3 Techniken, die mit dem Gesicht arbeiten

3 Techniken, die mit dem Gesicht arbeiten

Schon lange wollte ich Ihnen hier einmal diverse Techniken vorstellen, die alle mit dem Gesicht arbeiten, um eine ganzheitliche Entspannung zu erreichen und Stress zu reduzieren. Bestimmt gibt es davon noch sehr viel mehr, aber ich kenne (bislang) nur diese drei. Das interessante daran ist, dass alle drei Techniken vollkommen verschiedene Ansätze haben, obwohl sie alle mit den im Gesicht befindlichen Meridianpunkten arbeiten. Auf dem Bild oben können Sie gut sehen, dass es auf dem Kopf jede Menge Meridianpunkte gibt.

Die 12 Übungen der VinaMa®

Die VinaMa® begleitet mich schon sehr, sehr lange. Alleine, wie ich zu ihr gekommen bin, ist schon bemerkenswert. Ich hatte nämlich so ein Bedürfnis nach grüner Farbe in meiner Wohnung. Ich habe mir sogar einen grünen Sitzsack gekauft. Einmal bin ich mit einer Freundin zu einer Esoterikmesse nach Bergisch Gladbach gefahren, um mir dort an einem Stand von einer blinden Frau die Aura lesen zu lassen. Diese Frau sagte zu mir, ich müsse in den Wald gehen, dort würde ich erwartet – und sie brachte mich anschließend an einen anderen Stand auf der Messe, nämlich den Stand von Frau Nguyên Thi Thiêt, in die Bonn seit 2002 das Institut für ganzheitliche VinaMa® leitet. Ich habe mir den Stand angesehen, nichts gekauft, aber ich habe mir den Vortrag von Frau Thiêt angehört, bei dem sie eine der 12 Übungen für die Selbstanwendung vorstellte. Welche weiß ich nicht mehr.

Bei diesen Übungen geht es darum, ganz einfache Dinge mit dem Gesicht, bzw. bestimmten Gesichtsbereichen anzustellen, z. B. die warmen Hände auf die Augen zu legen, den Mund, die Nase oder Stirn zu reiben usw. Und dann wird jeweils hinterher gespürt, was im Körper passiert. Darum finde ich diese Technik für hochsensible und hochsensitive Menschen wunderschön:

Hier sollen wir wahrnehmen,

ganz wertfrei. Bei mir hat das damals bewirkt, dass sich dadurch mein Verhältnis zu meiner Hochsensibilität verändert hat. Damals war ich eher noch im „Leidensmodus“ und fand die intensive Wahrnehmung häufig sehr anstrengend. Jetzt ging es darum, einfach nur zu gucken, was kommt, sehr angenehm. Bei dem Vortrag hatte ich übrigens das Gefühl,

in meiner Brust öffnet sich eine wunderschöne Blume.

Natürlich bin ich hinterher sofort zu dem Stand gegangen und habe mir eine Anleitung für die 12 Übungen besorgt. 

Sicherlich kennen Sie die ein oder andere Übung schon aus Ihrem Alltag oder aus anderen Zusammenhängen. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass durch das Nachspüren etwas sehr Einmaliges entsteht. Darüber hinaus hat jede Übung eine ganz besondere wahrnehmbare Wirkung und wirkt darüber hinaus auch auf andere Organe bzw. unterstütz diese.

Diese Übungen habe ich einen Monat lang täglich durchgeführt. Und dann entstand in meinem Inneren ein Bild von einem Häuschen am Waldrand. Später habe ich dann übrigens eine Wohnung in der Nähe des Waldes gefunden, die fast wie ein Häuschen war … Auf die Übungen greife ich dann und wann immer wieder gerne zurück. 

VinaMa® wurde von 

Prof. Dr. Bùi Quôc Châu

entwickelt, der von 1977–1983 in einem vitnamesischen Drogenentwöhnungszentrum arbeitete – als Akupunkteur. Aus der traditionellen vitnamesischen Volksheilkunde und verschiedenen östlichen Philosophien wie dem Buddhismus, Taoismus, I Ging etc. entwickelte Prof. Dr. Bùi Quôc Châu eine theoretische Grundlage für die „vitnamesische Gesichtsreflexzonen-Massage“, die auch unter vielen anderen Namen bekannt ist. Ab 1986 setzte Prof. Dr. Bùi Quôc Châu keine Akupunkturnadeln mehr ein, sondern entwickelte eigene, „nicht verletzende“ Instrumente. Für die Entwicklung seiner Heilmethode wurde Prof. Dr. Bùi Quôc Châu mit internationalen Preisen und Würdigungen ausgezeichnet,  z. B. hat ihm die Universität für Alternative Medizin in Sri Lanka den Titel „Star of Asia“ verliehen und bei einem Weltkongress für Natürliche Medizin erhielt er die Auszeichnung „Word Famous Doctor“.

Die Instrumente kann man leider nur im Rahmen von Seminaren oder auf Messen kaufen. Sonst hätte ich mir das eine oder andere schon angeschafft … Ich lege Ihnen jedenfalls diese Übungen wärmstens ans Herz.

Die zweite Technik beruht auf Weiterentwicklungen der Methode von Prof. Dr. Bùi Quôc Châu.

Nhuan Le Quang

kam selbst in den Genuss dieser Methode (damals noch mit Nadeln) und verzeichnete große Erfolge mit seinem Asthma. 1986 ging er nach Frankreich und intensivierte dort seine Untersuchungen über die Technik. Er entwickelte dann einen eigenen Ansatz, ohne Nadeln, statt dessen wird beim

Dien Cham

entweder der Finger verwendet oder das abgerundete Ende eines Kugelschreibers um bestimmte Punkte damit zu drücken. 

Ich  kam zu dieser Technik, weil meine Klopflehrerin mir eines Tages das Buch „Die Kunst der fernöstlichen Gesichtsmassage gezeigt“ hat, was mich sofort so fasziniert hat, dass ich mir das Buch aus besorgt habe. An dieser Technik begeistert mich, dass sie wirklich sehr gesundheitsorientiert ist, man kann damit zwar auch vorbeugend täglich eine bestimmte Punktefolge bearbeiten, ich nutze sie aber als Notfallapotheke. Ich fahre niemals länger weg, ohne das Buch mitzunehmen. 

Es geht im Prinzip darum, bei bestimmten Problemen( z. B. Atemnot, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Kräftigung, Schlaflosigkeit etc.) bestimmte Punkteabfolgen zu drücken oder streicheln, oder massieren. Natürlich muss man sich ein bisschen in die Materie einarbeiten und sich die Punkte merken. Am sinnvollsten ist es, wenn man mit einem Spiegel arbeitet, dann kann man die Punkte besser finden.

Hier kann man allerdings richtig auch mal was falsch machen,

es hat z. B. eine Bedeutung, ob man von oben nach unten streicht oder unten nach oben, es gibt Punkte, die kontraproduktiv sind bei niedrigem Blutdruck und andere treiben den Blutdruck nach oben … In dem meines Erachtens nach recht umfangreichen Inhaltsverzeichnis finden sich aber tolle Problemstellungen, die ich woanders so noch nicht gefunden habe: zum Beispiel Kopfschmerzen durch schlechte Verdauung (wenn die Leber streikt) kenne ich recht gut. Und da fällt mir doch ein, dass ich Dien Cham wirklich einmal richtig lernen wollte. Mittlerweile ist das gar nicht mehr so schwierig. Da gibt es allerhand Möglichkeiten im Netz …Und beim Durchblättern finde ich gleich einige „Probleme“, die ich jetzt mal wieder angehen will. Das dauert nur Sekunden.

Ein klitzekleines bisschen mehr Zeit müssen Sie schon investieren bei der

Klopfakupressur.

Aber auch nur minimal. Bei der Klopfakupressur sagt man einen stressauslösenden Satz und klopft dabei bestimmte Punkte auf dem Körper. Hauptsächlich im Gesicht, aber, nicht nur. Das ganze dauert in etwa 2 Minuten in der minimalistischen Variante, die ich bevorzuge. Sie können aber auch 20 Minuten klopfen, wenn Sie geübter sind und soviel klopfen möchten.

Beim Klopfen werden Punkte benutzt, die besonders viele Rezeptoren haben und intensiv verknüpft sind mit den Gehirnarealen, die an psychischen Verarbeitungsprozessen beteiligt sind. Konkret werden neurochemische Verbindungen freigesetzt, die Schmerz reduzieren, Angst verringern, das autonome Nervensystem regulieren und insgesamt beruhigend auf den Körper und die Psyche wirken. Dabei handelt es sich immer um die gleichen Punkte, das hat man sehr schnell raus.

Man kann die Klopfakupressur für nahezu alle Bereiche anwenden, egal ob es sich um ein körperliches Problem handelt oder ein emotionales, egal ob man eine Blockade abbauen oder seine Ziele besser erreichen will.

Ich schätze an der Klopfakupressur besonders die thematische Arbeit und bin hier schon mittendrin in meiner Arbeit mit hochsensiblen Menschen, die ich mit der Klopfakupressur darin unterstütze, mehr Lebensqualität und Selbstbestimmung zu erreichen.

Die Klopfakupressur ist eine Weiterentwicklung der Gedankenfeldtherapie (TFT) des Psychologen Roger Callahan und wurde als EFT (Emotional Freedom Techniques) von Gary Craig entwickelt. Die Mitglieder des Verbandes für Klopfakupressur im deutschsprachigen Raum haben sich jedoch darauf verständigt, den Begriff Klopfakupressur zu verwenden.

Wenn Sie neugierig geworden sind, lade ich Sie gerne ein, kostenlos an meinem online-Kurs teilzunehmen, bei dem Sie die Basics der Klopfakupressur lernen können. 

Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare. Kennen Sie noch andere Techniken, die mit dem Gesicht arbeiten?

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

Bild von Acupuncture Box auf Pixabay 

Die Wahrheit über Hochsensibilität?

Die Wahrheit über Hochsensibilität?

Eigentlich hatte ich es mir schon in der Überzeugung gemütlich gemacht, dass Hochsensibilität offenbar doch etwas mit Trauma zu tun hat. Früher bin ich nicht dieser Ansicht gewesen, aber je mehr ich mich mit dem Thema Trauma beschäftigt habe, umso deutlicher schien sich dort ein Zusammenhang abzuzeichnen. Bei praktisch allen Menschen, die ich kennen gelernt habe und kennen lerne, stellt sich früher oder später heraus, dass ein traumatischer Hintergrund besteht, so dass ich diesen Zusammenhang (zähneknirschend) akzeptiert habe.

Nun habe ich aber im Laufe des Online-Kongresses von Lisa Laufer Vom Jobfrust zur Jobmagie erfahren, dass dies gar nicht so ist.

Ich habe beim Kongress in dem Gespräch mit Kathrin Sohst erfahren, dass es interessante Studien zu dem Thema gibt, die auf eine ganz andere Ursache von Hochsensibilität hinweisen. Denn offenbar wird mittlerweile in und zu diesem Thema geforscht! Und habe gleich einen ganz neuen Begriff gelernt (der mir sehr viel besser gefällt als Hochsensibilität):

Neurosensitivität

Der Wissenschaftler Michael Pluess der Queen Mary University of London bezeichnet damit die „Fähigkeit, Umgebungsreize zu registrieren und zu verarbeiten.“ Ganz einfach. Ganz neutral. Ohne irgendeine Form von schlechtem Beigeschmack.

Zwei Studien aus dem Jahr 2018 geben Aufschluss darüber, dass der Anteil hochsensibler Menschen in der Bevölkerung mitnichten 15-20 % beträgt, wie bislang angenommen. Die Studien von LIONETTI ET AL., 2018PLUESS ET AL., 2018) zeigen vielmehr auf, dass Sensitivität zwar angeboren ist, aber nicht in jedem Menschen gleich vorhanden ist. Pluess kam in seiner Studie  mit 906 Psychologie-Studenten zu dem Schluss dass Sensitivität in Menschen etwa folgendermaßen verteilt ist: 

  • 29 % wenig sensitiv
  • 40 % mittelsensitiv
  • 31 % hochsensitiv.

Das bedeutet: wir sind eigentlich nichts Besonderes. Wir sind keine besseren Menschen oder so. Wir können einfach mehr wahrnehmen. Punkt.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie dies lesen. Ich war, als ich es hörte und dann nachrecherchiert habe, einfach nur erleichtert. Habe mich dann daran erinnert, dass ich schon immer das Gefühl hatte, dass die Zahl 15–20 % an angeblichen Hochsensiblen einfach viel zu niedrig gegriffen war und dass ich früher, sehr viel früher, eigentlich auch davon ausgegangen bin, dass Sensitivität einfach nur Persönlichkeitsmerkmal ist, aber damals war die Forschung einfach noch nicht so weit und ich hatte zwischenzeitlich mein Interesse auf andere Dinge gelenkt.

Das ist aber noch nicht alles.

Man weiß ja heute, dass sich das Gehirn entsprechend den Erfahrungen in der frühen Kindheit „formt“ und darüber bestimmt, wie wir auf Reize reagieren. Konkret bedeutet dies, wenn sich in unserer Kindheit gute und schlechte Dinge die Waage halten, werden wir eine generelle Sensitivität entwickeln. Erleben wir jedoch in unserer Kindheit sehr viel Stress und erfahren wenig Unterstützung, entwickeln wir vielleicht eine 

Vulnerabilität

also eine Empfindlichkeit gegenüber Bedrohungen, Stress, Ängsten usw.

Dies muss aber nicht zwangsläufig so sein. Erfahren wir in der Kindheit vorwiegend Unterstützung, so können wir eine

Vantage-Sensibilität

entwickeln (Vantage: Vorteil). Die Wissenschaftler Tom Boyce und Bruce Ellis hatten bereits vor längerer Zeit die Begriffe „Löwenzahn- und Orchideenkinder“ geprägt. Die Löwenzahnkinder werden als robust betrachtet, belastbar, anpassungsfähig. Die Orchideenkinder sind hingegen sehr viel empfindlicher. Allerdings können sie sich in einem unterstützenden Umfeld so gut entwickeln, dass sie gesünder und belastbarer sind als Löwenzahnkinder. Denn eines ist dabei ganz wichtig:

die Fähigkeit, Positives wahrzunehmen.

Denn diese helfen ja dabei, mit dem Negativen fertig zu werden.

So kommt es also nicht nur auf die Wahrnehmung an sich an, sondern auch, ob wir Gutes und Schlechtes wahrnehmen und verarbeiten können.

Prof. Dr. Michael Pluess hat bereits in einer früheren Studie 2015 vier verschiedene Sensitivitätstypen unterschieden. Zu den drei o. g. kommt noch der Typ mit einer niedrigen Sensitivität hinzu.

Wie verarbeiten die unterschiedlichen Typen Reize?

Jemand mit niedriger Sensitivität wird sowohl positiven als auch negativen Reizen gegenüber nur eine geringe Sensitivität aufweisen.

Menschen mit einer generellen Sensitivität zeigen gegenüber positiven und negativen Reizen eine hohe Sensitivität.

Jemand mit einer vulnerablen Sensitivität zeigt eine erhöhte Wahrnehmung für negative Reize und geringe Wahrnehmung von positiven Reizen.

Und schließlich wird jemand mit einer Vantage-Sensibilität eine erhöhte Wahrnehmung für positive Reize zeigen und eine geringere Wahrnehmung von negativen Reizen.

Natürlich sind solche Typisierungen immer mit Vorsicht zu betrachten. Was mir bei Prof. Pluess ganz und gar fehlt, sind die Menschen, die aufgrund eines superschlechten Umfeldes nicht die Gelegenheit hatten, ein empathisches Gehirn zu entwickeln und in der Folge keine Sensitivität entwickeln können.

Ich selbst finde mich in dieser Aufstellung gar nicht wieder, denn ich stehe sowohl mit einem Bein in  Vulnerabilität als auch in  Vantage, habe also allem gegenüber eine hohe Wahrnehmung. Dort habe ich mich hingearbeitet durch beständiges Klopfen. Und es gibt sogar eine Studie, die zeigt, dass Menschen mit einer vulnerablen Sensitivität diese auch verändern können. Zwar geht es in der Studie um ein achtwöchiges Achtsamkeitstraining, aber es gibt sicherlich sehr viel mehr Wege aus der Vulnerabilität heraus als diesen einen. Ich selbst bin dafür ja das beste Beispiel. Mir hat die Klopfakupressur sehr geholfen.

Ich weiß noch nicht, was ich selbst mit den Informationen anfange, die ich erhalten habe. Vielleicht werde ich in Zukunft nur noch von hochsensitiven Menschen sprechen …

Wie geht es Ihnen jetzt nach dem Lesen des Artikels? Können Sie sich dort wiederfinden? Haben Sie sich vielleicht sogar schon in eine andere „Gruppe“ gearbeitet? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

Bild von Karina Förster auf Pixabay 

Vom Jobfrust zur Jobmagie – Interview mit Lisa Laufer

Vom Jobfrust zur Jobmagie – Interview mit Lisa Laufer

 Vom 15. bis 25. Mai veranstaltet Lisa Laufer den Kongress „Vom Jobfrust zur Jobmagie“, der besonders spannend ist für hochsensible und vielbegabte Menschen. Die Hochsensibilität bringt es mit sich, dass man sich mit dem Thema Arbeit und Beruf häufig schwer tut oder es lange dauert, bis man einen für sich gangbaren Weg findet. Davon kann ich selbst ja ein Lied singen … Darum freue ich mich sehr, dass Lisa Laufer mich für diesen Kongress als Referentin angefragt hat und habe die Chance für ein Gespräch mit ihr genutzt, um mehr über den Kongress zu erfahren.

Lisa, wie bist du auf die Idee zu diesem Kongress gekommen?

Ich hatte schon lange vor einen Online Kongress zu veranstalten. Zum einen, weil ich Lust auf diese Herausforderung hatte, aber natürlich auch, weil ich weiß, wie viele Menschen man mit einem Online Kongress erreichen kann. 

Und die Zielgruppe hochsensible Menschen liegt dir besonders am Herzen?

Genau, das hat natürlich den Grund, dass ich selbst hochsensibel (und auch vielbegabt bin). Lange Zeit hatte ich mit meiner Hochsensibilität zu kämpfen und war mehr überfordert, als dass ich das große Geschenk dahinter erkannt hätte. Da ich selbst den Weg gegangen bin, mich mit mir und meiner außergewöhnlichen Art auseinanderzusetzen, kann ich heute sagen, dass ich immer mehr die schöne Seite dieses Teils von mir sehen und auch nutzen kann. 

Und weil ich eben auch in meiner Selbstständigkeit einige Herausforderungen fand und feststellte, dass Online Business für Hochsensible “anders” funktioniert, kam es zu der Idee einen Online Kongress mit diesem Themenschwerpunkt zu gestalten.

In wiefern ist denn Vielbegabung schwierig im Berufsleben?

Die Vielbegabung ist eine Herausforderung, weil man sich sehr schwer für eine Sache entscheiden kann und sich nicht festlegen will (ich habe meine Nische schon drei oder vier Mal gewechselt …), dann kommt überhaupt die Frage, welches meiner  1000 Themen und Leidenschaften nehme ich für ein Business?
Dann kommt hinzu, dass viele Schwierigkeiten haben sich lange für eine Sache zu interessieren. Wenn man etwas gelernt hat, z. B. fotografieren, dann ist das so lange spannend, bis man es kann und dann kommt das Nächste dran. Die nächste spannende Herausforderung.
So nun weißt Du ja, dass eine gewisse Beständigkeit notwendig ist, wenn man (vor allem Online) erfolgreich sein möchte. Der Kniff ist herauszufinden, was man denn eigentlich möchte und dann wie ich daraus ein Business machen kann. Und dafür hab ich 2 mega empfehlenswerte Interviews 🙂

In dem Kongress geht es aber nicht nur um Business Themen, sondern um Themen wie: Selbstfürsorge und Achtsamkeit, wie gehe ich mit Gefühlen und Blockaden um, was will ich generell in meinem Leben erreichen und was macht mich als Person eigentlich aus. Ich denke, dass, wenn man sich auf den eigenen Weg gehen möchte, man ein solides und gesundes Fundament aufbauen muss. Ansonsten funktioniert das Ganze nicht 🙂 

Ich bin auch davon überzeugt, dass viele typische (Marketing) Strategien für Hochsensible ein wenig modifiziert werden müssen, damit man sich auch mit seinem Business wohlfühlen kann.

Das ist ein supergutes Stichwort. Diese Erfahrung habe ich selbst immer wieder und wieder machen müssen, dass die gängigen Strategien nicht für hochsensible Menschen funktionieren und habe ziemlich lange gebraucht, bis ich etwas gefunden habe, was für viele Menschen, die auf meine Seite kommen funktioniert. Aber eben niemals für alle … 

Nun hast du ja wirklich sehr viele hochsensible Referenten versammelt, die ich zum Teil nur ausschnittsweise und zum Teil gar nicht kenne. Die Bereiche, in denen die Referenten tätig sind, sind ziemlich breit gespannt, oder?

Genau. Es arbeiten auch nicht alle schwerpunktsmäßig mit Hochsensiblen zusammen. Was ich aber sagen kann, ist, dass die Referenten andere Wege gehen, als die Meisten im Online Business. Viele von ihnen bezeichnen sich selbst als sehr einfühlsam und vielseitig, andere kommunizieren es nicht auf ihren Seiten. Trotzdem habe ich bei den Interviews festgestellt, dass die Experten mega gut zur Thematik passen (manchmal besser als erwartet). Was sie auf jeden Fall alle ausmacht, ist, dass es wichtig für sie ist authentisch ihren eigenen Herzensweg zu gehen und dabei nicht nach dem Motto “schneller, weiter, höher” agieren, sondern dass ihnen ein bewusster Weg wichtig ist, auf dem sie nicht nur auf sich selbst achten können, sondern sogar immer mehr zu sich selbst finden können.

Das ist sehr schön gesagt! Ich finde, dass jeder, der einen authentischen Weg geht, eine Inspiration ist für andere, sich ebenfalls auf den eigenen Weg zu machen. Denn ich glaube, dass es das ist, worauf es für Hochsensible ganz besonders ankommt: der eigene Weg, weg vom Schielen nach den anderen, der “Normalität”, bzw.dem Leistungsvermögen, das man dann oft ja gar nicht hat …

Ich habe schon sehr lange keinen Online-Kongress mehr von vorne bis hinten gehört, aber diesmal bin ich auf jeden Fall bis zum Schluss dabei, nicht nur, weil ich als Referentin dabei bin, sondern auch, weil ich das Thema sehr spannend finde und noch auf Inspiration hoffe. Ich bin ja schon ziemlich lange selbstständig, aber es geht bestimmt noch viel besser, als ich es mir bis jetzt eingerichtet habe …

Ist der Kongress schon länger in Planung gewesen oder ist er auch dieser besonderen Zeit geschuldet? Mir scheint, dass gerade jetzt ein sehr guter Zeitpunkt ist dafür, sich mit dem eigenen Weg auseinanderzusetzen, was meinst du?

Das ist lustig, dass Du das sagst. Den Kongress zu veranstalten, habe ich im Dezember beschlossen. Als dann die “Corona-Phase” begann, dachte ich erst einmal darüber nach, ob ich den Kongress dann lieber verschieben sollte. Heute bin ich aber echt froh, dass ich das nicht getan habe! Ich sehe es genauso, wie Du, dass viele Menschen gerade jetzt die Zeit haben sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Gleichzeitig stelle ich (traurigerweise) fest, dass einige ihre Firma/ ihren Arbeitgeber von einer ganz anderen Seite kennen lernen und das nicht immer im positiven Sinne. Da kommt dann schon einmal die Frage auf: Wofür mache ich das Ganze eigentlich?

Ich weiß schon, dass die Selbstständigkeit nicht das absolute Nonplusultra für alle ist (ich glaube, manche brauchen etwas anderes), aber wenn es eine Sache gibt, im Leben, die mir so richtig leid tut, dann die, dass ich nicht früher im Leben den Mut gehabt habe, mich selbstständig zu machen und den langwierigen Umweg über Krankheit machen musste, damit ich den Mut dazu überhaupt aufgebracht habe. Von daher finde ich es ganz wunderbar, andere Menschen dazu zu ermutigen, es nicht erst dann zu machen, wenn gar nichts anderes mehr geht …

Was ich vielleicht noch gerne an dieser Stelle erwähnen möchte, ist, dass mir bewusst ist, dass Selbstständigkeit/ Unternehmertum nicht für jeden etwas ist. In diesem Online Kongress geht es ja vor allem darum, seinen eigenen Weg zu gehen und sich selbst zu verwirklichen. Genau aus diesem Grund sprechen wir auch darüber, was wir machen können, wenn wir im Job unzufrieden sind, aber gerne angestellt bleiben möchten. Es ist also für alle spannend, die merken, dass sie sich beruflich gerne verändern wollen, aber noch nicht so richtig wissen was sie eigentlich wirklich wollen und brauchen. 

Also vermutlich für den Großteil der hochsensiblen Menschen …

Wer losgehen möchte, um sich selbst zu verwirklichen und sich ein Leben aufzubauen, so wie man es will, der wird irgendwann feststellten, dass dies zum einen ein langer Prozess ist und zum anderen eine Reise zu selbst. Man darf sich auf seinem Weg immer wieder mit sich selbst beschäftigen und wird feststellen, dass es darauf ankommt: Wer bin ich eigentlich und was macht mich aus und was möchte ich in die Welt tragen.

So schön, Lisa! Eine Frage habe ich noch: Es gibt nicht nur Interviews, sondern du hast auch noch anderes im Gepäck, oder?

Ja genau. Also die Interviews sind jeweils für 24 Stunden verfügbar. Wer sich aber noch intensiver damit beschäftigen möchte, der hat die Möglichkeit ein Kongress Paket zu kaufen. Dort haben die Experten wunderbare Boni vorbereitet: Kurse, Coachings, Ebooks, Meditationen, Übungen … 

Das klingt sehr schön und auch, als hätte man sehr lange etwas von diesem Kongress.

Vielen Dank, Lisa, dass du mit mir gesprochen hast, trotz deines bestimmt vollen Terminkalenders! Ich freue mich schon auf den 15. Mai, wenn es losgeht!

Vielen lieben Dank Monika!!

Ich bin Referentin beim großen online Schlafkongress

Ich bin Referentin beim großen online Schlafkongress

Aktuell werden wir alle gerade vor große Herausforderungen gestellt, manche vollkommen unerwartet. Nun habe ich heute morgen noch schnell einen Newsletter verschickt, um Sie auf den großen online Schlafkongress aufmerksam zu machen, bei dem ich u. a. als Referentin mit dabei bin, da musste ich leider die Erfahrung machen, dass die meisten Internetseiten, mit denen ich arbeite, gar nicht funktionieren. Daher hat mein Newsletter offenbar nicht den richtigen Link gespeichert. Deswegen also mache ich hier  noch einmal ein bisschen Werbung für den Kongress.

Schlaf, guter und richtiger erholsamer Schlaf ist gerade jetzt ein ziemlich wichtiges Thema. Ich könnte mir vorstellen, dass sich  viele Menschen schlaflos herumwälzen, angesichts der aktuellen Entwicklung des Weltgeschehens. Jeden Tag gibt es etwas Neues, Stress auslösendes, mit dem man fertig werden muss. 

Dabei ist Schlaf an sich sowieso ein riesengroßes Thema, weil so viele Menschen heutzutage nicht mehr gut schlafen können.

Deshalb freue ich mich sehr, dass ich als Referentin beim

Großen online Schlafkongress

mit dabei bin, der vom 20. bis 29. März 2020 kostenlos online stattfindet.

Es sind viele interessante Referenten dabei, die das Thema „Schlaf“ aus vielen Blickwinkeln beleuchten und sich mit „Gesundheit“ im allgemeinen befassen. Wie bei allen online-Kongressen müssen Sie sich zuerst registrieren und können sich dann die jeweils freigeschalteten Interviews 24 Stunden lang kostenlos ansehen. 

Es wird sicherlich spannend und vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, sich diesem Kongress intensiver zu widmen, weil man mehr zuhause ist. Und ich hoffe sehr, dass es dann auch geht. Sehr gerne würde ich Ihnen mehr verraten, aber ich habe gerade selbst keinen Zugriff.

Das Interview mit mir geht am 23. März um 19:00 Uhr online und ist dann für 24 Stunden verfügbar.

Hier geht es zum Sendeplan

P. S. Vielleicht haben Sie es schon gemerkt, dass bei mir seit einiger Zeit ziemlich der Wurm drin steckt, Sie bekommen deutlich weniger zu lesen, mein Blog erscheint nur noch in unregelmäßigen Abständen.

Das war von mir gar nicht so geplant, denn die Themen gehen mir nach wie vor nicht aus. Es ist nur so, dass ich seit einem guten halben Jahr vor sehr vielen persönlichen Herausforderungen stehe, die mich viel Kraft kosten, so dass ich einfach nicht die Energie für wöchentliche Blogbeiträge habe. Ich versuche es vorerst mit einem zweiwöchentlichen Rhythmus und bitte um Verständnis, wenn es trotzdem mal nicht klappt. Offenbar geht online gerade bei mir nur eine Art Notbetrieb …

Bleiben Sie gesund, versuchen Sie,  sich nicht stressen zu lassen, bis bald

Herzlichst, Ihre

Monika Richrath

Schwarze Erinnerungen – Kinderverschickung

Schwarze Erinnerungen – Kinderverschickung

Im Herbst letzten Jahres ist eine Art Bombe in mein Leben geplatzt, die in einer fb-Gruppe auftauchte, in der ich Mitglied war. Ein Link zu einer Reportage über die Initiative ehemaliger Verschickungskinder einer befreundeten Buchautorin. Sofort war das Gefühl von damals da. Ein paar Tage habe ich mir die Reportage angesehen – als ich mich dem gewachsen fühlte.  Dafür sofort einen Kurzbericht auf der Seite der Initiative im Netz hinterlassen. Daraufhin hat mich jemand kontaktiert, der ebenfalls in diesem Heim war und heute habe ich schließlich mit einer Frau gesprochen, die ein paar Monate nach mir in Schloss Ratzenried gewesen ist und mir mit ihren Erinnerungen einen Rahmen gegeben hat. Vielen Dank, Barbara! In meiner Erinnerung ist diese Zeit wie mit einem schwarzen Schleier überzogen und sowieso schwarz-weiß. Als könnte ich das nicht richtig wahrnehmen.

Natürlich gibt es keinen ganz unmittelbaren Zusammenhang mit dem Thema Hochsensibilität, außer dem, dass Kinderverschickung das Potential besitzt, zu einer eventuell vorhandenen Traumatisierung eines hochsensiblen Kindes weitere hinzuzufügen.

 

Ich war, siebenjährig, vom März bis April 1970 mit meiner Schwester, damals zehn Jahre alt, im Antonius-Heim in Schloss Ratzenried im Allgäu, zu einer sog. „Kinderverschickung“. In meinem Gedächtnis lief dieser Aufenthalt bis zu der Reportage als „Kuraufenthalt.“

Meine Erinnerungen waren sehr dürftig, aber das, woran ich mich erinnere, ist immer präsent.

Jedes Mal, wenn ich heiße Milch rieche, fange ich an zu würgen.

Dann ist sofort der Stress, der Ekel wieder da, diese Tortur, die Ohnmacht. Denn morgens zum Frühstück gab es heiße Milch mit Haut. Vor der Haut habe ich mich schon immer geekelt. Aber man musste die Tasse leeren, koste es, was es wolle. Es gab kein Pardon. Eines Morgens hat sich nun tatsächlich ein Mädchen, das die Milch nicht herunterbrachte, übergeben. Sie bekam eine Ohrfeige und wurde ins Bett geschickt. Das fand ich schlimm. Das Mädchen tat mir so leid. Aber natürlich wollte ich nicht, dass mir das auch passiert.

Ich entwickelte eine Taktik, um mit der Milch fertig zu werden. Ich fischte die Haut – schon leicht würgend – aus der Tasse und hängte sie über den Tassenrand. Dann verschloss ich meinen Mund weitgehend bis auf einen winzigen Spalt und nahm dann 7 winzige Schlucke direkt hintereinander. Wenn ich genug Mut gesammelt hatte, gab es die nächsten 7 Schlucke. So ging es. Aber meine ältere Schwester bekam ihre Milch auch nicht herunter. Ich weiß nicht mehr, ob sie mich darum gebeten hat, ihre Milch auch zu trinken, aber ich befürchte, ich könnte diese schreckliche Aufgabe auch einfach so übernommen haben. Ich wollte ja nicht, dass meine Schwester geschlagen wird. (Ich finde heute, dass dies ein ganz typisches hochsensibles Verhalten ist, sich eine sehr schwere Bürde aufzuladen, mit der man im Grunde genommen nicht fertig werden kann, nur damit andere nicht leiden müssen …)

In Ratzenried hatte ich

die erste Panikattacke meines Lebens.

Das kam so: Aus irgendwelchen Gründen wurde ich aus dem Schlafsaal in ein Turmzimmer verlegt. An und für sich eine Verbesserung, in dem Turmzimmer standen weniger Betten und der Turm an sich war ja auch aufregend. Um den Umzug vollständig zu machen, wollte ich mein Handtuch, das im Erdgeschoss an einem Haken hing und meine Waschsachen mit in den Turm nehmen. Da hatte ich mich aber geschnitten. Unten lief ich ein paar „Tanten“ über den Weg, die mich so richtig zusammenfalteten, was mir denn einfiele, mein Handtuch einfach vom Haken zu nehmen? Ich war total verstört. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich daraufhin ins Bett geschickt wurde oder freiwillig ins Bett ging. Woran ich mich sehr deutlich erinnere, ist, dass ich dann wenig später die erste Panikattacke meines Lebens erlitt. Ich guckte auf meine Hand und bemerkte die geschwollenen blauen Adern auf dem Handrücken, die mir so noch nie aufgefallen waren. Warum waren die so geschwollen? Wurden die nicht immer dicker? Ich begann mich sehr aufzuregen und am Ende war ich davon überzeugt, jetzt sterben zu müssen. Ich war ganz allein. Es gab niemanden, bei dem ich gerade hätte Trost suchen oder finden können. Irgendwann habe ich mich (natürlich) wieder beruhigt. Aber ich war danach sehr erschöpft und ich glaube, ich habe auch lange, lange Zeit niemandem davon erzählt. Meiner Schwester sicherlich nicht. Das war viel zu unaussprechlich.

Heute glaube ich, dass diese Panikattacke direkt ausgelöst worden ist durch das Verhalten der „Tanten“, das für mich wie ein Angriff war, vollkommen unverständlich, ungerecht und auch traumatisch, weil ich mich klein, hilflos und ausgeliefert fühlte.

Ich habe natürlich nach der Reportage mit meiner Schwester Erinnerungen ausgetauscht, sie glaubte, dass mein Umzug eine Art von Bestrafung war, dafür, dass sie ein weinendes Kind im Schlafsaal getröstet hatte. Ob ich das Kind gewesen bin, wusste sie nicht mehr. Offenbar habe ich jedoch viel geweint, ich war ja erst sieben Jahre alt und zum ersten Mal von Zuhause weg. Und nach allem, was auf der Seite der Initiative zur Kinderverschickung zu lesen ist, war es damals durchaus üblich, Geschwister einfach zu trennen.

Auch wenn ich mein Zuhause nicht besonders mochte, war es doch vertraut und überschaubar.

Sehr befremdlich ist für mich, dass ich offenbar mehrfach von Freunden oder Freundinnen geschrieben habe, die ich dort kennen gelernt haben will. Eigentlich hatte ich vor anderen Kindern Angst und wenn ich an den Aufenthalt in Schloß Ratzenried denke, dann legt sich als erstes eine unglaubliche Einsamkeit auf mich.

Das Kindererholungsheim in Ratzenried wurde

betrieben wie eine Kaserne.

Die Schlafsäle waren riesig. Barbara erinnert sich an einen Schlafsaal mit 40 Betten. Neben jedem Bett stand ein Hocker, darauf wurde abends die Kleidung sorgfältig Kante auf Kante abgelegt. Sie erinnert sich ebenfalls, dass es absolut verboten war, Geräusche zu machen. Man durfte nicht nur nicht weinen, man durfte auch nicht sprechen. Und

man durfte sich nicht umdrehen!

Das verursachte ja ebenfalls Geräusche. Wenn man solche Geräusche verursachte, musste man aufstehen und kam allein in die Dachkammer zu den Koffern.

Die Kleidung wurde in riesigen Schränken auf dem Gang aufbewahrt und jeden Tag bekam man seine Kleidung für den Tag von den „Tanten“ zugeteilt.

Man musste jeden Tag kalt duschen (kommt daher meine Abneigung gegen kaltes Abduschen?). Und auf jeden Fall musste immer aufgegessen werden. Man musste so lange sitzen bleiben, bis alles aufgegessen war. Von „gutem“ Essen konnte auch nicht so richtig die Rede sein. Vor allen Dingen gab es eine genau festgelegte Anzahl an Broten.

Und wenn man ein Päckchen mit Süßigkeiten von Zuhause bekam, durfte man nur die Hälfte davon behalten und musste die andere Hälfte abgeben, zur Verteilung an andere.

Und das Schlimme war:

man durfte nichts davon nach Hause schreiben!

Die Post wurde zensiert. Nur gute Nachrichten wurden geduldet. Die Turmepisode findet sich in meinem Brief nur mit einem einzigen Satz wieder: „Abends muß ich immer runter gehen und mir die Zähne putzen.“ Ein Wunder, dass das Wörtchen muss nicht der Zensur zum Opfer gefallen ist.

Schade, dass ich keine Gelegenheit mehr hatte, mit meiner Mutter über unseren sog. „Kuraufenthalt“ zu sprechen. Den Postkarten, die meine Mutter uns geschickt hat, ist jedenfalls nicht zu entnehmen, dass sie irgendetwas geahnt haben könnte. Wie denn auch? Damals war man wohl der Meinung, den Kindern etwas Gutes zu tun. Wir sollten aufgepäppelt werden. Unsere Eltern, selbst Kriegskinder, die zu einem großen Teil sicherlich selbst noch mit schwarzen Pädagogikmethoden groß geworden sind, kamen kaum auf die Idee, dass die ganze Idee hinter der Verschickung höchst fragwürdig war.

Ich war äußerst befremdet, als ich unter dem Briefwechsel zwischen meiner Mutter und uns Kindern eine Postkarte fand, die augenscheinlich von den „Tanten“ im Heim selbst verschickt worden war. Es war ja nicht unsere Handschrift. Hat meine Mutter sich da nicht gewundert? Das werde ich wohl nie mehr erfahren.

Viele Dinge aus meinen eigenen Briefen sind mir ganz unverständlich. Im Grunde ist ja fast jeder Satz kodiert. Bis zu dem Gespräch mit Barbara konnte ich mir nicht erklären, warum ich schon so viele Schallplatten gehört hatte. Ganz sicherlich war uns kein eigener Zugang zu einem Plattenspieler erlaubt. Das wäre ja richtiggehend unter selbstermächtigtes Handeln zu verbuchen gewesen. Und das wurde auf Schloss Ratzenried nicht geduldet. Sowieso fand alles grundsätzlich in der Gruppe statt.

Barbara klärte mich darüber auf, dass wir alle zusammen abends eine Schallplatte hörten, die natürlich von den „Tanten“ ausgewählt wurde.

Richtig absurd ist es ebenfalls, dass man kurz vor der Heimfahrt Andenken kaufen konnte für zuhause (damals war es noch üblich, dass man von Reisen Andenken mitbrachte für die Daheimgebliebenen), Baumscheiben mit einer gemalten Ansicht von Schloss Ratzenried darauf zum Beispiel. Andere Gelegenheiten, eventuelles Taschengeld auszugeben gab es nicht.

Heute mutet es mich ein wenig seltsam an, dass die Briefe, die damals zwischen Bonn und Ratzenried in meiner Familie hin und her gingen, voller Zeichnungen und Anspielungen auf das Osterfest sind, ich selbst aber nicht die leiseste Erinnerung an das Osterfest habe. Als klaffe da ein Loch in meinem Leben, oder als hätte Ostern ohne mich stattgefunden. Ich kann nur vermuten, dass es eine bodenlose Enttäuschung war …

Sind Sie auch zur Kinderverschickung gewesen? Ich freue mich, wie immer, wenn Sie Ihre Erinnerungen mit uns teilen und kann Sie nur ermutigen, auch auf der Seite der Initiative eine Nachricht zu hinterlassen. Es gibt mittlerweile schon Gruppen für bestimmte Heime. Ich bin jedenfalls megafroh, dass ich jemanden gefunden habe, der meinen Erinnerungen auf die Sprünge geholfen hat. Zumindest weiß ich jetzt, warum alles, was Schloss Ratzenried betrifft, hinter einem schwarzen Schleier verborgen war – und ein bisschen hat sich der Schleier ja schon gehoben. 

Übrigens hat meine liebe hochsensible Autoren-Kollegin Beate Felten-Leidel eine ganze, äußerst lesenswerte Artikelserie zum Thema Kinderverschickung geschrieben, darunter auch zwei Berichte von Freundinnen.

Von Herzen,

Ihre Monika Richrath

Der hochsensible Blick

Der hochsensible Blick

Ich besuche relativ regelmäßig Filmvorführungen und tausche mich hinterher mit anderen über den Film aus. Filme, die mich begeistern, veranlassen andere zu entnvervtem „Ach, wie langweilig“. Darum ist mir klargeworden, dass es für mich offenbar eine Art hochsensiblem Blick gibt, der dazu führt, dass ich bestimmte Filme meide und anderen den Vorzug gebe.

Darum habe ich mir einmal Gedanken gemacht darüber, wie ein Film für mich beschaffen sein muss, damit er mir gefällt …

Er muss ruhig sein

Das beinhaltet sehr viele Dinge. Meine Hochsensibilität äußert sich z. B. darin, dass ich mega bewegungsempfindlich bin und schnelle Bewegungen in meinem Umfeld mich in sehr kurzer Zeit sehr nervös machen. Harry Potter ist mir z. B. aus diesem Grund ein Graus. Auch Action Filme scheiden da von vornherein aus oder auch Science Fiction (die meisten jedenfalls).

Einen ruhigen Film zu sehen, bei dem ich mich so richtig entspannen kann, impliziert meistens auch eine ruhige Kameraführung, lange Kamerafahrten und wenig Schnitte. Also möglichst wenig Stress beim Schauen.

Ruhig bedeutet auch, dass es möglichst keine Hintergrundmusik gibt. Nicht weil ich per se nicht mit diesem zusätzlichen Reiz zurecht komme, sondern, weil es mich immer ärgert, dass durch die Musik meine Emotionen manimpuliert werden. Ich möchte bitteschön selbst entscheiden, ob ich traurig oder gerührt sein möchte und nicht dazu gezwungen werden. Dem kann ich mich in der Regel nicht entziehen. Hintergrundmusik führt bei mir letzten Endes immer dazu, dass ich mich durch den Ärger vom Filmgeschehen entferne.

Inhalt

Das ist natürlich ein sehr großer Komplex. Einerseits soll der Inhalt mich fesseln, darf auf der anderen Seite aber nicht zu gewalttätig sein.

Trotzdem liebe ich

Krimis

sehr, aber nicht jeden, natürlich. Mit dem Tatort habe ich schon vor Jahren abgeschlossen, da viel zu viel Aufregung vor dem Schlafengehen. Am liebsten habe ich britische Krimis, zu meinem großen Leidwesen habe ich allerdings mittlerweile den Großteil der englischen Krimiserien durch, auf die ich ohne Netflix Zugriff habe.

Ich glaube übrigens, dass Krimis trotz potentieller Gewaltszene für hochsensible Menschen durchaus eine sehr geeignete Filmlektüre sind, weil sie hochsensiblen Werten entgegenkommen:

  • Es geht meistens um Gerechtigkeit, darum, dass Übeltäter bestraft werden und die Toten (oder andere Geschädigte) Gerechtigkeit erfahren.
  • Es geht auch darum, eine Ordnung wiederherzustellen.

Ich liebe außerdem alles, was sich in weiterem und engerem Sinn mit

Naturwissenschaft

beschäftigt. Auch das hat, glaube ich, durchaus einen Zusammenhang mit Hochsensibilität: Ich will verstehen, wie die Welt funktioniert und das Leben. Aus diesem Grunde mag ich

Tierfilme

so gerne. Weil sie mir ein Fenster geöffnet haben in Bereiche, die mir früher vollkommen verschlossen waren.

Jetzt wächst mit jeder neuen Doku, die ich mir ansehe, meine Ehrfurcht vor dem Leben auf dieser Erde, von den Wundern, die die Natur uns schenkt.

Jeder Film trägt dazu bei, mich meines Platzes im Großen und Ganzen zu vergewissern: Dass es dieses Universum gibt, dass ich ein Teil davon bin, welch ein Glück ich habe, die Schönheit dieser Erde erleben zu dürfen (Ich gehe davon aus, dass dies für die nachfolgenden Generationen immer schwieriger werden wird.).

Natürlich lache ich auch total gerne. Aber grobschlächtiger Humor geht dar nicht. Oder Clips, bei denen darüber gelacht wird, dass andere Menschen sich weh tun.

Am liebsten sehe ich

Dramedy-Filme,

die so sind wie das Leben selbst, wo Trauer und Komik immer nebeneinander existieren. Ich mag Geschichten über Menschen, die sich weiterentwickeln, innerlich wachsen. Ich mag Filme, die mich berühren, auch solche, die mir manchmal tagelang „nachlaufen“.

Immer noch gefallen mir auch ganz besonders Filme, die sich in irgendeiner Form mit dem Thema Tod auseinandersetzen, weil dieses Mysterium für mich nach wie vor spannend und faszinierend ist.

Und ich mag (wirklich wirklich)

Tiefsinn und philosophische Betrachtungen über das Leben.

Vor kurzem habe ich noch einmal „Das brandneue Testament“ gesehen. Das ist so richtig nach meinem Geschmack, sehr skuril, sehr schräg, aber sehr viel Hintersinn …

Ich mag

Filme, die das Leben feiern,

sich zum Beispiel mit der Freude des Essens beschäftigen, wie Julie & Julia, (selbst wenn ich mittlerweile Essen zu mir nehme, das gar nichts mehr mit dem Essen im Film zu tun hat). Ich mag aber das Gefühl der Fülle und Lebensfreude und Sinnlichkeit, die Filme über Essen vermitteln.

Es ist ganz verrückt, aber während ich dies aufschreibe, fallen mir lauter Filme ein, die ich sehr gerne wieder einmal sehen würde, weil sie die von mir beschriebenen Eigenschaften aufweisen. Dabei überkommt mich ein Gefühl großer Fülle, dass es immer genug schöne Dinge geben wird, die ich Lust habe, mir anzusehen …

Jetzt sind Sie am Zug. Was sehen Sie gerne? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

 

Image by Gerd Altmann from Pixabay 

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