Die Null-Lizenz zum Kreischen

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

1. September 2012

Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen dieses Artikels in Stress geraten, klopfen Sie doch einfach beim Lesen Ihre Handkante, wie auf dem Foto gezeigt.

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Jede Frau, die den Mut hat, ein oder mehrere Kinder groß zu ziehen, hat meine uneingeschränkte Bewunderung - denn ich selbst habe mir diese Aufgabe nie zugetraut.

In diesem Sommer hatte ich die Möglichkeit, die Größe und Ungeheuerlichkeit dieser Aufgabe zumindest für einen kleinen Zeitraum ganz unmittelbar selbst zu erleben: Meine 8jährige Nichte kam für zwei Wochen zu Besuch. Das Experiment war nicht nur von ihrer Seite aus mit vielen Unbekannten versehen (es war ihr erster Urlaub ohne Mama und Papa). Auch ich sah dieser Zeit mit etwas Bangen entgegen. Schließlich trage ich die Null-Lizenz zum Kreischen mit mir herum – was das Zusammensein mit Kindern gelegentlich ziemlich erschwert…

Da wir uns aber sehr mögen, waren wir beide willig, es für 14 Tage miteinander zu probieren. Was soll ich sagen? Es wurde ein großer Erfolg (für uns beide), wir hatten eine wirklich tolle Zeit, die wir sehr genossen haben und die wie im Flug verging. Bevor es wieder nach Hause ging, habe ich ihr versprochen, dass sie von meiner Seite aus im nächsten Jahr wieder kommen kann.

Was mich an dieser Zeit erschüttert hat (so nachhaltig, dass ich immer noch eine Art Nachbeben spüre), ist die (wenn auch kurzfristige) Erfahrung einer Art Mutterschaft. Im Sommer ist ja ohnehin nicht so viel los und ich brauche einmal Urlaub, hatte ich mir gedacht. Und der Plan war, dann abends, wenn das Kind im Bett liegt, mich mit längerfristigen, konzeptionellen Tätigkeiten zu beschäftigen, zu denen ich im Alltagsgeschäft nicht komme. Die Mütter unter ihnen werden jetzt vielleicht schon zu kichern beginnen – denn ich habe nichts, gar NICHTS von dem geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Wenn meine Nichte im Bett war, ihre Gutenachtgeschichte und den Gutenachtkuss bekommen hatte, wollte ich nur noch eines: mich selbst ins Bett legen und ein bisschen lesen, ein klitzekleines bisschen Zeit für mich.

Auch meine Wohnung erfuhr eine sonderbare Metamorphose. Es war mir schon klar, dass der aufgeräumte Zustand meiner Wohnung sich mit einem Kind nicht aufrechterhalten lässt, aber ich war nicht gefasst auf die sonderbare Lethargie, die mich ergriff, wenn ich auf all die kleinen Dinge, sah, die nun überall herumlagen. Im Kopf spukten Gedanken herum wie: „Warum aufräumen? Das hält doch sowieso keine Stunde!“ Also versuchte ich meinen eigenen Raum notdürftig in Ordnung zu halten (weil für mich Unordnung ein großer Reiz darstellt), während der Rest der Wohnung im Chaos versank …

Ich unterhalte mich wirklich gerne mit meiner Nichte. Oft sagt sie sehr schöne und überraschende Sätze, die Dinge von einer anderen Perspektive aus beleuchten. Aber ich war überhaupt nicht darauf gefasst, wie sehr das permanente an-mir-zerren mir zusetzen würde: „Ich will dies!“, „Ich will das!“, „Kann ich ein Eis haben?“ undsoweiterundsofort. Am Ende machte ich Umwege, um gewisse Läden zu vermeiden und bekam Schweißausbrüche, wenn es sich nicht vermeiden ließ … und so wurde ich im Laufe der zwei Wochen immer dünnhäutiger und weniger kooperationsbereit und begann, mich nach Auszeiten zu sehnen, nach Möglichkeiten, einfach wieder ich selbst sein zu können.

Nun ist meine Nichte wieder bei ihren Eltern und ich bin wieder bei mir (im wahrsten Sinne des Wortes) – allerdings setzt mir die leere Wohnung sehr zu … und in mir arbeitet nach wie vor die Erschütterung dieser Erfahrung. Jetzt kann ich (wenigstens ansatzweise) ermessen, wie es anderen Müttern geht, vor allen Dingen hochsensiblen Müttern. Sehr viele von ihnen sind übrigens alleinerziehend – jedenfalls habe ich in der letzten Zeit nur solche kennengelernt. Wie machen sie das bloß?

Ich hatte ja zumindest noch den Vorteil, alles andere einfach zurückstellen und mich ganz auf meinen Besuch konzentrieren zu können. Ein Alltag mit Kindern sieht sicherlich anders aus und ist geprägt von vielen äußeren Vorgaben und Notwendigkeiten. Meine Nichte alleine kreischt übrigens kaum – aber die Gegenwart anderer Kinder artet dann doch häufig in Gekreische aus und andauernd gibt es Zankereien und Streit. Auch das muss ausgehalten werden. Ständig und andauernd müssen Entscheidungen getroffen werden …

Ein ganz neues Licht werfe ich auch auf meine eigene Mutter. Sie hat fünf Kinder alleine groß gezogen … und ich kann nicht aufhören mich zu wundern und zu fragen, wie sie das wohl angestellt hat mit fünf Kindern und Nachtschichten für Liegengebliebenes … und vor allen Dingen ohne viel Zeit für sich selbst.

Nun sind Sie gefragt, liebe hochsensible Mütter. Erzählen Sie uns von Ihrem Leben: Wie managen Sie Ihren Alltag? Wie kommen Sie klar? Stehlen Sie sich Auszeiten oder leben Sie ganz und gar ohne? Unternehmen Sie konkret etwas gegen Stress? Haben Sie Hilfe bei der Betreuung? Haben Sie vielleicht Tipps für andere Mütter?

Ich freue mich auf Ihre Antworten!

Herzlichst,

Ihre Monika Richrath

 

Bild von Kranich17 auf Pixabay 

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3 Kommentare

  1. Marion

    Liebe Monika,

    wenn eine Mutter von jetzt auf gleich mit der Situation, in die du dich selbst gebracht hast, konfrontiert werden würde, bin ich überzeugt, gäbe es nicht mehr wirklich viele Mütter. 😉 So aber wachsen wir in das Mutter sein hinein und mit jedem Alter des Kindes, reifen wir ein Stück weit mit. Wir werden gelassener und lernen Konsequenz und Durchhaltevermögen – auch uns selbst gegenüber – vor allem aber, dem Kind Frustrationsmomente aushalten lernen. Denn nur so wird es dem Leben die Stirn bieten können bzw. überhaupt erst bestehen können.

    Auch Hochsensible können lernen sich abzugrenzen und selbst wichtig zu nehmen bzw. ist aus meiner persönlichen Erfahrung gerade das für uns HSP äußerst wichtig. Sich nicht klein zu machen oder als nicht normal zu betrachten, sondern diese Hochsensibilität positiv nutzen. Denn wer kann schon die Flöhe husten hören oder das Gras wachsen ???

    Wenn ich heute die Kinder meiner Freundinnen erlebe, sehe ich mich selbst auch überfordert, weil ich der Kleinkindmutter längst entwachsen bin.

    So hat eben alles im Leben seine Zeit.

    Liebe Grüße
    Marion

    Antworten
  2. Antje Heyer

    Liebe Monika,
    Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich mir das Elternsein zu 50% mit meinem tollen (auch hochsensiblen) Mann und Papa teilen kann. So finden wir beide Zeit für uns (Lesen, Badewanne, …) und haben auch Zeit „draußen“ (bei der Arbeit, mit Freunden, mit unserem Hund). Als hochsensible Mama oder Papa alleinerziehend oder Vollzeitelternteil mit einem Alleinverdiener zu sein, stelle ich mir auch sehr herausfordernd vor und bin gespannt auf die Erfahrungen von anderen.

    Antworten
    • Monika Richrath

      Ja, liebe Mamas und Papas, ran an die Tasten 🙂 Ich höre meistens von Überforderung … :-/

      Antworten

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