WAS FREUNDSCHAFT FÜR MICH BEDEUTET

Ich glaube nicht, dass es einfach nur ein Klischee ist, dass die meisten hochsensiblen Menschen eher wenig Freunde haben. Das habe ich nun einfach so dahingeschrieben, aber schon drängen sich mir jede Menge Fragen auf. Was ist ein Freund oder eine Freundin? Es mag stimmen für die überwiegend introvertierten Hochsensiblen, die sich nicht so gerne in größeren Menschengruppen aufhalten, weil dies schnell zu Überforderung führt. Aber was ist mit den extravertierten Hochsensiblen? Vielleicht ist auch die Annahme mit den Freunden falsch, vielleicht geht es eher um gute Freunde als Freunde an sich …

Freundschaft ist nicht einfach für hochsensible MenschenWas macht einen guten Freund aus?

Diese Frage wird jedeR sicherlich anders beantworten. Ich glaube aber, dass meine Hochsensibilität da wirklich maßgeblich mitbestimmt.  Jemand, mit dem ich nicht reden kann, kann nie ein Freund werden. Für mich ist ein guter Freund (tatsächlich habe ich eher gute Freundinnen) jemand, mit dem ich über alles reden kann, jemand, zu dem die Verbindung nie abreißt, auch wenn sie manchmal sehr dünn wird, jemand, der sehr viel von mir weiß und jemand, von dem ich sehr viel weiß.

Tatsächlich kann ich meine guten Freundinnen an einer Hand abzählen

Darüber hinaus sind meine wenigen Freundinnen über das ganze Land zerstreut und sind eher Fern-Freundschaften. Das finde ich total schade, aber so ist es eben. Freundschaften entwickeln sich, oder eben nicht, oder verlassen ein gewisses Stadium nie.

Freundschaften sind für mich eigentlich Liebesbeziehungen

ohne Sexualität und mit einem anderen Vorzeichen. Es gibt ja diesen Spruch „Ein Freund ist jemand, der dich kennt und dich trotzdem liebt.“ Das „trotzdem“ darin hat mich immer schon gestört. Für mich haben Freundschaften Liebesbeziehungen gegenüber den Vorteil, dass das Wissen über den anderen einfach anders bewahrt und nicht eingesetzt wird um die Freundschaft zu verändern. Jedenfalls ist es so bei meinen Freundschaften. Vermutlich habe ich in Sachen Freundschaften ziemlich hohe „Qualitätsansprüche“ …

Vertrauen

Einer Freundin muss ich vertrauen können und zwar bedingungslos. Ich bin in dieser Hinsicht ziemlich geschädigt.

Ich war ein total einsames Kind

trotz meiner vier Geschwister. Bestimmt habe ich in irgendeinem Artikel schon erwähnt, dass ich an einer geradezu pathologischen Schüchternheit litt und es sich  für mich wahnsinnig schwierig bis unmöglich gestaltete, mit anderen Kindern außerhalb meiner Familie in Kontakt zu treten. Ich glaubte nicht, dass mich irgendjemand interessant finden könnte und gerne mit mir zusammen wäre.

Es gab natürlich immer wieder Ausnahmen

Im zweiten Schuljahr hatte ich einen ganz entzückenden Freund namens Alvaro. Wir haben uns sogar geküsst, aber wieso und warum dass dann vorbei war, daran erinnere ich mich nicht mehr. Danach kam dann sehr lange Zeit niemand mehr. Im Wesentlichen ging ich meine ganze Kindheit hindurch

Zweckgemeinschaften

mit anderen Menschen ein. Keine Spur von Zuneigung, auf beiden Seiten nicht. Wenn ich mir das so recht überlege, waren es häufiger Kinder, die aus dem Klassengefüge herausfielen, dort auch keinen rechten Platz hatten. Häufig wuchsen sie in wesentlich mehr Wohlstand auf als ich und ich genoss das sehr, bei anderen Menschen zu sein, wo man fühlen konnte, dass es mehr Geld gab. Wo man an einem ganz normalen Wochentag nachmittags Rosinenstullen bekam (den gab es bei uns nur an Festtagen). Wo man fernsehen konnte - ganz ganz große Motivation für mich …

Leider nahm es oft ein schlechtes Ende

Sobald die Mütter (Väter kamen in unserem Alltag meistens nichts vor) mitbekamen, dass ich aus ganz anderen wirtschaftlichen Verhältnissen kam, kamen sie auf die Idee, mir Strumpfhosen zu schenken. Gebrauchte natürlich. Ich habe mich natürlich artig bedankt (ich wusste, was sich gehört), aber das war dann meistens auch der Beginn des Anfangs vom Ende. Rosinenbrote in der Woche und Fernsehgucken war ok, Almosen nicht.

Meiner sozialen Defizite war ich mir nur zu deutlich bewusst

In jeder, wirklich jeder Klasse, die ich besucht habe (aber ich nehme an, das wird auch in den Klassen heute noch so sein), gab es einen Kern wirklich beliebter Kinder. 3-4 Mädchen (meistens blond), in die sich alle Jungen verliebten und 3-4 Jungen, in die sich alle Mädchen verliebten. Die Alpha-Mädchen und die Alpha-Jungen. Die Mädchen spielten in der Pause Vater-Mutter-Kind. Neidisch und sehr eifersüchtig schielte ich auf diese Gruppe, während ich bei den Eisenbahnfahrern mitmachte. Das totlangweiligste Spiel, das Sie sich nur vorstellen konnten: wir verbrachten die gesamte Pause damit, eine imaginäre Bahnstrecke zurückzulegen, zu tuten oder die Bremse zu ziehen - ich könnte weinen, wenn ich heute nur daran denke. Denn das fühlte sich total danach ein, ein LOSER zu sein (obwohl ich das Wort damals natürlich noch nicht kannte). Die Alternative dazu wäre gewesen, wirklich für alle deutlich sichtbar alleine herumzustehen, das hatte ich schon probiert. Den Eisenbahnfahrern hatte ich mich aus purer Verzweifelung angeschlossen, aber mir war selbst klar, dass ich mich schämte, für alle sichtbar allein zu sein.

Der Wechsel aufs Gmynasium brachte eine Veränderung

Tatsächlich bekam ich eine Freundin. Jemand aus meiner Grundschulklasse kam auf das gleiche Gymnasium wie ich und weil wir uns schon kannten, setzten wir uns zusammen in eine Bank. Das war der Beginn einer großartigen Zeit. Zum ersten Mal hatte ich eine richtige Freundin! Ich verbrachte viel Zeit mit K. Wir schafften uns sogar identische T-Shirts an mit unseren Namen drauf. Wir verstanden uns ziemlich gut, interessierten uns beide für Bücher, Filme und Musik … bis irgendwas passierte. Ich habe keine Ahnung mehr, was es war. Irgendwann zogen wir einen Strich auf der Mitte des Pultes und wehe, eine kam mit dem Ellenbogen drüber, dann gab es Krach … In der nächsten Klasse saßen wir dann nicht mehr zusammen in einer Bank.

Alles wie gehabt

Jetzt war ich wieder allein. K. hatte ganz schnell eine neue Freundin, G., die dann mit ihr in der Bank saß. Ich weiß nicht mehr, wer mein Banknachbar war. Ich erinnere mich an eine kurze Verbundenheit mit einem Mädchen, die aufhörte, als die Mutter des Mädchens tot aufgefunden wurde. Hat sie die Schule gewechselt? Ich weiß bloß, dass ich in den Pausen wieder alleine war. Kurzfristig habe ich es noch einmal mit Eisenbahnfahren probiert, es aber gleich wieder aufgegeben, das war zu doof.

Allmählich änderten sich die Dinge

Ich habe mich oft geärgert, dass ich mich mit K. verkracht hatte. G. und sie passten überhaupt nicht zusammen. Ich weiß gar nicht, wann und wo die Wende eingeläutet wurde, ich schaffte es im Laufe der Zeit doch, mir einen Platz im Klassengefüge zu schaffen und ich hatte sogar die ein oder andere Freundin. Mädchen, die auf mich zukamen und mit mir befreundet sein wollten. Aber es stellte sich dann jedesmal heraus, dass es einen Zusammenhang hatte mit meinem nahenden Geburtstag, zu dem die betreffende eingeladen zu werden hoffte. War der Geburtstag vorbei, dann wandte sich diese Freundin dem Mädchen zu, das als nächstes Geburtstag haben würde. Ganz schön traurig, könnte ich heute sagen. Damals war ich nur verstört. Ich begriff einfach nicht, wieso ich gestern noch die beste Freundin von jemand gewesen war und heute nur noch die zweitbeste, obwohl ich gar nichts gesagt oder getan hatte um so degradiert zu werden.

Das hat in mir ein ziemliches Misstrauen gesät

das auch heute noch dann und wann mal wieder aufpoppt und Stress verursacht … Es ist ein bisschen kurios, dass mir das vorhin nicht eingefallen ist. Aber natürlich ist ein Freund jemand,

dem ich vertrauen kann und für den ich alles tun würde

Puh, alle möglichen Gefühlszustände haben mich durchlaufen, während ich über die Geschichten meiner Freundschaften nachgedacht habe. K. habe ich übrigens zurückerobert, mit sehr, sehr viel Geduld und dem Wissen, dass wir viel besser zueinander passten als K. und G. Und wir waren richtig lange befreundet, mindestens zwanzig Jahre lang.

Leider nahm es aber auch ein schlechtes Ende mit uns

Nachdem wir unglaublich lange Zeit durch dick und dünn gegangen sind, hatte ich mehr und mehr den Eindruck, für K. nur noch ein Teil der Clique zu sein, die sie gerne um sich scharte. Ich fühlte mich nicht mehr gesehen und zunehmend unwohl. Und irgendwann habe ich die Freundschaft dann richtig beendet. Dieses Schicksal haben auch andere Freundschaften erlitten. Dass eine Freundschaft sich einfach so verliert, kenne ich kaum. Aber ich finde das ist ok so.

Freundschaften haben einen sehr hohen Stellenwert für mich

und ich finde es gut, sie zu beenden, wenn es einfach nicht mehr passt (genauso, wie man eine Liebesbeziehung beendet, die nicht mehr passt). Ich habe schon öfter gelesen, dass hochsensible Menschen dazu tendieren, mehr in Beziehungen zu sehen als ihr Gegenüber, bzw. der- oder diejenige zu sein, die die Beziehung am Laufen hält. Für mich stimmt das ganz definitiv.

Was haben Sie für Erfahrungen mit Freundschaften? Wie viele Freunde haben Sie? Was machen Sie, wenn die Chemie nicht mehr stimmt? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.
Herzlichst,

Ihre Monika Richrath

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

In meinem kostenlosen E-Mail Kurs lernen Sie, wie Sie besser mit Stress, Überforderung und Erschöpfung aus der Hochsensibilität umgehen können.

Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und drei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

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