Was passiert eigentlich während einer Klopfsitzung?

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div. Autoimmunkrankheiten (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

21. April 2019

Man kann sehr gut alleine klopfen, aber im Coaching erreicht man einfach mehr. Als Außenstehende*r scheint es manchmal offenbar unverständlich, wie sehr sich die Arbeit alleine von der Arbeit mit Begleitung unterscheidet. Dies liegt nicht nur daran, dass man grundsätzlich für sich selbst immer ein bisschen blind ist, sondern auch daran, dass man im Coaching Räume betritt, die beim Klopfen allein einfach verschlossen bleiben. Daher stelle ich Ihnen in meinem Blogbeitrag der Woche den Ablauf einer Coachingsitzung vor (mit dem Einverständnis der Betroffenen). Dieser beruht auf einer Sitzung, die tatsächlich stattgefunden hat, allerdings habe ich den Namen und einige Einzelheiten verändert.

Die Beschreibung gibt natürlich nur einen groben Verlauf der Sitzung wieder (eine Sitzung dauert ca. 60 Minuten), reicht aber, um Ihnen eine Idee davon zu geben, was in einer Klopfakupressursitzung geschieht – und auch davon, was in der Zusammenfassung in etwa stehen wird, die Sie nach der Sitzung von mir erhalten.

Nur zum Verständnis vorab: Wir beginnen mit einem Klopfsatz, der dann einige Runden lang mit verschiedenen Aspekten beklopft wird. Im Verlaufe des Klopfens fällt dem/der Klient*in entweder etwas ein oder ich stelle eine Frage, die zu einem neuen Klopfsatz führt usw.

Natürlich haben alle Klient*innen die Möglichkeit, jederzeit eigene Worte zu sagen, der Großteil meiner Klient*innen ist jedoch damit überfordert, weswegen ich häufig vorspreche und beim Aspekteklopfen die Ausdrücke und Erlebnisse oder Gefühle verwende, die mir die entsprechenden Klient*innen vorher mitgeteilt haben. Der Verlauf der nachfolgenden Sitzung ist natürlich sehr stark gekürzt.

Marianne ist eine Frau in den 40ern, die in einer kleinen Stadt im Ruhrgebiet lebt, die sie als schmutzig und einengend empfindet. Sie ist sehr unzufrieden mit ihrem Leben, weil sie sich ihrer Meinung nach immer nur im Kreis dreht. Sie hat bereits verschiedene Therapien hinter sich gebracht, die jedoch keine Heilung oder Erleichterung gebracht haben. Manchmal wurde sie auch als untherapierbar bezeichnet. Es besteht eine starke Überempfindlichkeit, z. B. gegen Gerüche, Lärm und Reizüberflutung, andere Menschen machen sie nervös.

Sie hatte mich irgendwie im Internet gefunden und beschlossen, der Klopfakupressur eine Chance zu geben, weil es so anders schien als alles, was sie bislang versucht hatte. Diese erste Sitzung fand telefonisch statt. Zunächst gab es aber eine Hürde zu überwinden, denn obwohl sie das Klopfen gerne ausprobieren wollte, fand sie es sehr seltsam, fast fragwürdig. Daher haben wir zuerst den Satz geklopft  „Auch wenn mir das alles komisch vorkommt, öffne ich mich für die Möglichkeit, mich darauf einzulassen.“

Nach einer Weile sagte sie, dass sie immer die Zähne zusammenbeisse und nicht weiter wisse. Aber sie sei so unzufrieden mit sich und ihrem Leben …

Daraufhin haben wir den Satz geklopft „Auch wenn mich eine große Unzufriedenheit plagt, akzeptiere ich mich, mit allem was ist.“

Ich wollte dann wissen, womit sie alles unzufrieden ist? Sie sei so alleine bin und habe überhaupt keine Freunde im Alltag, sie empfinde sich als unlebendig und mache zu wenig, dabei habe sie unwahrscheinlich viel Energie, ihre künstlerischen Potentiale könne sie überhaupt nicht verwerten, dabei habe sie so viele Ideen, könne diese aber kaum umsetzen oder etwas daraus machen. Dabei habe sie jede Menge Zeit und sei total gestresst, weil sie das nicht geregelt kriege. Ständig verliere sie sich im eigenen Nichtstun und wüsste nicht weiter. Außerdem würde sie sich für die eigene Unfähigkeit total verurteilen – ständig und überall.

Daraufhin haben wir den Satz geklopft „Auch wenn ich mich dafür verurteile, dass ich nichts geregelt kriege, akzeptiere ich mich mit allem, was ist.“

Nach einer Weile fiel ihr ein, dass vor ein paar Tagen der Todestag ihrer Mutter war. Ihr ist aufgefallen, dass sie im Vergleich zu früheren Jahren jetzt schon viel ruhiger war an diesem Tag. Aber sie habe oft Angst, so zu werden, wie ihre Mutter.

Daher haben wir den Satz geklopft „Auch wenn ich Angst habe, so zu werden, wie meine Mutter, akzeptiere ich mich mit allem, was ist.“

Ich wollte dann wissen, inwiefern sie sich wie ihre Mutter empfindet? Sie sagte, dass sie sich ebenfalls wie ihre Mutter aufrege über Dinge, die andere tun, dass sie andere auch kritisiere. Sie habe ebenfalls Schwierigkeiten mit Beziehungen und lebe asexuell. Wie ihre Mutter litte sie auch unter Depressionen.

Meine nächste Frage war, was sie denn von ihrer Mutter unterscheide? Grundsätzlich empfindet sie sich als wesentlich positiver als ihre Mutter, sie sei in der Lage, nicht alles negativ zu sehen und sie könne Probleme angehen.

Allerdings habe sie eine Blockade im Kopf, sie denke eben oft, dass sie etwas nicht könne. Sie sei so kreativ und würde gerne Bilder malen und ausstellen. Das wäre die Richtung, die sie ihrem Leben gerne geben würde, es würde ihr so Spaß machen zu dekorieren, aber sie habe keine Ahnung, wie sie das anstellen sollte, tatsächlich in diese Richtung zu gehen. Sowieso könne sie nicht gut für sich selbst sorgen. Es sei ihr bewusst, dass sie viel zu oft zuhause sei, sie wolle raus aus ihrem Gefängnis. Sie wolle gerne mehr draußen sein, aber das sei schwierig, wegen der Menschen draußen. Oft sei es schwierig überhaupt die Nähe der Menschen um sie herum auszuhalten, auch wenn die eigentlich gar nichts von ihr wollten.

Als nächstes haben wir den Satz geklopft „Auch wenn ich aus meinem Gefängnis ausbrechen möchte, akzeptiere ich mich mit allem, was ist.“

Was würde sie tun, wenn sie die Möglichkeit hätte, aus ihrem Gefängnis auszubrechen? „Tanzen, singen, einen Mann umarmen, mehr Leichtigkeit, Leben, Spaß haben mit anderen, ohne über Probleme zu reden, verreisen, alleine Sachen machen, endlich mal Nähe und Berührung zulassen, mir was Tolles ansehen, umziehen, mich irgendwo engagieren, ich könnte im Garten arbeiten, das würde mir Spaß machen.“

Anschließend haben wir den Satz geklopft: „Auch wenn ich all diese Einschränkungen habe, öffne ich mich für die Möglichkeit, meine Einschränkungen loszulassen.“

Von da aus sind wir langsam ins Reframing gegangen, ich habe als Handlungsimpuls vorgeschlagen, mehr rauszugehen und sich zu bewegen. Wir haben geendet mit den Worten „Ich bin wertvoll und ich verdiene Sicherheit.“

Für den Klopfsatz zuhause, den sie in den nächsten 14 Tagen klopfen sollte, haben wir uns auf den Satz geeinigt: „Auch wenn ich aus meinem Gefängnis ausbrechen will, öffne ich mich für neue Möglichkeiten.“ Diesen Satz sollte Marianne 14 Tage lang klopfen und zwar täglich 2 Runden den ersten Satzteil und 2 Runden den zweiten Satzteil.

Außerdem schlug ich vor, dass sie so oft wie möglich den wunden Punkt reiben und dabei sagen sollte „Ich liebe und akzeptiere mich, mit allem was ist.“

Für die kommende Woche haben wir ein Telefonat vereinbart.

Im Telefonat sagte sie mir, sie habe direkt in der Nacht nach der Sitzung einen Traum gehabt, in dem alles o.k. gewesen sei. Sie habe bemerkt, dass sie sehr viele Menschen kennen lerne, aber die Kontakte nicht aufrecht erhalten könne.

Das Klopfen fiel ihr sehr schwer. Beim Satzklopfen bestand so viel Unsicherheit, ob dies nun richtig sei, dass es zu neuem Stress führte. Ich habe daher vorgeschlagen, das Satzklopfen vorerst einmal beiseite zu lassen und nur die Sache mit dem wunden Punkt so oft wie möglich am Tag zu machen.

Ich wollte wissen, ob nach der Sitzung etwas Ungewöhnliches passiert sei, ob es irgendein Ereignis gegeben habe, das anders verlaufen sei als sonst? Das gab es. Eigentlich wollte sie einkaufen gehen (was in der Regel mit sehr viel Stress verbunden sei wegen der vielen Menschen in den Geschäften), statt dessen sei sie aber allein in ein indisches Restaurant gegangen. Dort habe gerade die Familie der Inhaber an einem Tisch zusammengesessen und gegessen. Sie wurde eingeladen, sich dazu zu setzen und mitzuessen. Dieser Einladung sei sie gefolgt und habe eine äußerst nette Zeit mit dieser Familie verbracht. Marianne selbst bezeichnete diese Begegnung als „außergewöhnliche soziale Interaktion“ und entschied sich, die Sitzungen fortzusetzen.

Falls Sie nun neugierig geworden sind auf das Klopfen, empfehle ich Ihnen meinen Onlinekurs, mit dem Sie kostenlos die Basics der Klopfakupressur erlernen können. Dies ist die beste Möglichkeit, herauszufinden, ob Ihnen das Klopfen gefällt.

Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße, Ihre Monika Richrath

Bildnachweis: Maike Mentzel

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2 Kommentare

  1. Hallo? Ich verstehe deinen Kommentar nicht …

    Antworten
  2. Hallo Monika!

    Meinst du mich? Ich hatte nur deine Seite auf einem meiner Beiträge verlinkt. Deshalb taucht der Link hier unten auf.

    Liebe Grüße,
    Julia

    Antworten

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