Tief verbunden – eine Rezension

Tief verbunden – eine Rezension

Auf dieses Buch habe ich mein Leben lang gewartet! Diesem Umstand schreibe ich die Tatsache zu, dass ich es nur zwei Tage nach dem offiziellen Erscheinungstermin in Deutschland im Netz gefunden habe. Dabei folge ich der Autorin Diane Poole Heller schon eine ganze Weile.

Auf sie bin ich gestoßen im Rahmen eines englischsprachigen online Kongresses zum Thema Trauma. Schon damals hat mich begeistert und fasziniert, dass sie sich spezialisiert hat auf Beziehungswunden, bzw. das Thema „Bindung“. Ich hatte sogar geliebäugelt mit der von ihr angebotenen entsprechenden Ausbildung, habe aber schon gelernt, dass ich solche Dinge doch lieber in der Muttersprache tue. Umso mehr freut es mich, dass Tief verbunden* in deutscher Sprache erschienen ist.

„Wie wir alte Beziehungsmuster auflösen und dauerhafte Partnerschaften eingehen“,

lautet der Untertitel. Das Vorwort stammt von Peter A. Levine, dessen Schülerin Diane Poole Heller ist. Sie hat seine Methode Somatic Experiencing in ihre Arbeit einfließen lassen. Das Ergebnis ist wundervoll geworden.

Tief verbunden* besticht meiner Meinung nach durch einen sehr intensiven praktischen Ansatz, d. h., das Buch enthält sehr viele Übungen, die man zum großen Teil alleine durchführen kann.

Bevor ich mich der Gliederung zuwende, lege ich Ihnen noch ans Herz, vor dem Lesen

das Attachment Quizz

zu machen, das Diane Poole Heller auf ihrer Webseite anbietet (leider nur in englischer Sprache), aber ich empfand es als äußerst hilfreich, die eigenen Beziehungsmuster in Form einer Torte dargestellt zu sehn. Ich glaube, dass man sich mit dem Buchinhalt noch mal anders verbinden kann …

Das Buch ist superklar und logisch strukturiert: Nach dem Vorwort und der Einleitung stellt Diane Poole Heller

die verschiedenen Bindungstypen

vor. Dabei beginnt sie mit der sicheren Bindung zuerst. Vielleicht, weil sie davon ausgeht, dass der Wunsch und die Fähigkeit zu sicherer Bindung in allen Menschen biologisch verankert ist (Schon dies empfand ich als große Erleichterung, kein ganz und gar hoffnungsloser Fall zu sein). Manchmal haben wir das nur vergessen aufgrund von Strategien, die wir uns als Kinder aneignen mussten.

Bei der Beschreibung der verschienen Bindungstypen (sichere Bindung, vermeidende Bindung, ambivalente Bindung, desorientierte Bindung) geht es immer auch um die speziellen Ausprägungen und die Auswirkungen auf das eigene Leben, sowie der Darstellung nach außen.

Meines Erachtens nach ist dieses Buch für hochsensible Menschen super super spannend, denn auch wenn das Wort „Hochsensibilität“ an sich nicht fällt, geht die Autorin auf vieles ein,

was hochsensible Menschen häufig erleben:

zum Beispiel sind viele HSP extrem nüchtern und kopfgesteuert. Dies könnte daran liegen, dass Kinder, die nicht genug Unterstüzung, Präsenz und Verbundenheit erlebt haben, eher die linke Gehirnhälfte stärker entwickeln, wo es eher um Logik etc. geht. Dies ist nur ein Merkmal des vermeidenden Bindungstyps.

Aufgemerkt habe ich jedoch besonders im Teil, der sich mit der ambivalenten Bindung beschäftigt. Die ambivalente Bindung entsteht, wenn Eltern nicht beständig und sicher verfügbar sind, also mal da und dann wieder nicht und/oder sich uns gegenüber nicht angemessen verhalten, indem sie unsere Grenzen nicht respektieren etc.

Dies bedeutet, dass wir nicht lernen konnten, uns selbst zu regulieren, unser eigenes Gefühlsleben zu steuern und auch nicht, uns darauf zu verlassen, dass immer jemand für uns da ist. Dazu gehört übrigens auch, dass unsere Bedürfnisse vielleicht nicht erfüllt wurden und dass wir es nicht lernen konnten, gesunde Grenzen zu setzen.

Klingelt da was bei Ihnen?

Bei mir hat es beim Lesen von Tief verbunden* pausenlos geklingelt. Ich fand praktisch auf jeder Seite eine spannende Aussage oder Erkenntnis, obwohl ich durchaus mit den Grundzügen der Bindungstheorie vertraut bin.

Alleine das Lesen des Buches hat schon sehr viel in mir bewirkt. Vor allen Dingen eine große Erleichterung. Bisher fand ich es vor allen Dingen eher beschämend, jemandem nahe sein zu wollen und dies gleichzeitig zu fürchten. Ich empfand das als eine Art persönlichen Versagens. Aber das ist es nicht. Es ist einfach eine ganz normale Ausprägung eines ambivalenten Bindungsmusters.

Zuguterletzt geht es dann noch natürlich um Bindungstypen und Liebesbeziehungen, was sie jeweils ausmacht, was man tun kann um eine Beziehung zu finden, sie sicherer zu machen oder sich aus einer Beziehung zu lösen. Auch hier gibt es natürlich wieder Übungen.

Alles in allem kann ich Ihnen nur raten, sich Tief verbunden* unbedingt anzuschaffen (ich finde, es ist wirklich  eine Schatztruhe voller interessanter  nützlicher Informationen) und natürlich auch, mit dem Buch zu arbeiten, vor allen Dingen, wenn Sie unter Ihrer Hochsensibilität leiden und Beziehungen zu anderen Menschen Sie grundsätzlich in Stress versetzen. Ich bin sicher, da geht ganz viel und freue mich meinerseits auch schon darauf, die Übungen jetzt mal ganz in Ruhe zu machen.

Bleiben Sie gesund! Ich freue mich wie immer über Ihre Kommentare.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

 

 

Diane Poole Heller
Tief verbunden*
Kösel
ISBN 978-3-466-34751-3
20 EUR

Schwarze Erinnerungen – Kinderverschickung

Schwarze Erinnerungen – Kinderverschickung

Im Herbst letzten Jahres ist eine Art Bombe in mein Leben geplatzt, die in einer fb-Gruppe auftauchte, in der ich Mitglied war. Ein Link zu einer Reportage über die Initiative ehemaliger Verschickungskinder einer befreundeten Buchautorin. Sofort war das Gefühl von damals da. Ein paar Tage habe ich mir die Reportage angesehen – als ich mich dem gewachsen fühlte.  Dafür sofort einen Kurzbericht auf der Seite der Initiative im Netz hinterlassen. Daraufhin hat mich jemand kontaktiert, der ebenfalls in diesem Heim war und heute habe ich schließlich mit einer Frau gesprochen, die ein paar Monate nach mir in Schloss Ratzenried gewesen ist und mir mit ihren Erinnerungen einen Rahmen gegeben hat. Vielen Dank, Barbara! In meiner Erinnerung ist diese Zeit wie mit einem schwarzen Schleier überzogen und sowieso schwarz-weiß. Als könnte ich das nicht richtig wahrnehmen.

Natürlich gibt es keinen ganz unmittelbaren Zusammenhang mit dem Thema Hochsensibilität, außer dem, dass Kinderverschickung das Potential besitzt, zu einer eventuell vorhandenen Traumatisierung eines hochsensiblen Kindes weitere hinzuzufügen.

 

Ich war, siebenjährig, vom März bis April 1970 mit meiner Schwester, damals zehn Jahre alt, im Antonius-Heim in Schloss Ratzenried im Allgäu, zu einer sog. „Kinderverschickung“. In meinem Gedächtnis lief dieser Aufenthalt bis zu der Reportage als „Kuraufenthalt.“

Meine Erinnerungen waren sehr dürftig, aber das, woran ich mich erinnere, ist immer präsent.

Jedes Mal, wenn ich heiße Milch rieche, fange ich an zu würgen.

Dann ist sofort der Stress, der Ekel wieder da, diese Tortur, die Ohnmacht. Denn morgens zum Frühstück gab es heiße Milch mit Haut. Vor der Haut habe ich mich schon immer geekelt. Aber man musste die Tasse leeren, koste es, was es wolle. Es gab kein Pardon. Eines Morgens hat sich nun tatsächlich ein Mädchen, das die Milch nicht herunterbrachte, übergeben. Sie bekam eine Ohrfeige und wurde ins Bett geschickt. Das fand ich schlimm. Das Mädchen tat mir so leid. Aber natürlich wollte ich nicht, dass mir das auch passiert.

Ich entwickelte eine Taktik, um mit der Milch fertig zu werden. Ich fischte die Haut – schon leicht würgend – aus der Tasse und hängte sie über den Tassenrand. Dann verschloss ich meinen Mund weitgehend bis auf einen winzigen Spalt und nahm dann 7 winzige Schlucke direkt hintereinander. Wenn ich genug Mut gesammelt hatte, gab es die nächsten 7 Schlucke. So ging es. Aber meine ältere Schwester bekam ihre Milch auch nicht herunter. Ich weiß nicht mehr, ob sie mich darum gebeten hat, ihre Milch auch zu trinken, aber ich befürchte, ich könnte diese schreckliche Aufgabe auch einfach so übernommen haben. Ich wollte ja nicht, dass meine Schwester geschlagen wird. (Ich finde heute, dass dies ein ganz typisches hochsensibles Verhalten ist, sich eine sehr schwere Bürde aufzuladen, mit der man im Grunde genommen nicht fertig werden kann, nur damit andere nicht leiden müssen …)

In Ratzenried hatte ich

die erste Panikattacke meines Lebens.

Das kam so: Aus irgendwelchen Gründen wurde ich aus dem Schlafsaal in ein Turmzimmer verlegt. An und für sich eine Verbesserung, in dem Turmzimmer standen weniger Betten und der Turm an sich war ja auch aufregend. Um den Umzug vollständig zu machen, wollte ich mein Handtuch, das im Erdgeschoss an einem Haken hing und meine Waschsachen mit in den Turm nehmen. Da hatte ich mich aber geschnitten. Unten lief ich ein paar „Tanten“ über den Weg, die mich so richtig zusammenfalteten, was mir denn einfiele, mein Handtuch einfach vom Haken zu nehmen? Ich war total verstört. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich daraufhin ins Bett geschickt wurde oder freiwillig ins Bett ging. Woran ich mich sehr deutlich erinnere, ist, dass ich dann wenig später die erste Panikattacke meines Lebens erlitt. Ich guckte auf meine Hand und bemerkte die geschwollenen blauen Adern auf dem Handrücken, die mir so noch nie aufgefallen waren. Warum waren die so geschwollen? Wurden die nicht immer dicker? Ich begann mich sehr aufzuregen und am Ende war ich davon überzeugt, jetzt sterben zu müssen. Ich war ganz allein. Es gab niemanden, bei dem ich gerade hätte Trost suchen oder finden können. Irgendwann habe ich mich (natürlich) wieder beruhigt. Aber ich war danach sehr erschöpft und ich glaube, ich habe auch lange, lange Zeit niemandem davon erzählt. Meiner Schwester sicherlich nicht. Das war viel zu unaussprechlich.

Heute glaube ich, dass diese Panikattacke direkt ausgelöst worden ist durch das Verhalten der „Tanten“, das für mich wie ein Angriff war, vollkommen unverständlich, ungerecht und auch traumatisch, weil ich mich klein, hilflos und ausgeliefert fühlte.

Ich habe natürlich nach der Reportage mit meiner Schwester Erinnerungen ausgetauscht, sie glaubte, dass mein Umzug eine Art von Bestrafung war, dafür, dass sie ein weinendes Kind im Schlafsaal getröstet hatte. Ob ich das Kind gewesen bin, wusste sie nicht mehr. Offenbar habe ich jedoch viel geweint, ich war ja erst sieben Jahre alt und zum ersten Mal von Zuhause weg. Und nach allem, was auf der Seite der Initiative zur Kinderverschickung zu lesen ist, war es damals durchaus üblich, Geschwister einfach zu trennen.

Auch wenn ich mein Zuhause nicht besonders mochte, war es doch vertraut und überschaubar.

Sehr befremdlich ist für mich, dass ich offenbar mehrfach von Freunden oder Freundinnen geschrieben habe, die ich dort kennen gelernt haben will. Eigentlich hatte ich vor anderen Kindern Angst und wenn ich an den Aufenthalt in Schloß Ratzenried denke, dann legt sich als erstes eine unglaubliche Einsamkeit auf mich.

Das Kindererholungsheim in Ratzenried wurde

betrieben wie eine Kaserne.

Die Schlafsäle waren riesig. Barbara erinnert sich an einen Schlafsaal mit 40 Betten. Neben jedem Bett stand ein Hocker, darauf wurde abends die Kleidung sorgfältig Kante auf Kante abgelegt. Sie erinnert sich ebenfalls, dass es absolut verboten war, Geräusche zu machen. Man durfte nicht nur nicht weinen, man durfte auch nicht sprechen. Und

man durfte sich nicht umdrehen!

Das verursachte ja ebenfalls Geräusche. Wenn man solche Geräusche verursachte, musste man aufstehen und kam allein in die Dachkammer zu den Koffern.

Die Kleidung wurde in riesigen Schränken auf dem Gang aufbewahrt und jeden Tag bekam man seine Kleidung für den Tag von den „Tanten“ zugeteilt.

Man musste jeden Tag kalt duschen (kommt daher meine Abneigung gegen kaltes Abduschen?). Und auf jeden Fall musste immer aufgegessen werden. Man musste so lange sitzen bleiben, bis alles aufgegessen war. Von „gutem“ Essen konnte auch nicht so richtig die Rede sein. Vor allen Dingen gab es eine genau festgelegte Anzahl an Broten.

Und wenn man ein Päckchen mit Süßigkeiten von Zuhause bekam, durfte man nur die Hälfte davon behalten und musste die andere Hälfte abgeben, zur Verteilung an andere.

Und das Schlimme war:

man durfte nichts davon nach Hause schreiben!

Die Post wurde zensiert. Nur gute Nachrichten wurden geduldet. Die Turmepisode findet sich in meinem Brief nur mit einem einzigen Satz wieder: „Abends muß ich immer runter gehen und mir die Zähne putzen.“ Ein Wunder, dass das Wörtchen muss nicht der Zensur zum Opfer gefallen ist.

Schade, dass ich keine Gelegenheit mehr hatte, mit meiner Mutter über unseren sog. „Kuraufenthalt“ zu sprechen. Den Postkarten, die meine Mutter uns geschickt hat, ist jedenfalls nicht zu entnehmen, dass sie irgendetwas geahnt haben könnte. Wie denn auch? Damals war man wohl der Meinung, den Kindern etwas Gutes zu tun. Wir sollten aufgepäppelt werden. Unsere Eltern, selbst Kriegskinder, die zu einem großen Teil sicherlich selbst noch mit schwarzen Pädagogikmethoden groß geworden sind, kamen kaum auf die Idee, dass die ganze Idee hinter der Verschickung höchst fragwürdig war.

Ich war äußerst befremdet, als ich unter dem Briefwechsel zwischen meiner Mutter und uns Kindern eine Postkarte fand, die augenscheinlich von den „Tanten“ im Heim selbst verschickt worden war. Es war ja nicht unsere Handschrift. Hat meine Mutter sich da nicht gewundert? Das werde ich wohl nie mehr erfahren.

Viele Dinge aus meinen eigenen Briefen sind mir ganz unverständlich. Im Grunde ist ja fast jeder Satz kodiert. Bis zu dem Gespräch mit Barbara konnte ich mir nicht erklären, warum ich schon so viele Schallplatten gehört hatte. Ganz sicherlich war uns kein eigener Zugang zu einem Plattenspieler erlaubt. Das wäre ja richtiggehend unter selbstermächtigtes Handeln zu verbuchen gewesen. Und das wurde auf Schloss Ratzenried nicht geduldet. Sowieso fand alles grundsätzlich in der Gruppe statt.

Barbara klärte mich darüber auf, dass wir alle zusammen abends eine Schallplatte hörten, die natürlich von den „Tanten“ ausgewählt wurde.

Richtig absurd ist es ebenfalls, dass man kurz vor der Heimfahrt Andenken kaufen konnte für zuhause (damals war es noch üblich, dass man von Reisen Andenken mitbrachte für die Daheimgebliebenen), Baumscheiben mit einer gemalten Ansicht von Schloss Ratzenried darauf zum Beispiel. Andere Gelegenheiten, eventuelles Taschengeld auszugeben gab es nicht.

Heute mutet es mich ein wenig seltsam an, dass die Briefe, die damals zwischen Bonn und Ratzenried in meiner Familie hin und her gingen, voller Zeichnungen und Anspielungen auf das Osterfest sind, ich selbst aber nicht die leiseste Erinnerung an das Osterfest habe. Als klaffe da ein Loch in meinem Leben, oder als hätte Ostern ohne mich stattgefunden. Ich kann nur vermuten, dass es eine bodenlose Enttäuschung war …

Sind Sie auch zur Kinderverschickung gewesen? Ich freue mich, wie immer, wenn Sie Ihre Erinnerungen mit uns teilen und kann Sie nur ermutigen, auch auf der Seite der Initiative eine Nachricht zu hinterlassen. Es gibt mittlerweile schon Gruppen für bestimmte Heime. Ich bin jedenfalls megafroh, dass ich jemanden gefunden habe, der meinen Erinnerungen auf die Sprünge geholfen hat. Zumindest weiß ich jetzt, warum alles, was Schloss Ratzenried betrifft, hinter einem schwarzen Schleier verborgen war – und ein bisschen hat sich der Schleier ja schon gehoben. 

Übrigens hat meine liebe hochsensible Autoren-Kollegin Beate Felten-Leidel eine ganze, äußerst lesenswerte Artikelserie zum Thema Kinderverschickung geschrieben, darunter auch zwei Berichte von Freundinnen.

Von Herzen,

Ihre Monika Richrath

Katastrophale Bindungserfahrungen

Katastrophale Bindungserfahrungen

Jetzt haben Sie wirklich sehr, sehr lange nichts mehr von mir gehört. Die Pause am Jahresende hatte ich wirklich bitter nötig, denn, ehrlich gesagt, bin ich sehr mitgenommen von den Entwicklungen in meinem Leben.  Daher finde ich, es ist eine ganz gute Idee, das Jahr 2020 (ich liebe diese Zahl total!) mit einem persönlichen Artikel zu starten.

Wenn Sie meinem Blog folgen, erinnern Sie sich vielleicht, dass ich mich vor kurzem verliebt habe. Und das ist eine echte Herausforderung (Stress pur) für mich.

Beziehungen sind für mich eher ein Buch mit sieben Siegeln, das ich bis jetzt noch nicht richtig entziffern konnte. Was daran liegt, dass meine

Beziehungserfahrungen katastrophal

sind.

Mittlerweile habe ich mich an den Gedanken gewöhnt, Hochsensibilität etwas mit meinen frühkindlichen Erfahrungen in der Welt zu tun haben könnten. (Genau weiß ich es natürlich nicht, aber nach allem, was ich mittlerweile über Trauma gelernt habe, erscheint es mir ausgesprochen plausibel.)

Eine gute Gelegenheit einmal zu erzählen, wie meine ersten Bindungserfahrungen ausgesehen haben:

Meine Mutter war bei meiner Geburt gerade mal 24 Jahre alt. Das erste Kind hatte sie mit 21 bekommen. Das zweite mit 22. Sie lebte mit ihren Kindern in der Wohnung ihrer Mutter. Mein Vater glänzte vornehmlich durch Abwesenheit. Er fühlte sich offenbar nur in psychiatrischen Kliniken geborgen. Meine Mutter musste sich allein um die beiden Kinder kümmern. Sie war total frustriert. 24! So jung und schon irgendwie gefangen. So hatte sie sich ihr Leben nicht vorgestellt! Sie war ziemlich verzweifelt. Nervös. Einsam. Alles musste sie alleine machen. Die Beziehung zu meinem Vater hatte schon Schaden genommen.

Kein Wunder, dass sie sich nicht auf mich freute.

Tragischerweise hatte es ja gar nichts mit mir persönlich zu tun. Aber ich habe immer gewusst, dass ich nicht so richtig willkommen war. Im Zuge meiner Familienrecherche habe ich dann ja auch herausgefunden, dass mein Gefühl richtig war.

Im Grunde genommen war also unsere Beziehung schon von meiner Geburt an beeinträchtigt. Kein Wunder, dass ich es nicht eilig hatte mit dem Geborenwerden. Eineinhalb Wochen habe ich mir Zeit gelassen. Ob ich dann tatsächlich freiwillig kam oder geholt werden musste, konnte ich bislang leider nicht herausfinden.

Zwischen meiner Mutter und mir ging es problematisch weiter. Im Krankenhaus war noch alles gut gewesen. Vielleicht, weil meine Mutter dort selbst umsorgt wurde und sich ausruhen konnte. Zuhause war das anders. Da war sie wieder alleine mit der Verantwortung für die Kinder. Mein Vater war wieder irgendwo zur Kur. Jedenfalls hatte meine Mutter keine Milch mehr für mich (Ich beginne erst jetzt zu ahnen, wie mich das beeinflusst haben könnte!).

Drei Monate nach meiner Geburt gab es einen großen Einschnitt für die Familie. Meiner Mutter zog mit meinem Vater ins Rheinland in die erste eigene Wohnung. Da die Kinder während des Umzugs den Erwachsenen im Weg gewesen wären, wurden wir verteilt und für ein paar bei verschiedenen Menschen untergebracht. Ich kam zu einer Freundin der Mutter meines Vaters (meine Patin?). Ziemlich katastrophal für ein drei Monate altes Wesen.

Aber es kam noch schlimmer

Sechs Monate nach meiner Geburt war meine Mutter (die zudem wieder schwanger war mit meinem Bruder) total am Ende. Sie wurde zur Kur in die Eifel geschickt, in ein von Nonnen geleitetes Heim, ohne Kinder natürlich, sie sollte sich ja erholen. Sechs Wochen lang. Meine beiden Schwestern waren in dieser Zeit in einem Kinderheim, mein Vater war in dieser Zeit zwar wieder zu Hause, aber offenbar konnte oder wollte er sich die Aufgabe, sich sechs Wochen lang um zwei Kleinkinder zu kümmern, nicht zumuten.

Ich war in dieser Zeit wieder bei der oben besagten Freundin der Mutter meines Vaters.

Es gab auch später noch andere Gelegenheiten, eine sechswöchige, traumatische Kinderlandverschickung im Allgäu, ein Krankenhausaufenthalt meiner Mutter, in deren Abwesenheit wir von einer furchterregenden Haushaltshilfe regiert wurden …

Die Liebesgeschichte zwischen meiner Mutter und mir

bestand vornehmlich aus Schwierigkeiten und Abbrüchen

was in der Folge dazu geführt hat, dass Liebe, Bindung und Beziehungen für mich immer schwierig waren. Für mich selbst betrachte ich gerade die beiden Trennungen in meinen ersten sechs Monaten als prägend. Das hat sich in allen Beziehungen fortgesetzt.

Oftmals wurde ich von jetzt auf gleich verlassen, ohne Angabe von Gründen oder vollkommen absurden, nicht nachvollziehbaren Gründen. Einmal hat jemand mit mir Schluss gemacht, weil sie meinen (vollkommen legalen) Schwangerschaftsabbruch Anfang 20 so schrecklich fand (sie wollte selbst Kinder haben – hat aber meines Wissens bis jetzt keine Kinder bekommen). Oder jemand ließ sich am Telefon verleugnen und war fortan nie mehr zu sprechen. Oder ich wurde durch permanenten Betrug verlassen. Die Liste ist sehr lang und ließe sich unendlich fortsetzen.

Manchmal bin ich auch selbst gegangen. Die Männer habe ich durchweg alle selbst verlassen. Die Frauen eher weniger, aber es kam auch vor.

Bei Bindungsschwierigkeiten sind die Rollen durchaus umkehrbar, ohne das Gesamtkonzept zu verändern. Es hat sehr lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich nicht nur verlassen wurde, sondern

mich selbst auch aktiv zurückgezogen

habe, von Anfang an. Aber als Säugling hat man da vermutlich nicht so sehr die Wahl …

Wie auch immer, all das hat natürlich dazu geführt, dass die Angst mit jeder neuen Liebe wächst und ich schon im Vorfeld Verlassensängste in einem vollkommen unangemessenen Ausmaß entwickele, aber auch Ängste vor Verletzung etc.

Diesmal fühle ich mich aber besser gewappnet. Weil ich so viel über Bindung und Trauma gelernt habe im letzten Jahr. Weil ich so viel geklopft habe. Weil ich mich so intensiv mit meinen Glaubenssätzen zum Thema Liebe und Bindung auseinandergesetzt habe. Weil ich schon im letzten Jahr damit begonnen habe, mich nach und nach von Menschen zu trennen, mit und zu denen es keine richtige Bindung gibt.

Und weil ich es einfach noch einmal wissen will: Jetzt kann ich meine Hochsensibilität viel bewusster leben, ich habe einen besseren Blick über meine Bedürfnisse – auch wenn mir ziemlich schnell klar geworden ist, dass ich noch sehr, sehr viel Handlungsbedarf habe – ich weiß zumindest theoretisch, was ich brauche und will. Ich habe die Vorstellung, dass all das Wissen über Hochsensibilität, Trauma und Bindung mir helfen könnte, eine Beziehung mit mehr Wahrhaftigkeit zu führen, dass die Beziehung an sich sich anders anfühlen könnte. Ob das so sein wird, weiß ich natürlich nicht.

Das kann ich nur herausfinden, wenn ich mich einlasse.

Eins habe ich aber schon herausgefunden: nämlich, dass, wenn ich mich einlasse, ein Teil der alten Wunde heilen kann. Und dass diese Wunden vor allem im Miteinander heilen …

Darum bin ich bereit für das Abenteuer Liebe …

Welche Beziehungserfahrungen haben Sie gemacht? Konnten Sie bewusst etwas verändern? Bleiben Sie lieber allein? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

Image by fancycrave1 from Pixabay  

Wie Liebe sich anfühlt

Wie Liebe sich anfühlt

Letzte Woche konnten Sie keinen neuen Blogbeitrag von mir lesen – und das lag nicht daran, dass mir etwa die Ideen ausgegangen sind (im Gegenteil, ich habe bestimmt drei neue Artikelideen in der Woche). Nein, der Grund, weswegen Sie nichts von mir gelesen haben, ist der simplen Tatsache zuzuschreiben, dass das Leben mich einfach überrannt hat und ich mich mit schrägen Gefühlen und Symptomen auseinandersetzen muss. Vergangene Woche war ich einfach nicht in der Lage, einen Blogbeitrag zu verfassen.

Ich kann nicht denken.

Ich kann mich nicht konzentrieren.

Ich kann nicht essen.

Ich kann nicht schlafen.

Am liebsten wäre ich immerzu mit ihr zusammen.

Sie ahnen es vielleicht schon. Ich habe mich verliebt. Mit Haut und Haar.

Und während ich alle Symptome einer Liebeskrankheit durchlaufe, gibt es doch einen kleinen Teil in mir, der mir selbst ein bisschen amüsiert von oben zusieht.

Das Seltsame ist, dass ich auf all das vollkommen unvorbereitet bin. Sehr sonderbar, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass ich schon länger auf der Suche bin und mich wieder verlieben wollte.

Das bringt natürlich allerhand Herausforderungen mit sich, gerade auch in Sachen Hochsensibilität, Liebe an sich ist megastressig.

Ich habe vollkommen vergessen, wie sich das anfühlt, mitten in der Nacht aufzuwachen und vor lauter Sehnsucht und Herzklopfen nicht mehr einschlafen zu können. Oder wie mir der Hals eng wird und ich nicht mehr essen kann, wegen eines Blicks von ihr. Oder wie man dauernd weiche Beine hat.

Ich habe auch vergessen, wie unglaublich verletzlich man sich am Anfang einer neuen Liebe fühlt, wie ängstlich, wie bedroht. Wie die inneren Wächter anfangen, Amok zu laufen. (In meiner Vorstellung sind das kleine aufgeregte Kerle, die eine Rüstung tragen und mit einem Speer herumfuchteln.)

Es erstaunt mich selbst, wie angsteinflößend sich das anfühlt, die relative Sicherheit und Geborgenheit meiner Singleexistenz einfach so aufzugeben, obwohl ich so viele Jahre daran gearbeitet habe, den jetzigen Zustand zu erreichen, in dem ich sagen kann (und zwar aus voller Überzeugung): Ich bin ein glücklicher Single. Ohne auch nur einen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden, habe ich diesen Zustand fortgeworfen. Was nicht bedeutet, dass damit meine Ängste einfach so verpufft wären. Ganz im Gegenteil: die arbeiten jetzt eher im Untergrund und kommen nur dann und wann nach oben.

Zum Glück verfüge ich mittlerweile über genug emotionales Rüstzeug, um besser damit fertig zu werden. Und mich zu trauen, mich einzulassen. Trotz meiner schwierigen Bindungsvergangenheit. Alle möglichen Bindungstraumata springen auf und fordern meine Aufmerksamkeit. Daher muss ich jetzt gerade sehr viel und oft für mich selbst klopfen. Anders geht es nicht …

Völlig unvorbereitet bin ich auch auf die krassen körperlichen Nebenwirkungen. Ich habe nach nur 2 Wochen das Gefühl, an meine Belastungsgrenze zu stoßen.

Alles ist so aufregend und eigentlich müsste ich die ganze Zeit futtern wie ein Scheunendrescher, um die verlorenen Kalorien wieder aufzufüllen. Aber dies erweist sich als wirklich problematisch. Ein Blick – und mein Appetit verpufft – einfach so.

Darum bekomme ich nicht genug zu essen. Ein paar Kilo habe ich schon abgenommen. Bestimmt bin ich die ganze Zeit chronisch unterzuckert. Mittlerweile weiß ich ja genug über den Stress, der dadurch für den Körper entsteht. Trotzdem kann ich mich einfach nicht aufraffen zu ordentlichem Essen. Alles, wozu ich die Disziplin aufbringe, ist mir irgendwelches Essen aufzuzwingen.

Irgendwann geht das sicher vorbei. Aber im Augenblick spielen mein Gehirn und mein Körper einfach verrückt, alles ist total entgleist. Vielleicht haben Sie schon mal davon gehört, dass Verliebtsein die gleichen Gehirnregionen aktiviert, wie bei Suchtkranken. Dazu werden jede Menge Hormone ausgestoßen.

Dass es bei mir überhaupt so weit kommen konnte, verdanke ich Andreas Goldemann mit seinen schamanischen Gesängen. Da bin ich ganz sicher.

Vor 20 Jahren wurde mir gleich zwei mal relativ kurz hintereinander das Herz gebrochen (was letzten Endes der Beginn meiner Reise zu mir selbst war). Das hat tiefe Spuren hinterlassen. Danach war die Liebe für mich eher ein Minenfeld. Es dauerte 10 Jahre, bis ich überhaupt wieder eine Beziehung eingehen konnte und trotzdem blieb es sehr schwierig in meinem Beziehungsleben.

Was mich zurückbringt zu Andreas Goldemann. In seinem Kurs haben wir sehr ausführlich die Verbindung zwischen Sakral- und Herzchakra bearbeitet und Vergangenes losgelassen. Außerdem habe ich in den letzten Wochen sehr intensiv meine eigenen Widerstände beklopft. Das war schon sehr interessant, herauszufinden, dass ich zwar eigentlich eine Beziehung möchte und dann aber auch wieder nicht. Nun, ich habe das offenbar aufgelöst …

Was soll ich noch sagen? Ich bin sehr dankbar und gerührt. Alles, was ich jetzt noch zu tun habe, ist, mich dem Leben einfach hinzugeben und zu folgen, egal, wie wild und chaotisch das auch sein mag. Egal, was dabei herauskommt am Ende. Ich weiß, das klingt wirklich megakitschig. Es ist aber trotzdem wahr: Die Liebe ist eben – wie alles andere – ein Abenteuer.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Liebe gemacht. Leben Sie Liebe? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

Image by Jondolar Schnurr from Pixabay 

 

Ich kann kein Small Talk!

Ich kann kein Small Talk!

Wenn es eine Sache gibt, die ich besonders häufig in meinem Seminar über Hochsensibilität oder auch von Klienten höre, dann das, dass sie keinen Small Talk können.

Ich dachte, dass das einmal einen Blogartikel wert ist. Ich kenne das nämlich sehr gut aus eigener Erfahrung.

Früher habe ich Small Talk auch abgelehnt. Ich wollte Nichts Belangloses,

alles, was ich tat, sollte von Tiefe und Sinn durchdrungen sein.

Darum wollte ich keine oberflächlichen Gespräche führen.

Small Talk stand stellvertretend für mich für das Wesen dieser Welt, in der ich mich so wenig wohl fühlte: immer schön an der Oberfläche bleiben, bloß nicht kratzen oder gar bohren – wer weiß, was dann zutage treten könnte – am besten gar nicht erst hinsehen.

Die Weigerung, mich an solchen Gesprächen nicht zu beteiligen, hatte Konsequenzen. Letzten Endes bedeutete es immer, allein und außen vor zu bleiben. Vor allen Dingen am Arbeitsplatz, aber auch bei allen anderen Gelegenheiten, wo ich mit Menschen zusammentraf, die ich nicht kannte, Parties, Seminare usw. Es war jedes Mal eine neue Gelegenheit, die Erfahrung zu machen:

ich bin ausgeschlossen, ich gehöre nicht hierher.

Das tat und tut jedes Mal immer wieder neu weh, der Gewöhnungseffekt ist gleich null.

Irgendwann aber – ich habe keine Erinnerung daran, was den Prozess letzten Endes ausgelöst hat – ist mir aber etwas klar geworden.

Nämlich, dass Small Talk absolut kein oberflächliches Daherreden ist. Dass es letzten Endes gar nicht darum geht, was gesagt wird, sondern, dass Small Talk eine ungemein wichtige soziale Funktion erfüllt.

Wenn Menschen aufeinandertreffen, die einander nicht kennen und sie beginnen, z. B. über das Wetter zu reden, dient das Gespräch in allererster Linie dazu, Kontakt aufzunehmen. Und natürlich ist es dann wichtig, richtig und sinnvoll, über etwas zu sprechen, über das alle Menschen etwas sagen können. Es geht also darum, miteinander in Beziehung zu treten, sich durch Worte miteinander zu verbinden. Der Inhalt des gesagten ist dabei absolut zweitrangig. Die Verbindung aber nicht. Und das ist ungemein wichtig. Gerade für hochsensible Menschen.

Wir brauchen diese Verbindung.

Oft haben wir ja viel zu selten das Gefühl, überhaupt mit anderen Menschen verbunden zu sein. Und Verbundenheit mit anderen kann ungemein zu unserem Wohlbefinden beitragen.

Wenn ich eine Sache gelernt habe in den vergangenen Jahren, dann diese: wenn ich mich getrennt fühle von anderen, dann habe ich mich meistens von den anderen selbst getrennt. In diesem speziellen Fall schon von vornherein durch meine Weigerung, an dem Gespräch überhaupt teilzunehmen.

Wäre es nicht schön, die Anzahl der Gelegenheiten zu reduzieren, bei denen dieses Gefühl des Andersseins überhaupt aufkommt? Das funktioniert natürlich nicht immer und für alle Gelegenheiten. Ich selbst mache diese Erfahrung immer wieder auf zum Teil sehr tiefen Ebenen. Erst vor kurzem habe ich darüber den Beitrag „Ich bin vollkommen fremd hier“ geschrieben. Und um diese ganz tiefen  Bindungserfahrungen und den damit verbundenen Stress zu verändern, bedarf es gewisser Tools, wie z. B. Klopfakupressur, Matrix Birth Reimprinting, usw.).

Beim Small Talk geht es aber um Menschen, die wir noch nicht kennen. Ich habe irgendwann beschlossen,

dass ich mir das gönnen darf, mich mit anderen zu verbinden.

Dabei habe ich die sehr angenehme Erfahrung gemacht, dass das entsprechende Ereignis dann für mich ganz anders verläuft, wenn ich es anfangs schaffe, durch Small Talk mit anderen in Verbindung zu treten. Ich bin dann viel präsenter in der Gruppe, nicht nur für die anderen, auch für mich selbst. Ich habe das Gefühl, dazu zu gehören. Und das trägt sehr zu einem positiven Empfinden meines eigenen in-der-Welt-seins bei.

Übrigens spricht gar nichts dagegen, sich selbst

eine kleine hochsensible Small Talk Variante

zu schaffen.

Vor Jahren habe ich einmal an einem Speed-Dating teilgenommen. Und ich habe alle Teilnehmerinnen als erstes gefragt: „Wie fühlst du dich mit diesem Setting hier?“ Nach einem kleinen Verblüffungsmoment haben mir aber alle eine ehrliche Antwort gegeben, von wo aus wir dann schnell in ein richtiges Gespräch geraten sind, was in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nicht selbstverständlich war. Ich bin dann nach Hause gegangen, in dem Bewusstsein, dass  es mir gelungen war, mich zu verbinden,

dass ich etwas Schönes geschaffen hatte an diesem Abend,

nicht nur für mich, sondern auch für die anderen.

Überlegen Sie sich doch einmal ein paar offene Fragen (auf die man nicht mit ja/nein antworten kann), die Sie bei passender Gelegenheit stellen können. Meine Lieblingsgesprächseröffnung ist nach dem obigen Event tatsächlich „Wie gefällt es Ihnen hier?“ aber es gehen auch Dinge wie „Wie sind Sie hergekommen“, „Wie haben Sie von dieser Veranstaltung erfahren“, „Haben Sie schon öfter ähnliche Veranstaltungen besucht?“ usw.

Ich bin gespannt, ob Sie eine Lieblingseröffnung haben oder sich eine überlegen. Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

Image by Steve Cliff from Pixabay 

 

Das Lächeln eines Babys

Das Lächeln eines Babys

Zu den Dingen, mit denen ich mich im Augenblick intensiv befasse, gehört Bindung mit ihren vielfältigen Aspekten und die Auswirkungen von Bindungserfahrungen auf unser Leben. Mittlerweile bin ich übrigens wirklich davon überzeugt, dass unsere Bindungserfahrungen auch etwas mit Hochsensibilität zu tun haben …

Vor kurzem hatte ich bei zwei kurzen Begegnungen, die Gelegenheit Bindung an Babies zu beobachten. Beide Begegnungen haben mich auf ihre Weise ziemlich mitgenommen, weil ich etwas, das ich bislang nur in Büchern beschrieben gelesen habe, nun am eigenen Leibe erleben konnte.

 

Begegnung 1

Ich stehe bei meinem Biometzger in der Schlange. Direkt neben mir, etwas abseits, steht ein Kinderwagen, die Eltern stehen beide an der Theke und kaufen ein.

Ein Baby! Hochgradig erfreut spähe ich in den Kinderwagen.

Das Baby ist wach.

Ich freue mich.

Ich lächele.

Das Baby lächelt zurück.

Ich merke richtig, wie mein Körper beginnt zu strahlen.

Noch dazu ist das Baby in etwa in dem Alter, wo man das Gefühl hat, von dem Baby erkannt und in seinem ganzen Wesen erfasst zu werden. So wie das Baby oben auf dem Foto.

Ich lächele noch mehr.

Das Baby dreht den Kopf weg.

Darum gucke ich auch weg und sehe mir die Auslage in der Fleischtheke an.

Nach einer Weile drehe ich das Gesicht wieder dem Baby zu und lächle.

Das Baby strahlt zurück – über das ganze Gesicht – und freut sich.

Ich lächele zurück.

Das Baby schaut weg.

Ich sehe wieder woanders hin.

Dabei erfasst mich eine Art ehrfürchtiges Staunen.

So geht das also mit der aufeinander abgestimmten Kommunikation.

Ganz mühelos eigentlich.

Wir gehen in Verbindung,

dann lassen wir los,

wir sammeln uns,

damit wir wieder in Verbindung gehen können.

So geht es hin und her.

Schließlich habe ich meinen Kopf abgewendet. Als ich mich umdrehe, ist der Kinderwagen verschwunden, mitsamt dem Baby. Ich habe es nicht gemerkt, ich war so absorbiert von dieser wunderschönen Kommunikationserfahrung.

Ich fühle mich sofort beraubt.

Nichtsdestotrotz hat mich dieses kleine Ereignis noch lange begleitet und erfreut. Selbst jetzt, wo ich es aufschreibe, merke ich, dass sich ein Lächeln von meinem Gesicht auf und im ganzen Körper auszubreiten beginnt … Jedenfalls ein offenbar glücklich gebundenes Kind.

Ganz anders verlief Begegnung 2.

Ich steige in einen Bus und setze mich auf einen Platz, wo mir schräg gegenüber eine junge Mutter sitzt, die ihr Baby auf dem Schoß hält.

Die Mutter hat eine Ausstrahlung, die ich spontan als sorgenvoll empfinde.

Das Baby hat haargenau die gleiche sorgenvolle Ausstrahlung.

Es beobachtet mich mit gerunzelter Stirn. Offenbar bedeutet meine Anwesenheit für das Baby in irgendeiner Form Stress.

Vorsichtig lächele ich das Baby an.

Es lächelt nicht zurück.

Statt dessen intensiviert sich der sorgenvolle Blick.

Ich sehe weg.

Danach probiere ich es noch einmal. Versuche, extra freundlich zu gucken, Liebe in meinen Blick zu legen.

Vergeblich.

Damit kann das Baby gar nichts anfangen.

Es ist ganz offensichtlich, dass ich eher eine Art Bedrohung darstelle.

Ich sehe wieder weg.

Aus dem Augenwinkel beobachte ich die Interaktion der Mutter mit dem Kind.

Die Mutter beugt sich von Zeit zu Zeit zu dem Kind herunter.

Das  Kind reagiert nicht. 

Es tut so, als sei die Mutter gar nicht da.

Nur wenn die Mutter weg guckt, wirft es einen schnellen Blick auf sie.

Hier sind zwei, die sich ständig verpassen.

Die Busfahrt dauert eine ganze Weile. Ich habe Zeit, sie zu beobachten.

Irgendwann holt die Mutter ihr Handy raus, beginnt, auf das Display zu gucken.

Ich spüre, dass die Energie des Babys schwächer wird, dass es sich mehr in sich selbst zurückzieht.

Dies zu sehen und zu spüren, tat mir richtig weh. Dies nun also ist ein Beispiel für – ich weiß gar nicht, wie ich das nennen soll – vielleicht eine Bindung, die nicht funktioniert.

Das Baby ist doch noch so klein, auch wenn es schon sitzen kann.

Irgendwann mag ich es nicht mehr sehen und stehe auf. Das tut mir so leid, das greift mich richtig an. Wahrscheinlich, weil es mich irgendwie an mich erinnert, an meine eigene schwierige Kommunikation mit meiner Mutter, an die schwierigen Voraussetzungen unserer Beziehung. Auch wenn ich ganz viel davon noch mit ihr klären konnte vor ihrem Tod, bleiben dennoch ganz viele Dinge übrig, mit denen ich noch nicht meinen Frieden gemacht habe, die noch unbearbeitet sind.

Mein Verhältnis zu meiner Mutter ist wie eine 7-köpfige Hydra. Wenn ich sieben Köpfe abschlage, wachsen 14 Köpfe nach. Manchmal kommt es mir so vor, als könnte ich niemals zu einem Ende kommen. Aber das stimmt ganz bestimmt nicht … jedenfalls weigere ich mich entschieden, das zu glauben. Mein Weg geht immer vorwärts, auch wenn es in Trippelschritten vorwärts geht und manchmal auch den ein oder anderen Schritt zurück, bleibt die Richtung insgesamt doch bestehen.

Wie ist es Ihnen gegangen beim Lesen dieses Artikels? Denken Sie dran, dass Sie immer klopfen können, wenn Sie von etwas getriggert werden. Ich freue mich über Ihre Kommentare.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

 

Image by Regina Petkovic from Pixabay 

 

Image by Dorothy Loges from Pixabay 

Pin It on Pinterest

Datenschutz
Richrath EFT Lösung, Besitzer: Monika Richrath (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.
Datenschutz
Richrath EFT Lösung, Besitzer: Monika Richrath (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.