Wie Hochsensibilität unser Verhalten in Konflikten beeinflusst

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

20. November 2016

Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen dieses Artikels in Stress geraten, klopfen Sie doch einfach beim Lesen Ihre Handkante, wie auf dem Foto gezeigt.

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Kennen Sie das auch, dass Ihnen Menschen abhanden kommen, ohne dass Sie eigentlich wissen warum? Mir passiert das immer wieder. Anfangs hat mich das ziemlich verstört und verunsichert, weil ich nicht wusste, ob ich etwas falsch gemacht, jemanden verletzt oder mich sonst in irgendeiner Form daneben benommen habe. Andererseits hatte ich aber auch nie den Mut, wirklich direkt mal nachzufragen, woran es liegt. Mittlerweile bin ich sicher, es hat auch etwas mit meiner Biografie zu tun.

Seit einiger Zeit frage ich mich schon, wie meine Hochsensibilität dieses immer wiederkehrende Phänomen beeinflusst oder vielleicht sogar zu seiner Entstehung beiträgt? Hier sind meine Erkenntnisse:

1. Konflikte sind Stress

Ein Reiz, dem ich mich als HSP lange Zeit überhaupt nicht aussetzen wollte und mit dem ich mich überfordert fühlte. Ein Konflikt bedeutet immer auch: sich öffnen, Gefühle zeigen, Gefühle aushalten. Das alleine ist schon schwierig, wenn es sich um keine enge Beziehung handelt, eher um einen freundschaftlichen Kontakt, der möglicherweise sogar im beruflichen Umfeld entstanden ist?

2. Unfähigkeit Gefühle zu zeigen

Sehr lange Zeit hatte ich das Problem, dass ich gar nicht in der Lage war, Wut und andere vermeintliche negative Erfahrungen überhaupt wahrzunehmen, geschweige denn, sie zu äußern. Eine Folgeerscheinung war natürlich, dass die Wut oder Unzufriedenheit anderer für mich eine potentielle Bedrohung darstellen, der ich lieber aus dem Weg ging. Hierüber habe ich erst vor kurzem einen Blogbeitrag geschrieben (der übrigens sehr viele Kommentare bekam, was zeigt, dass es ein brandheißes Eisen für hochsensible Menschen ist).

3. Harmoniebedürfnis

Ich glaube, dass hochsensible Menschen ein natürliches Harmoniebedürfnis haben, ein Bedürfnis danach, mit der Umgebung in Einklang zu sein oder zu schwingen. Prinzipiell halte ich das für etwas sehr Gutes. Ich verbinde damit so etwas wie ein Flow-Gefühl, zur richtigen Zeit mit den richtigen Menschen am richtigen Ort zu sein. Ein Konflikt jedoch stellt für die Harmonie eine Bedrohung dar. Wenn es einen Konflikt gibt, gibt es keine Harmonie mehr. Harmonie kommt oft ohne Worte aus, ein Konflikt nicht - jedenfalls nicht, wenn er gelöst werden soll.

4. Schwierigkeiten sich abzugrenzen

Die große Schwierigkeit in einem Konflikt bestand für mich sehr, sehr lange Zeit überhaupt darin, Position zu beziehen, mich abzugrenzen, mich für meine eigenen Interessen einzusetzen. Im Grunde genommen habe ich mich stets um alle gekümmert, dafür gesorgt, dass es allen gut geht, nur nicht für mich. Für mich konnte ich mich nicht einsetzen. Und lange Zeit habe ich auch geglaubt, ich sei nicht wichtig genug, es nicht wert. Glauben Sie mir, es tut mir richtig weh, es so aufzuschreiben, aber so war es. Mittlerweile ist das anders. Durch das Klopfen habe ich begriffen, dass ich wertvoll bin und meinen Einsatz immer wert.

5. Rückzugstendenzen

Rückblickend kann ich sagen, dass ich mich Konflikten in keiner Weise gewachsen fühlte, auch kleinen nicht. Am liebsten löste ich Konflikte durch Rückzug. Rückzug ist ein äußerst einfacher und effektiver Weg, anderen Menschen mitzuteilen, dass man mit etwas nicht einverstanden ist, ohne jedoch Gefühle zeigen oder aushalten zu müssen, geschweige denn, sich mit eigenen Unzulänglichkeitsgefühlen oder der Unfähigkeit für sich selbst einzutreten auseinandersetzen muss. Heute bevorzuge ich andere Wege der Auseinandersetzung, meistens jedenfalls.

6. Sich alles sehr zu Herzen nehmen

Früher habe ich mir immer alles wahnsinnig zu Herzen genommen. Unbedachte Worte, einfach mal so dahingesagt, konnten mich wochen-, ja monatelang verfolgen (und auch Beziehungen vergiften) und ich weiß, es geht nicht nur mir so. Viele Supersensible haben damit zu kämpfen. Ich habe dies im Übrigen in der Zwischenzeit nicht etwa abgelegt, aber ich habe gelernt, anders damit umzugehen. Ich weiß heute, dass ich aufgrund dieser Disposition, sich alles sehr zu Herzen zu nehmen, manchmal zu einer verzerrten Wahrnehmung neige und ich bin eher in der Lage, nachsichtig über mich zu lächeln anstatt über unbedachte Bemerkungen Ewigkeiten in Stress zu geraten. Dieser immerwährende Stress liegt natürlich daran, dass

7. HSP oft schlecht loslassen können

Egal, ob es sich um Gefühle, Orte, Tiere, Begebenheiten oder Menschen handelt. Vielleicht liegt es an der gründlicheren Verarbeitung im Gehirn, dass wir (meistens) schlecht loslassen können. Das muss natürlich nicht so bleiben. Ich habe im Laufe der Jahre durch die EFT-Klopftechnik gelernt besser loszulassen, was dazu geführt hat, dass ich Dinge leicht, Glaubenssätze und Verhaltensmuster ganz gut und Menschen nach wie vor eher schlecht loslassen kann.

Während ich das so schreibe, fällt mir ein, dass ich mir eigentlich eine ganz praktische Philosophie angeeignet habe: Ich glaube felsenfest an das Gefährten-Prinzip: Manche Menschen begleiten mich eine Zeitlang durchs Leben und wenn es nicht mehr passt, dann verschwinden sie eben. Dafür kommen dann neue Menschen. Das hatte ich ganz vergessen … Schön, dass das Schreiben dieses Blogs auch für mich selbst hilfreich ist …

Wie gehen Sie mit Konflikten um?  Ich freue mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Herzlichst, Ihre
Monika Richrath

Bild: Klimkin Pixabay

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Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und drei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

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Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

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22 Kommentare

  1. GERTRUD

    Hallo, lb. Monika,
    danke für Deinen Beitrag.
    Bei mir steckt, das Wissen um meine Hochsenibilität, noch in den „Kinderschuhen“ ! Vor 11 Monaten bist du mir über Raunächte googlen, “ zufällig“ ( bist mir zugefallen ) im Netz begegnet.
    Seitdem lrene ich , mich so zu akzepieren, wie ich bin, und vor allem, zu VERRSTEHEN, warum ich SO BIN, WIE ICH BIN!
    Das ist kein leichter Weg…er ist steinig und schwer…
    Ich KANN IMMER NOCH NICHT LOSLASSEN, NEHME MIR IMMER NOCH ( fast ) ALLES SEEEEEEHR ZU HERZEN.
    Ich gehe zwar öfter in den Konflikt/die Auseinandersetzung hinein, stosse durch meine EHRLICHE MEINUNG/ANTWORT auf massive Wiederstände…weil viele, Menschen gelernt habe, verbal oder nonverbal , ihren Druck“zurück zu geben“
    Auch bei mir LEHNT sich mein Inneres Kind auf!!!!! Alle Energien; die negativen ganz besonders; nehmen mir oft die “ Luft zum atmen“ Da kann ich mich garnicht abgrenze. Deshalb ziehe ich mich immer mehr zurück.
    Aus dem doppelten Grund: mich nicht verletzt zu fühlen; aber auch, andere nicht zu verletzen.
    Es gibt nur noch ganz wenige Menschen in meinem Umfeld, mit denen ich mich 100 % austauschen kann.
    Seitdem ich es in meinem familiären Umfeld nicht mehr zulasse, das Menschen sich auf „meine Kosten“ amüsieren, kühlt ihre Beziehung zu mir ab. Wobei ich aber auch schmerzhaft feststellen DARF, das überwiegend ich diejenige war, die aus einem sehr starken Harmoniebedürfnis und meine Freude mit anderen zu teilen, was ja auch ein typisches Merkmal für HSP s ist; „gedient/bedient hat.
    ICH DARF ERKENNEN! ICH DARF LERNEN! Durch meine zeitweise sehr intensive Träume, komme ich mir „auf die Schliche“ und kann dadurch meine Glaubenssätze auflösen oder ins Positive umwandeln.
    Leide Grüße
    Gertrud

    Antworten
    • Monika Richrath

      Vielen Dank, liebe Gertrud. Ich freue mich sehr, dass mein Raunachtsartikel so weitreichende Auswirkungen hatte 🙂 und ja, der Weg ist lang und oft steinig – auch für mich 😉 aber wir können, dürfen, wie du so richtig gesagt hast, lernen! Liebe Grüße, Monika

      Antworten
    • Stephanie

      Hallo Monika,

      vielen Dank für diesen Artikel! Mir hilft es immer wieder, zu lesen, dass es auch anderen so geht. Sehr berührt hat mich der Punkt des „zu Herzens“ nehmen. Das ist für mich nach wie vor sehr belastend, dass mich Worte wochenlang begleiten und ja, belasten, die im Grunde aber gar nicht wirklich dieses Gewicht haben. Ich habe leider noch nicht gelernt, damit besser zurecht zu kommen oder „über mich zu lächeln“. Vielleicht lerne ich das noch.

      Liebe Grüße Stephanie

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      • Monika Richrath

        Vielen Dank, Stephanie. Doch, das kann man lernen, bestimmt. Zumindest abschwächen … wenn man über sich selbst lächeln kann ist das schon sehr viel! Herzliche Grüße, Monika

        Antworten
    • Ingrid

      …ich bin ein HSP Trampel.
      Sensibel wenn es um Strömungen geht, um die Einschätzung von Charakter, Persönlichkeit, von Stimmungen – aber dann knallhart ehrlich.
      Mit mir kann man diskutieren. mit mir kann man streiten – aber ich hab unglaubliche Probleme, wenn ich nicht gradeheraus sagen darf, was ich denke, meine, fühle.
      Wenn man sich dann von mir zurückzieht, dann ist das eben nicht der richtige Umgang für mich.

      Ich weiss, dass ich mit dieser Offenheit die Menschen verprelle. Ich hab mich so oft entschuldigen müssen, hab versucht meine Wortwahl zu verschnörkeln, zu besänfteln, diplomatischer zu sein und hab da auch dazugelernt. aber – es ist m e i n e Art. Ich musste 73 werden, bis ich das kapiert hab.

      Antworten
      • Monika Richrath

        Liebe Ingrid, ich glaube, es gibt eher wenige Menschen, die mit knallharter Ehrlichkeit ganz direkt etwas anfangen können. Aber du hast offenbar einen Weg gefunden … 😉 Herzliche Grüße, Monika

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  2. Jean-Christoph

    Ein ganz hervorragender Artikel, Monika! Ich kann deine Punkte zu 100% nachvollziehen und freue mich für dich, das du mit dem EFt einen guten Weg für dich gefunden hast. Ich nutze für mich das Balanced-Mind-Bogenschießen um besonders das Loslassen und die Selbstwahrnehmung zu üben.

    Werde deinen Artikel gleich mal teilen.

    Antworten
    • Monika Richrath

      Vielen Dank, lieber Jean-Christoph. Ich freue mich umso mehr, weil ich sowieso gerne mit dir Kontakt aufnehmen wollte – sorry, dass es so lange dauert – ich habe mich ein wenig erholt … Herzliche Grüße, Monika

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  3. Silke

    Ich finde mich in deinen Beitrag wieder. Auch ich frage mich immer wieder warum Menschen still und leise aus meinem Leben verschwinden. Aber wenn ich so drüber nachdenken, mache ich es ganz genauso und da liegt vermutlich der Schlüssel. Beruflich habe ich oft mit Konflikten zu tun. Da gibt es Tage da komm ich überhaupt nicht damit klar , da würde ich am liebsten vor allem davon laufen und bin froh, dass ich mich beruflich nicht einfach tot stellen kann. So lernen ich hoffentlich dazu. Mein Hauptproblem ist, dass ich mich sehr schnell benachteiligt fühle, oft wie ein kleines Kind…Das war schon in meiner Kindheit so und irgendwie schaffen ich es nicht, das abzulegen. Also ja ich breche Kontakte lieber ab, als mich dem Konflikt zu stellen…Außer ich merke der andere sucht wirklich das Gespräch mit mir.

    Danke für deine Worte und eine schöne Woche.
    Liebe Grüße Silke

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    • Monika Richrath

      Vielen Dank, liebe Silke. Ja, dieses Problem, sich manchmal plötzlich wie ein Kind zu fühlen und nicht mehr da rauszukommen, kenne ich auch sehr gut :-/ Manche Situationen, denen wir als Kind ausgesetzt waren, waren eben auch schlimm …Aber ich bin überzeugt, dass man daran auch arbeiten kann … mit EFT zum Beispiel 😉 Liebe Grüße, Monika

      Antworten
  4. Carola

    Liebe Monika :-))
    EFT bzw. DU bist mir vor etwa drei Wochen zugefallen, seit dem klopfe ich und bin begeistert darüber welche Wirkung es hat . Doch auch du als Person hast bei mir im Herzen anklang gefunden, selige Umarmung dafür!!!
    Kommunikation ist für mich ein Lieblingsthema, möglichst lösungsorientiert :-)) doch zur Zeit geht es mir im Bezug auf MICH an die Wäsche…ich darf mich im außen in meiner Sensitivität mitteilen um gewisse Rechte für mich in Anspruch nehmen zu können ,dass fällt mir gerade schwer…
    ich sehne mich nach Austausch und realer Begegnung ,

    herzliche Grüße , Carola

    Antworten
    • Monika Richrath

      Oh, vielen Dank, liebe Carola, da fängt mein Tag sehr gut an 🙂 Ja, seine Rechte in Anspruch nehmen ist für viele von uns ein Thema … Liebe Grüße, Monika

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  5. Charlotte

    Hm, was ich mich frage ist was einen überhaupt so sicher macht hochsensibel zu sein? Schließlich ist auf dem Gebiet, wissenschaftlich betrachtet, noch nichts eindeutig nachgewiesen. Die Highsensitivity Forschung steht nach wie vor am Anfang.

    Ich selbst leide an einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung, ausgelöst wird sowas durch mehrfache wiederholte und länger andauernde Traumatisierungen in der Kindheit und Jugend. Allein dadurch bin ich feinfühliger geworden.
    Was mir bei dem Thema jedoch oftmals aufstößt ist, dass so getan wird als sei Hochsensibilität praktisch mit meinem Krankheitsbild gleichzusetzen. Überall liest man darüber. Unzählige benennen sich selbst als HSP. Aber woher wollt ihr wissen, dass ihr wirklich hochsensibel seid?

    Meine letzte Erfahrung mit einer Hochsensiblen war, dass ich einen Konflikt ansprach, sie meinte, sie würde meine Kritik nicht persönlich nehmen, tat es dann aber doch. Wollte man es lösen durch simple Nachfrage nach dem Grund ihres ignorierenden Verhaltens mir gegenüber – keine Antwort.
    Soll ich mir nun denken sie ist so feinfühlig, dass die Kritik zu hart war? Wobei sachlich und sanft ausgesprochen. Oder darf ich mir denken: Das hat mit HSP nichts zu tun, sondern ist einfach ein falscher Charakterzug.
    Denn wo ist da die Sensibilität des HSP gegenüber einem mehrfach traumatisierten Menschen? Die besondere Feinfühligkeit dieses Menschen spüre ich da keineswegs.

    Ich finde das Thema wird viel zu sehr aufgebauscht. Und ganz ehrlich, solange diagnostisch die eigene Hochsensibilität nicht nachgewiesen ist, ist es eher eigene Vermutung über sich selbst. Die Vermutung hochsensibel zu sein. Und das soll man aber ernst nehmen und mit besonderer Rücksichtnahme vorgehen.
    Als wolle man sagen als vermutlich Hochsensibler (denn nachgewiesen HSP ist man ja nicht) sei man gleichzusetzen mit Menschen, die mehrfacher Traumatisierungen hinter sich haben und deshalb auf ihre Umwelt chronisch sensibler reagieren. Wirklich?

    Antworten
    • Monika Richrath

      Vielen Dank, Charlotte. Es gibt tatsächlich derzeit nur eine einzige Person, die sagen kann, ob hochsensibel oder nicht und das ist man immer selbst. Ich persönlich finde, dass das gut so ist.

      Die genauen Ursachen von Hochsensibilität sind nach wie vor nicht klar (ich persönlich glaube mittlerweile an mehrere Faktoren, die zusammenkommen), aber es ist auch möglich, dass Hochsensibilität durch Traumatisierung entsteht. Und hochsensibel zu sein bedeutet nicht immer, sich jederzeit einfühlsam zu verhalten, ganz im Gegenteil. Herzliche Grüße, Monika Richrath

      Antworten
      • Charlotte

        Hallo Monika,
        genau das ist es was ich bei dieser Sache kritisch betrachte. Die Runterstufung auf das eigene Gefühl als entscheidenden Faktor.
        Traumatisierungen, vereinzelt oder auch wiederholt, lassen die Psyche dünnhäutiger werden und einen damit auch sensibler werden.
        Doch Hochsensibilität im klassischen Sinn ist primär ein angeborenes neurologisches Phänomen. Eine andere Art der Reizverarbeitung.

        Wenn ich ehrlich bin, kann ich es nicht ganz ernst nehmen, wenn sich andere als hochsensibel bezeichnen. Es wird dabei so getan als sei die Schilderung des Alltags als Hochsensibler (und der Umgang im Alltag) mit Menschen mit meiner Krankheit und dessen Folgen auf den Alltag bezogen gleichwertig. Und das ist es einfach nicht, wenn die alleinige Basis diejenige ist, dass man fühlt, dass man hochsensibel sei ohne fundierte Nachweise dahinter.
        Sonst kann jeder ein Buch oder irgendwas zu einer ixbeliebigen Krankheit lesen, sich davon angesprochen fühlen und sagen das eigene Empfinden reiche als Basis dafür aus zu sagen, dass es definitiv so ist.
        Etwas fühlt sich nach Burout an zum Beispiel, also ist es ein Burnout ohne professionelle Abklärung. Man denkt manisch depressiv zu sein, denn der Autor eines Buches hat so geschrieben als würde er über einen selbst sprechen, folglich ist man manisch depressiv ohne professionelle Abklärung.
        Allgemein bezeichnet man das als Selbstdiagnostik. Doch so einfach funktioniert das heute scheinbar mit der vermeintlichen Hochsensibilität. Man diagnostiziert sich einfach selbst.
        Muss jeder selbst wissen.

        LG

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  6. Antje

    Hallo Monika,

    auch wenn ich mich selbst schon immer als sensibler als andere Menschen wahrnahm, hat meine ehemalige Psychologin dies das erste Mal in Zusammenhang mit Hochsensibilität gebracht. Ich bin nun auf Deine Seite gekommen, da ich als frisch Arbeitslose gestern das erste Mal mit der Klopftechnik bei meinem Bewerbungscoaching in Berührung kam und dies sehr spannend finde und nun ausprobieren werde.

    Was ich hier aber eigentlich loswerden möchte: meine Unfähigkeit mit Konflikten umzugehen ist von Kindesbeinen an mein Hauptproblem, vorrangig mit Autoritätspersonen oder Personen, die mir gegenüber dominant auftreten. Konflikte an sich bzw. das Gefühl „wieder mal“ etwas falsch gemacht zu haben ist schon der Hammer für mich und durch meinen letzten Arbeitgeber ins Extreme gestiegen, aber mein eigentliches Hauptproblem ist, dass ich in Konflikten immer gleich zu weinen anfange – was für eine „entspannte“ Konfliktlösung, Diskussion oder Gespräch nicht sehr hilfreich ist. Zudem verändert sich das Verhalten des Konfliktpartners bzw. der Anwesenden und man wird nicht mehr wirklich ernst genommen bzw. wird mit Mitleid oder auch Unverständnis überschüttet. Dabei ist das Weinen eigentlich nur ein Ventil für mich, durch welches ich Druck abbaue. Es muss also noch nicht mal ein Wahnsinns-Drama sein – wird vom Gegenüber aber so wahrgenommen. Inzwischen wächst meine Angst vor Konflikten eigentlich vorrangig durch die Angst vor dem Weinen – und weil ich dann nicht mehr sachlich diskutieren kann und auch all meine Gedanken zur Problematik vergesse. Im beruflichen Kontext – Horror! Wenn ich also eine Sache ändern könnte an mir, wäre es schlicht und einfach das Weinen. 😉

    Liebe Grüße und vielen Dank für Deine Homepage

    Antworten
    • Monika Richrath

      Hallo Antje, vielen Dank, da hast du doch ein gutes Klopfthema zum Einstieg. Herzliche Grüße, Monika

      Antworten
    • Maria L.

      Puh, das kenne ich sehr gut. Ja, weinen als Ventil, aber andere sehen es als Drama oder glauben, man will Mitleid und andere durch Tränen manipulieren oder Theater spielen.Richtig, der Kommunikationspartner nimmt einen dann nicht mehr ernst. Und das tut weh. Keiner weiß, wie man sich in Konfliktsituationen wirklich fühlt und dass man weinen muss, um z.B.nicht umzukippen oder Herzschmerzen oder Atemnot zu bekommen. Das vergleiche ich mal mit der Haselnussallergie oder anderen Allergien, wo der Körper auch bei geringen Mengen krass reagiert. So eine Allergie verstehen Außenstehende aber besser als eine Allergie auf Konflikte bzw. auf Stress. Vielen Dank für Deinen Block, liebe Monika. Wenn jemand aus Bayern kommt, bin für Austausch offen. LG Maria L.

      Antworten
    • Kikki

      Hallo Monika,
      Für mich ist momentan alles ein Drama. Jede kleinste Entscheidung und jeder Konflikt löst so extreme Emotionen in mir aus, dass ich viel weine und mich handlungsunfähig fühle.
      Ich kann nicht zu meinen Bedürfnissen stehen und wo andere Leute etwas mit links machen, zweifel u ängstige ich mich. Es ist sehr schwer, da ich mich andauernd vergleiche.
      Ich fühle mich seit 3 Jahren ununterbrochen überfordert, nichts darf mehr in mich hinein an Infos. Rückzug ist das einzige was mir bleibt, aber das ist auch ungesund auf dauer..weil ich zu isolation neige. Ganz schön schwierig als HSP, wenn eigentlich die positiven Seiten verloren gehen.

      Antworten
      • Monika Richrath

        Hallo Kikki, das klingt, als könnte Klopfen vielleicht helfen … Liebe Grüße, Monika

        Antworten
  7. Claudia

    Liebe Monika,

    ich habe mich schon als Kind immer anders gefühlt, feinfühliger als andere Kinder und Menschen. Ich kann jeden Punkt unterschreiben, manche Dinge nehme ich selbst erst im Nachhinein wahr. Zum Beispiel, dass ich Konflikten aus dem Weg gegangen bin, dass ich Probleme ausgeblendet habe, um mich zu schützen…

    Alle Menschen mit besonderer Sensibilität, die ich bisher persönlich kennengelernt habe, sind zu früh auf die Welt gekommen. Wahrscheinlich hat Hochsensibilität verschiedene Ursachen und ich finde gut, dass diese Eigenschaft positiv besetzt ist im Vergleich zu vielen psychischen Erkrankungen, die leider oft ein Negativstempel sind.

    Es ist ein schwieriger Weg, aber man lernt so viel über sich selbst und über die Welt, weil man mehr wahrnimmt als andere. Ich merke das konkret bei Licht, Wärme und Schall, gerade im Sommer, wenn es verrückt wird, fühle ich mich oft unwohl und das können viele Menschen nicht verstehen, die Sonne und Sommer lieben und ersehnen.

    Allen hier einen guten Weg, es ist gut zu wissen, dass es viele gibt, die anders sind, weil ja jeder irgendwie anders ist.

    Viele Grüße aus Thüringen,
    Claudia

    Antworten
    • Monika Richrath

      Vielen Dank, liebe Claudia. Hm, ich war definitiv zu spät, eineinhalb Wochen und ich wollte wohl gar nicht raus. Ich weiß auch warum … Liebe Grüße, Monika

      Antworten

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