Was Schwangerschaft und Geburt für hochsensible Frauen bedeutet,

ist mir erst klar geworden, als ich kürzlich im Netz auf Jobina Schenk stieß, die den Blog „Meisterin der Geburt“ betreibt. Da wir beide unsere jeweilige Tätigkeitsfelder spannend fanden, haben wir uns kurzerhand vernetzt. Dabei ist u. a. dieses Interview herausgekommen.

Jobina, worum geht es in deinem Blog „Meisterin der Geburt“?

Es geht um das zutiefst weibliche Thema Schwangerschaft & Geburt aus dem Blickwinkel der Selbstermächtigung.
Der Weg, weg von der apparateorientierten Geburtsmedizin hin zu Selbstverantwortung und Heilung jener Themen, die ihren Ursprung in un(ter)bewussten Programmen haben.
Ich möchte Frauen daran erinnern, dass das Ereignis Geburt nicht in der Macht von Hebammen und Ärzten liegt, sondern in der Frau selbst.
Im Hintergrund des Blogs entsteht gerade ein Selbstcoaching-Buch, um den schönsten Akt der Weiblichkeit zu meistern.

Welche eigenen Erfahrungen haben Dich zu diesem Thema gebracht…?

Meine beste Freundin bat mich im Jahre 2003 um Unterstützung, als sie ins Krankenhaus fuhr, um ihr Baby zu bekommen.
Ich begleitete sie durch diese Art von Geburt, die wir in der Gesellschaft als normal betrachten: Wehentropf, PDA und Dammschnitt.
Als ich dieses Krankenhaus verließ, fühlte mich auf merkwürdige Art und Weise zutiefst verletzt und gedemütigt, obwohl ich der Geburt nur zugesehen hatte. Immer wieder fragte ich mich: Geht so Geburt?
Weil ich so lange brauchte, um mich von diesen Bildern und Gefühlen zu erholen, schob ich das Thema Kinderkriegen komplett beiseite.
Erst als ich völlig unerwartet schwanger war, musste ich mich mit diesem Thema auseinandersetzen.
Ich wählte bewusst einen anderen Geburtsort, um dieses Krankenhausfeeling zu umgehen, doch auch im Geburtshaus in Anwesenheit liebevoller Hebammen fühlte ich mich mit meinen Bedürfnissen nicht gut aufgehoben.
Mit der 2. Schwangerschaft fing ich an, mich selbst und meine Gefühle zu reflektieren. Da gab es ganz schön was zu entdecken!
Nachdem ich meine Eigenheiten endlich akzeptiert hatte und sie zu lieben begann, entschied ich mich für eine Geburt ohne Hebamme und ohne Arzt. Diese Entscheidung war ein großartiges Geschenk an mich selbst und an mein Frausein. Ich gebar in einer ekstatischen Geburt mein Baby direkt in meine Hände. Völlig friedlich, einfach und schmerzfrei.
Auch unser 3. Kind kam in einer sogenannten Alleingeburt zur Welt.
Link Geburtsbericht zweites Kind: http://www.meisterin-der-geburt.de/schmerzfreie-alleingeburt-eine-segensreiche-erfahrung/
Link Geburtsbericht drittes Kind:http://www.meisterin-der-geburt.de/schmerzfreie-alleingeburt-zum-zweiten/

Schmerzfreie AlleingeburtKönntest Du für die Geburtsunkundigen unter uns noch etwas näher erläutern, wie eine Geburt im Krankenhaus üblicherweise verläuft und was Du als demütigend und verletzend empfandst?

Die übliche Geburt entspricht in etwa dem Bild, welches uns in den Medien gezeigt wird. Die schwangere Frau liegt auf dem Rücken, ihr Mann Händchen haltend am Kopfende und die Geburtshelfer zwischen den weit gespreizten Beinen der Frau.
Die körperlichen Verletzungen, die bei einer Geburt entstehen, werden höchst subjektiv bewertet. Es liegt im Auge des Betrachters, ob es sich hierbei um eine „Körperverletzung“ oder um „medizinische Notwendigkeit“ handelt.
Offizielle Zahlen bestätigen, dass 93% aller Geburten in deutschen Kliniken interveniert werden. Interventionen sind zum Beispiel eingeleitete „künstliche“ Wehen, welche sehr schmerzhaft sind, weshalb die Frauen dann häufig um eine PDA (Rückenmarksnarkose) bitten. Diese Narkose wiederum beeinträchtigt die Beweglichkeit und so bleibt die Schwangere auf dem Rücken liegen und kann gar nicht mehr aktiv gebären, sondern wird von ihrem Kind entbunden. Je nach Situation kann es zu verschiedenen geburtshilflichen Maßnahmen kommen: Kristellern (wobei der Geburtshelfer mit viel Kraftaufwand auf den Bauch der Mutter drückt), Dammschnitt (das Aufschneiden der Vagina in Richtung After), der Einsatz einer Saugglocke oder Geburtszange bzw. ein sekundärer Kaiserschnitt, der die Geburt operativ beendet.

Die Frau als individuelles Wesen mit sehr unterschiedlichen Befindlichkeiten und Bedürfnissen, erlebt diese „Verletzungen“ auch auf seelischer Ebene.
Ich weiß von meiner Arbeit als Life Coach, dass viele Frauen an ihren Geburtserlebnissen zu knabbern haben und sich aufgrund des erlebten Trauma sogar in Therapie begeben.

Für mich persönlich erscheinen alle Rituale dieser Geburtsmedizin irgendwie demütigend. Es beginnt damit, einer fremden Person einen Einblick in meine Intimität geben zu müssen und deren Finger in mich eindringen zu lassen, um irgendwelche Daten zu erheben und endet mit fragwürdigen Manipulationen um die Geburt einzuleiten. Die Geburt eines Kindes ist ein natürlicher Prozess, der nicht beschleunigt werden kann. Die Geburt findet nun mal über die Geschlechtsorgane der Frau statt und bedarf absoluter Behutsamkeit. Die Bedingungen, welche eine Frau für einen befriedigenden Geschlechtsakt wählt, wäre ein besserer Indikator dafür, wie die Geburt ablaufen sollte: Entspannung statt Stress, Liebe statt Angst, Geborgenheit statt Ausgeliefertsein.
Die moderne Geburtsmedizin mag zwar technisch höchst fortschrittlich sein, wird aber einer sensiblen empfindsamen Frau in keiner Weise gerecht.

Puh, das klingt wirklich grausig. Apropos sensible empfindsame Frau: wann hast Du selbst herausgefunden, dass Du hochsensibel bist?

Ich kenne den Begriff „hochsensibel“ erst durch Dich, liebe Monika! Als ich dann den HSP-Test gemacht habe, wurde mir vieles klarer und ich bekam eine neue Einsicht. Vorher hätte ich mich einfach als introvertiert, feinfühlig und empfindsam beschrieben.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass Du danach Deine Geburtserfahrungen noch einmal anders bewertet hast. Welche anderen Umstände können die Geburt (und die Zeit davor) für hochsensible Frauen noch erschweren?

Da fällt mir spontan der Begriff „ZuVIELisation“ ein!
Diese Mischung aus sehr vielen Informationen, Terminintervallen, Erwartungs- und Entscheidungsdruck kann bereits in der Schwangerschaft zur Überforderung führen. Brauch ich diese Untersuchung? Und wenn ja, wie gehe ich mit den Ergebnissen um? Eine unklare Diagnose oder ein ungeschickt kommentierter Untersuchungswert wirkt auf die Hochsensible wie das Ende der freudigen Erwartung. Da sind auf einmal Menschen, die ungefragt den Bauch streicheln und Ratschläge erteilen. Da kochen auch gern nochmal die unterschwelligen Familienkonflikte hoch. Und alles in allem fühlt es sich an, als müsste man die Freiräume und Grenzen nochmal neu ausloten. Emotional UND Körperlich.

Einen großen Stressfaktor sehe ich im berechneten Geburtstermin. „Ist das Baby immer noch nicht da?“ Am Ende einer Schwangerschaft scheint die ganze Verwandtschaft und Bekanntschaft auf der Lauer zu liegen, um möglichst als Erste die sensationelle Nachricht zu erhaschen. Hierin versteckt sich auch jede Menge Erwartungsdruck gekoppelt mit Zeitdruck. Und wenn sich eine hochsensible Schwangere medizinisch begleiten lässt, dann ist sie zusätzlich noch dem Entscheidungsdruck ausgesetzt. Frau Müller, ich empfehle Ihnen die Geburt jetzt einzuleiten! – Oh, ich würde gern nochmal darüber nachdenken! – Dafür ist jetzt keine Zeit! Sie wollen doch ein gesundes Baby, oder?

Leider gibt es keine pauschalisierten Lösungen für solche Erschwernisse. Ich kann es nur von Herzen empfehlen, sehr sehr achtsam mit sich selbst zu sein und ganz selbstbewusst DEN Weg einzuschlagen, der innerlich bejaht wird.

Puh, da stehen mir sprichwörtlich die Haare zu Berge. Du hattest gesagt, dass Du Dein zweites und drittes Kind alleine zu Hause bekommen hast. Das klingt erst einmal für mich nach einer krassen mutigen Entscheidung. Wie bist Du zu dieser Entscheidung gekommen?

Die Entscheidung zur Alleingeburt war eigentlich ganz pragmatisch. Ich hatte folgende Überlegungen:
Wenn Schwangerschaft keine Krankheit ist, was ist sie dann? – Ein natürlicher Zustand!
Bin ich auf natürliche Weise schwanger geworden? - Ja!
Halte ich mich für geistig und körperlich gesund? - Ja!
Kurzum: Ich bin eine Frau und in mir steckt die perfekte Grundausstattung, um ein Kind zu gebären.

Zudem hatte ich ja bereits 3 Geburtserfahrungen MIT Geburtshilfe gemacht:
- Als meine Mutter mich im Krankenhaus unter brutaler Wehen-Einleitung zur Welt brachte,
- Als ich meiner Freundin zusah, wie sie eingeleitet, betäubt und geschnitten wurde,
- Und die schmerzvolle hebammenbegleitete Geburtshausgeburt meines ersten Kindes.

Haut an HautIch hatte also auf mehreren Wahrnehmungsebenen Erkenntnisse gesammelt! Es wäre töricht und ignorant, wenn ich bewusst Erfahrungen wiederholen würde, von denen ich doch bereits weiß, dass sie mir nicht gut tun. Würde ich mich und mein Kind vorsätzlich in Gefahr bringen? Nein! Niemals! Keine liebende Mutter würde etwas tun, von dem sie nicht überzeugt ist. Ich wollte meinen Kindern einen friedlichen Start ins Leben ermöglichen, begleitet von Liebe und Vertrauen.
Im Nachhinein betrachtet waren es vielleicht sogar die hochsensiblen Wahrnehmungen, die mich veranlasst haben, die Geburten so selbstverantwortlich zu gestalten.

Kannst Du den friedlicheren Start ins Leben in den Kindern wiederfinden, sehen, bemerken?

Absolut! Sie sind ausgeglichen, glücklich und eher ruhiger Natur. Gerade jetzt beim Jüngsten (5 Monate alt) werde ich oft gefragt: „Kann der auch weinen?“ Ich muss dann immer lachen. Offenbar hat er keinen Grund zum Weinen.

Hast Du aufgrund Deiner Erlebnisse entschieden, diese Erfahrungen als Coach an andere Frauen weiterzugeben, oder warst du schon „auf dem Weg“?

Ich durfte bereits als Coach fungieren als ich noch keine Kinder hatte. Die Themen waren natürlich mehr „business“. Mein eigenes Coaching-Unternehmen habe ich gegründet als ich mit dem zweiten Kind hochschwanger war. Seitdem begleiten mich diese Mutti-Themen natürlich vermehrt und „Meisterin der Geburt“ ist also ein Projekt von Frau zu Frau, in welches ich nicht nur persönliche Erfahrungen, sondern auch mein Coaching-Know-how einfließen lassen kann.
Eine selbstbestimmte Geburt ist ja auch unheimlich nährend und wertschöpfend für das weitere Leben als Frau. Das Selbstbewusstsein ist nicht das Einzige was davon profitiert! Sehr viele weibliche Themen lösen sich auf, wenn wir beginnen, selbstverantwortlich zu werden.

Ja, diese Erfahrung habe ich auch schon machen dürfen - wenn auch in anderen Zusammenhängen.

Du hast mir erzählt, Du schreibst ein Buch…

Ja genau. Ich arbeite an einem Selbsthilfe-Coaching-Buch, welches Frauen befähigen soll, selbst ihre inneren Einstellungen aufzuspüren und umzuwandeln. Gewisse Denk- und Reaktionsmuster sind uns nämlich gar nicht bewusst, aber entscheidend für den Geburtsverlauf. Eine schöne Geburt soll nicht nur ein Traum bleiben, sondern Wirklichkeit werden. Wir können auch die aktuellen Erkenntnisse der Quantenphysik nutzen, um wirklich Schöpferinnen zu sein.

Das klingt ja sehr spannend … Hast Du schon einen Titel?

Der Titel lautet „Meisterin der Geburt“ 😉

Wo können interessierte Leserinnen das kaufen?

Interessierte Leserinnen dürfen sich gern im Newsletter meines Blogs eintragen, dann erhalten sie Informationen sobald das Buch in den Druck geht.
Vielen Dank für das ausführliche Interview, liebe Jobina und viel Vergnügen beim Schreiben!

Sie wollen lernen, wie man klopft?

Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

Pin It on Pinterest

Shares
Share This