Hasenherz und Sorgenketten – Eine Rezension

Kreativität bezwingt die Angst

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

15. Januar 2017

Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen dieses Artikels in Stress geraten, klopfen Sie doch einfach beim Lesen Ihre Handkante, wie auf dem Foto gezeigt.

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Als ehemalige Angstpatientin habe ich mich ganz besonders auf das Lesen des Buches „Hasenherz und Sorgenketten - Mein Leben mit der Angst“ von Beate Felten-Leidel gefreut. Schon ihr Buch über Hochsensibilität „Von wegen Mimose“ hatte mir wegen des überwältigenden Humors besonders gut gefallen.

Nun, Hasenherz und Sorgenketten gefällt mir noch besser. Es liegt zum einen am Thema selbst. Hochsensible Menschen nehmen Reize besonders schnell auf und tun sich schwerer damit, sie wieder loszulassen.

Das macht sie natürlich besonders anfällig für Ängste und Sorgen

So konkret, ausführlich und direkt wird sich nicht mit Ängsten beschäftigt in der Literatur, in der es um das Thema Hochsensibilität geht. Für mich zeichnet sich der außergewöhnliche Mut der Autorin darin aus, diese Ängste und Sorgen öffentlich zu machen, nicht vage und beschreibend zu bleiben wie die meisten anderen AutorInnen zum Thema, sondern statt dessen genau hinzusehen: um welche Ängste handelt es sich? Wie sind sie entstanden? Was kann ich unternehmen um sie loszuwerden?

Sie tut das auf die ihr eigene humorvolle Weise

die sehr persönlich ist, aber niemals weinerlich oder anklagend oder sonstwie entgleisend. Gegen Ende beschreibt sie ihre Ängste im Hinblick auf die Veröffentlichung dieses Buches, welche Horrorvorstellungen sie im voraus schon plagten – nur  bei der Vorstellung einen Anruf bei einem Verlag zu tätigen. In ihrer Vorstellung sagt die Verlagsleiterin abfällig zu ihr „Wir sind ein Fachverlag, wir machen keine Betroffenheitsliteratur.“ Ich war richtig ein wenig verdattert. Ich wüsste kein Wort, was weniger zu diesem Buch passen würde – zumal ich selbst schon tonnenweise Betroffenheitsliteratur verschlungen habe. Beate Felten-Leidel würde ich einfach nicht dazu zählen. Sie hat diese ganz besondere Gabe über sich selbst zu schreiben, aber beim Schreiben gleichzeitig einen Schritt von sich selbst zurück zu machen - so dass ich mich als Leserin zu keinem Zeitpunkt bedrängt gefühlt habe von ihren Sorgen und Ängsten – im Gegenteil, die Distanz der Autorin lässt mir Raum für eigene Gedanken und Erfahrungen.

Ich wünschte, ich hätte dieses Buch schon vor 30 Jahren lesen können

Die bleiche Schwester - das ängstliche Alter Ego der hochsensiblen Autorin

Da ich selbst über einen langen Zeitraum mit einer richtigen Angststörung Angstpatientin war, kenne ich alle von der Autorin beschriebenen Phänomene nur allzu gut, angefangen von einer allgemeinen Ängstlichkeit, über den Hang zu Kopfkino bis hin zu handfesten Panikattacken mit Todesangst. Dieses Buch hätte mir sicher geholfen. Vor allen Dingen, weil es Normalität vermittelt. Mit meinem Wissen heute über Hochsensibilität kann ich sagen, ja, natürlich haben wir als hochsensible Menschen häufig einen besonderen Hang zu Ängstlichkeit und Kopfkino. Heute wissen wir aber viel mehr als 1980 oder 1990. Heute wäre ich diesen Dingen nicht mehr so ausgeliefert. Aber alleine das Gefühl, mich in gewissem Rahmen in einer Normalität zu bewegen, fand ich hilfreich – auch wenn es nicht die Normalität „aller“ ist.

Man kann etwas gegen Ängste tun

Beate Felten-Leidel erzählt und beschreibt, was sie unternommen hat und unternimmt, um Sorgenkobolde und Dämonen zu bezwingen und aufzulösen. Vieles davon können Sie selbst auch ausprobieren. Man ist auch als  hochsensibler Mensch nicht gezwungen, seinen Ängsten ausgeliefert zu bleiben - aber man muss aktiv etwas unternehmen. Am meisten beeindruckt hat mich der beschriebene Entwicklungsprozess im Kampf gegen die Angst, bei der sich die Kreativität und Phantasie als die stärksten Waffen erweisen – wofür das von der Autorin selbst gemalte Beitragsbild ein wunderbares Beispiel ist. Netterweise war Frau Felten-Leidel bereit, mir das Bild zur Verfügung zu stellen.

Emotionale Heimat

Was ich ganz besonders an dieser Autorin schätze, ist, dass ich mich mit ihren Büchern so wohl fühle. Es mag am Alter liegen oder an einem ähnlichen emotionalen Erfahrungshintergrund, aber wenn Beate Felten-Leidel über sich selbst schreibt, fühle ich mich einfach zuhause. Ich kenne keineN andereN AutorIn, der/die mir ein ähnliches Gefühl vermittelt …

In diesem Sinne wünsche ich diesem Buch sehr viele LeserInnen – mich hat es inspiriert, das Thema Ängste demnächst mal in einem Blogbeitrag aufzugreifen.

Leiden Sie auch unter Ängsten und Sorgenketten?  Ich freue mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Bis bald! Herzlichst, Ihre
Monika Richrath

Hasenherz und Sorgenketten - Mein Leben mit der Angst
Beate Felten-Leidel
Psychiatrie Verlag, Köln
ISBN 978-3-86739-074-314,95 EUR

Bild: Beate Felten-Leidel

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