Der Sinn des Ganzen

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.  

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3. Mai 2020

Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen dieses Artikels in Stress geraten, klopfen Sie doch einfach beim Lesen Ihre Handkante, wie auf dem Foto gezeigt.

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Eigentlich war ich, seit ich mich erinnern kann, eine eingefleischte Pessimistin. Sozial gestört, depressiv, konnte ich mir gar nicht vorstellen, wie sich das Leben eines optimistischen Menschen anfühlen könnte. Optimistische Menschen hatten für mich irgendwie „einen Hau weg“, die die bittere Realität verleugneten. 

Ich wusste noch nichts darüber,

dass Bewusstsein Realität erschafft.

Grundsätzlich ging ich davon aus, dass am Grunde von allem Traurigkeit ist und Freude nur eine dünne Oberfläche darüber.

So ging das mein ganzes Leben lang, über die frühen Jugend- bis in die mittleren Erwachsenenjahre, wo sich Dinge ganz langsam verschoben und entfalteten. Die Klopfakupressur hatte daran übrigens einen ganz entscheidenden Anteil.

Durch das Klopfen entdeckte ich zum einen das wahre Wesen der Dinge: Dass am Grunde von allem Freude ist und diese Freude von Trauer und Traurigkeit überlagert werden kann. Zum anderen entdeckte ich durch das Klopfen auch, dass ich keine gestörte, depressive Persönlichkeit bin, wie bis dahin angenommen, sondern dass in mir ein überaus fröhlicher, optimistischer Mensch steckt, ja sogar, dass

ich durch und durch Optimistin bin.

Noch eines habe ich seitdem gelernt (ich halte es für eine der wichtigsten Lektionen meines Lebens überhaupt!): dass alles, was mir in meinem Leben widerfährt, einen Sinn für mich hat. Auch wenn ich ihn nicht immer sofort zu erkennen vermag. (Tatsächlich dauert es manchmal sogar Jahre, bis ich sagen kann: gut, dass diese oder jene Sache, die ich mir so sehnlich gewünscht habe, nicht geschehen ist!) Das gilt natürlich auch für schwierige Dinge. Wenn ich z. B. nicht an Fibromyalgie erkrankt wäre, hätte ich vielleicht niemals den Mut gefunden, mich auf in ein Leben zu machen, das mir gemäß ist und mich noch viel, viel länger in Arbeitsstrukturen herumgequält, für die ich weder das psychische, noch das physische Rüstzeug besaß.  Vielleicht hätte es auch sehr viel länger gedauert, bis ich meine Hochsensibilität entdeckt hätte …

Ich will jetzt aber nicht zu weit abschweifen. Für mich sind meine neu (wieder)entdeckte Fröhlichkeit und mein unverbesserlicher Optimismus Meilensteine in meiner Entwicklung, die nicht nur mein ganzes Leben verändert haben, sondern sich immer wieder als äußerst nützlich erweisen, z. B. ganz besonders in der aktuellen Lage.  

Hatte ich mich in den ersten Tagen noch mitreißen lassen von der Berichterstattung in den Medien, habe ich aber sehr schnell gemerkt, dass mir das

sehr viel zusätzlichen Stress

verursacht. Ich fand die den ganzen lieben langen Tag lang zur Verfügung gestellten Informationen nicht wirklich hilfreich, da viel zu widersprüchlich, eher heizen sie die allgemeine Verwirrung an, als dass sie beruhigen. Also habe ich getan, was ich eigentlich immer tue: ich habe aufgehört, die Nachrichten zu gucken. Die wichtigsten Informationen wurden mir sowieso immer persönlich zugetragen.

Ich habe mich natürlich relativ bald gefragt,

was wohl der Sinn dieser Pandemie sein könnte?

Nach ein paar Tagen zuhause, als ich das erste Mal wieder rausging, habe ich unendlich gestaunt über die wunderbare, weiche, leichte Luft. Ich habe mich sofort in dieses neue Element verliebt. Wenn ich mich draußen aufhielt, wurde ich sofort leicht und froh, nur, weil dieses Schöne Neue um mich herum war.

Und natürlich konnte ich so zum ersten Mal ermessen, wie verseucht die Luft also normalerweise sein muss, wenn es jetzt so einen krassen Unterschied im Erleben gibt. Mir scheint, so etwas habe ich noch nie eingeatmet. (Aber ich weiß natürlich nicht, wie es als Kind war, damals gab es ja sehr viel weniger Autos als heute.)

Es ist vielleicht etwas schräg, aber ich habe das Gefühl, dass die Natur durch die schöne Luft für mich viel erreichbarer geworden ist. Jetzt möchte ich draußen sein, nicht nur, weil die Sonne scheint, sondern weil ich mit allem verbunden sein und mich als Teil der Natur erleben möchte …

Diese schöne, neue Luft empfinde ich als ein Geschenk, auch als ein Sinn-Geschenk. Und dann lief auch noch auf Terra X ausgerechnet der Dreiteiler „Anthropozän“, in dem es um die Veränderungen geht, die der Mensch auf der Erde bewirkt (hat). In der Folge „Luft“ erzählt ein Mensch von der Nasa dem Moderator Dirk Steffens, dass jedes Jahr acht Millionen Menschen sterben, deren Tod direkt auf die Luftverschmutzung zurückzuführen ist. Acht Millionen jährlich? Irgendwie kann ich die ganze Corona-Aufregung nicht wirklich verstehen. Da fehlen mir die Relationen, für mich nehmen sich die 200.000 Corona-Toten (zum Zeitpunkt an dem ich diesen Artikel schrieb) weltweit ja fast lächerlich dagegen aus … Ich bin ja keine Wissenschaftlerin, aber es wäre durchaus denkbar, dass die Menschen, die an Corona sterben, sowieso in den acht Millionen enthalten sind, da die Luftverschmutzung sich ja vor allem auf die Atemwege auswirkt.

Eine andere Sache, die ich ebenfalls sehr genossen habe (und ich denke, viele hochsensible Menschen werden mir da zustimmen), ist die Stille auf den Straßen, der reduzierte Verkehr, das fehlende Gewusel …

Auch in mir selbst ist es schlagartig ruhig geworden.

In der letzten Zeit bin ich sehr viel unterwegs gewesen. Jetzt fand ich es sehr wohltuend, viel, viel Zeit in meiner Wohnung zu verbringen und meinen eigenen Raum in aller Ausführlichkeit zu genießen.

Interessanterweise habe ich ganz von alleine, ohne, dass ich es mir irgendwie vorgenommen hätte, einen ruhigeren Gang eingeschlagen. Mir wurde bewusst, wie erschöpft und ruhebedürftig ich im Grunde genommen bin und habe ganz ohne schlechtes Gewissen meinen Blog erstmal auf Eis gelegt und mich weitestgehend aus den sozialen Netzwerken zurückgezogen. Auch das fand ich sehr angenehm. Auch die Ruhe im oder auf dem Computer hat mir gut getan. Ich habe sogar darüber nachgedacht, das Bloggen aufzugeben. Mich aber dagegen entschieden. Ich habe noch so viel vor und so viel zu sagen. Aber vielleicht kommt in absehbarer Zeit nur noch alle zwei Wochen ein neuer Artikel, das habe ich noch nicht entschieden.

Über Whatsapp bekam ich in der Sinnfrage einen kleinen Clip, in dem es darum ging, dass ein Sinn dieser Krise sein könnte, uns an

die Wichtigkeit des menschlichen Kontakts zu erinnern.

Das erscheint mir auch ein sehr guter Sinn zu sein. In der ersten Woche habe ich auf der Straße allen Menschen ins Gesicht gesehen, weil es etwas sehr Kostbares geworden war. Später habe ich begonnen, mehr zu telefonieren und mich auszutauschen …

Jetzt bin ich allerdings ziemlich traurig, die Maßnahmen wurden vor kurzem gelockert und schlagartig war es vorbei mit der guten Luft …

Mittlerweile ist das Tragen von Masken Pflicht und das finde ich wirklich sehr gruselig und verunsichernd. Ich merke, dass jedes Mal, wenn mir ein Mensch mit Maske begegnet, eine ganz archaische Furcht in mir aufsteigt, weil es mir durch die Bedeckung des Mundes schwer fällt, den Menschen einzuschätzen in dem Sinne von „Freund oder Feind“ und grundsätzlich ich das Tragen von Masken mit Terrorismus und Kriminalität in Verbindung bringe …

Wie geht es Ihnen? Welchen Sinn können Sie in dem ganzen entdecken? Wie geht es Ihnen mit der Maskenpflicht? Ich freue mich, wenn Sie mir schreiben und Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Herzlichst, Ihre

Monika Richrath

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Image by Gerd Altmann from Pixabay 

 

 

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6 Kommentare

  1. Peter Schieneman

    Liebe Monika,
    ich habe mich in Ihrem Blog wieder gefunden.
    Ich genoss auch die reine Luft. und das mit den Masken kann ich bestätigen, auch mir flösst es Angst ein. Ich bin ein Mensch der auch sehr stark in den Gesichtern der Menschen schaut, das ist zur Zeit sehr eingeschränkt, was mir Angst bereitet.
    Vielen Dank für den Artikel
    Mit freundlichen Grüßen
    Peter

    Antworten
    • Monika Richrath

      Vielen Dank, Peter, das freut mich. Es ist schön, wenn es anderen Menschen auch so geht … Herzliche Grüße, Monika

      Antworten
  2. Beate Felten-Leidel

    Liebe Monika,

    mit den Masken geht es mir ähnlich. Hoffentlich gewöhne ich mich bald daran, denn das wird uns sicher noch eine Weile erhalten bleiben. Leider bekomme ich darunter auch sehr schnell Stress, wobei ich mir immer klar machen muss, dass meine Reaktion keine Angst, sondern „nur“ Stress durch das Schlechter-Luft-Kriegen ist. Die Symptome sind da leider ziemlich ähnlich, und am ersten Tag mit Maske war ich nahe am Angstanfall durch das klaustrophobische Gefühl. Wenn ich mir sage, dass wir das alles zum gegenseitigen Schutz machen, geht es etwas leichter. Ich habe anfangs viel schreiben können, und es hat mir auch geholfen. Aber dann habe ich gelesen, dass jetzt alle Schriftsteller darüber schreiben und wie nervig das für alle ist, und gleich war bei mir die Blockade da. Gut getan hat mir das nicht. Jetzt geht es mir wieder etwas besser, da ich meine Stimme wiedergefunden habe.

    Liebe Grüße
    Beate

    Antworten
    • Monika Richrath

      Hallo Beate, ich fand es am Anfang auch nervig, dass alle was zur Situation sagen wollten und wollte deswegen lieber still bleiben. Aber die 8 Millionen Luft-Toten verfolgen mich irgendwie. Ich verstehe nicht, warum sich keiner um die zu kümmern scheint so recht …

      Jetzt bin ich aber auch froh, dass ich das Bloggen wieder aufgenommen habe. Das fühlt sich sehr gut an 🙂

      Liebe Grüße, Monika

      Antworten
  3. Wald

    Ja Du konntest Dich verwirklich, mir haben sie in der Pyschrtie gesagt ich hatte den Wahn und wäre verrückt und haben mir mein ganzes Gehirn mit Neurolepiker kaputt gemacht, das Trauma haben sie nicht erkannt..jetzt bin ich total hilflos und auf andere mENSCHEN ANGEWISSEN::UND ICH WOHNE AUCH NOCH SO SCHRECKLICH EINSAM IN oBERDOLLENDORF Und die MAasken kann ich garnicht vertrage, fange darunter an zu schwitzen und bekomme kaum Luft

    Antworten
  4. WALD

    Hallo Monika,
    ich finde die Maskenpflicht schrecklich..Einmal hiess es Vermummungverbot..und jetzt tragen alle Masken und Du hast es erkannt, Niemanden kann man Mimiken sehen..Jetzt haben Verbrecher leichte Beute..weil sie ja Masken tragen..Überhaupt das ganze Drum und Dran mit dem Virus macht mir Angst..eben weil man auch nicht weiss..wer sich schon angesteckt hat..und draf ich jetzt noch umziehen? hABE GELESEN Familienangehöriger dürfen nicht helfen..nur die Umzugsleute und was ist wenn ich dann in die Stadt komme und da ist es noch stiller..und auch alle Geschäfte sind zu und Niemand kümmert sich um mich?..Wäre besser vor 8 Jahren umgezogen..die lassen mich ja garnicht mehr aus der Betreuung heraus..
    hABE DAS kLOPFEN AUCH schon einmal ausprobiert

    Antworten

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