Wu Wei – die Kunst nichts zu tun

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.“

20. Mai 2018

Kennen Sie auch das Gefühl von totalem Stillstand in Ihrem Leben? Der absolute Frust, auf der einen Seite die Dinge, die Sie nicht mehr wollen, die Sie SO nicht mehr wollen, auf der anderen Seite eine nebulöse Zukunftsvision davon, wie die Dinge Ihrer Meinung nach sein sollten. Aber es geschieht NICHTS.

Das kann sich furchtbar anfühlen,

wie in einem Sumpf zu stecken, aus dem man sich einfach nicht befreien kann. Erst recht nicht, wenn Sie aktiv versuchen, etwas an Ihrer Situation zu verändern. Da eines der Merkmale der Hochsensibilität eine erhöhte Stressempfindlichkeit ist, kann es natürlich sein, dass Sie anfangen innerlich zu rotieren. Vielleicht fangen Sie an, fieberhaft zu überlegen, was Sie noch probieren können und was auch noch … Aber was immer Sie auch probieren, es funktioniert nicht. Es gibt keine Veränderung – oder wenn, dann nur zum Schlimmeren. Jetzt wissen Sie nicht weiter. Eines haben Sie vielleicht noch nicht probiert: gar nichts zu tun. Loszulassen, die Hände in den Schoß zu legen und die Angelegenheit sich selbst zu überlassen. In China hat man dafür sogar einen Begriff:

Wu Wei

Dieser Begriff stammt aus dem Daoismus. Das Dao wird als Wirkprinzip für den Kosmos angesehen – eine Art schöpferische und ordnende Kraft, die allem zugrunde liegt und in die man möglichst wenig eingreifen sollte. Handlung soll erst dann erfolgen, wenn sie leicht und mühelos ist, blinder Aktionismus führt meistens nicht viel weiter (außer dass man sich beschäftigt hält).

Das Gras wächst nicht schneller,

wenn man daran zieht, lautet ein Sprichwort, das mir ausgesprochen gut gefällt und das ich mir tatsächlich dann und wann selbst aufsage. Theoretisch bin ich felsenfest davon überzeugt, dass es für alles eine richtige Zeit gibt. Praktisch ist das mit dem Nichtstun natürlich manchmal schwierig auszuhalten. Gerade, wenn man als hochsensibler Mensch schnell in Stress gerät und zu Kopfkino neigt. Ich glaube auch daran, dass sich Dinge in Stille entwickeln, in dem unendlichen Raum des scheinbaren Stillstands. Jedenfalls habe ich schon häufig die Erfahrung gemacht, dass sich nach Zeiten des gefühlten Stillstands plötzlich neue Türen öffnen und es weiter geht. Vermutlich haben Sie selbst das auch schon erlebt. Mir fällt gerade ein, dass ich einmal gehört  habe, dass bei den Aborigines Menschen nach einer Krankheit einen neuen Namen bekommen, weil sie sich dadurch verändern und entwickeln. Das hat mir sehr gefallen.

Alles entsteht in Stille

Vielleicht brauchen unsere inneren Funken diesen vermeintlich leeren Raum um in uns zu wachsen und langsam, langsam und an die Oberfläche unseres Bewusstseins zu steigen? Obwohl ich wirklich absolut dafür bin, täglich in dem minimalistischen Rahmen von zwei bis fünf Minuten über einen längeren Zeitraum zu klopfen, habe ich doch auch schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass es gut sein kann, eine Klopfpause einzulegen, einen Schritt zurück zu machen und dem Körper und Geist die Zeit zu geben, die Veränderungen zu integrieren. Das geschieht nämlich nicht über Nacht. Wenn ich dann wieder mit dem Klopfen anfange, habe ich bislang immer das Gefühl gehabt, dass sich meine Ausgangsbasis verändert hat, ich quasi auf einem höheren Level starte. Auch, wenn ich die Veränderung nicht immer konkret benennen kann (Das kommt auch hin und wieder vor). Etwas hat sich verändert, das reicht.

Loslassen

Nichts tun, bedeutet auch loszulassen, was immer gerade ist. Zu vertrauen, dass das richtige geschieht (auch wenn ich den Sinn gerade nicht sehe oder verstehe), egal wie schrecklich die Erfahrung ist, die ich gerade mache. Letzten Endes helfen uns alle Erfahrungen dabei, uns weiterzuentwickeln und zu wachsen, herauszufinden, wer wir sind und was wir eigentlich wollen – was häufig vielleicht gar nichts mit dem Leben zu tun hat, das wir tatsächlich führen. Loslassen können hat auch immer etwas mit Vertrauen zu tun. Vertrauen darin, dass es etwas oder jemanden gibt, der mich unterstützt und mir beim Wachsen hilft. Das kann eine wirkliche Herausforderung sein, vor allem, wenn man das Gefühl hat, dass

einem gerade alles um die Ohren fliegt.

Dieses Jahr ist in dieser Hinsicht äußerst anstrengend und hält viele Lernaufgaben bereit :-/ Geht Ihnen das auch so? Wenn Ihnen das Hände in den Schoß legen schwer fällt, probieren Sie es doch einmal mit einem Mittelweg:

Beobachten Sie die Situation

schreiben Sie Ihre Beobachtungen vielleicht sogar auf. Wer macht was wann warum? Was belastet Sie? Was möchten Sie eigentlich tun? Warum? Warum geht es nicht? Vielleicht kommen Sie so zu ganz neuen Erkenntnissen oder entwickeln einen Klopfsatz. Oder probieren Sie einmal die Switchwords LÄCHELN-LEUCHTEN GÖTTLICHE ORDNUNG-STILL zu klopfen. Das können Sie machen, so oft es Ihnen in den Sinn kommt. Ich bin gespannt, was Sie mit diesen Worten erleben. Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare. Herzliche Grüße, Ihre Monika Richrath   Bildquelle: Gotti1979, pixabay

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2 Kommentare

  1. Agnes

    Oh, das gute alte Wu-Wei …. 😉 Hatte ich schon gar nicht mehr im Sinn, Danke für die Erinnerung.
    In einer solchen Situation stecke ich gerade, und beobachte fasziniert alles, was damit zu tun hat. Ich merke, dass sich an der Lage an sich nichts wesentliches verändert, dass ich immer wieder denke, es keinen Tag länger auszuhalten, dass nun sofort etwas passieren MUSS, weil ich sonst durchdrehe. Doch eine (schnelle) Lösung gibt es im Moment nicht, ich werde teilweise durch andere blockiert in dem was mir einfiele, kann keine eigenen Entscheidungen treffen und nichts umsetzen, und ich bin einfach gezwungen auszuhalten. Es ist für mich der Horror.

    Ich komme gerade aus einem vierwöchigen Urlaub zurück den ich allein verbrachte. Sehr viel Zeit zum nachdenken, für neue Erkenntnisse und (Selbst-)Beobachtungen, alles sehr interessant zu erleben.
    Ich habe festgestellt, dass ich gerade jetzt durch diese aktuelle Phase mich ziemlich verändere und habe mit beinahe 50 Jahren zum ersten Mal das Gefühl, langsam erwachsen zu werden. Ganz seltsam, aber es ist so.

    Auch erkenne ich dadurch sehr viel klarer was mich konkret belastet, was hinter meinen Gefühlen steckt, und dass das uralte Themen von mir sind. Die kannte ich zwar auch schon, aber sie werden immer deutlicher. Naja, schwer zu erklären auf die Schnelle, aber es ist alles sehr spannend.

    Im Urlaub habe ich übrigens Ihr Buch gelesen, das auch den ein oder anderen Kronleuchter bei mir angezündet hat! 😉 Nun hab ich angefangen, intensiver und häufiger zu klopfen und will nun endlich dabei bleiben. Denn es hat mir auch während einiger Krisen im Urlaub sehr geholfen, nur will ich eben auch mal diese eingeprägten steinalten Dinge bearbeiten – und vor allem loswerden.
    Nur bei dieser speziellen Situation jetzt werde ich mich jetzt auch mal im Wu-Wei und Loslassen üben … wäre vielleicht ganz gut.

    Vielen Dank für Ihre Arbeit, Frau Richrath, für Ihr Buch und Ihren Blog.
    Sie ahnen nicht, wie dankbar und froh ich dafür/darüber bin!
    Liebe Grüße,
    Agnes

    Antworten
    • Monika Richrath

      Vielen Dank, liebe Agnes, ich freue mich sehr 🙂 Herzliche Grüße und einen schönen Tag! Monika

      Antworten

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Richrath EFT Lösung, Besitzer: Monika Richrath (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.
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