Was hat Fibromyalgie mit Hochsensibilität zu tun?

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

1. Februar 2015

Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen dieses Artikels in Stress geraten, klopfen Sie doch einfach beim Lesen Ihre Handkante, wie auf dem Foto gezeigt.

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Leiden Sie auch unter Schmerzen, Erschöpfung, Reizdarm, Stressunverträglichkeit etc. ohne dass sich jemals in Laboruntersuchungen dafür ein triftiger Grund finden ließe? Dann gehören Sie wie
ich vielleicht zu den 2-2,5 Millionen Menschen, die an dem Fibromyalgie-Syndrom leiden. Ein Syndrom ist ein Krankheitsbild, das sich aus dem Zusammentreffen verschiedener chrakteristischer Symptome ergibt. Zur Fibromyalgie gehören z. B. nicht nur die o.g., sondern auch Schlafstörungen, Gedächtnisprobleme, Konzentrationsstörungen, Erschöpfbarkeit, verminderte Leistungsfähigkeit und vieles mehr. Vielleicht haben Sie ja schon einmal von dem sog. „Fibro-Nebel“ gehört? Damit ist ein leicht verwirrter Zustand gemeint, der ganz typisch für die Fibromyalgie ist. (Depressionen gehören übrigens nicht zum Beschwerdebild an sich, sondern treten eher als nachfolgendes Begleitsymptom auf.)

Rückblickend ist mir natürlich klar, dass die ersten Anzeichen meiner Fibro sich schon sehr früh zeigten, ab Mitte 20. Ich arbeitete erst wenige Jahre und steckte schon mitten in meinem ersten Burnout. Manchmal spürte ich seltsame Schmerzen in meinen Gliedern, die sowohl dumpf als auch reißend sein konnten. Da ich aber zu der Zeit ohnehin schon sehr große Schwierigkeiten hatte, von Ärzten mit meinen Magenproblemen ernst genommen zu werden, traute ich mich überhaupt nicht, mit irgendjemandem darüber zu sprechen und hielt die Schmerzen einfach aus. Sie kamen und gingen, und ich unternahm nichts. Im Laufe der Jahre (damit meine ich den ganzen Zeitlauf meines offiziellen Berufslebens, also mehr als 20 Jahre) veränderten sich die Schmerzen jedoch. Die schmerzfreien Zeiträume wurden immer kürzer, die Schmerzen intensiver, die Erschöpfung größer. Andere Symptome traten auf. Irgendwann klappte es auch mit der Nichtbeachtung nicht mehr. Erst zu diesem Zeitpunkt fiel mir ein, dass meine Mutter doch mal ein Syndrom erwähnt hatte, an dem sie selbst litt? Ich machte mich auf die online-Suche und wurde sofort fündig. Bingo. Das passte ja wie die Faust aufs Auge.

Ich hatte aber keine Zeit mehr, mich mit irgendwelchen Therapien zu beschäftigen. Es war nicht fünf vor, sondern schon viertel nach 12. Im Grunde genommen befand ich mich schon wieder mitten in einem Burnout (dem dritten mittlerweile), allerdings brauchte ich diesmal Jahre, bis es besser wurde. Das ganze Programm von maximaler Krankschreibung, Kuraufenthalt, beruflicher Rehabilitationsmaßnahme war dazu notwendig. Heute geht es mir besser. Allerdings merke ich, dass dies ein zerbrechlicher Zustand ist, der jederzeit gestört werden kann und nur deshalb funktioniert, weil ich mir durch die Selbständigkeit Lebensumstände geschaffen habe, die meine schnelle Erschöpfbarkeit auffangen können.

Die Krux war, dass sich Fibromyalgie lange Zeit nur über das Messen der sog. 18 Tenderpoints diagnostizieren ließ, bei gleichzeitiger Unauffälligkeit üblicher Laborwerte. Lange hat man gedacht, dass die Fibromyalgie zum rheumatischen Krankheitsbild gehört. Mittlerweile weiß man jedoch mehr. Heute geht man davon aus, dass es sich bei der Fibromyalgie um eine schwere, weit fortgeschrittene und chronisch verlaufende Ganzkörper-Erkrankung handelt, bei der die körpereigene Schmerzverarbeitung gestört ist. Als hypsensitive Menschen sollten wir dabei stets beherzigen, dass die Schmerzen real sind und alles andere als eingebildet!

Was hat nun Fibromyalgie mit Hochsensibilität zu tun? Man geht heute davon aus, dass die Ursache in einer anhaltenden körperlichen und psyischen Überbelastung zu suchen ist, in länger anhaltenden Schmerzen, Unfällen, operativen Eingriffen, traumatischen Erlebenissen, seelischen Belastungen und Dauerstress. D-A-U-E-R-S-T-R-E-S-S. Den haben hochsensible Menschen, die mit ihrer Empfindsamkeit ja schon im Normalalltag  das Gras wachsen hören, oft den ganzen lieben langen Tag lang, da muss nicht mal etwas besonders Schwieriges oder Anstrengendes passieren. Für hypersensitive Menschen reichen schon kleinste Auslöser, z. B. kann eine vermeintlich geäußerte Kritik uns tagelang beschäftigen.

Die chronische Dauerbelastung führt zu einer Störung der Schmerzentstehung, -hemmung, und -verarbeitung und letztlich zu einer Chronifizierung des Schmerzes. Durch einen Überschuss an stressreaktionsfördernden und einen Mangel an schmerzdämpfenden Hormonen und Neurotransmittern wird ein Gewöhnungs- und Ausprägungsprozess in Gang gesetzt, der nach und nach die Gesamtheit des körperlichen Systems in Mitleidenschaft zieht. 2013 gelang es übrigens zwei Wissenschaftlerinnen der neurologischen Klinik des Würzburger Universitätsklinikums zum ersten Mal, bei Patienten mit dem Fibromyalgie-Syndrom Schädigungen der kleinen Nervenfasern (sog. small fibers) bildlich nachzuweisen.

Fibromyalgie gilt als nicht heilbar. Aber natürlich ist es möglich, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen (wobei jedeR natürlich individuell herausfinden muss, was ihm/ihr gut tut) :

  • Zum Beispiel durch Bewegung (leichte Sportarten ohne allzuviel Anstrengung). Ich selbst habe mich für Wassergymnastik entschieden und Nordic Walking.
  • Zum Beispiel durch Ernährung. Mir hilft eine gluten-, laktose- und zuckerfreie Ernährung.
  • Zum Beispiel durch Massage. Früher fand ich thailändische Massage herrlich, aber als es richtig krass wurde mit den Fibro-Symptomen wurde diese Massageform zu schmerzhaft. Heute finde ich eher Lymphdrainage angenehm.
  • Zum Beispiel durch Singen.

Ganz unverzichtbar ist es jedoch, wenn Sie Ihren Krankheitsverlauf verändern wollen, dass Sie sich um aktive Stressbewältigung bemühen. Es gibt natürlich 1001 Möglichkeiten dafür. Nachdem ich etliche Methoden ausprobiert habe, habe ich mich für die EFT Klopftechnik entschieden: weil sie einfach anzuwenden ist, keine weiteren Hilfsmittel benötigt und total unaufwändig ist (10 Minuten am Tag reichen aus, um langfristig etwas zu erreichen). Was das sein könnte: wenn Sie weniger Stress haben, haben Sie weniger Schmerzen und fühlen sich wohler. Das ist doch allerhand, oder?

Mehr Informationen finden Sie auf den Seiten der Fibromyalgie-Liga Deutschland und der Deutschen Fibromyalgie-Vereinigung. Und hier gibt es eine kleine Klopfanleitung zum Ausprobieren.

Ich habe  eine kleine Umfrage zu dem Thema gebastelt und bin neugierig, ob Schmerzen ein Thema für Sie ist?

Herzlichst, Ihre
Monika Richrath

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15 Kommentare

  1. Hirtler Christa

    Ich bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen. Ist es möglich, dass ich durch diese Krankheit schon 7 Jahre fast nicht mehr schlafen kann; ich war schon bei unzähligen Ärzten und habe alle in Fragen kommende Behandlungen durchlaufen. Nichts hat mir
    geholfen.
    Können Sie mir eine Erklärung geben
    Christa Hitrtler

    Antworten
    • Monika Richrath

      Hallo Frau Hirtler,

      ich bin keine Medizinerin, ich kann Ihnen von daher keine Erklärung geben. Aber Sie können es auf jeden Fall mit klopfen mit der EFT-Klopftechnik probieren. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass eine Verbesserung möglich ist.

      Herzliche Grüße
      Monika Richrath

      Antworten
  2. Regina Goerke

    Ich finde das sehr gut beschrieben. Ja diesen Fibro Nebel erfahre ich zurzeit öfter. Irgendwie nimmt alles zu – Wechseljahre als Grund dafür??? Bin in der Schule tätig und das bewältige ich auch, aber auch da spüre ich – besonders auch im Musikunterricht- Beeinträchtigung und schnelle Ermüdung und Schmerzen und Nichtkontrolle der Muskeln und Handglieder. Aber es tut gut, zu lesen, dass man nicht allein ist. Im Moment muss ich mich noch bei der priv.Krankenkasse „rechtfertigen“ um anhaltende Physio ( übrigens seit eine BS OP) zu bekommen.
    Singen gehört zu meinem Schulalltag jipi und Wassergym mache ich auch, aber danach geht es mir oft schlechter am nächsten Tag.
    Also vielen Dank für den gut geschriebenen Artikel….Regina

    Antworten
    • Monika Richrath

      Hallo Regina, mit den Wechseljahren das könnte hinkommen. Als ich in die Wechseljahre kam, habe ich gemerkt, dass sich alles intensiviert und/oder auf den Kopf stellt. Vor allen Dingen die Erschöpfung hat wahnsinnig zugenommen.

      Ich habe es manchmal so, dass mir bestimmte Sachen grundsätzlich gut tun (wie z. B. tanzen oder ein längerer Spaziergang), aber wenn ich davon nur ein Fitzelchen zuviel habe, verkehrt es sich ins Gegenteil. Der Grat zwischen gut und schlecht ist also hauchdünn und ich weiß immer erst am nächsten Tag, ob es mir gut getan hat … Herzliche Grüße, Monika

      Antworten
  3. Rita

    Schön, dass endlich erkannt wird, dass Fibromyalgie und Hochsensibilität zusammenhängen. Seit 12 Jahren leide ich an Fibromyalgie. Vor 2 Jahren habe ich meine Ernährung so lange umgestellt, bis es mir damit gut ging. Das heisst erst ohne Kaffee, ohne Alkohol, Glutenfrei, dann keine Kohlenhydrate mehr, d.h. keinen Zucker, Früchte,kein Getreide, Reis, Kartoffeln, kein Soja, keine Fleisch- und Wurstwaren und zu guter Letzt habe ich auch sämtliche Milchprodukte vom Speiseplan gestrichen. Ich hielt mich immer für krank. Nachdem ich vor einem Jahr auch sämtliche Stressfaktoren durch Menschen in meinem Umfeld abgestellt habe geht es mir heute sehr sehr viel besser. Heute lebe ich ziemlich stressfrei. Erst vor ein paar Wochen bin ich auf Seiten für Hochsensible gekommen und habe festgestellt….ich bin nicht krank!!! ich bin hochsensibel!!! Und damit ein normaler Mensch, der nur etwas empfindlich reagiert und habe mich damit arrangiert. In meinem Leben habe ich viel zu oft ja gesagt und wollte es allen recht machen. Das war im Rückblick ein riesiger Stress. Durch EFT habe ich in Kleinstarbeit über Monate hinweg ganz viel Vergangenheit aufgelöst. Ich kann Dich in Deiner Arbeit nur bestätigen und wünsche Dir vieeeeel Erfolg und dass Du ganz viele Menschen damit erreichen kannst. Übrigens Trigger Points habe ich keine mehr und Schmerzen sind sowas von selten geworden und wenn mal was kommt dann hilft EFT. Tabletten habe ich nie genommen, versucht schon, weil man von den Ärzten unter Druck gesetzt wird, ich hab sie einfach nicht vertragen, auch nicht eine 1/8 Dosis. Heute weiss ich, dass das mit der Hochsensibilität zusammenhängt und das stärkt mich. Der Gedanke ich bin kein abnormaler kranker Mensch sondern hochsensibel lässt mich jeden Morgen fröhlicher aufstehen. Von meiner Ärzteodysee zu berichten würde ein dickes Buch füllen. Heute weiss ich, das sind auch nur Menschen und mit Fibromyalgie und Hochsensibilität einfach überfordert.

    Antworten
    • Monika Richrath

      Wow, vielen Dank Rita, dass du uns an deiner Geschichte teilhaben lässt, ich hoffe, das macht vielen anderen Mut! Zu Ernährung habe ich eine Frage: ich verstehe es jetzt so, dass du im wesentlichen Gemüse isst, oder?
      Herzliche Grüße, Monika

      Antworten
    • Anastasia

      Passt genau so bei mir auch – Fibro wurde diagnostiziert – Hochsensibel nicht aber bei Medis reicht mir im Normalfall von der niedrigsten Dosis die Hälfte

      Antworten
      • Monika Richrath

        Hallo Anastasia, niemand diagnostiziert Hochsensibilität. Du alleine entscheidest, ob das auf dich zutrifft oder nicht … Herzliche Grüße, Monika

        Antworten
  4. Sabine Bischoff

    Vielen Dank für den tollen Artikel! Ich habe ihn auf unserer Facebook Seite“Fibromyalgie“ gepostet. Wir sind ein med. Labor und haben uns auf Hormonanalysen aus dem Speichel spezialisiert. Unter unseren Patientinnen gibt es sehr viele mit Fibro…ein Zusammenhang mit den Hormonen besteht (Stress / Cortisol) aber wie hier beschrieben auch diese Hochsensibilität!
    Sabine Bischoff, Labor Swisshealthmed

    Antworten
    • Monika Richrath

      Vielen Dank, Frau Bischoff – auch fürs Weiterverteilen. Je mehr Menschen davon erfahren, umso besser.

      Herzliche Grüße,
      Monika Richrath

      Antworten
  5. Brigitte Mendrik

    Hallo Monika,

    Fibromyalgie unheilbar?

    Vielleicht ein kollektiver negativer Glaubenssatz, weil Fibromyalgie mit den Mitteln der herkömmlichen Medizin nicht heilbar ist.

    Wir arbeiten ja mit energetischen Techniken, und ich habe im Rahmen des Emotionscodes und des Bodycodes berichte gelesen, dass diese Syptome sehr wohl harmonisiert werden können.

    Liebe Grüße

    Antworten
    • Monika Richrath

      Liebe Brigitte, vielen Dank für den Hinweis und die Links! Ich habe in meinem Blogbeitrag ganz bewusst die Formulierung gewält „gilt als“.

      Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass Fibromyalgie ein flexibler Prozess ist, mal habe ich mehr Schmerzen, mal weniger, mal fast gar nicht, von daher möchte ich nicht anzweifeln, dass Fibromyalgie mit Energetischen Techniken beeinflussbar oder sogar auflösbar ist … Herzliche Grüße, Monika

      Antworten
  6. Silke

    Liebe Monika,
    vielen Dank für diesen aufschlussreichen Artikel! Du hast alles so schön auf den Punkt gebracht!
    Ich habe seit ein, zwei Jahren immer wieder diese immer mal wieder auftauchenden Gelenk- und nun auch Gliederschmerzen, hauptsächlich Morgens. Ich dachte bisher, ich sei vielleicht übersäuert.
    Nun sehe ich aber, dass auch die meisten anderen Symptome vorhanden sind. Sogar dieser Nebel, den ich bisher als: Nicht-so-ganz-Dasein beschrieben habe. Ich hatte all dies der intensiven Energiearbeit zugeschrieben und, dass es den stofflichen Körper vielleicht belastet, ich mich besser erden muss…

    Hm, es scheint, dass es einen Namen für mein Befinden gibt. Mal schauen, wie ich jetzt damit umgehe. Vielleicht klopfe ich das tatsächlich mal.

    Ganz herzlichen Dank jedenfalls für den aufschlussreichen Artikel!

    Liebe Grüße,
    Silke

    Antworten
    • Monika Richrath

      Gerne, Silke. Vielen Dank. Das bringt mich auf die Idee, dass ich meine Artikel vielleicht alle mal updaten sollte … Es gibt mittlerweile sogar Studien, die die Wirksamkeit der Klopfakupressur bei Fibromyalgie belegen.
      Aus meinem eigenen Erfahrungsschatzkästchen kann ich berichten, dass ich mittlerweile fast schmerzfrei bin (und wenn nicht, bin ich es meist selbst schuld), allerdings habe ich die Fibromyalgie nie direkt beklopft, sondern mich gleich mit möglichen emotionalen Ursachen befasst. Früher oder später landet man ja sowieso dort 😉 Liebe Grüße, Monika

      Antworten

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