Nachrichtensperre

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

19. April 2015

Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen dieses Artikels in Stress geraten, klopfen Sie doch einfach beim Lesen Ihre Handkante, wie auf dem Foto gezeigt.

Sie wollen mehr wissen über das Klopfen und seine Wirkung? Schreiben Sie sich hier in meinen kostenlosen E-Mail Kurs ein und lernen Sie die Basics der Klopfakupressur.

Hochsensibilität in den Alltag umzusetzen bedeutet die Auseinandersetzung mit einer Vielzahl scheinbarer Kleinigkeiten, die schon jede für sich große Stressfaktoren darstellen. Der Umgang mit den Medien, der Presse vor allen Dingen, gehört z. B. dazu. Ich habe mich vor langer Zeit für eine Nachrichtensperre entschieden - eine Entscheidung, zu der ich mich immer wieder neu beglückwünsche. Das war aber nicht immer so.Früher sah mein Alltag so aus: „Es ist sieben Uhr. Sie hören die Nachrichten. Die Lage in … spitzt sich immer mehr zu. … hat besucht … keine Einigung erzielt … Flugzeug abgestürzt … entführt … vermisst …getötet …“ Fünf Minuten und der Tag war eigentlich schon gelaufen, noch bevor er überhaupt angefangen hatte, Balsam auf den Mühlen meiner Depression. Wie sollte es einem denn in so einer Welt schon gut gehen können? Es hat Jahre, wirklich Jahre gedauert, bis ich den Entschluss fassen konnte, einfach morgens keine Nachrichten mehr zu hören. Denn ich war in meinen Sturm- und Drangjahren politisch sehr aktiv gewesen und fand es auch wichtig, immer auf dem Laufenden zu sein. So etwas wie das Dritte Reich sollte nie mehr vorkommen. Von daher war alleine diese Entscheidung ungeheuer schwierig. Dennoch, ich traf sie, und nachdem ich merkte, wie gut es mir tat, statt Nachrichten morgens schöne Musik zu hören, weitete ich das nach und nach aus, auf die Nachrichten im Fernsehen und das Lesen von Tageszeitungen. Natürlich habe ich zu niemandem ein Wort gesagt und geriet darum öfter in neue Stress-Situationen, wenn jemand die politische Lage mit mir diskutieren wollte und ich wusste einfach nichts. Dann habe ich mich unendlich geniert und geschämt, als seien die anderen irgendwie im Recht und ich nicht. Von meiner Hochsensibilität wusste ich ja noch nichts. Mir war überhaupt nicht klar, dass Nachrichten für empfindsame Menschen die totalen Trigger sind, Reize pur. Gelegentlich habe ich dann noch Tests gemacht, hier und da mal eine Woche lang die Nachrichten im Fernsehen angesehen - mit dem Ergebnis, dass meine allgemeine Gemütsverfassung meist sehr schnell wieder in den Keller ging. Irgendwann habe ich es einfach aufgegeben. Ebenso wie den Gedanken, dass ich jeden Tag an dem allgemeinen Leid der Welt teilhaben muss. Die Welt dreht sich weiter, auch ohne mich. Schreckliche Dinge passieren, die ich nicht beeinflussen kann. Dafür sehe ich mir Filme an, vor denen die meisten Menschen wohl eher zurückschrecken, über Prostituierte, Kindersoldaten etc. In der Regel bleiben diese Filme jahrelang in meinem Bewusstsein und geben mir das Gefühl, dass es gut ist, das Leid der Menschen, um die es in dem jeweiligen Film ging, mitzutragen,indem ich mir den Film ansehe und die Menschen darin nicht vergesse. Manchmal handle ich dann auch noch gezielt hinterher. Es passiert öfter mal, dass ich im Zug Zeitungslesern gegenüber sitze. Ich kann mich eine halbe Stunde lang über eine gelungene Überschrift oder ein gut ausgewähltes Foto freuen. Aber es funktioniert einfach nicht, dass ich mir jeden Tag die Welt in den Kopf stopfe. Und von den Medien wird gefordert, dass wir immer mitgehen, Anteil nehmen, mitfiebern, mitleiden. Da bleibe ich doch lieber bei meiner Nachrichtensperre. Das Internet hat meine Nachrichtensperre natürlich ein bißchen aufgeweicht, aber ich kann immer noch entscheiden, welchen Meldungen ich nachgehe und welchen nicht. Zum Glück werfen mir nicht alle Email-Anbieter das Weltgeschehen an den Kopf, jedesmal, wenn ich meine Email öffne. Dafür bin ich wirklich dankbar. Heute schäme ich mich übrigens kein bisschen mehr (auch, wenn es sich gerade wie ein Coming-Out anfühlt). Ich weiß, dass mein eigenes Wohlbefinden für mich als hochsensibler Mensch wichtiger sein muss als das Leid der Welt. Mittlerweile weiß ich auch, dass ich durchaus Einfluss nehmen kann. Wenn ich dafür sorge, dass es mir gut geht, beeinflusst das auch andere. Wenn ich einen Blogartikel veröffentliche, in dem sich andere hypersensitive Menschen wiederfinden können, hat das Auswirkungen. Und letzten Endes kann ich den Lauf der Welt dadurch beeinflussen, wenn ich andere darin unterstütze, zu sich selbst (zurück) zu finden - ich kann mir nichts Dankbareres vorstellen. Spannende Frage: Wie halten Sie es mit den Nachrichten? Ich freue mich über Ihre Kommentare und habe wieder eine kleine Umfrage vorbereitet. Gerne mache ich Sie noch einmal auf das Gewinnspiel „Mein Ruheort“ aufmerksam. Bis zum 30. April können Sie eine EFT-Sitzung gewinnen. Herzlichst, Ihre Monika Richrath

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6 Kommentare

  1. Nick

    Moin,

    Ich habe bis heute meine Hochempfänglichkeit nicht mit meiner getroffenen Entscheidung sehr selten Nacheichten zu konsumieren in Zusammenhang gebracht.

    Die gewohnte Tageszeitung habe ich vor Jahren abbestellt, die Nachrichten im Radio (alle 30 Min) schalte ich immer aus), im Fernsehen schaue ich so einmal die Woche.

    Ich liebe YouTube und schaue Themen die ich mag, die mich intellektuell reizen, aber hoffentlich nicht überfordern:-)

    Manchmal lasse ich mich in Themen reinziehen (Griechenland) und ich merke wie ich wütend werde, vor so viel Detailwahnsinn und Bewertungen von soooo vielen Experten…. dann kann ich mich oft nicht mehr befreien von der Wut und meine Familie bekommt was ab. Und dann reiße ich mich los und lebe Infofrei und es geht besser.

    Ich gehe jetzt in die Sonne;-)

    Nick

    Antworten
  2. andrea

    ich lebe auch radio, zeitungs- und fernsehfrei. alle themen, die mich berühren versuche ich in kleinen, selbstbestimmten schritten zu bearbeiten. dazu gehört auch spenden, engagieren usw. eine flüchlingsfamilie (zusammen mit einer freundin) betreuen geht bei mir recht gut. sich medial damit intensiv zu befassen geht gar nicht. müllaufsammeln geht gut, kampagnen leiten eher nicht usw. für mich ist beides für mein lebensgefühl wichtig, etwas tun, was meinen werten entspricht und die intensität so zu belassen, dass es mir gut bzw. nicht zu schlecht damit geht. schöne grüße und danke. andrea

    Antworten
  3. Thomas C. Behrens

    Hallo,

    vielen lieben Dank für Ihre Schilderungen! Genau sowas wie Ihre Ausführungen habe ich im Netz gesucht.

    Habe mir mit gleichem Begriff, der Nachrichtensperre, ebenfalls eine solche verhängt. Das fällt mir schwer, weil derzeit wirklich viele Dinge geschehen, die gefühlt immer näher an einen selber heranrücken.

    Aber, die Medien „freuen“ sich letztlich an den schlechten Nachrichten, haben sie dadurch doch eine erhöhte Leserschaft. Verstärken tun dies Bilder & gewisses Vokabular. Mich lähmen all diese Hiobsbotschaften & ich fürchte, dies geschieht in breiten Teilen der Bevölkerung ebenfalls. (Denn ich sehe überall (!) Menschen mit ihren Smartphones, wie sie mit ihren Augen an diesen Geräten kleben & sich nimmer umschauen. Jeder in seiner kleinen digitalen (Schein-)Welt. Wie Massenhypnose.)

    Meine Nachrichtensperre hielt letzte Woche gerade mal 2,5 Tage. In den Tagen ging es mir gut, viel leichter als sonst. Die Sperre wurde aufgehoben, als meine Frau auf eine Meldung stieß, die sie mir besorgt mitteilte… Dennoch halte ich das Nichtlesen der Meldungen für die beste Methode, die HSPs für sich tun können. Und früher war es normal, nicht minütlich informiert zu sein (wie heute mit all den Eilmeldungen).

    Mein bestes Gegenmittel: Gebet & Musik.

    Grüße
    Thomas

    Antworten
    • Monika Richrath

      Hallo Thomas,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider ist es zur Zeit ja wirklich schwierig, nichts von den Schwierigkeiten in der Welt mitzubekommen. Gerade darum finde ich eine Nachrichtensperre besonders wichtig, weil das, was „durchsickert“ an sich schon reicht. Ich habe hier noch ein tolles Klopfvideo, das die Veranstalterin des Klopfkongresses, Michaela Thiede, erstellt hat für den Terror und die Katastrophen in der Welt.

      Herzliche Grüße, Monika

      Antworten
  4. Sabine

    Liebe Monika,

    es hat mir unglaublich gut getan, Ihren Beitrag zum Thema Nachrichtensperre zu lesen. Mir geht es seit einigen Tagen im Zuge der C.-Massenhysterie sehr schlecht. Es ist wie eine dunkle Wolke, die über meinem Kopf hängt und mich gleichermaßen deprimiert, lähmt und körperlich beeinträchtigt („geht mir an die Nieren“, „schlägt mir auf den Magen“, „geht mir ans Herz“ etc.), sodass ich nur apathisch in der Ecke sitze oder schlafe. Es hat ein wenig gedauert bis der Groschen fiel, dass dieser Zustand mit der Nachrichtenflut in C.-Zeiten zu tun hat. Man kann sich davor kaum schützen, selbst in Cafés etc. gibt es momentan nur noch ein Gesprächsthema, sodass ich dieser Tage schon in Panik geflüchtet bin. Ich nehme mir jetzt gegenüber Freunden und Bekannten die Freiheit, eine diesbezügliche Nachrichtensperre zu erbitten und fühle mich dank Ihres Artikels deswegen nicht mehr so schuldig wie bisher, sondern akzeptiere, dass ich als HSP andere Bedürfnisse habe, die es zu respektieren gilt – zu MEINEM Wohle und nicht, um die Erwartungen ANDERER zu erfüllen.
    Danke, dass Sie mir dazu Mut gemacht haben und danke ebenso für das Gefühl, mit solchen Empfindungen kein „Alien“ zu sein bzw. allein dazustehen.
    Wie Thomas schreibt, sind Gebet und Musik auch für mich normalerweise wirkungsvolle Gegenmittel, aber diesmal hat es mich so aus der Bahn geworfen, dass ich mich selbst dazu nicht mehr aufraffen kann. Ich vertraue jedoch darauf, dass meine Engel – allen voran mein verstorbener Mann, der mich jeden Tag unglaublich unterstützt – mir bald wieder auf die Beine helfen.

    Gott segne Sie in Ihrem Tun und Leben,
    herzlichst
    Sabine

    Antworten
    • Monika Richrath

      Gerne, Sabine. Ich glaube, es ist sehr sinnvoll es gerade jetzt so zu machen 😉 Herzliche Grüße, Monika

      Antworten

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