Eine Frage der Identität

Eine Frage der Identität

Haben Sie eine Vorstellung davon, mit welcher Identität Sie durchs Leben gehen, bzw. Sie angenommen haben? Da Sie hier auf einem Blog für hochsensible Menschen sind, wäre es gut möglich, dass Sie sich als hochsensiblen Menschen identifizieren. (Ich tue es jedenfalls definitiv).

Aber was heißt das eigentlich?

Heißt das, dass Sie sich als Seelenflüster*in sehen, oder doch eher als scheues Reh  oder als einsamer Wolf? Als Lastenträger*in, als Schaman*in oder Heiler*in, als jemand mit Superkräften oder als jemand, der von Gott und der Welt verlassen wurde?

Ganz bewusst habe ich übrigens hier auch mal sehr positive Ausprägungen aufgeschrieben von Dingen, bei denen Hochsensibilität äußerst nützlich ist. Ich finde es ziemlich befremdlich, dass immer dann, wenn ich Artikel veröffentliche, in denen es um die guten Seiten der Hochsensibilität geht, sie viel weniger gelesen werden als „Leidensartikel.“ Das finde ich ganz schön bitter. Ich habe mich schon öfter gefragt, ob hochsensible Menschen besonders gerne leiden – aber ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es vermutlich eher eine Identitätsfrage ist, bzw.

was man damit verbindet.

Fragen Sie fünf HSP, was Hochsensibilität für sie bedeutet, Sie bekommen sieben verschiedene Antworten – mindestens.

Was bedeutet „Identität“ eigentlich?

Das Wort kommt aus dem Lateinischen, vonīdem ‚derselbe‘, ĭdem ‚dasselbe‘. Der Duden bezeichnet damit 1. „die Echtheit einer Person oder Sache; völlige Übereinstimmung, mit dem was sie ist, oder als was sie bezeichnet wird“, 2. „als ‚Selbst‘ erlebte innere Einheit der Person.“

Wenn Ihnen das zu kompliziert erscheint, probieren Sie mal, Sätze über sich selbst zu formulieren, die beginnen mit „Ich bin der/die …“, so können Sie Ihren Identitäten auch auf die Spur kommen.

Identität als Zugehörigkeit

Da viele, viele hochsensible Menschen sich häufig ausgegrenzt, unverstanden, isoliert fühlen, und große Erleichterung erleben, wenn sie überhaupt (vielleicht erstmals) von dem Konzept der Hochsensibilität erfahren, liegt es absolut auf der Hand, die Identität einer hochsensiblen Person anzunehmen. Ich glaube übrigens, dass das kein bewusster Prozess ist. Vielleicht geschieht das schon in dem Augenblick, in dem einem bewusst wird, dass man „dazugehört“. Ich selbst bilde da absolut keine Ausnahme. Bestimmt vergesse ich niemals die zehn Zentner Steine, die von meiner Seele fielen im Moment der Erkenntnis. Das war wie eine Erlösung. Ich bin gar nicht so schräg und seltsam, es gibt Gründe dafür …Gründe, die nicht in meiner Macht stehen …!

Vom sozialen und emotionalen Standpunkt aus gesehen ist es auch notwendig, dass wir uns mit anderen Menschen verbinden. Wir brauchen andere Menschen, wir brauchen Verbindung. Ohne können wir nicht leben. Wir brauchen ebenfalls unbedingt Verständnis und das Gefühl, angenommen zu werden.

Keiner versteht Sie?

Wenn niemand Sie verstehen kann in Ihrem sozialen Umfeld, weil Ihre erlebte Wirklichkeit sich so krass von denen der anderen unterscheidet, wäre es eine supergute Idee, sich Gleichgesinnte zu suchen. Sie wissen nicht wo Sie diese Menschen finden können? Auf der Seite von hochsensibel.org finden Sie jede Menge Adressen von Gruppen etc. Ein paar Stunden unter Gleichgesinnten zu verbringen kann sich durchaus wie „Angekommen“ anfühlen. Dennoch sollten Sie da einfach nicht stehenbleiben. Wenn es keine

bewusste Auseinandersetzung mit der Hochsensibilität

gibt, wird es langfristig auch keine Veränderung geben. Dabei bringt Hochsensibilität jede Menge Lebensaufgaben mit sich, die in Angriff genommen werden wollen, wenn sich etwas zum Positiven verändern soll. Und wenn man das nicht anfängt, kann man in einer

Identitätsfalle

feststecken bleiben (Dies ist natürlich meine persönliche Meinung).  Wobei dies natürlich davon abhängt, was Sie eigentlich mit Ihrer hochsensiblen Identität verbinden? Nach allem, was ich so in den sozialen Netzwerken sehe und erlebe, leider eher meistens Dinge, die als „negativ“ erlebt werden. Das Problem dabei ist, dass, wenn wir einmal eine Identität angenommen haben, diese oft an uns klebt wie eine zweite Haut, die wir uns scheuen loszulassen.

In längeren Klopfakupressur-Coachings kommen wir nach ein paar Sitzungen häufig an den Punkt, wo es darum geht, eine Identität loszulassen, z. B. eine Identität als jemand, der sich niemals abgrenzen kann oder Dinge tut, die nur seinem eigenen Vergnügen dienen usw. Das ist äußerst angstbesetzt, weil man sich schon so mit der angenommenen Identität identifiziert, dass man das Gefühl hat, ohne sie sei man nichts mehr.

Ein Beispiel: jemand, der vielleicht unbedingt abnehmen will, schafft das nicht, weil er oder sie das Gefühl hat, dass von ihm/ihr nichts übrigt bleibt, wenn er/sie die Identität als dicker Mensch aufgibt … diese Angst vor Identitätsverlust ist ein sehr starker Motor, der uns von vielem abhält und kann sehr viel Stress erzeugen. Dabei haben wir ganz sicherlich sehr viele Identitäten. Und diese sind keinesfalls so festgeschrieben, wie wir glauben.

Meine Frage an Sie:

können Sie Ihre hochsensible Identität verändern?

Oder erweitern? Oder muss alles so bleiben wie es ist? Können Sie sich erlauben, jemand anderer zu werden (vielleicht eine andere Identität anzunehmen) und trotzdem hochsensibel zu bleiben? Können Sie sich vorstellen (ganz ketzerisch), dass es irgendwann in Ihrem Leben vielleicht mal gar keine Rolle mehr spielt ob Sie hochsensibel sind oder nicht?

Ich bin sehr gespannt auf Ihre Antworten. Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Bild von cocoparisienne auf Pixabay

5 wunderbare Methoden zum schnellen Stressabbau

5 wunderbare Methoden zum schnellen Stressabbau

In der Hochsensibilität verfängt man sich gerne in Stressspiralen. Nachfolgend finden Sie 5 ganz einfache „Tricks“, die Sie im Handumdrehen beruhigen können. Ich habe mich zu verschiedenen Kursen und Programmen angemeldet und sehr viel neues Wissen hat den Weg zu mir gefunden. Dies gebe ich supergerne an Sie weiter. 

1. Power Posing

Bestimmt ist Ihnen bekannt, dass sich die innere Verfassung auf das Körperbild und die Haltung auswirkt. Aber wissen Sie auch, dass das umgekehrt genauso gut geht, also die Haltung die Ausschüttung von Hormonen und damit die Verfassung beeinträchtigt?

Die Sozialpsychologin Amy Cuddy, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Harvard Business School, hat ein bahnbrechendes Experiment unternommen: Frau Cuddy und ihr Team haben sich mit verschiedenen Körperhaltungen beschäftigt, so genannten High-Power Posen (die man auch als „geöffnet“ bezeichnet) und Low-Power Posen (geschlossen). Eine High-Power Pose ist es z. B. die Füße überkreuz auf den Schreibtisch zu legen und die Hände hinter den Kopf, oder die Arme in die Hüfte zu stemmen. Bei der Low-Power-Pose macht man sich kleiner, faltet sich zusammen, krümmt vielleicht den Rücken.

Im Versuch wurde jedem der 42 Probanden eine Speichelprobe entnommen und sowohl die Testosteron- als auch die Cortisol-Werte gemessen. Dann sollten die Personen entweder eine High-Power Pose oder eine Low-Power-Pose einnehmen. Und zwar zwei Minuten lang. Anschließend wurde ihnen wieder eine Speichelprobe entnommen und noch einmal die Testosteron- und Cortisolwerte gemessen.

Von dem Ergebnis waren die Forscher*innen selbst überrascht. Es stellte sich nämlich heraus, dass die High-Power Pose das Testosteronlevel um 20 % erhöht und den Cortisolspiegel um 25% gesenkt hatte! (Das Experiment ging übrigens noch ein bisschen weiter und beschäftigte sich mit der Risikobereitschaft. Die stieg durch das Power-Posing ebenfalls).

Frau Cuddy meint, dass diese Pose ganz besonders sinnvoll ist, wenn man weiß, dass man in Situationen kommt, in denen man bewertet wird. Sehen Sie sich das Video dazu an (es ist deutsch untertitelt), ich finde es wunderbar und auch berührend, wenn Frau Cuddy über ihre eigenen Erfahrungen spricht.

Nachdem ich mir dieses Video angesehen habe, war ich eine Zeitlang so geflasht, dass ich meinen Arbeitstag am Schreibtisch grundsätzlich damit begonnen habe, aber in der Fülle der vielen Informationen, die immer auf mich zukommen, habe ich es doch glatt wieder aus den Augen verloren. Ein Fehler, wie mir scheint 😉

2. So tun als ob

In Situationen, wo man eigentlich weg möchte, aber nicht weg kann, könnte es hilfreich sein, so zu tun, als ob man weg läuft. Drücken Sie die Zehen des rechten Fußes in den Boden und gleichzeitig die Ferse des linken Fußes, dann die linken Zehen und die rechte Ferse. Machen Sie das mehrmals und überprüfen Sie hinterher, ob sich die Anspannung gebessert hat.

Alternativ können Sie auch beide Füße fest in den Boden stemmen und die Anspannung einen Moment halten und dann wieder loslassen. Mehrmals wiederholen und nachspüren, ob sich Ihre grundsätzliche Anspannung verbessert hat. Wenn nicht, wiederholen Sie die Übung mehrmals.

3. Atmen

Mir hat jemand diese Art der Atmung gezeigt, die ich sehr spannend und effektiv finde. Ich konnte leider nirgendwo herausfinden, wie sie heißt: Atmen Sie ein und legen Sie beim Einatmen die Zunge locker hinter die oberen Zahnreihen. Beim Ausatmen legen Sie die Zunge locker hinter die unteren Zahnreihen. Das entspannt unglaublich.

Von jemand anderem habe ich noch die Information bekommen, dass die obere Zahnreihe eher mit Stress verbunden ist und die untere Zahnreihe mit Entspannung. Seitdem versuche ich immer wieder im Laufe des Tages, meine Zungenspitze hinter die unteren Zahnreihen zu legen, das ist sehr schön und nach einigen Tagen habe ich fast das Gefühl, dass die Zunge nun eher unten liegt als wie vorher oben. Eine richtige Errungenschaft also!

4. Havening

So gehts: Sorgen Sie dafür, dass Sie ein paar Minuten lang ungestört sind und setzen Sie sich bequem auf einen Stuhl. Denken Sie kurz an die Sache, die Sie verändern möchten. Dann überkreuzen Sie die Arme vor dem Körper, legen die Hände auf die Schultern und streichen mit den Händen die Arme nach unten bis zu den Händen oder Fingerspitzen. Sie können auch die Handinnenflächen streichen. Im Video unten macht Anja Strassner den Ablauf vor.

 

Variante: Sie könnten dabei zum Beispiel auch eine Affirmation aussprechen, mit der Sie sich wohl fühlen.

5. Klopfakupressur

Da ich ja Klopfakupressur-Coach bin empfehle ich Ihnen natürlich auch immer das Klopfen. Es ist nach wie vor meine Nummer Eins Methode gegen Stress. Dabei müssen Sie nicht einmal einen Satz klopfen: Manchmal gibt es ja so viele Themen, dass man nicht weiß, wo man beginnen soll. Oder man ist einfach total überfordert. Da gibt es zwei Möglichkeiten: 

  1. Sie klopfen einfach leer. Sie lassen das Set-up, den Einstimmungssatz einfach weg und klopfen alle Punkte durch von der Augenbraue bis zur Handkante (oder welchem Ablauf Sie auch immer folgen), und wenn Sie am Ende angekommen sind, fangen Sie einfach wieder von vorne an. So lange, bis Sie sich besser fühlen. Das nennt man leerklopfen. Hier finden Sie eine Anleitung, die Sie mitmachen können. Die Bilder wechseln automatisch nach einer gewissen Zeit. Sie können aber auch die Pfeiltasten benutzten oder auf die Punkte am Anfang oder Ende klicken um von vorne zu beginnen.

Augenbraue innen

Neben dem Auge

Unter dem Auge

Unter der Nase

Auf dem Kinn

Am Schlüsselbein

Unter dem Arm

Am Daumen

Am Zeigefinger

Am Mittelfinger

Am kleinen Finger

Serienpunkt

Handkante

Ausatmen nicht vergessen

2. Sie klopfen nur die Notfallpunkte. Wie das geht, können Sie in diesem Video sehen.

Probieren Sie die Methoden doch einmal aus und schreiben in den Kommentaren, welche Erfahrungen Sie dabe gemacht haben. Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße, Ihre

Monika Richrath

Bildnachweise: Bild von Johannes Plenio auf Pixabay (Beitragsfoto), privat

Was passiert eigentlich während einer Klopfsitzung?

Was passiert eigentlich während einer Klopfsitzung?

Man kann sehr gut alleine klopfen, aber im Coaching erreicht man einfach mehr. Als Außenstehende*r scheint es manchmal offenbar unverständlich, wie sehr sich die Arbeit alleine von der Arbeit mit Begleitung unterscheidet. Dies liegt nicht nur daran, dass man grundsätzlich für sich selbst immer ein bisschen blind ist, sondern auch daran, dass man im Coaching Räume betritt, die beim Klopfen allein einfach verschlossen bleiben. Daher stelle ich Ihnen in meinem Blogbeitrag der Woche den Ablauf einer Coachingsitzung vor (mit dem Einverständnis der Betroffenen). Dieser beruht auf einer Sitzung, die tatsächlich stattgefunden hat, allerdings habe ich den Namen und einige Einzelheiten verändert.

Die Beschreibung gibt natürlich nur einen groben Verlauf der Sitzung wieder (eine Sitzung dauert ca. 60 Minuten), reicht aber, um Ihnen eine Idee davon zu geben, was in einer Klopfakupressursitzung geschieht – und auch davon, was in der Zusammenfassung in etwa stehen wird, die Sie nach der Sitzung von mir erhalten.

Nur zum Verständnis vorab: Wir beginnen mit einem Klopfsatz, der dann einige Runden lang mit verschiedenen Aspekten beklopft wird. Im Verlaufe des Klopfens fällt dem/der Klient*in entweder etwas ein oder ich stelle eine Frage, die zu einem neuen Klopfsatz führt usw.

Natürlich haben alle Klient*innen die Möglichkeit, jederzeit eigene Worte zu sagen, der Großteil meiner Klient*innen ist jedoch damit überfordert, weswegen ich häufig vorspreche und beim Aspekteklopfen die Ausdrücke und Erlebnisse oder Gefühle verwende, die mir die entsprechenden Klient*innen vorher mitgeteilt haben. Der Verlauf der nachfolgenden Sitzung ist natürlich sehr stark gekürzt.

Marianne ist eine Frau in den 40ern, die in einer kleinen Stadt im Ruhrgebiet lebt, die sie als schmutzig und einengend empfindet. Sie ist sehr unzufrieden mit ihrem Leben, weil sie sich ihrer Meinung nach immer nur im Kreis dreht. Sie hat bereits verschiedene Therapien hinter sich gebracht, die jedoch keine Heilung oder Erleichterung gebracht haben. Manchmal wurde sie auch als untherapierbar bezeichnet. Es besteht eine starke Überempfindlichkeit, z. B. gegen Gerüche, Lärm und Reizüberflutung, andere Menschen machen sie nervös.

Sie hatte mich irgendwie im Internet gefunden und beschlossen, der Klopfakupressur eine Chance zu geben, weil es so anders schien als alles, was sie bislang versucht hatte. Diese erste Sitzung fand telefonisch statt. Zunächst gab es aber eine Hürde zu überwinden, denn obwohl sie das Klopfen gerne ausprobieren wollte, fand sie es sehr seltsam, fast fragwürdig. Daher haben wir zuerst den Satz geklopft  „Auch wenn mir das alles komisch vorkommt, öffne ich mich für die Möglichkeit, mich darauf einzulassen.“

Nach einer Weile sagte sie, dass sie immer die Zähne zusammenbeisse und nicht weiter wisse. Aber sie sei so unzufrieden mit sich und ihrem Leben …

Daraufhin haben wir den Satz geklopft „Auch wenn mich eine große Unzufriedenheit plagt, akzeptiere ich mich, mit allem was ist.“

Ich wollte dann wissen, womit sie alles unzufrieden ist? Sie sei so alleine bin und habe überhaupt keine Freunde im Alltag, sie empfinde sich als unlebendig und mache zu wenig, dabei habe sie unwahrscheinlich viel Energie, ihre künstlerischen Potentiale könne sie überhaupt nicht verwerten, dabei habe sie so viele Ideen, könne diese aber kaum umsetzen oder etwas daraus machen. Dabei habe sie jede Menge Zeit und sei total gestresst, weil sie das nicht geregelt kriege. Ständig verliere sie sich im eigenen Nichtstun und wüsste nicht weiter. Außerdem würde sie sich für die eigene Unfähigkeit total verurteilen – ständig und überall.

Daraufhin haben wir den Satz geklopft „Auch wenn ich mich dafür verurteile, dass ich nichts geregelt kriege, akzeptiere ich mich mit allem, was ist.“

Nach einer Weile fiel ihr ein, dass vor ein paar Tagen der Todestag ihrer Mutter war. Ihr ist aufgefallen, dass sie im Vergleich zu früheren Jahren jetzt schon viel ruhiger war an diesem Tag. Aber sie habe oft Angst, so zu werden, wie ihre Mutter.

Daher haben wir den Satz geklopft „Auch wenn ich Angst habe, so zu werden, wie meine Mutter, akzeptiere ich mich mit allem, was ist.“

Ich wollte dann wissen, inwiefern sie sich wie ihre Mutter empfindet? Sie sagte, dass sie sich ebenfalls wie ihre Mutter aufrege über Dinge, die andere tun, dass sie andere auch kritisiere. Sie habe ebenfalls Schwierigkeiten mit Beziehungen und lebe asexuell. Wie ihre Mutter litte sie auch unter Depressionen.

Meine nächste Frage war, was sie denn von ihrer Mutter unterscheide? Grundsätzlich empfindet sie sich als wesentlich positiver als ihre Mutter, sie sei in der Lage, nicht alles negativ zu sehen und sie könne Probleme angehen.

Allerdings habe sie eine Blockade im Kopf, sie denke eben oft, dass sie etwas nicht könne. Sie sei so kreativ und würde gerne Bilder malen und ausstellen. Das wäre die Richtung, die sie ihrem Leben gerne geben würde, es würde ihr so Spaß machen zu dekorieren, aber sie habe keine Ahnung, wie sie das anstellen sollte, tatsächlich in diese Richtung zu gehen. Sowieso könne sie nicht gut für sich selbst sorgen. Es sei ihr bewusst, dass sie viel zu oft zuhause sei, sie wolle raus aus ihrem Gefängnis. Sie wolle gerne mehr draußen sein, aber das sei schwierig, wegen der Menschen draußen. Oft sei es schwierig überhaupt die Nähe der Menschen um sie herum auszuhalten, auch wenn die eigentlich gar nichts von ihr wollten.

Als nächstes haben wir den Satz geklopft „Auch wenn ich aus meinem Gefängnis ausbrechen möchte, akzeptiere ich mich mit allem, was ist.“

Was würde sie tun, wenn sie die Möglichkeit hätte, aus ihrem Gefängnis auszubrechen? „Tanzen, singen, einen Mann umarmen, mehr Leichtigkeit, Leben, Spaß haben mit anderen, ohne über Probleme zu reden, verreisen, alleine Sachen machen, endlich mal Nähe und Berührung zulassen, mir was Tolles ansehen, umziehen, mich irgendwo engagieren, ich könnte im Garten arbeiten, das würde mir Spaß machen.“

Anschließend haben wir den Satz geklopft: „Auch wenn ich all diese Einschränkungen habe, öffne ich mich für die Möglichkeit, meine Einschränkungen loszulassen.“

Von da aus sind wir langsam ins Reframing gegangen, ich habe als Handlungsimpuls vorgeschlagen, mehr rauszugehen und sich zu bewegen. Wir haben geendet mit den Worten „Ich bin wertvoll und ich verdiene Sicherheit.“

Für den Klopfsatz zuhause, den sie in den nächsten 14 Tagen klopfen sollte, haben wir uns auf den Satz geeinigt: „Auch wenn ich aus meinem Gefängnis ausbrechen will, öffne ich mich für neue Möglichkeiten.“ Diesen Satz sollte Marianne 14 Tage lang klopfen und zwar täglich 2 Runden den ersten Satzteil und 2 Runden den zweiten Satzteil.

Außerdem schlug ich vor, dass sie so oft wie möglich den wunden Punkt reiben und dabei sagen sollte „Ich liebe und akzeptiere mich, mit allem was ist.“

Für die kommende Woche haben wir ein Telefonat vereinbart.

Im Telefonat sagte sie mir, sie habe direkt in der Nacht nach der Sitzung einen Traum gehabt, in dem alles o.k. gewesen sei. Sie habe bemerkt, dass sie sehr viele Menschen kennen lerne, aber die Kontakte nicht aufrecht erhalten könne.

Das Klopfen fiel ihr sehr schwer. Beim Satzklopfen bestand so viel Unsicherheit, ob dies nun richtig sei, dass es zu neuem Stress führte. Ich habe daher vorgeschlagen, das Satzklopfen vorerst einmal beiseite zu lassen und nur die Sache mit dem wunden Punkt so oft wie möglich am Tag zu machen.

Ich wollte wissen, ob nach der Sitzung etwas Ungewöhnliches passiert sei, ob es irgendein Ereignis gegeben habe, das anders verlaufen sei als sonst? Das gab es. Eigentlich wollte sie einkaufen gehen (was in der Regel mit sehr viel Stress verbunden sei wegen der vielen Menschen in den Geschäften), statt dessen sei sie aber allein in ein indisches Restaurant gegangen. Dort habe gerade die Familie der Inhaber an einem Tisch zusammengesessen und gegessen. Sie wurde eingeladen, sich dazu zu setzen und mitzuessen. Dieser Einladung sei sie gefolgt und habe eine äußerst nette Zeit mit dieser Familie verbracht. Marianne selbst bezeichnete diese Begegnung als „außergewöhnliche soziale Interaktion“ und entschied sich, die Sitzungen fortzusetzen.

Falls Sie nun neugierig geworden sind auf das Klopfen, empfehle ich Ihnen meinen Onlinekurs, mit dem Sie kostenlos die Basics der Klopfakupressur erlernen können. Dies ist die beste Möglichkeit, herauszufinden, ob Ihnen das Klopfen gefällt.

Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße, Ihre Monika Richrath

Bildnachweis: Maike Mentzel

Kein Gefühl für Grenzen?

Kein Gefühl für Grenzen?

Ich vermute (glaube eigentlich eher), dass hochsensible Menschen eine ganz besondere Beziehung zu Grenzen haben. Mir fallen da vor allen Dingen drei verschiedene Aspekte ein:

Ein Aspekt: Das kennen bestimmt fast alle Hochsensiblen sehr gut: das Gefühl,

dass andere permanent unsere Grenzen überschreiten.

Dies kommt praktisch andauernd vor. Im Supermarkt, wenn die Person hinter uns zu sehr auf die Pelle rückt, wenn andere ihren emotionalen Müll bei uns abladen, wenn uns dauernd neue Arbeit aufgedrängt wird, wenn andere uns unerfüllbare Aufgaben aufbürden, wohl wissend, dass sie unerfüllbar sind, wenn niemand uns Ruhe gönnen will, wenn unsere Kinder dauernd an uns zerren, damit wir mit ihnen spielen usw.

Manchmal kann sich das ganze Leben überhaupt wie eine einzige riesige Grenzüberschreitung anfühlen. Dann sind wir offenbar schon an jenem besonderen Punkt angekommen, an dem sich die Stressspirale immer weiter nach oben schraubt und uns einfach alles nervt. Dann erleben wir uns häufig als besonders ohnmächtig, weil wir offenbar nichts tun können, um diesen Zustand zu ändern (Gibt es aber doch: Wenn Sie an diesem Punkt sind, könnten Sie es mal mit der Klopfakupressur probieren, um wieder herunterzukommen auf ein normales Stresslevel).

Ein weiterer Aspekt:

Wir selbst können uns nicht abgrenzen.

Sehr, sehr, sehr viele hochsensible Menschen haben ein echtes Problem damit, sich abzugrenzen.  Es vergeht quasi kein Coaching, ohne dass dieser Punkt auf den Tisch kommt.

Die Ursachen sind äußerst vielfältig

Wenn ich von mir selbst ausgehe, kann ich sagen, dass es den Großteil meines Lebens (ich meine, mehr als 2/3) mir überhaupt nicht möglich war, NEIN auch nur zu denken, geschweige denn zu sagen.

Ansprüche und Anforderungen anderer abzulehnen war einfach ein Ding der Unmöglichkeit.

Denn ich dachte: wenn ich die Anforderungen der anderen nicht erfülle, werde ich nicht geliebt. Dann würde der Berg der ohnehin schon empfundenen Ablehnung der Umwelt (von der ich heute übrigens gar nicht mehr so recht weiß, ob er tatsächlich existierte) noch weiter anwachsen und das erschien mir unerträglich.

Im letzten Jahr habe ich mich sehr intensiv mit meiner Vergangenheit beschäftigt

Früher habe ich immer gedacht, ein Geheimnis müsse meine Geburt umranken, ein tragisches Ereignis, eine grandiose Erklärung für das sehr deutliche Gefühl, nicht wirklich gewollt gewesen zu sein. Was ich herausgefunden habe: es gibt kein solches tragisches Ereignis. Nur tragischen Alltag. Und tragische Überforderung. Während mein Vater verzweifelt versuchte, mit dem Leben zurecht zu kommen und dies nur schaffte, indem er von einem Nervenklinikaufenthalt zum nächsten reiste, kämpfte meine sehr junge Mutter in dieser Zeit alleine mit dem stressigen Alltag einer alleinerziehenden Mutter zweier kleiner Mädchen. Und dann noch ich im Anmarsch. Ich kann es ihr heute nicht verdenken, dass sie sich nicht wirklich auf mich gefreut hat, natürlich nicht. Das Gefühl aber bleibt, scheint irgendwie in mir eingefroren zu sein.

Ich habe übrigens schon verschiedene Versuche unternommen, dieses Gefühl aufzulösen, den großen Durchbruch hat es aber bislang noch nicht gegeben.

Für mich ist jedenfalls dieses Grundgefühl nicht wirklich willkommen zu sein, der Motor gewesen, nicht NEIN sagen zu können.

Ich habe immer alles gemacht, was man mir an- und aufgetragen hat und ich habe niemals hinterfragt, warum ich das eigentlich mache. Sehr lange Zeit jedenfalls nicht. Für meine Arbeitgeber war das immer äußerst praktisch. Ich habe für 3 gearbeitet (in einem Fall wurde tatsächlich einem Mitarbeiter gekündigt, damit ich seine Arbeit mitmache!) Kein Wunder, dass ich so mehrere Burnouts erwirtschaftet habe.

Dazu kam auf jeden Fall auch noch das Gefühl, nicht und nie in Ordnung zu sein. Heute verbinde ich dies vor allen Dingen mit der Hochsensibilität, aber es gibt natürlich auch noch andere, familiär bedingte Konstellationen und Aspekte.

Wichtig ist dabei vor allen Dingen eins: Wenn wir nicht lernen, uns abzugrenzen

verhalten wir uns selbst anderen gegenüber grenzüberschreitend,

natürlich nicht immer, aber häufig. Es hängt eben davon ab, wie gut wir es gelernt haben, uns auf gesunde Art und Weise abzugrenzen. Wenn nicht, können die Formen der Grenzüberschreitungen die unterschiedlichsten Formen annehmen:

indem wir über andere bestimmen oder versuchen sie zu kontrollieren oder auf andere Weise zu manipulieren, indem wir überhaupt nicht wahrnehmen können, wie es sich für andere anfühlen mag, wenn wir uns ihnen gegenüber so und so verhalten (trotz einer grundsätzlichen Empathiefähigkeit). Manchmal ist das eigene Leid oder die eigene Bedürftigkeit eben größer …

Meine eigene sehr schräge Erfahrung ist, dass Therapeut*innen sich besonders häufig grenzüberschreitend verhalten, aber vielleicht ist dies eigentlich verständlich. Ich habe irgendwo mal gehört oder gelesen, dass Therapeut*innen häufig Therapeut*in werden, weil sie eigentlich selbst Hilfe benötigen. Mir erscheint das äußerst logisch.

Abgrenzen kann und muss man üben.

Immer und andauernd. So wie jetzt! Eigentlich habe ich heute Abend noch sehr viel zu tun und zu erledigen. Aber trotzdem wollte ich Sie am Sonntag nicht ohne einen Blogbeitrag lassen (so im Laufe der Zeit entwickele ich doch eine Art Blogger-Ehrgeiz), von daher grenze ich mich mal definitiv ab gegen meine eigenen Ansprüche. Darum bekommen Sie diese Woche nur einen kurzen Artikel …

Wie gut können Sie sich abgrenzen? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Bild von Thomas B. auf Pixabay 

Blogparade: Wenn der Schlaf nicht kommt

Blogparade: Wenn der Schlaf nicht kommt

Schon längere Zeit habe ich keine Blogparade mehr veranstaltet, das ändere ich hiermit 😉

Vorab möchte ich Sie gerne darauf hinweisen, dass ich seit einigen Monaten Mitglied im Autorinnenclub bin und mit meinen Kolleginnen einen Stand auf der Leipziger Buchmesse habe, die vom 21. bis 24. März 2019 in Leipzig stattfindet. Ich freue mich über Ihren Besuch an unserem Stand in Halle5 D409!

Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich abend für abend im Bett quälen, sich stundenlang schlaflos herumwerfen, einfach nicht zur Ruhe kommen können? Wie das aussieht, kann unterschiedlich sein, manchmal kommen einem Menschen oder Situationen in den Sinn, von denen man sich einfach nicht lösen kann, manchmal bauen sich Sorgen zu ganzen Horrorszenarien auf, die den Adrenalinspiegel nach oben schnellen lassen, manchmal hat man sich im Laufe des Tages in so eine Stresspirale hineingesteigert, dass man einfach keinen Ausstieg findet und manchmal wird man einfach schlicht und ergreifend nicht müde.

Schlaf gehört mit zu den ganz großen Sorgen unserer Zeit

oder sollte ich eher sagen: Kümmernissen? Dies gilt natürlich für alle Menschen (weltweit wird viel zu wenig geschlafen übrigens!), aber hochsensible Menschen sind aufgrund der (manchmal) extremen Stressempfindlichkeit häufig prädestiniert für schlechten Schlaf.

Aber vorsicht: Auch wenn Hochsensibilität immer mit einer erhöhten Reizempfindlichkeit daherkommt, bedeutet dies nicht, dass HSP zwangsläufig schlecht schlafen müssen. Ob wir gut oder schlecht schlafen:

es hängt im wesentlichen davon ab, was wir im Laufe des Tages tun,

und nicht davon, ob wir hochsensibel sind oder nicht. Das ist mir jedenfalls im Laufe meiner Recherchen zu meinem Buch „Die Geheimnisse gesunden Schlafs“ klar geworden.

Das größte Geheimnis:

Wir sind keine RoboterWir haben vergessen, wer wir sind.

Wir haben vergessen, dass wir Menschen sind. Biologische Wesen mit einem Körper, der nach einem gewissen Bauplan funktioniert (meistens jedenfalls). Wir haben unsere Bedürfnisse vergessen, jedenfalls unsere körperlichen. Wir behandeln uns selbst wie Maschinen, die funktionieren sollen, obwohl wir unseren Körper nicht das geben, was sie brauchen, um wirklich funktionieren zu können. Ich habe schon häufiger in Artikeln gelesen, dass die Autor*innen meinen, dass die Menschen heute ihr Auto oder ihr Smartphone besser behandeln als sich selbst. Das Fatale daran ist: dabei handelt es sich um Maschinen, wo sich Teile austauschen lassen. In unserem Körper ist das nicht so. Wir können nicht einfach irgendein Teil austauschen und dann läuft es wieder rund. In dem Wunderwerk unseres Körpers spielen alle physiologischen und psychologischen Vorgänge eine Rolle,

alles beeinflusst alles.

Sicherlich haben Sie schon von den Gegenspielern Serotonin und Melatonin gehört, den Hormonen, die Energie und Müdigkeit und Schlafbereitschaft fördern. Natürlich möchte ich an dieser Stelle nicht mein Buch in ein paar Sätzen zusammenfassen (ich denke, es lohnt sich, es ganz zu lesen). Nur so viel:  es gibt über den Tag verteilt wirklich viele Dinge, die Sie tun und lassen können, um die Ausschüttung von Serotonin und Melatonin zu bremsen. Sowieso gibt es nicht genug Melatonin, wenn morgens schon nicht genug Serotonin ausgeschüttet wird, da Melatonin aus Serotonin gebildet wird.

Auch Krankheiten können die Ausschüttung von Serotonin und Melatonin beeinflussen. Oder was wir im Laufe eines Tages essen.

Oder mit welchen Maschinen wir uns wann umgeben. Es gibt so viele Stellschrauben, an denen man für einen guten Schlaf drehen kann.

Und natürlich möchte ich an dieser Stelle gerne die Klopfakupressur erwähnen. Selbst, wenn Sie durch das Klopfen eher wach werden und das Klopfen nicht zum Einschlafen selbst nutzen können, können Sie aber mit der Klopfakupressur vielleicht herausfinden, was Sie eigentlich umtreibt und quält (häufig sind das ja ganz bestimmte Themen) oder grundsätzlich ruhiger werden, so dass Sie abends nicht mehr so hochgefahren sind. Hier können Sie sich in meinen kostenlosen Onlinekurs einschreiben.

Jedenfalls habe ich mir gedacht, dass Schlaflosigkeit ein Thema ist, das unglaublich viele Facetten hat und sich gut eignet für eine Blogparade, an der sowohl Fachpublikum, als auch „Privatmenschen“ teilnehmen können. Hier sind ein paar Impulse für einen Artikel auf Ihrem Blog:

  • Warum schlafen Sie nicht?
  • Haben Sie ein Spezialgebiet, das sich mit Schlafstörungen befasst?
  • Leiden Sie unter einer bestimmten Krankheit, bei der Schlafstörungen zum Krankheitsbild gehören?
  • Haben Sie ultimative Tipps gegen Schlafstörungen?
  • Gibt es eine Geschichte, die Sie beschäftigt, wenn Sie nicht schlafen können?
  • Oder haben Sie etwas Besonderes erlebt in einem Moment der Schlaflosigkeit?
  • Wie sehen Sie Schlafstörungen vor dem Hintergrund der Hochsensibilität?

Dies sind nur ein paar Ideen. Natürlich können Sie auch über etwas anderes im Zusammenhang mit Schlafstörungen schreiben. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

So gehts: Schreiben Sie auf Ihrem Blog einen Artikel, der zu dem Thema passt, erwähnen Sie im Text bitte, dass Sie an dieser Blogparade teilnehmen und setzen Sie einen Link zu der Blogparade. Anschließend posten Sie den Link zu Ihrem Artikel in die Kommentare unter meinem Artikel. Wenn Sie gar keinen Blog haben, können Sie den gesamten Text in die Kommentare posten (vergessen Sie dabei bitte die Absätze nicht, damit es lesbar bleibt).

Ich freue mich schon auf Ihre Einsendungen und bin gespannt. Die Blogparade läuft bis zum 30. Juni 2019.

Übrigens nehme ich auch im Rahmen von Leipzig liest an der größten Wohnzimmerlesung Leipzigs teil bei Porta Möbel, gemeinsam mit meinen Kolleginnen vom Autorinnenclub (genau genommen lese ich um 18:15 h im Schlafzimmer ;-)). Hinterher gibt es ein Meet & Greet, ich freue mich, wenn Sie vorbeikommen können.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Bildnachweise:  DrSJS-149538/Quimono  Pixabay

Was hinter Armut steckt — Worauf es ankommt

Was hinter Armut steckt — Worauf es ankommt

So, nun bin ich mit meiner Artikelserie über Armut und Mangel am Ende angelangt. In diesem Beitrag möchte ich noch einmal zusammenfassen, worauf es bei dem Weg aus dem Mangel heraus ankommt. Ob Sie nun hochsensibel sind oder nicht: Es  gibt eine Art Leitfaden, den ich Ihnen mit auf den Weg geben kann.

Praktisch immer, wenn ich irgendwo im Supermarkt an der Kasse stehe, erlebe ich es, dass die Menschen ihre Kassenzettel nicht mitnehmen und sagen „brauche ich nicht.“ Brauchen Sie sehr wohl. Wie wollen Sie etwas verändern am aktuellen Zustand, wenn Sie nicht einmal wissen, wie der genau aussieht? Vage Emotionen und Gefühle oder Stress helfen hier überhaupt nicht weiter. Nur Fakten zählen. Darum gilt:

1. Setzen Sie sich mit der aktuellen finanziellen Situation auseinander.

Es gilt sich Klarheit zu verschaffen über den Status Quo. Klarheit ist gut gegen Angstgefühle. Und Sie glauben gar nicht, wie gut man sich fühlen kann, wenn man sich mit seinen Finanzen beschäftigt! Das kann für Gefühle von Selbstermächtigung und Souveränitat sorgen. Das Gefühl, etwas für das eigene Wohlergehen zu tun, das Gefühl Schritte zu unternehmen, die zu einer besseren Zukunft führen können, sollte nicht unterschätzt werden. Es ist egal, dass Sie vielleicht noch keinen Plan haben, wie diese Zukunft aussehen könnte oder wo das Geld herkommen soll. Dieser Schritt ist superwichtig! Lassen Sie ihn keinesfalls weg. Ohne diesen Schritt ist alles andere nix.

Legen Sie ein Haushaltsbuch an, das Sie ab diesem Zeitpunkt immer fortführen. Nehmen Sie alle Kassenzettel mit nach Hause und tragen Sie Ihre Ausgaben in das Haushaltsbuch ein (Geht auch gut online). Übrigens empfiehlt es sich, dort eine extra-Spalte einzurichten für „Luxus“, in die Sie die Ausgaben für Alkohol (den Sie zuhause konsumieren), Süßes und Salziges eintragen.

Erstellen Sie eine Übersicht aller Schulden, mit Tilgungsraten und aktuellem Schuldenstand.

Erstellen Sie eine Art Liquiditätsplan für das ganze Jahr, in dem Sie alle Ausgaben und Einnahmen auflisten. Dies ist wichtig, um im Vorfeld schon vorab Engpässe zu ermitteln und zu vermeiden.

Bezahlen Sie alles bar und nur noch in Ausnahmefällen mit Kreditkarte, falls vorhanden.

Ich bezahle nur Dinge mit Lastschrift, bei denen es absolut notwendig ist. Dies bewahrt mich vor Überraschungen und sorgt dafür, dass ich meinen Finanzfluss viel besser managen kann. Dies bedeutet natürlich, dass man seine Ausgaben und fälligen Rechnungen immer im Blick haben muss. Mahngebühren sind so ziemlich die überflüssigste Ausgabe, die ich mir denken kann.

Sehen Sie sich täglich Ihren Kontostand an. So verbinden Sie sich mit Ihrem Geld.

Die nächsten Schritte ergeben sich aus all diesen Übersichten. Nach ein paar Monaten Haushaltsbuch können Sie schon die ersten Checks machen und haben eine Vorstellung, wofür Sie Ihr Geld eigentlich ausgeben. Im nächsten Schritt können Sie sich dann überlegen, ob alle diese Ausgaben eigentlich sein müssen, können Sie irgendwo etwas einsparen oder auf manches ganz verzichten oder durch anderes ersetzen?

Überprüfen Sie auch alle sonstigen Ausgaben für Verträge, z. B. von Versicherungen, Handy, Telefon usw. Vielleicht gibt es hier auch Einsparmöglichkeiten?

Es kann auch ganz sinnvoll sein, ein offline-Kontobuch zu führen, indem Sie zeitnah alle Einnahmen und Ausgaben und zu erwartende Ausgaben notieren , so dass es keine hässlichen Überraschungen mehr gibt, wenn plötzlich eine Abbuchung erfolgt, mit der Sie nicht gerechnet haben.

Es ist außerdem sinnvoll, ein Guthaben-Konto zu führen, für das es keinen Dispositionskredit gibt. So wird man gar nicht erst in Versuchung geführt.

Kaufen Sie nichts mehr auf Kredit oder in Raten, sondern zahlen Sie alles bar (soweit möglich). Im Zweifelsfall kann man auf Secondhand-Dinge zurückgreifen.

2. Checken Sie Einnahme-Möglichkeiten.

Es gibt sehr häufig die Möglichkeit für zusätzliche Einnahmen.

Entrümpeln Sie Ihre Wohnung. Das tut Körper, Geist und Seele gut. Vielleicht finden Sie Gegenstände, die Sie nicht mehr haben möchten, die Sie verkaufen können, auf dem Flohmarkt, oder über das Internet.

Vielleicht gibt es Nachbarschaftsdienste oder -hilfe, die Sie für kleines Geld anbieten können, z. B. als Hunde- oder Babysitter oder …? Auch im Bereich der Seniorenbetreuung gibt es sehr viel Hilfebedarf.

Gerade das Internet bietet unschätzbare Dienste durch Freelancer Plattformen, die die Arbeit zuhause ermöglichen, ohne sich woanders hinbewegen zu müssen. Nicht alles ist gut bezahlt, aber das ist am Anfang weniger wichtig. Wichtig ist es erst einmal, zusätzliche Einkommensquellen zu generieren. Steigern kann man sich immer noch. Aber vergeuden Sie Ihre Energien nicht als Produkttester*in. Das bringt gar nichts oder fast gar nichts. (Ich habe es ausprobiert!)

Vielleicht gibt es auch Dinge, oder Dienstleistungen, die Sie online verkaufen können? Vielleicht haben Sie ein Zimmer zu vermieten? Vielleicht können Sie schöne Dinge herstellen, die nur auf Abnehmer warten? Vielleicht ist Affiliate-Marketing eine Möglichkeit? Jedenfalls gibt es viele Möglichkeiten, Einkommen zu generieren, aber das muss natürlich auch zu Ihnen passen.

Und natürlich kann es sehr sinnvoll sein, wenn Sie als Selbstständige*r einfach nicht über die Runden kommen, doch darüber nachzudenken, ob Sie sich Unterstützung durch das Jobcenter besorgen können. Damit Sie einfach mal etwas weniger Stress haben.

3. Schulden abzahlen oder sparen?

Ich bin einigen Geldcoaches gefolgt, die jeweils unterschiedliche Ansätze haben. Einige meinen, dass man unbedingt erst seine Schulden zurückzahlen muss, bevor man mit dem Sparen beginnen kann, aber ich halte davon nicht allzuviel. Es ist einfach zu demotivierend. Motivierend ist es hingegen, eine Spardose zu haben, deren Inhalt wächst. Trotzdem müssen die Schulden weg. Ich mache beides parallel, es bedeutet zwar langfristig, dass sowohl Schulden, als auch Guthaben langsamer wachsen, aber solange man sein Guthaben wachsen sieht, finde ich das nicht so schlimm. Jedenfalls sollten Sie sich an diesem Punkt für eine Strategie entscheiden. Einem Geldcoach übrigens nur zu folgen kann auch sehr motivierend sein …

4. Bauen Sie Reserven auf.

Das Sparkonzept von Bodo Schäfer finde ich wirklich genial einfach und gut umzusetzen. Basteln Sie sich eine schöne Spardose. Schreiben Sie sich einen kleinen Zettel, auf den Sie zuerst mit dem Betrag von 0,05 EUR beginnen. In der nächsten Zeile steht 0,10 EUR, danach 0,20 EUR usw. Jede Zeile ist genau der doppelte Betrag der Zeile davor. Lt. Herr Schäfer endet die Liste nach 18 Monaten mit dem Betrag von 6533,60 EUR. (Keine Ahnung, ob ich dort jemals ankommen werde). Jedenfalls dauert es gute 12 Monate bis Sie zu den Beträgen kommen, die vielleicht „schmerzen“. Lassen Sie sich keinesfalls davon schrecken, dass Sie diese Beträge vielleicht nicht erreichen. Wenn Sie Ihre persönliche Schmerzgrenze erreicht haben oder wirklich nicht mehr da ist, können Sie notfalls wieder ganz von vorne anfangen. Hauptsache, Sie bleiben dabei. Und die Dose bleibt tabu, egal, was kommt.

5. Beschäftigen Sie sich mit ethischen Investitionsmöglichkeiten

Wenn Sie der Meinung sind, dass Geld schlecht ist, oder dass es moralisch verwerflich ist, Geld zu investieren oder dass alle „Reichen“ sowieso Verbrecher sind, empfehle ich Ihnen unbedingt sich mit ethischen Investitionsmöglichkeiten zu beschäftigen. Heutzutage gibt es allerhand Möglichkeiten, Sie können anderen Menschen Kleinkredite vermitteln, in Holzplantagen investieren oder grüne Unternehmen …

Oft haben wir „Reichen“ gegenüber ein sehr verzerrtes Bild. Auch wenn es jede Menge schräger „Reicher“ gibt, ist wohlhabend nicht gleichbedeutend mit „schräg“. Mit viel Geld kann man sehr viel Gutes bewirken. Auch mit kleinem Geld. Sowieso können Sie jemand sein, der mit Wohlstand sorgsam umgeht oder seinen Wohlstand auch für andere nutzt. Wenn es Ihnen finanziell schlecht geht, nützt das absolut niemandem. Aber wenn es Ihnen gut geht, kann das auch anderen Menschen nutzen. Z. B. indem Sie ungewöhnliche Startup-Ideen in anderen Kontinenten unterstützen, bei denen Frauen eigenes Geld verdienen.

Was denken Sie über Geld?

Wenn Sie Ihre finanzielle Situation verändern wollen, werden Sie kaum umhin kommen, sich damit zu beschäftigen, was Geld eigentlich für Sie bedeutet, welche Geschichte(n) mit Geld verbunden sind, welche Gefühle Sie zu Geld haben, oder zum Sparen. Hier ein paar Ideen, denen Sie nachgehen können:

  • Wie ist ihre Familie mit Geld umgegangen?
  • Was haben Sie über Geld gelernt?
  • Wodurch zeichnet Geld sich für Sie aus?
  • Was empfinden Sie, wenn Sie etwas bezahlen müssen?
  • Sind Sie oft mit dem Wert von Dingen beschäftigt?
  • Haben Sie das Gefühl, sich Ihre Wünsche nicht leisten zu können?
  • Wie viel Geld wünschen Sie sich?
  • Ängstigt der Besitz von Geld Sie in gewisser Weise?
  • Was machen Sie, wenn Sie eine größere Summe Geld bekommen?
  • Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Million gewonnen, wie sähe Ihr Tag aus?
  • Was würden Sie damit machen?
  • Wie würden andere Menschen reagieren, wenn Sie plötzlich wohlhabend wären?
  • Was würde sich verändern, wenn Sie wohlhabend wären?
  • Was würde sich nicht verändern?
  • Was denken Sie über reiche Menschen?
  • Welche Gefühle treiben Sie um, wenn Sie sehen, wie offenbar wohlhabende Menschen ihren Wohlstand zur Schau stellen?

7. Klopfen, klopfen, klopfen

Ich kenne keine Methode, die so gut geeignet ist, sich aktiv mit Geldblockaden auseinanderzusetzen, wie die Klopfakupressur. Nur mal im Vergleich: für eine Hypnose müssen Sie viel mehr Zeit investieren. Um festgefahrene Glaubenssätze zu verändern müssen Sie Ihre Sätze täglich für mindestens 100 Tage hören. Mit dem Klopfen können Sie bei einer täglichen Zeitinvestition von 2-5 Minuten schon innerhalb von 14 Tagen etwas erreichen. Eins sollten Sie dabei nicht vergessen:

8. Sie müssen sich weiterentwickeln

Ohne persönliche Weiterentwicklung geht es überhaupt nicht. Im dritten Teil meiner Serie zu Armut und Mangel hatte ich Ihnen meinen Weg aus dem Mangel heraus beschrieben, dieser Weg war alles andere als gradlinig und dauerte auch sehr lange. An die zehn Jahre sind vergangen, bis sich wirklich sichtbare Erfolge abzeichneten.

Jeder, der mit diesem Thema zu tun hat, wird irgendeine Form von Schlüssel haben, der erst einmal gefunden werden muss. Dazu müssen Sie bereit sein, sich in Ihre Tiefen zu begeben und zu schauen, was Sie dort finden. Mein Schlüsselerlebnis war, dass sich herausstellte, dass ich irgendwie der Überzeugung war, ich könne meine Wünsche nicht materialisieren, weil ich ihre Erfüllung einfach nicht verdiente. (Sie können mir glauben, dass ich daran ganz schön zu knabbern hatte. Obwohl ich schon seit 30 Jahren an meiner Persönlichkeitsentwicklung arbeitete, war mir dies leider nicht bewusst.) Aber das habe ich wieder beklopft, und dann begann sich alles zu verändern.

9. Geben Sie Geld weiter

Um Geld bekommen zu können, müssen Sie Geld weitergeben. Konkret bedeutet dies: auch mal Geld an Menschen auf der Straße zu  verschenken, oder an Organisationen zu spenden, die Sie richtig gut finden.Wenn Sie selbstständig sind, müssen Sie Kunde von jemand anderem werden, damit Kunden auch zu Ihnen kommen können. Investieren Sie auch in sich und Ihre Weiterentwicklung, sowohl beruflich, als auch persönlich.

Es gibt ein paar sehr herausfordernde Geldübungen, auf die ich im Netz gestoßen bin (die Urheber weiß ich leider nicht mehr). Zum Beispiel könnten Sie ein paar 5-EUR Scheine irgendwo hinterlegen, z. B. an einer Haltestelle. Meine Lieblingsübung ist es, mal mit der Hand ins Kleingeldfach im Portemonnaie zu greifen und das Geld dann in vollem Schwung um sich herum zu verteilen. Bis jetzt habe ich es nur mit kleinen Münzen geschafft, aber ich arbeite an dem größeren Maßstab …

10. Sind Sie bereit Geld zu empfangen?

Die Frage ist gar nicht so blöd, wie sie erstmal vielleicht klingt. Ohne die Bereitschaft, Geld zu empfangen, geht es auch überhaupt nicht. Meine Mutter hatte mal einen größeren Betrag im Lotto gewonnen. Da ging es ihr ein paar Tage lang richtig schlecht. Es ist bestimmt auch kein Zufall, dass 70% aller Lottogewinner*innen 7 Jahre nach dem Lottogewinn weniger haben als vorher.

Diese Serie zu schreiben hat mir wirklich Spaß gemacht. Irgendwann später werde ich ganz bestimmt noch einen Artikel hinterherschicken mit ein paar kleinen Tricks zum Anlocken von Geld. Fürs erste ist es aber genug.

Was haben Sie als besonders wichtig erlebt? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Bildnachweise: Pixabay

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