Das Lächeln eines Babys

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

20. Oktober 2019

Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen dieses Artikels in Stress geraten, klopfen Sie doch einfach beim Lesen Ihre Handkante, wie auf dem Foto gezeigt.

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Zu den Dingen, mit denen ich mich im Augenblick intensiv befasse, gehört Bindung mit ihren vielfältigen Aspekten und die Auswirkungen von Bindungserfahrungen auf unser Leben. Mittlerweile bin ich übrigens wirklich davon überzeugt, dass unsere Bindungserfahrungen auch etwas mit Hochsensibilität zu tun haben …

Vor kurzem hatte ich bei zwei kurzen Begegnungen, die Gelegenheit Bindung an Babies zu beobachten. Beide Begegnungen haben mich auf ihre Weise ziemlich mitgenommen, weil ich etwas, das ich bislang nur in Büchern beschrieben gelesen habe, nun am eigenen Leibe erleben konnte.

 

Begegnung 1

Ich stehe bei meinem Biometzger in der Schlange. Direkt neben mir, etwas abseits, steht ein Kinderwagen, die Eltern stehen beide an der Theke und kaufen ein.

Ein Baby! Hochgradig erfreut spähe ich in den Kinderwagen.

Das Baby ist wach.

Ich freue mich.

Ich lächele.

Das Baby lächelt zurück.

Ich merke richtig, wie mein Körper beginnt zu strahlen.

Noch dazu ist das Baby in etwa in dem Alter, wo man das Gefühl hat, von dem Baby erkannt und in seinem ganzen Wesen erfasst zu werden. So wie das Baby oben auf dem Foto.

Ich lächele noch mehr.

Das Baby dreht den Kopf weg.

Darum gucke ich auch weg und sehe mir die Auslage in der Fleischtheke an.

Nach einer Weile drehe ich das Gesicht wieder dem Baby zu und lächle.

Das Baby strahlt zurück – über das ganze Gesicht – und freut sich.

Ich lächele zurück.

Das Baby schaut weg.

Ich sehe wieder woanders hin.

Dabei erfasst mich eine Art ehrfürchtiges Staunen.

So geht das also mit der aufeinander abgestimmten Kommunikation.

Ganz mühelos eigentlich.

Wir gehen in Verbindung,

dann lassen wir los,

wir sammeln uns,

damit wir wieder in Verbindung gehen können.

So geht es hin und her.

Schließlich habe ich meinen Kopf abgewendet. Als ich mich umdrehe, ist der Kinderwagen verschwunden, mitsamt dem Baby. Ich habe es nicht gemerkt, ich war so absorbiert von dieser wunderschönen Kommunikationserfahrung.

Ich fühle mich sofort beraubt.

Nichtsdestotrotz hat mich dieses kleine Ereignis noch lange begleitet und erfreut. Selbst jetzt, wo ich es aufschreibe, merke ich, dass sich ein Lächeln von meinem Gesicht auf und im ganzen Körper auszubreiten beginnt … Jedenfalls ein offenbar glücklich gebundenes Kind.

Ganz anders verlief Begegnung 2.

Ich steige in einen Bus und setze mich auf einen Platz, wo mir schräg gegenüber eine junge Mutter sitzt, die ihr Baby auf dem Schoß hält.

Die Mutter hat eine Ausstrahlung, die ich spontan als sorgenvoll empfinde.

Das Baby hat haargenau die gleiche sorgenvolle Ausstrahlung.

Es beobachtet mich mit gerunzelter Stirn. Offenbar bedeutet meine Anwesenheit für das Baby in irgendeiner Form Stress.

Vorsichtig lächele ich das Baby an.

Es lächelt nicht zurück.

Statt dessen intensiviert sich der sorgenvolle Blick.

Ich sehe weg.

Danach probiere ich es noch einmal. Versuche, extra freundlich zu gucken, Liebe in meinen Blick zu legen.

Vergeblich.

Damit kann das Baby gar nichts anfangen.

Es ist ganz offensichtlich, dass ich eher eine Art Bedrohung darstelle.

Ich sehe wieder weg.

Aus dem Augenwinkel beobachte ich die Interaktion der Mutter mit dem Kind.

Die Mutter beugt sich von Zeit zu Zeit zu dem Kind herunter.

Das  Kind reagiert nicht. 

Es tut so, als sei die Mutter gar nicht da.

Nur wenn die Mutter weg guckt, wirft es einen schnellen Blick auf sie.

Hier sind zwei, die sich ständig verpassen.

Die Busfahrt dauert eine ganze Weile. Ich habe Zeit, sie zu beobachten.

Irgendwann holt die Mutter ihr Handy raus, beginnt, auf das Display zu gucken.

Ich spüre, dass die Energie des Babys schwächer wird, dass es sich mehr in sich selbst zurückzieht.

Dies zu sehen und zu spüren, tat mir richtig weh. Dies nun also ist ein Beispiel für – ich weiß gar nicht, wie ich das nennen soll – vielleicht eine Bindung, die nicht funktioniert.

Das Baby ist doch noch so klein, auch wenn es schon sitzen kann.

Irgendwann mag ich es nicht mehr sehen und stehe auf. Das tut mir so leid, das greift mich richtig an. Wahrscheinlich, weil es mich irgendwie an mich erinnert, an meine eigene schwierige Kommunikation mit meiner Mutter, an die schwierigen Voraussetzungen unserer Beziehung. Auch wenn ich ganz viel davon noch mit ihr klären konnte vor ihrem Tod, bleiben dennoch ganz viele Dinge übrig, mit denen ich noch nicht meinen Frieden gemacht habe, die noch unbearbeitet sind.

Mein Verhältnis zu meiner Mutter ist wie eine 7-köpfige Hydra. Wenn ich sieben Köpfe abschlage, wachsen 14 Köpfe nach. Manchmal kommt es mir so vor, als könnte ich niemals zu einem Ende kommen. Aber das stimmt ganz bestimmt nicht … jedenfalls weigere ich mich entschieden, das zu glauben. Mein Weg geht immer vorwärts, auch wenn es in Trippelschritten vorwärts geht und manchmal auch den ein oder anderen Schritt zurück, bleibt die Richtung insgesamt doch bestehen.

Wie ist es Ihnen gegangen beim Lesen dieses Artikels? Denken Sie dran, dass Sie immer klopfen können, wenn Sie von etwas getriggert werden. Ich freue mich über Ihre Kommentare.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

 

Image by Regina Petkovic from Pixabay 

 

Image by Dorothy Loges from Pixabay 

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4 Kommentare

  1. Christiane Kilian

    Liebe Monika, die von Dir beschriebene Wahrnehmungen gefallen mir sehr gut und ich kann Deine Empfindungen mitfühlen.
    Für mich ist es aber sehr schade, dass Du die beiden Beispiele nicht anders herum beschrieben hast. Dann wäre ich mit einem Glücksgefühl aus dem Lesen dieses Beitrages herausgegangen. So aber hängt mir der schale Geschmack des zweiten Beispieles und Deiner Erfahrungen mit Deiner Mutter nach.
    Meine zweite Enkelin ist gerade 10 Monate alt und ich erfreue mich an jedem neuen Video, das ich über sie erhalte. Da werde ich mir jetzt eines anschauen, um wieder ein glückliches Kind in den Kopf zu bekommen.
    Ich wünsche Dir noch viele solcher glücklich machenden Begegnungen mit Kindern!
    Christiane Kilian von paradiesbaum.de

    Antworten
    • Monika Richrath

      Vielen Dank, Christiane. Da habe ich gar nicht drüber nachgedacht, weil sie eben in dieser Reihenfolge aufgetaucht sind. Die Frage, was LeserInnen meines Blogs empfinden sollen beim Lesen ist ja sehr spannend. Vielleicht schreibe ich da mal einen Artikel drüber … aber du hast ja gottseidank ein wunderbares Gegenmittel gegen schalen Beigeschmack 😉

      Liebe Grüße,
      Monika

      Antworten
  2. Eva Babette Seckel

    Dass Babies zurücklächeln,wenn man sie anlächelt,kann ich als permanente Erfahrung in meinem Leben nur bestaetigen.Auch mich berührt das seelisch und körperlich,so,dass mein Herz wirklich aufgeht und weich wird.Diese Unvoreingenommenheit und vollstaendige Akzeptanz des Hier und Jetztes und diese absolut bedingungslose Empfänglichkeit dieses kleinen Wesens faszinieren mich sehr und sie spiegeln mir meinen Mangel und meine Blockaden hierin.Ich spüre förmlich,dass ich diese Reaktionen von Säuglingen auf unser Lächeln brauche und einsauge.Diese andere Erfahrung,dass ein Baby gar nicht auf mein Lächeln anspringt,habe ich echt noch nie gemacht.Seltsamerweise war ich bisjetzt immer in der Lage,Babies zum Lächeln zu bringen.Den Grund dazu habe ich noch nicht erforscht,vielleicht liegt es auch an mir.Ich weiß nur,dass ich noch nicht in der Lage bin,gestressten Familien mit Kindern jegl.Alters lange in die Augen zu sehen.Da sehe ich meine Angstblockade,dass sowas nerven könnte.Das Problem habe ich auch selbst,weshalb ich nun glaube,dass mir diese 2te Erfahrung entgangen ist.Aber dass ein Baby im Hier und Jetzt ist und sich deshalb der Stress der Mutter auf das Kleinkind überträgt,ja davon bin ich absolut überzeugt!

    Antworten
    • Monika Richrath

      Hallo Eva Babette, ich hatte bis dahin auch noch nicht die Erfahrung gemacht, dass ein Baby auch nicht zurücklächeln kann, darum hatte es mich so verstört. Ich kann mit Babies eigentlich supergut … Herzliche Grüße, Monika Richrath

      Antworten

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Richrath EFT Lösung, Besitzer: Monika Richrath (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.
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