Nun lasst mich doch mal!!! – Die Suche nach Stille im Leben einer Mutter…

Stille ist wie Seifenblasen

Von Nicole Wendland

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

5. Februar 2017

Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen dieses Artikels in Stress geraten, klopfen Sie doch einfach beim Lesen Ihre Handkante, wie auf dem Foto gezeigt.

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Kennst du das? Du kommst nach Hause und bist froh, Stille um dich herum zu haben. Keiner der mit dir spricht. Ganz in Ruhe zur Toilette gehen, etwas trinken, das Mittagessen zubereiten …

Du hängst gerade deinen Gedanken nach, als es klingelt. Wer kann das sein, der Postbote? Leicht verärgert über die Störung öffnest du die Tür. Es ist dein Kind! Warum jetzt schon? Eine Stunde eher als geplant… Dein Gesichtsausdruck nicht gerade freundlich, lässt du das Kind herein. Gedanken schießen dir durch den Kopf: Lasst mich doch einfach mal in Ruhe!!! Du bist ärgerlich, vielleicht sogar wütend. Du schluckst deinen Ärger herunter, versuchst etwas Freundliches zu sagen. Du kommst dir selber verlogen vor?

Kennst du solche Situationen? Situationen in denen alles in dir nach Ruhe, nach Nichtsprechen schreit?

Ich bin Nicole Wendland: Lehrerin, Yogalehrerin, Coach und Mutter von drei Kindern (14,12 und 8 Jahre). Gerade in meinem Beruf als Lehrerin komme ich mittags reizüberflutet nach Hause. An manchen Tagen habe ich zu viel geredet, ermahnt, gehört, gesehen und gedacht. All die Reize, die dann in mir sind, wollen verarbeitet werden, brauchen Seelenfutter:

Die Ruhe, die Stille…. Sie ist dann nicht nur meine Oase, sondern auch Nervennahrung. Manchmal bin ich geradezu süchtig nach der Stille, aber nicht nur nach der Stille, sondern auch nach der Ruhe. Der Ruhe, dass niemand etwas von mir will: Keine Aufmerksamkeit, kein Lächeln, kein Tun, kein Angucken…. Nichts. Nur Ich!

Aber diese Momente sind so selten, so rar und wenn ich sie habe, so kostbar! Das ist für andere manchmal schwer nachzuvollziehen. Nach außen wirke ich gelassen, ruhig und gesellig. Ich bin auch gerne mit Freundinnen zusammen. Einzeln oder in kleiner Runde - damit ich nicht immer reden und zuhören muss, damit ich mir Minimomente der Stille gönnen kann. In größeren Gruppen fühle ich mich unwohl. Konferenzen sind für mich ein Spießroutenlauf: Anstrengend und verzehrend. Inzwischen gehe ich auch nicht mehr so gern auf Partys, weil mir am nächsten Tag die ausgleichende Ruhe fehlt.

Selbst für meinen Mann ist das manchmal schwer zu verstehen. Einmal in der Woche habe ich nur wenige Stunden und bin schon um 10 Uhr wieder zuhause. In einer besonders anstrengenden Phase freute ich mich sehr auf diesen Morgen und habe ihm geradezu entgegengefiebert. Zeit für mich! Mein Mann hatte in dieser Woche Urlaub, wollte aber an diesem Morgen etwas erledigen. Ich nahm also an, dass er weg sein würde. War er aber nicht! Er hatte gedacht, dass wir nett zusammen frühstücken würden. Ich war nicht in der Lage dazu. In mir schrie es nur: „Nun geh doch endlich!“ Ich suchte nach Ausreden, in der Hoffnung, dass er gleich weg sein würde … Ja, du ahnst es schon: Es kam zu einer Auseinandersetzung! Verstanden hat er es vielleicht vom Kopf, nachempfinden konnte er es wohl nicht …

Was können wir Mütter also tun?

 Yoga

Ein wichtiger Ausgleich für mich ist Yoga. Da bin ich ganz bei mir. Ich mache die Tür zu. Alle im Haus wissen, dass ich Yoga mache. Yin Yoga führt mich da noch mehr in die Stille. In extremen Phasen stecke ich mir Ohrstöpsel in die Ohren, damit ich wirklich nichts mehr höre.

Spazieren gehen

Da meine Kinder nicht gerne spazieren gehen, kann ich ruhig fragen: Möchte jemand mit? Nein! Das heißt für mich: Zeit für mich, um meinen Gedanken an der frischen Luft nachzuhängen.

Mittagspause

Mittags lege ich mich IMMER (okay fast immer) hin. Ich nicke meist kurz ein und bin danach erfrischt. Für meine Kinder ist das inzwischen Gesetz, dass sie mich dann nicht stören dürfen. Wenn ich mich sehr überreizt fühle, setze ich mir auch hier Ohrstöpsel ein.

Ohrstöpsel

Meine Ohrstöpsel sind vermutlich meine Lebensretter. Manchmal bin ich so überreizt, dass ich selbst das Knarren des Fußbodens (über den die Kinder natürlich gehen) nicht ertragen kann. Denn jedes Knarren wirft die bange Frage auf: Wollen sie jetzt zu mir? Was ist jetzt schon wieder? Meine Ohrstöpsel schaffen eine Distanz zwischen mir und meiner Umwelt. Es wird still um mich herum und in mir. Sicher, sie sind gewöhnungsbedürftig, aber lieber ein komisches Gefühl im Ohr als dieser ständige Krach im Kopf!

Mein Auto

Es gibt Tage, da weiß ich, es wird schwer mit Stillepausen. Dann halte ich noch mal an, kurz bevor ich zuhause bin. Ich gönne mir 5 Minuten Stille. Manchmal sitze ich auch einfach noch im Auto und hänge meinen Gedanken nach, bevor ich aus dem Auto steige. Manchmal nutzte ich auch das Einkaufen und genieße davor und danach die Stille im Auto.

Das Wochenende

Am Wochenende schaue ich, dass ich mal ein paar Stunden für mich habe. Dann ist mein Mann dran. Das ist für ihn auch in Ordnung so. So komme ich zur Ruhe und fühle ich mich anschließend wieder ausgeglichen und zufrieden.

Du siehst, es finden sich immer Möglichkeiten. Wir müssen es uns erlauben, Pausen zu nehmen. Es gehört für mich einfach dazu: So wie ich mich im Sommer mit Sonnencreme eincreme, um nicht zu verbrennen – so nehme ich mir meine kleineren und größeren Auszeiten, um innerlich nicht zu verbrennen. Das funktioniert für mich ganz gut. Inzwischen weiß ich einfach, wann es besonders eng wird und sorge vor.

Also, pfleg dich, kümmere dich um dich selbst und unterstütze dich selbst liebevoll. Du als Mutter leistest so viel, du gibst und empfängst so viel. Du solltest dir selbst so viel wert sein, dass du dich um dich selbst genauso liebevoll kümmerst, wie um deine Kinder!

In diesem Sinne wünsche ich dir eine ruhige Zeit!

Deine Nicole Wendland von Neue Wege Entdecken

Bild: soap bubble via Pixabay

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7 Kommentare

  1. Gertrud Dorothea

    Hallo Nicole,
    genau das was Du schreibst, höre ich in der SHG für HSP von den jungen Müttern sehr häufig.
    Aber der Satz:: nun lass mich mal … habe ich auch schon sehr oft von meinem Mann zu höre bekommen.
    Bis vor nicht all zu langer Zeit hab ich mir diesen Ausspruch verboten … aber oft gedacht
    Liebe Grüße Gertrud

    Antworten
    • Nicole Wendland

      Liebe Gertrud, das freut mich, dass der Beitrag auf Resonanz trifft und du ähnliche Erfahrungen gemacht hast. Ich sage diesen Satz tatsächlich manchmal zu meiner sehr redseligen Tochter, wenn sie auf freundlichere Hinweise nicht reagiert. Ich denke, das ist auch in Ordnung. Schließlich ist es eine Form der Abgrenzung und dadurch lernen auch Kinder, dass es wichtig und richtig (!) ist, sich abzugrenzen. Liebe Grüße Nicole

      Antworten
  2. Lina

    Hallo Nicole,

    Dein Bericht hätte von mir sein können. Ohrenstöpsel habe ich leider erst vor kurzem für mich entdeckt aber diese Entdeckung löst in mir eine Freude aus die nicht in Worte zu fassen wäre….
    Mit den Ohrstöpseln habe ich sogar wieder durchschlafen gelernt.

    Meine Ruhe Pausen finde ich meistens in der Badewanne. Hier weiß meine Familie stören verboten.

    Wenn ich mit der Familie im Auto unterwegs bin ist das Radio aus. Es löst in mir Chaos und Lärm aus und ohne kann ich mich bewusst nur auf die Gespräche konzentrieren!

    Ich glaube jeder muss für sich Ruhe Oasen finden die in seinen Alltag passen und damit kompatibel sind.

    Vielen Dank für deinen Beitrag, solche Worte geben einem Hoffnung und Stärke das man kein Egoistischer dumm Denker ist.

    Liebe Grüße Lina

    Antworten
    • Nicole Wendland

      Vielen lieben Dank für deine Rückmeldung, Lina. Wie schön, dass du deinen Weg für dich gefunden hast. Das Schöne daran ist ja auch, dass wir damit unseren Kindern ein tolles Vorbild sind: Jeder Mensch hat unterschiedliche Bedürfnisse und genauso viele Wege gibt es, sein Leben zu leben. Sie lernen: „Ja, ich darf mich um mich selber kümmern!“ Wenn wir auf unsere Bedürfnisse achten, strahlen wir viel mehr Zufriedenheit und Glück auf unsere Kinder und Mitmenschen aus.
      Herzliche Grüße Nicole Wendland

      Antworten
  3. Kristina

    Hallo Nicole,

    ich habe erst vor kurzem entdeckt dass ich hochsensibel bin. Ich habe zwei kleine Kinder (1 und 3 Jahre). Wenn sie schreien weil ihnen etwas nicht passt macht es mich wahnsinnig wenn nicht sogar aggressiv. Hast du Tipps wie man mit solchen Situationen umgehen kann?

    Viele liebe Grüße

    Antworten
    • Monika Richrath

      Hallo Kristina,

      jetzt bin ich zwar nicht Nicole, aber probiere es doch mal mit der Klopfakupressur. Die ist perfekt für solche Situationen.

      Herzliche Grüße, Monika

      Antworten
    • Monika Richrath

      Liebe Kristina,

      vielen Dank für deine Frage.
      Ja, da habe ich ein paar Tipps:
      Zunächst …
      … wenn Kinder schreien, geht das quasi direkt an unser „inneres Alarmsystem“. Passiert das häufig, ist
      es ganz normal, wenn wir überreizt reagieren. Gestehe dir also selbst ruhig zu, dass es anstrengend
      ist, wenn Kinder schreien. Unser Körper geht dann in einen absoluten Stressmodus. Kritisiere dich
      dafür nicht, sondern begegne dir selbst mit Nachsicht für diese anstrengende Zeit.

      … versuche dir selbst immer wieder Pausen und Abstand zu gönnen, damit dein „System“ regenieren kann.
      Klopfakkupressur ist eine wunderbare Form diese Pause zu nutzen.

      … wenn du inneren Abstand gewonnen hast, reflektiere die Situation. Kinder haben noch nicht die Worte und
      die Möglichkeiten, die wir haben, um ihre Bedürfnisse zu verdeutlichen. Daher schreien sie, wenn sie z.B müde sind
      überreizt oder Hunger haben. Manchmal hilft es, wenn man sich das noch mal bewusst macht.

      Langfristig solltest du schauen, dass du etwas für dich machst und dir ggf. auch Unterstützung holst.
      Yoga und vor allem Meditation sind eine wunderbare Art, zu sich zu kommen und wieder klarer zu sehen.

      Es wird nicht viel darüber gesprochen, aber meiner Ansicht nach ist die Kleinkinderphase die absolut
      schwierigste Zeit, weil die Kinder so auf uns angewiesen sind und wir als Eltern uns häufig nicht
      zurückziehen können, wie bei älteren Kindern. Häufig sind es eben die Mütter, die 24 Stunden im Stand by – Modus
      stehen und das kann schon mal an den Nerven zehren.

      Ich hoffe, das hilft dir weiter.

      Herzliche Grüße
      Nicole Wendland

      Antworten

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