„Von wegen Mimose“ – eine Rezension

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div. Autoimmunkrankheiten (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

10. April 2016

Darf man als hochsensibler Mensch eigentlich über die eigene Hochsensibilität lachen?  Scheint erstmal eine doofe Frage

zu sein, ist aber vielleicht nicht mehr so doof, wenn man sich mal genau überlegt, wie oft man über die eigenen hochsensiblen Macken gelacht hat. Diese Frage hatte ich mir vor der Lektüre „Von wegen Mimose“ noch nicht gestellt, es fiel mir erst dadurch auf, dass ich an einigen Stellen in schallendes Lachen ausbrach. Bis  dahin hatte ich jedenfalls nicht über meine Hochsensibilität gelacht. Das ist ja auch verständlich, wenn man wegen der besonderen Empfindsamkeit einen mehr oder weniger hohen Leidensdruck hat, findet man das eigene Leben eher anstrengend und schwierig und alles andere als lustig. Die meisten Bücher zum Thema Hochsensibilität befassen sich daher hauptsächlich mit Tipps und Tricks zur Veränderung der eigenen Lebensgestaltung. Mein eigenes ja auch.

Wie es ist

Die Autorin Beate Felten-Leidel hat durchaus auch Ideen und Vorschläge für positive Veränderungen. Sie macht diese jedoch so behutsam und unauffällig, dass man es fast nicht merkt, das ist sehr angenehm. Die Kraft und Energie des Buches „Von wegen Mimose - Wie ich meine Hochsensibilität als Stärke erkannte“ liegt aber ganz woanders.

Das Besondere an diesem Buch ist, dass Frau Felten-Leidel einfach über die eigene Hochsensibilität erzählt, und wie sie in verschiedenen Lebensbereichen und -situationen zum Vorschein tritt. Das finde ich besonders. Immer in neutralem Ton, nie weinerlich, manchmal aber urkomisch. Der Vergleich von Hochsensensibilität mit einer komplizierten Alarmanlage, die mit Zusatzsensoren, Rauchmeldern, Fühlern, Mikrofonen und Kameras ausgestattet ist, bringt  mich immer wieder neu zum Lachen. Und das tut unglaublich gut: mal über sich selbst zu lachen. Liebevolle Selbstironie ist eine wunderbare Kraft. Es bedeutet auch, einen Schritt von sich selbst zurück zu treten und sich und die eigenen Befindlichkeiten etwas weniger ernst zu nehmen. Für mich hatte das durchaus ein heilendes Moment.

Ein Buch zum Zuhause fühlenmimose

Was mir außerdem ausgesprochen gut gefallen hat, war, dass ich mich beim Lesen dieses Buches so zuhause fühlte. Offenbar sind wir beide in einem ähnlichen Milieu bzw. einer Gefühlsumgebung aufgewachsen, das von den Erlebnissen der Eltern im Krieg geprägt wurde.  Ich habe dies als eine Art weißes Hintergrundrauschen erlebt, äußerst angenehm.  Und natürlich habe ich beim Lesen das Gelesene immer mit den eigenen Erfahrungen abgeglichen. Auch wenn mein Vater nicht im Krieg war, gab es nur ganz wenig, wo ich sagen konnte, nein, das ist bei mir ganz anders … Früher habe ich übrigens unter Angststörungen gelitten und ich fand es sehr schön, dass Frau Felten-Leidel sich da frank und frei outet, das hat zu dem Wohlfühlfaktor natürlich beigetragen …

Zuhause fühlte ich mich auch bei den angesprochenen Themen, wie Intuition, Glücksmomente, Familiengeschichte, Träume, Ängste, Körperempfindungen, Sprache, berufliche Selbständigkeit usw. Das ist natürlich nur eine kleine Auswahl. Frau Felten-Leidel schweift sehr umfassend in alle Ecken und Enden ihres hochsensiblen Lebens, mal hierhin, mal dorthin, es ist wie eine kleine Wanderung, auf der wir der Autorin folgen.

Vergnügen

Wenn ich meine Gefühle für das Lesen dieses Buches mit einem Buch beschreiben soll, dann ist es Vergnügen: Vergnügen über den Humor, die Selbstironie, die angesprochenen Themen.

Von einem rate ich Ihnen allerdings ab: das Buch in einem zu verschlingen. Dann wird es schnell zuviel. Besser in kleinen Häppchen. Die Autorin macht es einem ganz einfach, die Kapitel sind jeweils in mehrere Abschnitte mit Unterüberschriften unterteilt. (Habe ich schon erwähnt, dass ich die Einteilung in Kapitel liebe?) Sie sind heute, glaube ich, etwas aus der Mode gekommen, aber äußerst praktisch und erleichtern das Lesen ungemein.

Einzig der Untertitel „Wie ich meine Hochsensibilität als Stärke erkannte“ hat bei mir für etwas Irritation gesorgt. Ich hatte mir darunter etwas viel Lineareres vorgestellt wie eine fortlaufende Geschichte. Das macht aber gar nichts, auf das gemeinsame Herumschweifen in Lebensbereichen und -situationen konnte ich mich ohne weiteres einlassen und hat letzten Endes auch für  Neugier und Leichtigkeit gesorgt: wohin geht es wohl auf der nächsten Seite? Und danach?

Von dieser Autorin werden Sie auf meinem Blog bestimmt noch öfter hören.

Einstweilen frage ich Sie: Lachen Sie über Ihre hochsensiblen Macken?

Herzlichst, Ihre
Monika Richrath

„Von wegen Mimose - Wie ich meine Hochsensibilität als Stärke erkannte“
Beate Felten-Leidel
Psychiatrie Verlag GmbH, Köln
ISBN 9 783867 391474
17,95 EUR

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Monika Richrath

Monika Richrath

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Nach dem dritten Burnout und drei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

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Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

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1 Kommentar

  1. Amad Paul

    Ich muss gestehen, die liebsten Witze mache ich mit und über Ärzte.
    Wenn ich Menschen anfasse, spüre ich in meinem Körper, was in dem anderen Körper nicht so richtig läuft. An manchen Tagen würde ich mich gerne verkriechen, doch im großen und ganzen habe ich mich über die Jahre damit angefreundet.
    Meine Zahnärztin hatte mich darüber in Kenntnis gesetzt, dass ich eine Wurzelbehandlung bräuchte, mit ihrem Arm berührte sie mich ein wenig länger und obwohl ich eine Position hatte die nicht so Vorteilhaft für mich war, musste ich erst einmal einen Witz über ihre Struma machen. Bei ihr war (wie sich später herausstellte) der Kropf nach innen gewachsen. Seit dem Augenblick fäßt sie mich nicht mehr an, sondern überläßt es einem anderen Arzt.
    Also muss ich gestehen, dass meine Sensible Art nicht nur meine Betrachtung und mein Wissen über mich beeinflusst, sondern auch das meine Umwelt.
    Humor ist, wenn man über den schrägen Weg lachen kann, über seinen und den der anderen.

    Antworten

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