger waren im Mengenvergleich.Persönlich finde ich das Gefühl von Fülle in Verbindung mit den Packungsgrößen unglaublich befriedigend. Aber die Idee dahinter ist vermutlich einfach, dass Sie das entsprechende Produkt wirklich eine Zeitlang zur Verfügung haben.

Wenn Sie nun neugierig geworden sind, schauen Sie doch einmal in meinem Shop vorbei. Dort finden Sie nicht nur das Gerstengrassaftpulver*, sondern auch andere Mediale-Medizin-Produkte der Firma Vimergy.

Falls Sie noch weitere Rezeptideen für Gerstengrassaftpulver haben oder etwas anderes loswerden möchten, freue ich mich wie immer über Ihre Kommentare.

Monika Richrath

Was ist Energy Tapping?

Was ist Energy Tapping?

Wenn Sie mir schon eine Weile folgen, wissen Sie vielleicht, dass ich dem Energy Tapping, dem sog. Positiv-Klopfen, einer sehr besonderen Klopfakupressur-Technik, ziemlich lange Zeit sehr ablehnend gegenüberstand. Für mich ist es eben so, dass ich es für sehr wichtig halte, sich mit seinen vermeintlichen negativen Gefühlen zu beschäftigen, denn erst, wenn man diese annimmt, können sie sich auch verabschieden.

Dieser Meinung bin ich immer noch. Allerdings habe ich in der Zwischenzeit das Energy Tapping selbst ausprobiert und

bin vollkommen davon begeistert.

Energy Tapping wurde von der Klopfpionierin Sylvia Hartmann entwickelt. Energy Tapping hat einen vollkommen anderen – lösungsorientierten – Ansatz, als das „herkömmliche“ Klopfen. Dabei geht es nämlich darum,

die energetische Ausstrahlung des Körpers gezielt dahingehend zu verändern,

dass man dem Energiekörper, den jeder von uns hat, genau das gibt, was er im Augenblick benötigt. Man beschäftigt sich also nicht mehr mit Gründen und Ursachen für bestimmte Probleme und Schwierigkeiten, sondern versucht, Stress eher mit den Lösungen zu verändern. Das ist äußerst verblüffend.

Diese Art des Klopfens könnte also für all jene vorteilhaft sein, die das Klopfen aufgrund der Beschäftigung mit negativen Emotionen ablehnen, aber auch für diejenigen, die beim herkömmlichen Klopfen zu sehr von Emotionen aufgewühlt und überfallen werden (so dass sie in einen Ausnahmezustand hineingeraten). Für Menschen, die aufgrund von Hochsensibilität schnell in Stresszustände hineingeraten, also auch sehr geeignet. Auch, weil es sich möglicherweise sehr viel sicherer anfühlen mag als das Erforschen von verdrängten Emotionen.

Aber auch hier gilt natürlich, dass man sich in winzigkleinen Schritten vorwärts bewegt. Man klopft dabei nicht jeden Tag das gleiche, sondern muss sich jedes Mal neu überlegen:

was brauche ich JETZT?

Ich finde es auch wesentlich zeitaufwändiger als meinen  eigenen (ganz minimalistischen) Ansatz, betrachte es aber mittlerweile als eine äußerst wertvolle Ergänzungsmethode, die ich auch dann und wann gerne einsetze.

Am besten ist, Sie beurteilen selbst und klopfen alle drei Videos mit. Dann können Sie am besten selbst ermessen, wie wertvoll das Energy Tapping für Sie ist. (Die Videos stammen aus einer Rauhnacht-Reise, wundern Sie sich daher nicht, dass vom 27. Dezember die Rede ist.) Was man aber sehr gut sehen kann, finde ich, ist, wie sich meine Ausstrahlung über die drei Videos hinweg deutlich verändert.

So, und jetzt geht es los. Stellen Sie sich ein Glas Wasser bereit, trinken Sie nach jedem Video etwas und machen und sprechen Sie mir alles nach.

 

Vielleicht merken Sie schon nach dieser ersten Runde, dass sich etwas in Ihnen verändert? Aber jetzt geht es noch weiter, wir hängen noch eine weitere Runde dran. Denken Sie bitte daran, zwischendurch Wasser zu trinken.

Das war immer noch nicht alles. Wir hängen noch eine weitere Runde dran. Meiner Erfahrung nach gibt es in der dritten Runde immer noch einen ganz besonderen Schub, wegen der „Universumsenergie“. Vielen Menschen fällt es übrigens durchaus nicht leicht, sich „so viel“ Energie zu wünschen …

Wie ist es Ihnen gegangen mit dieser dreifachen Klopfrunde? Konnten Sie sich so viel Energie wünschen? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

Bild von Denise Husted auf Pixabay 

Was bei Trauma im Gehirn passiert

Was bei Trauma im Gehirn passiert

In den vergangenen Monaten habe ich mich sehr intensiv mit dem Wesen von Trauma beschäftigt. Und natürlich auch mit der Frage, ob es einen Zusammenhang geben könnte zwischen Hochsensibilität und Trauma.

Zunächst einmal habe ich herausgefunden, dass Trauma nicht ein Ereignis bezeichnet, wie dies durchaus üblich ist im Sprachgebrauch, sondern eher

ein inneres Erleben, bzw. einen inneren Zustand

– zunächst in Bezug auf ein Ereignis, welches aber im weiteren Verlauf nicht auf ein Ereignis beschränkt bleiben muss, sondern sich auch auf andere Ereignisse erstrecken kann, die die Erinnerung an das Ursprungsereignis wecken. Man nennt das „Triggern“. Es passiert häufig vollkommen unbewusst, z. B. auf einer Ebene der körperlichen Wahrnehmung, auf die wir bewusst keinen Zugriff haben. Sie kennen das sicherlich selbst, dass einen bestimmte Gerüche im Nullkommanix in die Kindheit zurückversetzen. Mir selbst geht es immer ganz intensiv so, wenn ich bestimmte Oldies im Radio höre, dann bin ich sofort wieder in der Zeit, als dieses Stück rausgekommen ist, meistens in der Pubertät (das war die Zeit, wo ich Musik am intensivsten angehört habe). Und – ich bin dann meistens auch sofort in einer entsprechenden Grundstimmung, die diese Zeit geprägt hat. Sehr melancholisch.

Kürzlich habe ich in dem Beitrag schwarze Erinnerungen (bei dem es um die sog. Kinderverschickung geht), erzählt, dass ich immer noch anfange zu würgen, wenn ich heiße Milch rieche, obwohl die dazugehörigen Ereignisse mehr als 50 Jahre zurück liegen. Ich habe mich in letzter Zeit auch gefragt, ob ich mich mit kalten Duschen so wahnsinnig schwer tue, weil es in jenem Heim Praxis war, die Kinder einmal täglich mit kaltem Wasser abzuspritzen …? Ich werde es vermutlich nie herausfinden, aber möglich wäre es schon.

Letzten Endes war es tatsächlich meine intensivere Beschäftigung mit dem Thema Kinderverschickung, die bei mir sehr viel in Sachen Trauma in Bewegung gesetzt hat. Plötzlich begann ich mich, ganz blöd zu fühlen, ohne zu wissen, was wirklich los war. Nachdem mir jemand erzählt hat, was sie noch aus dem Heim wusste, sind auch ein paar Erinnerungen zurückgekehrt. Die blöden Gefühle haben sich intensiviert. Und ich wusste irgendwann, dass ich jetzt auch nicht mehr zurück kann. Die Katze war aus dem Sack und es war mir klar, dass ich in recht absehbarer Zeit mich um eine professionelle Traumatherapie  in regelmäßigem Rahmen bemühen muss, auch wenn ich eigentlich immer noch dachte, ja, demnächst mache ich das.

Aber das Jahr hat sich dann so krass gestaltet, dass ich irgendwann gezwungen war, etwas zu unternehmen und mir professionelle Hilfe zu suchen. Was dazu führt, dass ich jetzt in der Lage bin, Ihnen allerhand zum Thema Trauma zu erzählen, denn ich habe mich recht intensiv mit Bessel van der Kolk und Peter Levine beschäftigt, während ich gleichzeitig in der Lage bin, selbst von ihren Forschungen zu profitieren. Peter Levine hat eine Methode namens Somatic Experiencing entwickelt, bei der es darum geht, wieder in Verbindung zu kommen mit seinen körperlichen Empfindungen. Denn:

der Körper vergisst nichts

und speichert das Erlebte im sog. Körpergedächtnis ab.

Leider nicht in wohlsortierte und beschriftete Schubladen. Vielmehr ist es so, dass viele Empfindungen und Erinnerungen unseres Körpergedächtnisses chaotisch und unbenennbar erscheinen.

Dies mag daran liegen, dass sich in einem traumatischen Zustand das sog. Broca-Areal abschaltet. Das Broca-Areal ist eines der Sprachzentren des Gehirns und wenn es nicht richtig funktioniert, fällt es uns schwer, unsere Gefühle und Gedanken zu beschreiben, nicht nur anderen gegenüber, sondern auch uns selbst.

Im Gegenzug dazu wird ein anderer Bereich im Gehirn aktiviert, das sog. Brodman-Areal 19, ein Bereich im visuellen Kortex, der Bilder registriert, sobald sie im Gehirn eintreffen.

Dies hat der Wissenschaftler Bessel van der Kolk gemeinsam mit Kolleg*innen herausgefunden, als er die Reaktion von Probanden auf Flashbacks mit bildgebenden Verfahren untersuchte.

Das ist aber noch nicht alles.

Vielleicht werden aus misshandelten Kindern hochsensible KinderWir verlieren ebenfalls das Gefühl für die Zeit und den Ort.

Außerdem übernimmt ab einem bestimmten Zeitpunkt das emotionale Gehirn die Führung, das weder vom Bewusstsein gesteuert wird, noch verbal kommuniziert. Bei einer starken Erregung stehen Gehirnbereiche, die bei einer Integration/Verarbeitung des Erlebten helfen sollen, nicht mehr zur Verfügung. Das Erlebte wird dann nur noch bruckstückhaft abgespeichert, in Form scheinbar zusammenhangloser Bilder, Geräusche, Empfindungen, Gefühle und Sinneswahrnehmungen.

Und es ist genau dieses Zusammenhanglose unserer verschiedenen Empfindungen, die Trauma so schwierig und quälend macht. Auf der einen Seite können wir sehr stark getriggert werden durch eben jene Sinneswahrnehmungen – was nichts anderes bedeutet, als dass wir von einer Sekunde zur nächsten in einem Superstresszustand sind, ohne zu wissen, wie wir dort hingekommen sind oder warum und wie wir wieder herauskommen können.

Auf der anderen Seite fällt es uns schwer, mit anderen darüber zu reden, weil uns die Worte dafür fehlen, weil diese Empfindungen und Emotionen in Sekundenbruchteilen auftauchen und trotzdem kaum greifbar sind. Falls die Erfahrungen, die wir gemacht haben, in einem Alter stattfanden, in dem wir sowieso noch keine Worte hatten, wird es noch schwieriger.

Unsere Erlebnisse bleiben auf jeden Fall in uns lebendig.

Über die Jahre verlieren sie nichts an Intensität (jedenfalls nicht, wenn wir uns nicht aktiv im Rahmen einer Traumatherapie damit auseinandersetzen). Denn um ein Erlebnis in die eigene Geschichte und auch in das eigene Körperempfinden integrieren zu können, brauchen wir Kohärenz, einen Zusammenhang, der bei der Integration und Verarbeitung des Erlebten hilft.

Ein anderer, ebenfalls sehr wichtiger Aspekt bei der Entstehung eines Traumas ist, ob Menschen in der Lage sind, sich in der jeweiligen Situation zu bewegen, aktiv zu werden um sich selbst zu schützen. Werden sie daran gehindert und erleben sich selbst als hilflos, allein und ausgeliefert, in der Falle, kann es zu einer Erstarrung kommen.

Peter Levine unterscheidet sogar in der Intensität der Erstarrung, je nachdem ob die Muskeln sich versteifen oder kollabieren und schlaff werden, wie es der Fall ist, wenn man glaubt, dass man sterben wird.

Das Sich-tot-stellen

hat bei Säugetieren eigentlich wichtige Überlebensfunktionen, z. B. einen betäubten Bewusstseinszustand hervorzurufen, in dem schmerzstillende körpereigene Endorphine ausgeschüttet werden. Häufig findet in diesem Betäubungszustand auch eine Dissoziation statt, in der die Person die eigenen Erlebnisse so erlebt, als stößen sie einer anderen Person zu. So kann das eigentlich Unerträgliche erträglich gemacht werden.

Wenn wir in eine belastende Situation geraten, stehen uns normalerweise drei verschiedene Verhaltensweisen zur Verfügung: Angriff, Flucht oder Erstarren. In jedem Fall aber werden in der Situation Stresshormone ausgeschüttet. Diese Stresshormone bleiben so lange aktiv, bis die Situation integriert und aufgelöst werden kann. Ist das nicht der Fall, kommt es entweder zu

Flashbacks (sensorischen Erinnerungsmomenten) oder Reinszenierungen,

die beide jeweils wieder neue Stresshormone freisetzen. Dies führt dazu, dass es bei traumatisierten Menschen einerseits sehr lange dauert, bis Stresshormone abgebaut werden und der Körper in einen Normalzustand kommen kann. Andererseits steigt der Stresspegel auch bei relativ geringen Anlässen sehr schnell wieder sehr hoch an.

Trauma verändert also unser Gehirn und unseren Körper

Aber das ist noch längst nicht alles. Durch ein Trauma verlieren wir häufig auch die Verbindung zu uns selbst, die vor allem durch den Körper stattfindet. Wir verlernen, auf unseren Körper zu hören, der uns Signale sendet über unsere Empfindungen, die wir möglicherweise aber nicht haben wollen. Genauso wenig wie die damit verbundenen Gefühle wie z. B. Scham. Da fällt mir natürlich ein, dass superviele hochsensible/hochsensitive Menschen einfach hauptsächlich im Kopf sind und kaum im Körper. Es ist viel einfacher sich taub zu stellen und sich letzten Endes vor sich selbst zu verstecken. Aber es gibt einen Pferdefuß dabei:  Wenn wir versuchen, die hässlichen Empfindungen auszuschalten, schalten wir automatisch auch die schönen Empfindungen mit aus.

Dieses Verhalten ist mehr als verständlich, natürlich, aber macht eigentlich überhaupt keinen Sinn. Abgesehen davon, dass wir uns von Lebensfreude abschneiden, verlernen wir die Fähigkeit zu unterscheiden, wann wir sicher sind und wann nicht. Außerdem entwickeln manche Menschen überhaupt Angst vor irgendwelchen Formen körperlicher Empfindungen.

Es erscheint auch logisch, dass bestimmte körperliche Symptome bei traumatisierten Menschen besonders häufig vorkommen, wie Hals- und Nackenschmerzen, Fibromyalgie, Verdauungsstörungen, Reizdarm, Asthma und chronische Erschöpfung. Und letzten Endes kann ein chronisches Trauma zu einer

Posttraumatischen Belastungsstörung

führen. Der Thalamus im Gehirn arbeitet dann nicht mehr richtig. Der Thalamus wird während des traumatischen Ereignisses und auch während Flashbacks einfach abgeschaltet. Was bedeutet, dass er dann vielleicht nicht mehr in der Lage ist, wichtige Sinneseindrücke von unwichtigen Sinneseindrücken zu unterscheiden, was wiederum bedeutet, dass wir uns

ständig im Zustand sensorischer Überlastung

befinden.

Spätestens hier werden Sie sicherlich aufmerken. Denn da sind wir wieder bei den Symptomen, die Hochsensibilität u. a. ausmachen. Und auch bei der Gefahr chronischer Erschöpfung, die sich einfach aus der sensorischen Überlastung ergibt.

Die große Frage, die sich nun stellt, ist:

Was können Sie tun?

Vorweg: Eine Traumabehandlung gehört ausschließlich in professionelle Hände. Bitte unternehmen Sie keinesfalls den Versuch, Ihr Trauma selbst zu beklopfen. Das kann sehr böse ins Auge gehen – vor allen Dingen, wenn Sie nicht wissen, womit Sie es zu tun haben. Menschen, die das Klopfen noch nicht kennen, neigen oft dazu, die Intensität und Kraft der Klopfakupressur massiv zu unterschätzen.

Klopfen können Sie trotzdem. So oder so führt der Weg aus dem Trauma hinaus über den Körper. Tendenziell geht es u. a. darum, die Verbindung zu sich selbst wieder herzustellen, lernen, dem eigenen Körper und seinen Empfindungen Vertrauen zu schenken. Es geht auch darum, das chronisch erhöhte Stresslevel zu senken. Auch das können Sie mit regelmäßigem Klopfen erreichen. Oder Ängste reduzieren und das Gefühl für Sicherheit steigern. Das ist alles mit Klopfen möglich. Sie arbeiten dann sozusagen an einzelnen Auswirkungen. Aber fangen Sie bitte ganz klein an. Und wenn Sie zu denen gehören, die eigentlich Angst davor haben, was in ihrem Körper vor sich geht, klopfen Sie am besten eine ganze Zeitlang leer.

Das war sicher nicht das letzte Mal, dass ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe. Dazu gibt es noch so viel zu sagen, gerade im Zusammenhang mit Hochsensibilität.

Jetzt interessiert mich natürlich, wie es Ihnen mit diesen Informationen  geht. Vielleicht möchten Sie auch noch etwas ergänzen, von eigenen Erfahrungen erzählen? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Kommentare mit uns teilen.

Monika Richrath

Image by Gerd Altmann from Pixabay

Mein Leben als Scannerin

Mein Leben als Scannerin

Wie fast alle Artikel auf meinem Blog hat auch dieser Blogbeitrag eine Vorgeschichte, eine ziemlich lange sogar.

Von Scannern habe ich schon vor längerer Zeit gehört und habe in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten immer wieder andere Menschen gefragt, ob sie keine Lust haben, einen Artikel über Scanner für meinen Blog zu schreiben, jetzt weiß ich warum …

Wie es so ist: große Veränderungen beginnen häufig mit einer kleinen Sache. Dieses Jahr war ich bei dem Kongress von Lisa  Laufer „Vom Jobfrust zur Jobmagie“, einem Kongress für hochsensible und vielbegabte Menschen als Referentin mit dabei und habe mir natürlich auch die meisten anderen Interviews angehört. Dort bin ich irgendwo zum ersten Mal auf eine Definition des Begriffs „Vielbegabung“ gestoßen, der irgendwie in mein Gehirn fiel und dort liegenblieb.

Vorher war das für mich ein sehr schwammiger Begriff – ich glaube, ich verband damit so eine Art Superintelligenz, wohingegen ich zwar ziemlich viele Sachen ganz gut kann, aber nirgendwo herausragend bin. Das schien auf mich also nicht zuzutreffen …

Nun fiel aber in einem Interview der Begriff Scanner und es gibt sogar einen Test dazu, den man machen konnte (sogar in Verbindung mit Hochsensibilität), was ich unverzüglich tat. Und siehe da:

Ich bin eine Scannerin!

Das ist nun schon eine Weile her und ich hatte Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen und auch, mich ein bisschen schlau zu machen. Vor allen Dingen mit DEM Scannerbuch „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“* von Barbara Sher.

Das wirklich Überwältigende daran ist, dass es sich anfühlt, als hätte jemand einen Schleier über mir weggezogen, so dass ich

mich nun in einem ganz neuen Licht betrachten

und auch würdigen kann. (Ganz ähnlich wie bei der Entdeckung meiner Hochsensibilität bzw. Hochsensitivität.)

Dazu gehört zum Beispiel:

  • eine nie versiegende Neugierde und Wissbegierde, ich will alles (na ja, fast, es gibt auch Grenzen) sehen, untersuchen, begreifen
  • Verstehen wie die Welt funktioniert
  • Mir gefällt der Akt des Denkens
  • Ich liebe es, wenn mein Geist intellektuell herausgefordert wird (natürlich ohne Überforderung!)
  • Ich brauche Kreativität
  • Ich kann mich für so vieles begeistern
  • Ich brauche Abwechselung
  • Zuviel Routine ermüdet und langweilt mich
  • Ich lerne (heute) gerne (in der Schule war das anders)
  • Ich kann mich sehr gut in mir völlig unbekannte Wissensgebiete einarbeiten
  • In einer kreativen Phase sprudele ich nur so über vor Ideen (wenn es mir gut geht)
  • Ich freue mich, wenn ich neue Menschen, Orte und Erfahrungen kennen lerne
  • Ich freue mich, wenn ich anderen Menschen mit meinem Wissen weiterhelfen kann
  • Ich kann gute Fragen stellen und andere Menschen dabei unterstützen, herauszufinden, was los ist und was sie eigentlich wollen
  • Ich bin eine Grenzgängerin und gehe an viele Orte, an die andere Menschen nicht gehen

Scanner ist aber nicht Scanner. Barbara Sher unterscheidet sie

in verschiedene Typen,

die sich jeweils ganz unterschiedlich verhalten.

Der zyklische Scanner kennt seine Interessensgebiete, zwischen denen er sich abwechselt. Sie unterscheidet auch noch in die „Untertypen“: Doppelagent, Sybille und Tellerjongleur“.

Im Gegesatz dazu verliert ein Sequenz-Scanner nach einer Weile das Interesse an einem Projekt und nimmt es nie wieder auf. Hier gibt es wieder Unterscheidungen zwischen „Serienspezialisten“ und „Serienmeistern“.

Universalisten gelten als „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“, weil sie sich mit sehr vielen Dingen beschäftigen, sich jedoch nirgendwo ganz besonders hervortun. Lt. Barbara Sher liegt den Universalisten hauptsächlich die persönliche Zufriedenheit und das Zusammensein mit anderen Menschen am Herzen.

Wanderer lassen sich einfach auf neue Dinge ein, die ihnen über den Weg laufen, auch wenn diese scheinbar gar nichts miteinander zu tun haben. Später können Sie vielleicht entdecken, dass all ihre unterschiedlichen Interessen einen gemeinsamen thematischen Hintergrund haben.

Ausprobierer wollen gerne ausprobieren und schließen Dinge gerne mit einer Art Abschlussarbeit ab.

Turbowechsler hingegen wechseln so schnell die Interessensgebiete, dass ihnen das selbst Angst machen kann. So etwas wie ein Abschluss ist dann auch nicht möglich. Lt. Barbara Sher sind Turbowechsler besonders geeignet, Potential zu entdecken.

Sie sehen also, alle diese Scanner-Typen sind sehr verschieden. Fast allen ist gemein, dass sie in beruflicher Hinsicht vor großen Herausforderungen stehen, weil die meisten sich kaum vorstellen können, ihr Leben lang bei einer Sache zu bleiben.

Sowieso ist das

Nicht-bei-einer-Sache-bleiben-können

wohl das, was viele Scanner quält und stresst – jedenfalls solange sie nicht wissen, dass sie Scanner sind. Denn man ist dafür als Scanner einfach nicht geschaffen. Wir haben diesen regen Geist – was sicherlich in Verbindung mit Hochsensibilität auch noch mal extra problematisch sein kann.

Ich bin ein wenig von Ehrfurcht ergriffen, weil ich jetzt erst verstanden habe,

wie wunderbar mein Leben ist,

was für passende Strukturen ich mir geschaffen habe, um mich und meine Fähigkeiten bestmöglich zur Entfaltung zu bringen, z. B. habe ich mehrere berufliche Standbeine, denen ich mich abwechselnd widme. Ich habe diesen Blog, der es mir erlaubt, meiner kreativen Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: dem Schreiben und der es mir ermöglicht, meine Nase in 1001 verschiedene Wissensgebiete zu stecken und mein Wissen darüber weiterzugeben.

In der letzten Zeit haben Sie nicht so viel von mir gelesen, das lag daran, dass ich mit meiner Seite vor allerlei technischen Herausforderungen stand (die noch nicht alle bewältigt sind), denn wie Scanner so sind, versuche ich erst einmal, selbst herauszufinden, ob ich ein Problem nicht lösen kann …

Manchmal habe ich zugegebenermaßen auch darüber nachgedacht, ob ich aufhören soll zu bloggen, aber diese Frage stellt sich nach dem neuen Wissen, das zu mir gekommen ist, nicht mehr. Für mich selbst ist dieser Blog einfach perfekt, weil er mir die Möglichkeit gibt, meinem Geist Ausdruck zu verleihen.

Das ich so lange gebraucht habe, um zu erkennen, dass ich selbst eine Scannerin bin, liegt vermutlich daran, dass die Strukturen, die ich mir geschaffen habe, über einen sehr langen Zeitraum langsam, langsam gewachsen sind. Vielleicht habe ich den Blick immer mehr auf die verbindenden als auf die trennenden Elemente gerichtet. Wer weiß.

Wenn Sie sich irgendwo wiedererkannt haben, empfehle ich jedenfalls, Barbara Sher zu lesen. Sie hat tolle Ideen für passende Berufsvorschläge, die man nicht in kurzer Zeit über hat und auch über Lebensstrategien.

Haben Sie sich wiedererkannt? Wie war es für Sie, als Sie gemerkt haben, dass Sie Scanner*in sind? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Monika Richrath

Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay 

 

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