Ich kann kein Small Talk!

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

3. November 2019

Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen dieses Artikels in Stress geraten, klopfen Sie doch einfach beim Lesen Ihre Handkante, wie auf dem Foto gezeigt.

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Wenn es eine Sache gibt, die ich besonders häufig in meinem Seminar über Hochsensibilität oder auch von Klienten höre, dann das, dass sie keinen Small Talk können.

Ich dachte, dass das einmal einen Blogartikel wert ist. Ich kenne das nämlich sehr gut aus eigener Erfahrung.

Früher habe ich Small Talk auch abgelehnt. Ich wollte Nichts Belangloses,

alles, was ich tat, sollte von Tiefe und Sinn durchdrungen sein.

Darum wollte ich keine oberflächlichen Gespräche führen.

Small Talk stand stellvertretend für mich für das Wesen dieser Welt, in der ich mich so wenig wohl fühlte: immer schön an der Oberfläche bleiben, bloß nicht kratzen oder gar bohren – wer weiß, was dann zutage treten könnte – am besten gar nicht erst hinsehen.

Die Weigerung, mich an solchen Gesprächen nicht zu beteiligen, hatte Konsequenzen. Letzten Endes bedeutete es immer, allein und außen vor zu bleiben. Vor allen Dingen am Arbeitsplatz, aber auch bei allen anderen Gelegenheiten, wo ich mit Menschen zusammentraf, die ich nicht kannte, Parties, Seminare usw. Es war jedes Mal eine neue Gelegenheit, die Erfahrung zu machen:

ich bin ausgeschlossen, ich gehöre nicht hierher.

Das tat und tut jedes Mal immer wieder neu weh, der Gewöhnungseffekt ist gleich null.

Irgendwann aber – ich habe keine Erinnerung daran, was den Prozess letzten Endes ausgelöst hat – ist mir aber etwas klar geworden.

Nämlich, dass Small Talk absolut kein oberflächliches Daherreden ist. Dass es letzten Endes gar nicht darum geht, was gesagt wird, sondern, dass Small Talk eine ungemein wichtige soziale Funktion erfüllt.

Wenn Menschen aufeinandertreffen, die einander nicht kennen und sie beginnen, z. B. über das Wetter zu reden, dient das Gespräch in allererster Linie dazu, Kontakt aufzunehmen. Und natürlich ist es dann wichtig, richtig und sinnvoll, über etwas zu sprechen, über das alle Menschen etwas sagen können. Es geht also darum, miteinander in Beziehung zu treten, sich durch Worte miteinander zu verbinden. Der Inhalt des gesagten ist dabei absolut zweitrangig. Die Verbindung aber nicht. Und das ist ungemein wichtig. Gerade für hochsensible Menschen.

Wir brauchen diese Verbindung.

Oft haben wir ja viel zu selten das Gefühl, überhaupt mit anderen Menschen verbunden zu sein. Und Verbundenheit mit anderen kann ungemein zu unserem Wohlbefinden beitragen.

Wenn ich eine Sache gelernt habe in den vergangenen Jahren, dann diese: wenn ich mich getrennt fühle von anderen, dann habe ich mich meistens von den anderen selbst getrennt. In diesem speziellen Fall schon von vornherein durch meine Weigerung, an dem Gespräch überhaupt teilzunehmen.

Wäre es nicht schön, die Anzahl der Gelegenheiten zu reduzieren, bei denen dieses Gefühl des Andersseins überhaupt aufkommt? Das funktioniert natürlich nicht immer und für alle Gelegenheiten. Ich selbst mache diese Erfahrung immer wieder auf zum Teil sehr tiefen Ebenen. Erst vor kurzem habe ich darüber den Beitrag „Ich bin vollkommen fremd hier“ geschrieben. Und um diese ganz tiefen  Bindungserfahrungen und den damit verbundenen Stress zu verändern, bedarf es gewisser Tools, wie z. B. Klopfakupressur, Matrix Birth Reimprinting, usw.).

Beim Small Talk geht es aber um Menschen, die wir noch nicht kennen. Ich habe irgendwann beschlossen,

dass ich mir das gönnen darf, mich mit anderen zu verbinden.

Dabei habe ich die sehr angenehme Erfahrung gemacht, dass das entsprechende Ereignis dann für mich ganz anders verläuft, wenn ich es anfangs schaffe, durch Small Talk mit anderen in Verbindung zu treten. Ich bin dann viel präsenter in der Gruppe, nicht nur für die anderen, auch für mich selbst. Ich habe das Gefühl, dazu zu gehören. Und das trägt sehr zu einem positiven Empfinden meines eigenen in-der-Welt-seins bei.

Übrigens spricht gar nichts dagegen, sich selbst

eine kleine hochsensible Small Talk Variante

zu schaffen.

Vor Jahren habe ich einmal an einem Speed-Dating teilgenommen. Und ich habe alle Teilnehmerinnen als erstes gefragt: „Wie fühlst du dich mit diesem Setting hier?“ Nach einem kleinen Verblüffungsmoment haben mir aber alle eine ehrliche Antwort gegeben, von wo aus wir dann schnell in ein richtiges Gespräch geraten sind, was in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nicht selbstverständlich war. Ich bin dann nach Hause gegangen, in dem Bewusstsein, dass  es mir gelungen war, mich zu verbinden,

dass ich etwas Schönes geschaffen hatte an diesem Abend,

nicht nur für mich, sondern auch für die anderen.

Überlegen Sie sich doch einmal ein paar offene Fragen (auf die man nicht mit ja/nein antworten kann), die Sie bei passender Gelegenheit stellen können. Meine Lieblingsgesprächseröffnung ist nach dem obigen Event tatsächlich „Wie gefällt es Ihnen hier?“ aber es gehen auch Dinge wie „Wie sind Sie hergekommen“, „Wie haben Sie von dieser Veranstaltung erfahren“, „Haben Sie schon öfter ähnliche Veranstaltungen besucht?“ usw.

Ich bin gespannt, ob Sie eine Lieblingseröffnung haben oder sich eine überlegen. Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

Image by Steve Cliff from Pixabay 

 

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5 Kommentare

  1. Brigitta Kreilkamp

    Liebe Monika, ich finde diesen Beitrag von Dir sehr gut und interessant geschrieben. Ausserdem hilfreich für mich, denn ich stehe oder sitze seit jeher, wenn ich mich in einer Gruppe mir noch fremder Menschen befinde mit Schweißausbrüchen oft schweigend und krampfhaft nach Worten suchend, die ich auf Kommentare der Anwesenden sagen könnte oder sogar, was ich von mir aus selber sagen könnte ohne „blöd“ anzukommen bei den anderen, auf eine Art in der noch dazu fremden Umgebung möglichst unauffällig da, so als wäre ich gar nicht da…Du gibst wirklich nützliche Tipps, wie ich diesen unangenehmen Zustand ändern kann. Sorry, Entschuldigung sind meine am häufigsten gebrauchten Worte in so einer Situation, ach ja und danke was ich gar nicht oft genug sagen kann, ob es nun gerade wirklich angebracht ist oder nicht. Ich will ja „nett“ erscheinen, höflich mit guten Umgangsformen. Also danke für Deinen Beitrag und entschuldige bitte den 1. unmöglich langen Satz. Liebe Grüße Brigitta K.

    Antworten
    • Monika Richrath

      Gerne Brigitta, ich freue mich, wenn du mit meinem Artikel etwas anfangen kannst 🙂 Liebe Grüße, Monika

      Antworten
  2. Johanna

    Liebe Monika Richrath,
    ein interessantes Thema, dass Du hier wie einen Ball in den virtuellen Raum geworfen hast, die Aussage in Deinen Seminaren über Hochsensibilität oder auch von Klienten zu hören, dass sie keinen Small Talk können.
    Ich würde den Ball gern in der Art einer Frage zurückwerden: „Können“ oder „wollen“ hochsensibel veranlagte Menschen keinen Small Talk?
    Vielleicht gibt es auch da unter den Hochsensiblen Abstufungen, sollte unterschieden werden, zwischen denen, die das wirklich nicht können, wie von Brigitta Kreilkamp beschrieben, in derartigen Situationen dann Schweissausbrüche bekommen und krampfhaft nach Worten suchen und denjenigen, die Small Talk durchaus beherrschen, diesen aber aus welchem Grund auch immer, einfach nicht wollen.
    Ich glaube, es gibt durchaus auch die anderen Hochsensiblen, die bezüglich Small Talk weder von Schweißausbrüche noch ängstlichen Gefühlen geplagt werden, sondern die sich einer derartigen Situation ganz bewusst nicht aussetzen oder aber, wenn es nicht anders geht, sich dann einfach hinter einer gewissen Zurückhaltung und freundlichem Lächeln zurückziehen, sich so zu schützen wissen und für sich absehbar, nur bedingt eine gewisse Zeit so einer Situation aussetzen.

    Du schreibst: „Wenn ich eine Sache gelernt habe in den vergangenen Jahren, dann diese: wenn ich mich getrennt fühle von anderen, dann habe ich mich meistens von den anderen selbst getrennt. In diesem speziellen Fall schon von vornherein durch meine Weigerung, an dem Gespräch überhaupt teilzunehmen.“

    In gewisser Weise würde ich dem zustimmen, empfinde es als eine autarke Entscheidung. Zu bemerken, mehr oder weniger von vornherein oder sehr früh festzustellen, dass man sich an einem Gespräch, gewissen Gesprächsthemen nicht aktiv beteiligen möchte. Was aber auch nicht unbedingt bedeuten muss, fluchtartig ein Gespräch zu verlassen, sondern es auch interessant sein kann, sich als aufmerksamer Zuhörer sozusagen passiv zu beteiligen.

    Deine Frage: „Wäre es nicht schön, die Anzahl der Gelegenheiten zu reduzieren, bei denen dieses Gefühl des Andersseins überhaupt aufkommt?“, würde ich mit „Warum?“ beantworten wollen. Warum dieses Gefühl des Andersseins reduzieren wollen?
    Von denjenigen Hochsensiblen, denen ich im Laufe meines Lebens begegnet bin, habe ich von jeden dieser Menschen vernommen, dass dieses „diffuse“, nicht wirklich näher zu erklärende Gefühl des Andersseins, sie bereits in ihrer Jugendzeit empfunden haben. Es ist also ein Gefühl, dass zum Wesen dieser Menschen einfach gehört, ein Gefühl, dass sie ausmacht. Die eigentliche „Lernaufgabe“ Hochsensibler, besteht darin, wie ich meine, dieses Gefühl für sich zu realisieren, anzunehmen und wertfrei zu sehen, nicht daraus für sich in Anspruch nehmen zu wollen, dadurch ein besserer oder schlechterer Mensch zu sein. Es ist ein individuelles Anderssein ist, nicht besser, nicht schlechter, nur anders. Anders in ihrem Wesen, anders ausgeprägt in der persönlichen Wahrnehmung, anders in persönlichen Bedürfnissen, in dem, was gut tut und was nicht und anders, als es vielleicht in der breiten Masse üblich ist. Letztlich bedeutet es doch, in diesem Anderssein zu sich selbst zu stehen.

    Verbindung aufnehmen zu wollen zu anderen Menschen sollte immer eine freiheitlich gewählte, persönliche Entscheidung sein. Wie es dies auch eine persönliche Entscheidung ist sich selbst ausgrenzen zu wollen und zu dürfen. Eine Entscheidung, die ebenso respektiert werden sollte.
    Verbindung aufnehmen zu wollen zu anderen Menschen entsteht meines Erachtens immer dann, wenn jemand gewillt ist, sich einem anderen Menschen zuzuwenden. Das bedeutet in erster Linie auch, einen Schritt von sich selbst zurücktreten zu können, sich dem anderen zuzuwenden mit Interesse. Und Interesse zeigt sich letztlich immer in Fragen und Zuhörenkönnen.
    Geht der andere auf Fragen ein, zeigt sich uns der Mensch in gewisser Weise, kann sich eventuell aus einem kurzen „Small Talk“, mehr ergeben kann. Oder auch nicht. Zumindest ist es eine Chance, andere Menschen näher kennenzulernen, sich selbst in Bezug zu setzen, einen neuen Blickwinkel einzunehmen, einverstanden zu sein oder auch nicht.

    Ich denke, der Umgang mit anderen Menschen sollte immer auf der Grundlage von Respekt, Aufrichtigkeit, Freundlichkeit und Wohlwollen basieren. Im Sinne der Goldenen Regel oder im Sinne des Kantschen Imperativ. Was meines Erachtens aber nichts damit zu tun hat „nett erscheinen zu wollen“. Nett erscheinen zu wollen – wie es das Wort bereits zum Ausdruck bringt, hat damit zu tun, etwas „scheinen“ zu wollen, einen Schein aufzubauen. Aber Schein ist nicht Sein. Jemand, der sich seiner Selbst bewusst ist, der will nichts scheinen, der ist einfach wie er ist. Egal, wie andere ihn gern haben wollen würden.
    Etwas „scheinen wollen“, z. B. nett erscheinen zu wollen, dem liegt letztendes eine persönlichen Angst zugrunde, nämlich der, dass andere denjenigen aufgrund seines eigentlichen Soseins ablehnen könnten. Also meinen manche Menschen sich so zeigen zu müssen, wie sie glauben, dass andere sie so mögen (nett z. B.). Aber etwas „erscheinen“ zu wollen, kommt letztlich einer Selbstverleugnung gleich, da ein „schöner Schein“ aufgebaut wird, um gemocht zu werden, um von anderen als angenehm wahrgenommen zu werden. Etwas „scheinen“ zu wollen, kann sich im Leben oft als sehr fatal erweisen, weil der „schöne, nette Schein“ von niemanden auf Dauer aufrecht erhalten werden kann und sein Gegenüber sich irgendwann zu Recht als getäuscht empfindet.
    Insofern meine ich, sollte man einfach „bei sich bleiben“, beim eigenen Wesen, beim eigenen Sosein. Sich entweder aktiv an Small Talk beteiligen oder aber als passiver Zuhörer. Letztlich für sich entscheiden, was einem gut tut und was nicht.

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    • Monika Richrath

      Hallo Johanna, ja klar, jedeR entscheidet selst, was er/sie braucht und möchte. Herzliche Grüße, Monika

      Antworten
  3. Anna

    Hallo zusammen,
    bei mir ist es keine bewusste Entscheidung. Ich KANN es einfach nicht. Da nützen mir auch keine Ratgeber, sondern nur Erfahrungsberichte von anderen, die mir helfen, mich nicht so allein zu fühlen. Es gibt ganz viele Arbeitssituationen, die ganz schlimm für mich sind, weil auf Arbeit alle begabte Smalltalker sind. Ich habe dauernd das Gefühl, nicht dazuzugehören, was auch so ist. Habe gerade so eine Mobbingsituation, wo der Mensch, der mich mobbt, sagt, er mache dies, weil ich so wenig sage, er könne nichts mit mir anfangen. Die anderen, die nicht mobben, nehmen mich aufgrund meiner fehlenden Smalltalkfähigkeiten nicht für voll, was ein Gefühl der Erniedrigung auslöst.
    VG Anna

    Antworten

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