Move it!?!

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div. Autoimmunkrankheiten (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

9. Juni 2019

Es ist natürlich immer ein wenig fragwürdig, zu behaupten, dass hochsensible Menschen dies und das tun, weil nicht immer alles auf alle zutrifft. Aber eine Beobachtung, die ich gemacht habe ist, dass hochsensible Menschen sehr, sehr häufig viel zu viel in ihrem Kopf sind und viel zu wenig in ihrem Körper.

Dies bedeutet zum Beispiel, sehr wenig Verbindung zum eigenen Körper zu haben, körperliche Empfindungen wenig wahrzunehmen (geschweige denn sie benennen und lokalisieren zu können), un das kann selbst dann gültig sein, wenn Sie unter chronischen Schmerzen leiden. So ein Fibromyalgie-Schmerz kann ja praktisch überall gleichzeitig sein.

Ich selbst kenne beides ja selbst nur zu gut und kann sogar sagen, dass ich eine sehr lange Zeit eine regelrechte Aversion dagegen hatte, mich überhaupt mit Methoden zu beschäftigen, bei denen es darauf ankommt, in den Körper hineinzuhorchen und zu spüren, was dort vor sich geht.

Feldenkrais war mir ein Gräuel

und machte mich ungeduldig und gereizt. Auch dem Bodyscan konnte ich nichts Gutes abgewinnen. Heute vermute ich, dass diese Haltung vermutlich darin begründet war, dass ich die Beschäftigung mit meinen eigenen körperlichen Empfindungen irgendwie als bedrohlich empfunden habe. Und ich wusste ja auch gar nichts damit anzufangen.

Im Laufe des Lebens habe ich bis zu einem bestimmten Punkt

in Sachen Körperwahrnehmung vor allem eines gelernt:

das interessiert niemanden. Die Ärzte am wenigsten. Wenn es unerklärlich ist, dann ist es eben „psychosomatisch“. Was ja immer den Beigeschmack von „eingebildet“ hat/hatte.

Dabei war die Übelkeit, die mich z. B. jahrelang begleitet hat (egal, was ich aß, trank oder was ich machte) für mich durchaus sehr präsent. Aber weil kein Arzt (wirklich kein einziger) das jemals richtig ernst nahm, habe ich aufgehört, meine eigenen Empfindungen auch ernst zu nehmen, sie einfach hingenommen als unerklärlich und unheilbar und versucht,

meinen Körper so weit wie möglich zu ignorieren

und vergessen. Der machte ja sowieso nichts als Ärger.

Bis ich eines Tages

mit Blaulicht ins Krankenhaus gefahren wurde

und von der Bahre aus direkt auf dem OP-Tisch gelandet bin. 30 Minuten später wäre vielleicht zu spät gewesen, habe ich später erfahren. Und am Tag vorher war ich noch bei meiner Ärztin gewesen und hatte sie angefleht, mir ein Mittel gegen Magenschmerzen zu geben, die zu diesem Zeitpunkt ziemlich schlimm waren. Sie hat dann ein Rezept herausgerückt – ohne mich zu untersuchen. Sie hatte mich längst aufgegeben.

Warum erzähle ich Ihnen das?

Bestimmt nicht um Ihnen Angst zu machen. Vielmehr ist mir an diesem Tag klar geworden, dass ich in diesen Schlamassel geraten bin, weil ich mich einer Sache schuldig gemacht habe: ein Verbrechen gegen mich selbst sozusagen:

Ich hatte mich und meinen Körper vergessen.

Für mich war dieser Moment des dem-Tod-von-der-Schüppe-springens definitiv

ein Wendepunkt.

Ich habe da verstanden, dass alles was ich tue (oder eben auch nicht tue) Konsequenzen für mich selbst hat. Und dass ich, wenn ich leben will, meinen Körper nicht vergessen darf.

Das hat allerdings nicht zu einer grundlegend anderen Einstellung meinem Körper gegenüber geführt. Eher zu mehr schlechtem Gewissen mir selbst gegenüber. Denn so oft war ich nicht in der Lage, die für meinen Körper richtigen und Notwendigen Maßnahmen umzusetzen: Wenn ich nur daran denke, dass es Jahre gedauert hat, bis ich wirklich bereit war, das Konzept MILCHFREI mit allen Konsequenzen umzusetzen – glutenfrei war ein Klacks im Vergleich – winde ich mich innerlich.

Zum Glück höre ich nie auf zu lernen. Ich glaube, ich habe schon an anderer Stelle vom HEAL-Summit erzählt, dem ich 2018 gefolgt bin. Dabei habe ich etwas besonders Schönes gelernt:

DEIN KÖRPER IST NICHT DEIN FEIND.

Dies war jedenfalls die übereinstimmende Aussage fast aller namhaften Referenten. Auch

dass es so etwas wie Autoimmunkrankheiten gar nicht gibt.

Sondern, dass alles, was der Körper macht (und scheine es uns auch noch so unverständlich) nur deshalb geschieht, weil der Körper uns vor anderen Dingen schützen möchte, die er als schlimmer erachtet.

Für mich war das eine unglaubliche Erleichterung.

Es bedeutete auch so etwas wie Verantwortung abzugeben. Mein Körper weiß viel mehr als ich und ich kann seiner Weisheit vertrauen. Das war die riesengroße erleichternde Lernerfahrung, die sich für mich daraus ergeben hat. Und – danach war ich dann auch in der Lage, wirklich weitgehend milchfrei zu leben. Auch wenn ich auf den heißgeliebten Käse verzichten muss, bedeutet gerade dieser Verzicht ein sehr großes Stück Lebensqualität mehr.

Von daher ist eine wirklich sinnvolle Maßnahme zur Verbesserung des eigenen Lebens die Zuwendung zum eigenen Körper.

Den eigenen Körper wichtig zu nehmen

bedeutet so viel für uns. Von daher kann ich Ihnen nur wärmstens empfehlen, sich irgendetwas zu suchen, was Ihnen die Möglichkeit gibt, regelmäßig mit Ihrem Körper in Kontakt zu treten, irgendwas, was Ihnen ein gutes Körpergefühl vermittelt.

Eigentlich sollte dieser Beitrag sich mit Tanzen beschäftigen, aber offensichtlich wollte etwas ganz Anderes heraus … das Tanzen hebe ich mir für später auf …

Was gibt Ihnen ein gutes Körpergefühl? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Bild von Yerson Retamal auf Pixabay

Vielleicht gefällt Ihnen auch …

Wie Liebe sich anfühlt

Wie Liebe sich anfühlt

Letzte Woche konnten Sie keinen neuen Blogbeitrag von mir lesen – und das lag nicht daran, dass mir etwa die Ideen...

4 Kommentare

  1. Liebe Monika, dieser Beitrag ist so wichtig. Diese Erkenntnis von der du schreibst, daß der eigene Körper nicht mein Feind ist sondern viel intelligenter ist als ich, habe ich auch gemacht. Ich vertraue meiner eigenen Heilkraft. Wenn ich ein neues Symptom habe, warte ich ab, versuche meinen Körper so gut ich kann zu unterstützen, habe keine Angst mehr und bin geduldig. Nach einiger Zeit scheint mein Körper die Dinge von selbst in Ordnung zu bringen. Ich führe ihm nur hochqualitative Dinge zu und vermeide alles was ihm schaden könnte. Einmal im Jahr faste ich nach F.X. Mayr und ich versuche auch nach der Kur die Ernährungsregeln einzuhalten. Ich kann mich mit so vielem was du schreibst identifizieren. Das Universum hat mir eine Hochsensibilität, ein allergisches Asthma, einen Reizdarm und eine Fibromyalgie geschenkt um mich näher zu meinem wahren Ich zu bringen.
    Ach ich habe Käse geliebt, besonders Ziegenkäse und dunkle Schokolade, von diesen beiden Dingen habe ich mich zuletzt auch verabschiedet, was auch Jahre gedauert hat 🙂 Tanzen tue ich seit Jahren am liebsten nach lateinamerikanischen Rythmen, die mich immer motivieren mich zu bewegen und die einfach gute Laune machen. Gelegentlich mache ich auch Qigong Übungen, aber das Tanzen bringt einfach mehr Spass. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein beglückenderes, gesünderes und meditativeres Bewegungstraining gibt als das Tanzen. Es ist die beste Therapieform überhaupt. Danke für deinen Blog und deine Arbeit. Schön zu wissen, dass man nicht allein ist mit seinem Anderssein. Sei umarmt!

    Antworten
    • Vielen Dank, liebe Mandy. Das finde ich auch. Tanzen ist die schönste Sache der Welt 🙂 Liebe Grüße, Monika

      Antworten
  2. guten abend liebe monika, für mich ist gerade hier spannend zu lesen: milch- und glutenfrei. ich bin gerade bei einem ganzheitlich arbeitendem zahnarzt in behandlung und vor der op war die ausgesprochene empfehlung, keine milch und kein gluten. da ist meine neugierde sofort geweckt und schon finde ich infos auf einigen hsp seiten zu diesem thema. hast du weitere infos ,warum milch und gluten gerade für hsp ein problem sein können. milch lasse ich auch schon lange weg und fühle mich besser damit. magenprobleme hatte ich die letzten jahre nicht. wie kann ich herausfinden ob ich gluten besser weglassen sollte. kaffee sollte ich bei der zahnop auch weglassen und das werde ich auch beibehalten,da ich innerlich schon lange nicht mehr so ruhig war. wenn du noch tipps geben kannst, würde ich mich sehr freuen und sende ganz liebe grüße, mit einem immer größer werdendem gefühl von: alles ist mit allem verbunden….andreas heiner templin

    Antworten
    • Lieber Andreas,

      die beste Empfehlung, die ich dir geben kann: lebe mal ein paar Monate glutenfrei und iss dann was mit Gluten. Du wirst sofort merken, ob das für dich richtig ist oder nicht. Das funktioniert aber nur, wenn man es eine zeitlang konsequent durchzieht.

      Wir sind für alles eben anfälliger als andere und darum haut alles, was nicht gut ist, bei uns viel mehr rein …

      Liebe Grüße,
      Monika

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Pin It on Pinterest

Shares
Share This