Was Sicherheit uns bedeutet

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

2. Dezember 2018

Ich glaube, dass die Bedeutung der Sicherheit für unser eigenes Leben allgemein ziemlich unterschätzt wird. Wenn gesagt wird, dass jemand “ in Sicherheit“ ist, gehen wir erst einmal von körperlicher Unversehrtheit aus, bzw. von einem Schutz, der der Erhaltung der körperlichen Unversehrtheit dient. Wir haben dabei weniger im Blick, dass „Sicherheit“ fast unser gesamtes Denken und Handeln bestimmt und die Grundmotivation allen Handelns ist.

Vermutlich haben Sie schon einmal von der Bedürfnispyramide, bzw. der Maslowschen Bedürfnishierarchie gehört, ein Modell, das von dem amerikanischen Psychologen Abraham Maslow stammt und in dem er versucht, eine Rangfolge menschlicher Bedürfnisse und Motivationen zu beschreiben. Die Pyramidenform, in der dieses Modell hauptsächlich bekannt ist, stammt übrigens nicht von ihm selbst, was uns aber nicht weiter beschäftigen muss, ebensowenig, dass dieses Modell seit seiner Entstehung vielkritisiert wurde.

Die Bedürfnispyramide erklärt unser Sicherheitsbedürfnis

Wie Sie sehen können, kommt die Sicherheit dabei direkt hinter den physiologischen Grundbedürfnissen wie essen, trinken und schlafen.

Sicherheit das bedeutet nicht nur körperliche Unversehrtheit, es bedeutet auch z. B. materielle Sicherheit, wie es uns ein geregeltes Einkommen bieten kann oder finanzielle Unabhängigkeit.

 

Wie würden Sie „Sicherheit“ für sich definieren?

Wenn ich so in mich hineinhorche, dann wäre meine Definition von Sicherheit das Gefühl, dass es keine Bedrohungen irgendwelcher Art gibt. Hochsensibilität könnte in diesem Zusammenahng natürlich dazu führen, dass wir uns schneller bedroht fühlen als andere. Dabei geht es um wesentlich mehr als nur den finanziellen Rahmen. Nahezu alles kann sich bedrohlich anfühlen.

Wir können uns z. B. bedroht fühlen, wenn

  • unser Selbstbild ins Wanken gerät
  • wir unsere Komfortzone verlassen sollen
  • wir erfolgreich sind (nicht nur, aber auch in finanzieller Hinsicht)
  • sich das Gefüge unserer sozialen Beziehungen verändert
  • wir für uns selbst einstehen sollen
  • wir unsere Gefühle zeigen sollen
  • wenn wir unsere Gefühle als unkontrollierbar erleben
  • wenn wir das Gefühl haben, uns gegen die Eltern zu wenden
  • wir uns verlieben oder uns in anderer Weise gefühlsmäßig auf einen Menschen oder eine Gruppe einlassen

etc. um nur ein paar Möglichkeiten zu benennen. Zu dem Thema Sicherheit hatte ich schon einmal einen Artikel geschrieben, über Dinge, die sich nicht sicher anfühlen können.

Unsere Sicherheitsbedürfnisse haben sehr viel zu tun mit unseren Grundüberzeugungen und Glaubenssätzen, darauf, wie wir die  die Welt sehen, damit, was wir über die Welt gelernt haben. Als Säugling und Kleinkind (vermutlich schon seit der Zeugung) wissen wir instinktiv, dass unser Überleben von unseren Eltern abhängt. Wir sind in diesem Alter jedoch nicht in der Lage, Situationen objektiv zu beurteilen, da wir uns selbst als Mittelpunkt erleben und alles, was passiert, auf uns selbst beziehen.

Wenn sich also ein Elternteil unerwartet von uns abwendet,

kann dies durchaus einen lebensbedrohenden Charakter haben. Wir wissen ja nicht, ob es vorübergehend ist und dass es gleich anders sein kann, weil es für uns nur das Jetzt gibt und sonst nichts. Das Unterbewusstsein versucht mit seinen beschränkten Mitteln die Situation zu erklären (denn es muss ja dafür sorgen, dass uns nicht geschieht). Oft zieht es dann Schlussfolgerungen wie: Ich bin nicht gut genug, ich bin es nicht wert, geliebt zu werden usw.

Eine einzige Situation kann durchaus ausreichen,

um eine Grundüberzeugung zu entwickeln, die sich auf das ganze Leben auswirkt. Sicher ist jedenfalls, dass wir im Laufe unseres Lebens einen ganzen Katalog an Glaubenssätzen entwickeln, die eins gemeinsam haben: sie sollen für unsere Sicherheit sorgen, bzw., jedes Mal, wenn wir in eine Situation geraten, die der ursprünglichen Situation in irgendeiner Form ähnelt, können wir uns existentiell bedroht fühlen, ohne uns vielleicht erklären zu können, wo dieses massive Gefühl der Bedrohung herkommt. Auch dies dient unserem Schutz, das Unbewusste möchte  vermeiden, dass wir eine ähnliche lebensbedrohliche Situation wieder erleiden müssen und reagiert daher mit Stress.

Besonders wichtig ist dabei:

Manche Situationen können sich so bedrohlich anühlen (ohne dass es uns bewusst ist), dass wir nicht in der Lage sind, sie zu verändern, solange wir uns nicht mit dem Sicherheitsaspekt beschätigen. Zum Beispiel könnte eine Person unbedingt abnehmen wollen. Sie strengt sich an wie verrückt, aber es funktioniert einfach nicht. Dabei kann die Motivation durchaus sein, sich selbst als attraktiver zu erleben. Aber die Konsequenz aus der gesteigerten Attraktivität kann sich grauenvoll anfühlen für das Sicherheitsbedürfnis dieser Person. Vielleicht wird sie dann als möglicheR SexualpartnerIn wahrgenommen, und entsprechende Angebote werden an sie herangetragen. DAS will sie auf keinen Fall. Und weil das so ist, wird es mit dem Abnehmen nichts werden, dafür sorgt das Unbewusste dieser Person, denn es möchte sie ja schützen. Denken Sie daran: alle Ihre Systeme arbeiten für, nicht gegen Sie!

Glaubenssätze kann man zum Glück verändern

z. B. durch die Klopfakupressur. Gerade bei Sicherheitsthemen kann das Klopfen Wunder wirken, z. B., indem man statt „liebe und akzeptiere ich mich voll und ganz“ sagt „bin ich sicher“ oder „bin ich in Sicherheit“ oder „bin ich behütet und beschützt.“

Manchmal können sich Grundüberzeugungen aber auch ganz von allein verändern, oder Huckepack im Gepäck anderer Glaubenssätze.

In den vergangenen Wochen wurden meine Sicherheitsbedürfnisse wegen der Eigenbedarfskündigung, die ich bekommen habe, auf eine ziemlich harte Probe gestellt … Alle möglichen Glaubenssätze tauchten auf, nicht nur meine eigenen. Angefangen von: „Du wirst unter der Brücke schlafen“ (von meiner Mutter), über „Sie sollten das annehmen“ (meine Vermieterin) bis hin zu „Kein Vermieter will mich“ (mein eigener).

Diese Woche habe ich selbst so eine Art Erleuchtung gehabt, was meine eigenen Glaubenssätze angeht. Bislang habe ich fast nur in eher kleinen Wohnungen gelebt, meistens in 1-Zimmer-Wohnungen. In größeren Wohnungen fühlte ich mich nicht wohl. Ich habe mir das immer erklärt mit: zuviel Platz.

Nun bin ich ja in eine größere Wohnung gezogen, in der ich mich sehr wohl fühle – so, als wäre ich schon immer dort gewesen. Am Anfang war der viele Platz tatsächlich verwirrend. Kurzfristig tauchte auch das Gefühl existentieller Bedrohung auf, aber nach ein bis zwei Tagen war es verschwunden. Vielleicht wegen meines Wohlgefühls. Jedenfalls wurde mir an einem Tag schlagartig klar, woher das Gefühl der Bedrohung kam: Es hat natürlich einen Zusammenhang mit der Wohnung, in der ich aufgewachsen bin (3 Zimmer).

Es ist eigentlich ganz einfach: wenn ich in einem Zimmer bin, kann ich nicht wissen, was in den anderen Zimmern vor sich geht. Offenbar meint mein Unbewusstes, dass ich das wissen sollte. Es erklärt sehr gut meine bisherige Vorliebe für 1-Zimmer-Wohnungen: Da habe ich immer alles im Blick und unter Kontrolle. Das ist in der neuen Wohnung offenbar nicht mehr notwendig. Wunderbar, zumal ich dieses Thema meines Wissens nach niemals bewusst bearbeitet habe, hat es sich dennoch erledigt, das finde ich klasse.

Dies ist nur ein klitzekleiner Ausschnitt aus dem Thema Sicherheit.  Was bedeutet Sicherheit für Sie? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Bildnachweise: Pixabay

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2 Kommentare

  1. Rene

    Ein für mich auch sehr wichtiges Thema! Danke für deine Worte dazu, Monika! Ich füge beim Klopfen gern diesen Aspekt mit ein, dass es (nicht) sicher ist etc.. Als ich vor ein paar Jahren meine starke Zahnarzthobie beklopfte, war das ein wichtiger Punkt für mich und ich habe gespürt, dass mir das Aufgreifen der (Un)sicherheit sehr gut getan hat und sehr dabei geholfen hat! Aber auch bei anderen Themen, auch bei der Änderungsbereitschaft etc., hilft mir dieser Aspekt ungemein. Vieles ist/war mir so gar nicht bewusst, aber je mehr ich auf diesen Aspekt achte, desto mehr Sinn macht er für mich. Also volle Zustimmung von meiner Seite. Danke!

    Antworten
    • Monika Richrath

      Vielen Dank, Rene! Ich stelle auch immer wieder fest, dass Sicherheit ein superwichtiger Aspekt ist 😉 Herzliche Grüße, Monika

      Antworten

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Richrath EFT Lösung, Besitzer: Monika Richrath (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.
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