Ich bin vollkommen fremd hier

die meisten hochsensiblen fühlen sich häufig allein

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

11. August 2019

Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen dieses Artikels in Stress geraten, klopfen Sie doch einfach beim Lesen Ihre Handkante, wie auf dem Foto gezeigt.

Sie wollen mehr wissen über das Klopfen und seine Wirkung? Schreiben Sie sich hier in meinen kostenlosen E-Mail Kurs ein und lernen Sie die Basics der Klopfakupressur.

Das Gefühl „fremd zu sein“ kennen die meisten hochsensiblen Menschen nur zu gut, bzw. begleitet viele HSP eine mehr oder weniger lange Zeit in ihrem Leben.

Das „sich fremd fühlen“ hat sehr viele unterschiedliche Aspekte, die mal mehr, mal weniger wichtig sein können.

Mein Gefühl nicht zur Gesellschaft zu gehören, ja irgendwie ein Alien zu sein, hat mich sogar den Großteil meines Lebens begleitet, aber ich habe es erfolgreich mit dem Satz „Ich bin anders“ mit der Klopfakupressur bearbeitet und hinter mir gelassen. In letzter Zeit gewinnt das Thema jedoch wieder zunehmend an Aktualität für mich. Im Zuge der

großen Transformation

wird nach und nach jeder Bereich meines Lebens von Veränderungen erfasst. In meinen jüngeren Jahren war ich Mitglied eines lesbischen Zeitungskollektivs. Manchmal haben wir höchst interessante intellektuelle Überlegungen angestellt. Eines Tages ging es darum, wer kann wohin gehen und wer fällt dann wie auf? Das war sehr spannend. Über mich wurde damals gesagt:

ich könne überall hingehen, aber ich fiele überall auf.

Ersteres hat mich sehr gefreut, weil es einfach auch stimmt. Ich bin eine Grenzgängerin, ich finde auch Themen und Dinge interessant, die für andere Menschen vollkommen abwegig sind. Aber dass ich überall auffallen werde, war weniger schön. Nicht nur, weil ich die Erfahrung selbst schon häufig gemacht hatte.

Es bedeutet ja im Grunde genommen, dass ich nirgendwo hin passe. (Das war ja alles noch vor dem Bekanntwerden von Hochsensibilität, aber mein hochsensibler Bewusstseinsprozess ist ganz eng damit verknüpft, denn einer der Schritte in diesem Prozess war, dass ich herausgefunden habe, dass ich als idealistische Heilerin zu einer Bevölkerungsgruppe gehöre, die die kleinste überhaupt ist: nur 2 % sollen zu diesem Menschentyp gehören. Was letztendlich bedeutet, dass mein Gefühl, dass ich ganz anders bin als die anderen eine wahre Ursache hat: ich bin tatsächlich anders!)

Es gab übrigens auch ein Kollektivmitglied, das ebenfalls überall hin gehen konnte, aber nicht auffiel. Dies ist umso erstaunlicher, weil sie mit ihren kurzen roten Haaren eine sehr auffällige Erscheinung war. Aber sie besaß die magische Fähigkeit, sich sofort in jede Gruppe zu integrieren. Mir war diese magische Fähigkeit nicht gegeben, damals, als ich 25 war, nicht und heute, mehr als 30 Jahre später, immer noch nicht. (Wobei sich hier natürlich sehr viel getan hat, es kommt sehr viel darauf an, mit wem ich zusammen bin usw. In meinen Seminaren stelle ich mir diese Frage natürlich auch nicht.)

In letzter Zeit habe ich oft an unsere Überlegungen gedacht. Weil

die Frage, ob ich hier eigentlich richtig bin,

immer drängender und auch immer wichtiger wird.

Es begann damit,

dass ich mir vorgenommen habe, mehr zu tanzen und mich auf die Suche nach Tanzmöglichkeiten abseits von Clubs zu begeben. Diese habe ich sehr schnell gefunden, z. B. als Barfußtanzdisco oder Tanzmeditation in meiner Stadt.

Anfangs war ich total begeistert, aber nur solange, bis ich tatsächlich dort hinging. Lauter schlanke junge Frauen im Hippielook mit Haaren bis zum Hintern. Schneller, als ich denken konnte, stülpte sich dieses Gefühl von Fremdsein über mich. Keineswegs war jemand direkt zu mir unfreundlich oder etwas Ähnliches.

Natürlich ist es blöde, Menschen nur nach ihrem Äußeren zu beurteilen, das weiß ich selbst. Vielleicht trifft es den Kern der Sache eher, wenn ich sage, da ist eine relativ homogen aussehende Gruppe und ich komme dazu und passe schon rein äußerlich nicht.

Dieses Gefühl verstärkt sich sofort um ein Vielfaches, wenn ich merke, dass die Gruppenmitglieder sich untereinander schon kennen und einiges miteinander teilen. Es ist schon klar, dass ich selbst der treibende Motor bin,

ich grenze mich selbst aus,

weil es dieses fremde Gefühl gibt und weil ich es nicht aushalten kann, dass sich niemand für mich interessiert. Dass es egal ist, ob ich da bin oder nicht.

Das triggert mich auf einer sehr existentiellen Ebene.

Das ist Stress pur. Sehr, sehr lange, habe ich mich in solchen Situationen in mich selbst zurückgezogen (ich bin sicher, die meisten von ihnen werden wissen, was ich damit meine). Dieses Verhalten habe ich zwar schon längst abgelegt, aber die auslösenden Situationen geschehen natürlich trotzdem.

Heute flüchte ich mich nicht mehr in mich selbst, ich bin auch nicht mehr ganz so gestresst (jedenfalls nicht wissentlich), ich stürze auch nicht sofort davon, ich habe dann aber keine Lust, wiederzukommen. Das war aber erst der Anfang.

In der letzten Zeit ist Spiritualität für mich immer wichtiger geworden. Nicht nur, weil ich Andreas Goldemann entdeckt habe. (Dem Himmel sei dank!) Ich habe mich auch schon vorher intensiv mit spirituellen Themen beschäftigt (das kann man auch sehr gut auf bodenständige Art und Weise tun!), mein Bedürfnis mich darüber auszutauschen, wächst aber beständig. Genauso wie das Bedürfnis,

verschiedene Teile meines Lebens mehr zusammenzubringen,

statt sie irgendwie getrennt zu halten (wobei ich das nicht absichtlich tue, das ergibt sich einfach so). Ich empfinde es z. B. eher als schwierig, mit anderen lesbischen Frauen über Spiritualität zu reden, da geht es eher um Politik, Gesellschaft, Fußball oder Musik.

Kürzlich hatte ich ganz enthusiastisch und ein bisschen provokativ verkündet, dass ich einen „ganz tollen Mann“ kennengelernt habe (wovon natürlich nicht wirklich die Rede sein kann, da ich mir ja nur Videos angucke und das Vergnügen also sehr einseitig ist). Aber ich hatte das Gefühl, das kommt so was von nicht gut an, dass ich den Mund wieder zugemacht habe.

Umgekehrt scheue ich mich, mit spirituellen Bekannten über das zu reden, was ich mit anderen lesbischen Frauen erlebe. Ich bin natürlich geoutet, das ist gar nicht das Ding. Und ich weiß natürlich auch, dass es vollkommen egal ist, ob man eine Erfahrung mit einem Mann oder einer Frau macht, weil es die Erfahrung ist, die letzten Endes zählt. Trotzdem fühlt sich das nicht richtig an.

Und ich wünsche mir Austausch mit anderen lesbischen Coaches und das ist schwierig, weil es fast unmöglich ist, es herauszufinden, ob jemand lesbisch ist oder anderweitig sexuell orientiert, heute ist das scheinbar nicht mehr so wichtig und das ist eigentlich ja auch sehr gut – grundsätzlich. Ich habe sogar schon überlegt, eine entsprechende Gruppe bei fb aufzumachen, aber das fühlt sich auch nicht richtig an, denn ich möchte ja keine beruflichen Themen besprechen.

Letzten Endes möchte ich einfach mehr mit Menschen zusammen sein,

deren Lebens- und Erfahrungshintergrund meinem ähnlich ist.

Es gibt nur eine verschwindend kleine Anzahl von Menschen, mit denen ich wirklich über ALLES sprechen kann. Das finde ich so schön und kostbar.

So kommt es, dass ich mich, wenn ich mit Menschen zusammen bin (auch solchen, die ich schon zum Teil ganz lange kenne), immer öfter frage:

Bin ich hier eigentlich richtig?

Was verbindet mich mit diesen Menschen? Fühle ich mich hier eigentlich zu Hause? Fühl ich mich wohl, wenn ich mit diesen Menschen zusammen bin?

Und ist es nicht ziemlich schräg, dass wildfremde Menschen sich mehr für das interessieren, was ich mache, als die Menschen, die ich zum Teil schon sehr lange kenne? Und so hat, sehr langsam und schleichend

eine Erschütterung meines sozialen Umfelds stattgefunden.

Meine Erde bebt immer noch. Und wie es scheint, wird sie so schnell auch nicht aufhören zu beben. Manche Menschen werden von den Spalten, die sich auftun, verschluckt, andere werden ausgespuckt und fallen mir vor die Füße …

Puh, dieser Beitrag war ein sehr, sehr schwerer Brocken Erkenntnisarbeit für mich. Zum einen ist es ein bisschen wie eine Art Coming-Out. Zum anderen sind dabei durchaus teilweise auch Ängste und ein schlechtes Gewissen erschienen, weil ich einige meiner Gedanken selbst abgelehnt habe, bzw. sie gar nicht in mein Wertesystem passen (wie zum Beispiel Menschen aufgrund ihres Äußeren abzulehnen, das finde ich grauenvoll und eigentlich unverzeihlich). Aber ich bin froh, dass ich meine ziemlich wirren Gedanken und Empfindungen in eine Ordnung gebracht und herausgefunden habe, was ich eigentlich wirklich möchte.

Nun fühle ich mich wie ein Auto, das durch eine Waschanlage geschickt wurde. Während des Waschvorgangs wurde ich ziemlich durchgerüttelt und kräftig bearbeitet, aber am Ende komme ich (irgendwie gereinigt) mit frischer Energie wieder zum Vorschein.

Wie sind Ihre Erfahrungen zum Thema „sich fremd fühlen“? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Von Herzen, Ihre Monika Richrath

Bild von Ronile auf Pixabay

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7 Kommentare

  1. B.v.Wysiecki

    Whow!!! 🙂 herzBeste Monika Richrath 😀 da zieh ich echt den Hut!!!.SO offen!! SOOOOH auf den Punkt gebracht…
    da hockte ich grad mit GanzKörperGänseHaut vor der ‚Kiste‘ beim Lesen Ihres Artikels :-)))!!!
    …auch wenn wir sicher nicht in ‚allenPunkten gleich ticken’erreichen mich Ihre Worte/ ‚Berichte‘ / Erkenntnisse doch auf eine SEHR direkte, unvergleichliche Art&Weise!!!…
    Ich bin SOOOOHH DANKbar, dass es SIE!!!:-D gibt…
    …Sie auf so wunderbare Weise mein Leben& meinen WegDesErkenneDichSelbst berreichern ….
    von GANZEM Herzen ALLES nur erdenklich Liebe&Gute für SIE !!!
    mit HerzensGrüßen von brivonWy. :-*

    Antworten
    • Monika Richrath

      Liebe brivonWy, oh Danke, da kamen mir gleich die Tränen, als ich Ihren Kommentar gelesen habe. Aber ich bin sehr froh, dass ich mich aufgerafft habe, das, was mich im Augenblick sehr umtreibt, in Worte zu fassen. Und dass es andere Menschen gibt, die genau wissen, wovon ich spreche.

      Lesbisch oder nicht, ist eigentlich ja nicht so wichtig, man kann es durch irgendeine andere Eigenschaft ersetzen, die irgendwie vom Mainstream abweicht … Liebe Grüße, Monika Richrath

      Antworten
  2. Herta

    Liebe Monika, ja, das mit dem Fremdsein kenne ich nur zu gut, dass man in einer Gruppe, auch wenn es eine spirituelle Gruppe ist, z.B. Yoga oder Meditation, Tanz oder eine politische Gruppe etc. ist, einfach nicht dazu gehört. Ich fragte mich dann immer, ob es daran liegt, dass ich anders bin oder ob diese Gruppe unter sich bleiben will und gar keine Neuen möchte und wenn Neue, nur solche, die ins Konzept passen. Letzteres bewahrheitet sich dann meistens. Ich passte bei denen nicht in ihr Konzept oder störte dies sogar, obwohl ich weder etwas machte oder sagte, was störend sein konnte. Meine bloße Anwesenheit und Ausstrahlung oder mein vielleicht etwas wacher oder kritischer Blick gab schon Anlass, sich unwohl oder entlarvt zu fühlen. Ich hatte öfter den Eindruck, dass die Menschen gar nicht das lebten, was sie vorgaben zu leben, es stand zwar xy drauf, war aber was ganz anderes drin, dies musste ich nicht mühsam herausfinden, sondern das merkte ich auf Grund der HS sehr schnell und die anderen merkten schnell, dass ich es merkte. Eine Resonanz war dann nicht da oder eben eine negative, was mich bewegte, mich zurückzuziehen. Lesbisch war ich noch nie, aber ich habe eine andere Eigenart. Schon ganz früh , so mit 3 J. lehnte ich es bereits ab mit Mädchenspielzeug zu spielen, Puppen zu kämmen oder sie spazieren zu fahren. Ich wollte typisches Spielzeug für Jungen, aber bekam es nie. Dadurch entstand viel Frust und ich warf die Puppen weg oder vergrub sie im Garten. Gern wäre ich als Junge geboren worden. Mit Jungen spielte ich aber nie, konnte ich schlecht, da ich HS war und gar nicht robuSt und interessierte mich auch nicht für Fußball etc. , aber ich zog gern Sachen an, die nicht typisch für Mädchen waren. Sonntagskleidchen anziehen hasste ich … und wurde von den Eltern bestraft, wenn ich nicht spurte. Gottlob fand ich nach vielen leidvollen Erfahrungen später eine Freundin, die wie ein Junge war, sie machte viel Sport und kleidete sich wie ein Junge, war zäh, ausdauernd, einfach männlich. Mit ihr verstand ich mich gut, aber sie war auch anders als andere, Querdenkerin, sehr kreativ, impulsiv.Ich war eher die Ruhige, aber mit ihr taute ich auf und wurde lebhafter. Wir waren wie eine zusammengeschweißte Einheit. Aber als sie dann einrn festen Freund hatte und ich 1 Jahr spärer auch , war unsere Freundschaft nicht mehr so innig, gefestigt und stark, es bröckelte langsam immer mehr ab. Sie war sicher auch in irgendeiner Form HSP. Damals kannte natürlich keiner diesen Begriff. Sie ist heute immer noch anders, obwohl sie versuchte, sich zu verbiegen und anzupassen. Sie wurde dadurch aber krank und ihre Ehe scheiterte. Sie ist in verschiedenen Gruppen aktiv und fällt weniger auf als früher, pasSt sich immer noch enorm an, aber man sieht ihr an, dass sie nicht glücklich ist.Sie hat so viele Talente, aber lebt sie nicht aus. Das finde ich sehr schade.Bei mir ist es auch so, auch ich passte mich an die Gesellschaft an, jedoch ging das nicht lange gut, der Körper rebellierte und zeigte mir, dass ich meine Seelenmission finden und leben und mich nicht mehr verbiegen solle. Aber die äußeren Umstände waren dann meist so, dass ich gar keine Zeit hatte mich derart mit mir selbst zu beschäftigen, wie ich es gern wollte, es gab kaum Zeit für Kreativität und Selbstentfaltung, immer andere Verpflichtungen oder auch Krankheit, Pflege von Angehörigen etc… immer zu viele Dinge zu tun oder Probleme mit dem Partner, denn einerseits war ich burschikos und geradeaus wie ein Mann , andererseits aber angepasst und das typische Weibchen, welches für den Mann alles tun will und sich selbst dabei gern aufgibt. Jetzt ist es so, dass ich mir die Zeit nehme zu lesen, Videos zu schauen, an Seminaren und Webinaren teilzunehmen, Yoga zu praktizieren, aber das ist nur ein Anfang. Bin gerade in der Phase herauszufinden, wie ich mein Anderssein und HS so einsetzen kann, dass es anderen einen Mehrwert bringt und mich vielleicht bald finanziell frei macht, so dass ich endlich einigermaßen gut oder sogar gut leben kann. Dazu braucht man jedoch Unterstützung und ich finde es nicht so leicht, als HSP Unterstützung zu finden. Ich wünsche mir echten und fruchtbaren Kontakt zu anderen HSP um sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen, dass jeder dem anderen unter die Arme greift, aber ohne es gleich als Hochpreiscoaching anzubieten, just friends, mal ohne Geld, vielleicht im Tausch von Talenten oder Dingen. Mir fehlt es an echten Alternativen zu Geld, bei manche Tauschbörsen habe ich das Gefühl, ich bin da falsch, weil gar nicht wirklich getauscht wird. Wünsche mir funktionierende HSP Netzwerke mit wirklich achtsamen, hs Menschen, die auch das leben, von dem sie sprechen, die auch Interesse an echten Treffen haben oder gemeinsam einen Kurz- Urlaub machen, gemeinsam malen, Lyrik schreiben, tanzen oder singen, ohne dass es ein Workshop ist oder ein Seminar. Das heißt
    Nicht, dass man nicht auch Seminare oder Coaching später anbieten könnte, aber freie ungezwungene Treffen fände ich in jedem Fall toll, Kontakte, Freundschaften, Partner oder auch Business Partner finden einfach so, völlig frei und ohne große Erwartungen, einfach die Energie fließen lassen und schauen, was kommt, was sich ergibt, wo, wie, mit wem und wann man gemeinsam schwingt. Weiß aber nicht, wo es in Thüringen oder Bayern so etwas geben könnte. Vielleicht lesen dies ja Menschen , die ähnlich denken. LG

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    • Monika Richrath

      Vielen Dank, liebe Herta. Gucken Sie doch bitte mal beim Informations- und Forschungsverband Hochsensibilität auf die Webseite: https://www.hochsensibel.org/, dort gibt es Kontakte vor Ort, vielleicht ja auch bei Ihnen in der Nähe und falls nicht, machen Sie doch ein Netzwerk auf … Herzliche Grüße, Monika Richrath

      Antworten
    • Annette

      Hi Herta,
      du sprichst mir so aus der Seele. Der ganze lange Kommentar haette fast eins su eins von mir sein koennen!
      Ich wuensche mir auch Austausch mit Gleichgesinnten, und da bei mir in der Gegend nichts gibt, denke ich schon seit geraumer Zeit darueber nach, selbst was anzustossen (wenn ich nicht sooooooooooo ausgelaugt waere durch meine Lebensumstaende). Und auf der anderen Seite denke ich, dass sich mit Gleichgesinnten treffen einem ja auch total viel Energie geben koennte statt einfach nur noch mehr auszulaugen.

      Antworten
  3. Bracke Claudia

    Ich steck in einem lebenslänglichen konflikt, weil ich auch nirgendswohin passe. Hochsensibel mit einer Grösse von 1,93m . Ich steh eigentlich IMMER in Menschengruppen aussen vor und geh deshalb NIE irgendwohin. Ich hab allerdings für mich meinen Weg und meinen Frieden dennoch gefunden. In der Natur und meiner Arbeit mit Tieren. Sie sind vorurteilsfrei und nehmen mich wie ich bin. Ich hab ein gutes soziales Umfeld und dennoch würd ich nicht einmal mit meiner Freundin einen Tanzkurs besuchen. In dem Moment in dem ich einen Raum betrete steh ich im Fokus und ich will nur noch unsichtbar sein…

    Antworten
  4. Johanna

    Den Vergleich: „Nun fühle ich mich wie ein Auto, das durch eine Waschanlage geschickt wurde. Während des Waschvorgangs wurde ich ziemlich durchgerüttelt und kräftig bearbeitet, aber am Ende komme ich (irgendwie gereinigt) mit frischer Energie wieder zum Vorschein.“ – den finde ich richtig gut. Und ich glaube, ab und an braucht es im Leben einfach diesen Gang durch die „persönliche Waschanlage“, auch, um sich von „Verschmutzungen“ und Belag befreien und säubern zu können, der von aussen an einen herangetragen wurde. Befreien von Vorurteilen, Abgestempelt worden zu sein, wie auch eigenen überholten Glaubenssätzen.
    Und oftmals kommt nach so einem Waschgang wieder eine blitzblanke, schimmernde, ganz schöne Oberfläche zum Leuchten, verweist auf unser tatsächliches Innere und dieses schöne Sosein, wie wir, wie derjenige eben ist und für sich richtig und liebenswert ist.

    Ich mag den Vergleich sich selbst ab und an wie ein Kaleidoskop zu erleben, durchgeschüttelt zu werden vom Leben, von Situationen, die deswegen ja nicht immer negativ und schmerzvoll erlebt werden müssen, aber eben zu sehen und zu erleben, wie sich die Puzzlesteinchen und Prismen, das was einen ausmacht, neu ordnen, zu neuen Formen und Mustern und man aus dem Staunen fast nicht rauskommt, was da noch alles so in einem schlummert, was da ist und einen ausmacht.

    Die meisten Bedenken finden in unseren eigenen Köpfen statt. Was andere denken könnten, wenn… Insofern meine ich, steht sich letztlich jeder erst Mal selbst mit seinen eigenen „Wenn“ und „Aber´s“ und „Was wäre, wenn…“ im Weg. Und letztlich lässt sich das letztlich doch nur auf die persönliche Befürchtung und Ängste zurückführen, so, wie jemand in seinem Wesen eben ist, von anderen nicht angenommen zu werden, nicht gemocht, als nicht liebenswert erachtet zu werden – oder schlimmer noch: ausgegrenzt, abgelehnt, der Lächerlichkeit preisgegeben, abgewertet zu werden. Auf all das laufen gewisse Ängste doch hinaus und sind diese die eigentliche Wurzel der Angst, dass ein Mensch glaubt, aufgrund seines Wesens, seiner Natur, seines Soseins abgelehnt zu werden, aufgrund der Vorurteile anderer.

    Ein lebenslänglicher Konflikt, weil nirgendwo hinzupassen, wie von Claudia Bracke geschrieben, beruht meines Erachtens letztlich darauf, irgendwohin passen zu wollen, irgendwo sich zugehörig und von anderen angenommen zu fühlen. Warum ist das so wichtig, was andere denken, ob andere einen annehmen oder nicht und warum „verbiegen“ sich so viele Menschen, nehmen grosses Leid auf sich, nur um von anderen Menschen gemocht zu werden? Wichtig ist doch in erster Linie, dass jemand sich selbst mag, als liebenswert empfindet und für sich erkennt, dass dieses „liebenswert“ nicht von Äusserlichkeiten abhängig ist.
    völlig unerheblich ist, ob ein Mensch nun körperlich hochgewachsen, als Frau 1,93 m gross ist oder aber wie ich, eher der Gattung der Zwerge zugeordnet werden könnte 😉 Liebe Claudia Bracke, freu Dich darüber, dass Du so hoch hinaus gewachsen bist, immer sofort die grosse Übersicht hast und versuche vielleicht nicht jedesmal, wenn Du alle Blicke auf Dich siehst darin Ablehnung, Ausgrenzung, was Negatives zu empfinden. Ich kann nur für mich selbst sprechen, als gerade mal 1,58 m hoch gewachsene Frau, dass ich grosse Frauen immer mit einer gewissen Bewunderung betrachte und mir denke: „Wow, was muss das für ein tolles Gefühl sein, immer alles so grosszügig überblicken zu können, nicht jedes Mal ne Leiter oder einen Schemel zu benötigen, wenn man oben im Regal oder Schrank etwas hervorholen möchte und Frauen mit langen Beinen einfach ein toller ästhetischer Anblick sind!“ Aber letztlich ist die Körpergrösse genau so wie die sexuelle Präferenz, Hautfarbe oder Rasse eines Menschen doch zweitrangig, wenn überhaupt, nicht das ist, was einen Menschen in seinem ureigentlichen Wesen ausmacht, es viel viel mehr ist, was einen Menschen wertvoll und liebenswert erscheinen lässt.

    Die Vielfalt der Menschen ist so gross, wie es Menschen auf dieser Welt gibt. Warum also everybody´s Darling sein wollen? Sich zu gewissen Gruppen zugehörig fühlen? Wichtig ist doch in erster Linie sich selbst und dem eigenen Sosein zugehörig zu fühlen, die eigene Richtigkeit für sich zu empfinden, genau so zu sein, wie man eben gedacht war.
    Das würde doch immer und in jedem Fall auch bedeuten, sich nicht „verstellen“ zu müssen, nicht einen Menschen vorzugeben, von dem geglaubt wird, dass er so gemocht und so als liebenswert empfunden wird vom jeweiligen Gegenüber.
    Niemand muss so oder so sein, wie andere sich das vorstellen!
    Wir wurden als Individuen geboren, als Menschen und nicht als Chamäleon. Ich glaube, dass es das Wichtigste im Leben ist, sich dahingehend zu entwickeln, mehr und bewusst zu werde, zu sich und seinem individuellen Sosein und Wesen zu stehen, sich weiter zu entwickeln, den eigenen Horizont zu erweitern, sich anderen Ansicht nicht von vornherein zu verschliessen, aber letztlich auch sich selbst treu zu bleiben, ganz egal, wie oder was andere denken, für sich zu erkennen, tief in uns drin, dass jeder Einzelne von uns, so wie er ist, richtig ist und so gemeint war, wie er ist und weiter wird.

    Oft wird beklagt, dass andere Menschen nicht vorurteilsfrei sein würden. Wenn man aber mal genauer hin schaut und sich dabei selbst einbezieht, wird man feststellen, dass Vorurteilsfreiheit in erster Linie auch bei uns selbst beginnt. Vorurteilsfrei zu sein, was andere denken könnten. Nicht glauben zu wissen, was andere denken. Gleichgültig zu werden im positiven Sinne, nämlich das wir uns selbst und andere uns als gleich-gültig wahrnehmen.

    Offen gesagt, ich habe nie verstanden, warum Menschen nach deren sexuellen Präferenzen beurteilt werden, wie ich es sowieso als unangebracht empfinde überhaupt andere beurteilen oder noch schlimmer verurteilen zu wollen, weder aufgrund deren sexuellen Präferenzen, noch aufgrund deren Glaubenszugehörigkeit usw.
    So lange persönliche sexuelle Präferenzen andere Menschen nicht verletzen, wie es beispielsweise bei der Pädophilie der Fall ist, ist es doch letztlich eine ganz persönliche intime Sache eines Menschen, wo er sich sexuell hingezogen und zugehörig empfindet.

    Als sogenannte Heterosexuelle kenne ich lesbisch Frauen und homosexuelle Männer. Offen gesagt haben mich deren sexuelle Neigungen nie interessiert, bei unseren Begegnungen nie eine Rolle gespielt, weil das letztlich doch ein sehr persönlicher, intimer Teil ihrer Persönlichkeit ist, ein Teil, der letztlich nur sie selbst oder deren Partner betrifft.
    Sexuelle Präferenzen werden meines Erachtens überbewertet, ist doch nicht alles, was einen Menschen ausmacht und ich würde es als armselig empfinden, einen Menschen auf sein Geschlecht oder seine sexuelle Präferenz reduzieren zu wollen.

    Vielleicht mag des dem einen oder anderen, der das liest, zu flapsig erscheinen, aber so ist es nicht gemeint, wenn ich schreibe, dass dieses ganze ständige Gerede, ob jemand nun lesbisch, homosexuell oder heterosexuell ist, völlig unerheblich ist, letztlich doch daran völlig vorbei geht, einen Menschen in seinem schönen Sosein und seinem individuellem Wesen erfahren und kennenlernen zu wollen.
    Die Frage beim Kennenlernen eines anderen Menschen, kann doch nicht die sein: „Mit wem lebst Du Deine Sexualität? Mit einem Mann oder einer Frau?“, sondern eine dem Menschen zugewandte, vorurteilsfreie Offenheit impliziert doch die Neugier und aufrichtiges Interesse an dem anderen Menschen, erfahren zu wollen, was der denkt, fühlt, glaubt, wofür er sich interessiert und was der andere im Laufe seines Lebens so erlebt hat.

    Darauf zu hoffen, Menschen offen, vorurteilsfrei, unvoreingenommen und interessiert zu begegnen, fängt immer bei unserer eigenen Offenheit dafür an. Und natürlich macht man sich mit dieser gewissen Offenheit verletzlich. Aber was wäre die Alternative zu diesem sich dem anderen öffnen? Sich verschliessen. Aus Angst, verletzt zu werden. Verschliessen hat aber immer mit zumachen zu tun. Und dort, wo zugemacht wird, dort entsteht zwar ein relativ kontrollierbarer geschützter Raum, aber dort dringt auch kein helles Licht mehr hinein und ohne dieses Licht gibt es kein Wachstum – weder in der Natur noch bei uns Menschen.
    Sich dem anderen zu öffnen und damit verletztlich zu machen, hat auch mit Lebendigsein etwas zu tun. Und das Gefühl des Lebendigseins letztlich mit Lebensfreude – einer Lebensfreude auch in der Begegnung mit anderen, mit Fremden, mit Andersdenkenden, wir uns vor allem als Hochsensible nicht selbst abschneiden sollten. Wohldosiert, für uns selbst gut zu sorgen, indem wir die eigenen Grenzen ggf. aufzeigen oder uns gewissen Situationen, die uns nicht gut tun, einfach entziehen, sind es letztlich die Begegnungen mit Menschen, die das Leben aus- und wertvoll machen.

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