Vor einigen Jahren hat einmal ein SAT 1-Team versucht, einen 2-minütigen Beitrag über Hochsensibilität zu drehen, mit mir als Hauptdarstellerin.

Zu diesem Zweck sollte ich mich mitten auf einen der belebtesten und befahrensten Plätz meiner Heimatstadt stellen und gestresst aussehen.

Natürlich ist es äußerst schwierig, innere Prozesse visuell darzustellen (ich weiß auch nicht mehr, ob ich eigentlich gestresst aussah), aber trotzdem ist dieser Tag als Meilenstein in meinem Gedächtnis abgespeichert. Es war nämlich der Tag,

an dem mir klarwurde, dass ich besonders

verkehrsnervös

bin.

Dies ist das Wort, das ich dafür für mich gefunden habe.

Ich stand auf einer Verkehrsinsel, mitten auf dem Platz, wo die Bahnen halten, links und rechts floß der Autoverkehr vorbei. Es war sehr, sehr laut. Ich sah mich um.

  • Ich sah den flügellahmen Vogel im Rinnstein, der drohte von vorbeifahrenden Autos überrollt zu werden
  • Ich sah den Fahrradfahrer, der fast angefahren worden wäre
  • Ich sah das Auto, das aufgrund eines riskanten Überholmanövers im falschen Augenblick nur knap einem Unfall entging.
  • Ich sah einen Betrunkenen, der schwankend an der Ampel stand und bereit schien, in jedem Augenblick einen fatalen Schritt auf die Fahrbahn zu unternehmen

Alles in Sekundenbruchteilen.

Aber so geht es mir immer

wenn ich auf der Straße unterwegs bin. Offenbar habe ich ein sehr gesteigertes Bewusstsein für die Empfindlichkeit des Systems – solange alle fahren und alles glatt läuft, ist es gut. Aber eine kleine Unachtsamkeit von Seiten eines am System Beteiligten kann das ganze System in Sekundenbruchteile lahmlegen.

Draußen zu sein ist demzufolge ziemlich stressig für mich. Der Stress wächst proportional zur Größe, bzw. Breite der Straße.

Ich glaube durchaus, dass es auch irgendetwas zu tun hat mit dem für viele hochsensiblen Menschen typischen Verhalten, mit der eigenen Aufmerksamkeit mehr bei den anderen zu sein, als bei sich selbst. Aber es gibt noch andere Aspekte, die ebenfalls eine Rolle spielen.

Als Kind

wuchs ich auf in einer der vielen Neubausiedlungen, die in den 60er Jahren überall gebaut wurden und wenige Jahre später entstand gleich neben dieser Siedlung die A565, ebenso wie 4 Auf- und Abfahrten zu dieser Autobahn. Sie alle kreuzten einen äußerst trostlosen Platz (der wegen der darüberhinwegführenden Autobahn immer dunkel war), über den auch noch die Straßenbahn fuhr. An diesem Platz gab es häufig Unfälle. Ich erinnere mich an ein Kind, das den Versuch, den Platz zu überqueren nicht überlebte. Ich erinnere mich an eine verletzte Frau, deren Bild mich noch Wochen verfolgte.

Damals war das ja völlig anders als heute,

wo ich um meine Hochsensibilität und Empfindsamkeit weiß. Heute mache ich einen großen Bogen um Unfälle, wenn es möglich ist. Damals war das einfach nicht möglich. Es ist etwas passiert und alle sind hingerannt um zu gucken und niemandem wäre es eingefallen, die Kinder beiseite zu nehmen und sie am Gucken zu hindern … geschweige denn, dass es irgendeine Möglichkeit gegeben hätte, das ganze im Gespräch aufzuarbeiten (obwohl ich nicht glaube, dass so etwas möglich ist). Irgendwie haften diesen Erfahrungen jedoch etwas Traumatisches an – und das Schlimmste erzähle ich Ihnen hier lieber gar nicht. Ich weiß nicht, ob es sich hier tatsächlich um Traumata handelt, aber ich glaube, das ist auch gar nicht so wichtig.

Wichtig ist vermutlich, dass ich den

Straßenverkehr als nicht sicher verinnerlicht

habe (Das werde ich ganz bestimmt demnächst mal mit einem Coach beklopfen). Ich weiß nicht, ob es an diesen Erfahrungen lag oder an anderen Dingen, über die ich nichts weiß, jedenfalls entwickelte ich so eine krankhafte Furcht vor kranken und verletzten Menschen – was wiederum zu neuem Stress führte. Einmal war ich auf einem Bürgersteig unterwegs, als zwei Autos auf der Straße daneben ineinanderfuhren. Es krachte sehr laut. Dann Stille. Schließlich öffnete sich die Tür des VWs und eine Frau, die im Gesicht blutete rief mir zu, ich solle die Polizei rufen. Und ich rief, ich wüsste nicht, wo hier ein Telefon wäre und rannte einfach weg. Den Großteil meines Lebens habe ich mich für diese kleine Begebenheit in Grund und Boden geschämt. Mittlerweile habe ich jedoch ziemlich viel Mitgefühl für mein damaliges 13jähriges Selbst entwickelt. Natürlich wusste ich, dass es nicht in Ordnung war, einfach wegzulaufen, aber ich konnte gar nicht anders. Ich fühlte mich so überfordert von dieser Situation, dass irgendein Teil von mir die Beine in die Hand genommen hat.

Vermutlich ist es nicht wirklich überraschend, dass ich den

Führerschein erst mit 40

gemacht habe und die Jahre mit Fahrpraxis relativ kurz waren. Obwohl mir das Autofahren Spaß machte, ist es mir doch nie gelungen, den Stress einzudämmen, den bestimmte Verkehrssituationen mit schöner Regelmäßigkeit in mir hervorriefen – und heute immer noch als Beifahrerin hervorrufen. Zu den wirklich schlimmen Situationen, die ich als Teilnehmerin im Verkehr erlebt habe, gehört der Tag, als ich

eine Art von Panikattacke beim Fahren auf der Autobahn

erlitt und einfach nicht mehr wusste, was ich als nächstes tun musste. Es war die reine Überforderung. Heute glaube ich stressbedingt. Nichtsdestotrotz habe ich das Autofahren relativ bald danach aufgegeben, ich fühlte mich einfach überfordert mit all den gleichzeitigen Handlungen, die Autofahren erfordert.

Je älter ich werde, umso weniger vertrage ich überhaupt – aber ich glaube, das ist ganz normal. Jetzt bin ich schon gestresst, wenn ich mit dem Fahrrad gleichzeitig eine Steigung hinauffahren, links abbiegen und auch noch den Arm ausstrecken soll um mich verkehrskonform zu verhalten!

Keine Ahnung, ob Sie als LeserIn hiermit etwas anfangen können. Dieser Artikel gärt schon seit Jahren in mir. Jetzt, wo ich am Ende angekommen bin, denke ich mir jedenfalls „Kein Wunder, dass ich diese Verkehrsnervosität habe!“ Es wäre eher komisch, wenn es anders wäre.

Wie geht es Ihnen in und mit dem Verkehr? Oder gibt es etwas anderes, das Sie zu fürchten gelernt haben aufgrund von Erfahrungen? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Bildquelle: Pixabay

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Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und drei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

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