HOCHSENSIBILITÄT GESUNDHEIT

Warum wir uns im Wald
so wohl fühlen

MONIKA RICHRATH
Manchmal geht das Leben wirklich sonderbare Wege. 2012 war ein Jahr, in dem ich einer alten Sehnsucht folgte und öfter einmal in den Wald ging. Das war gar nicht so einfach. Der damals für mich erreichbare Wald lag zwar durchaus fußläufig, war aber dennoch mit Hürden verbunden, z. B. dem Durchqueren angsteinflößenden Unterführung unter einer Autobahn und der späteren schwindelverursachenden Überquerung derselben auf einer Brücke. Die Autobahntrasse führte direkt neben dem Wald entlang, so dass ich mindestens 20 Minuten Fußweg zurücklegen musste, um überhaupt Stille zu erleben. Und natürlich jede Menge Hundebesitzer mit Hunden - was ich damals auch nicht so prickelnd fand.

Ich wusste überhaupt nicht, woher diese Sehnsucht nach dem Wald kam. Seit ich denken konnte, war Wasser mein Element gewesen, habe fast immer in unmittelbarer Nähe zum Rhein gewohnt und brauchte diese Nähe auch (nicht umsonst bin ich nach dem chinesischen Horoskop ein Wasser-Tiger!) Diese neue Liebe zum Element Holz verunsicherte mich ein wenig. Ich gab dem dann und wann nach (wann immer ich die o. g. Hürden überwinden konnte), aber nicht halb so oft, wie ich tatsächlich gerne in den Wald gegangen wäre.

Wie kommt der Wald in das Museum

Ende 2012 hatte ich schließlich eine Art von Erleuchtung - allerdings nicht im Wald selbst, sondern in einem Museum. Ich fuhr mit meiner Mutter nach Köln in die Ausstellung „A bigger picture“ von David Hockney und freute mich riesig, dass wir die Gelegenheit hatten, diese Ausstellung überhaupt zu sehen, da sie nur an drei Standorten weltweit zu sehen war.

Die Bilder, die auf der Ausstellung zu sehen waren, hatte David Hockney in Großbritannien gemalt, wohin er gereist war, um einen kranken Freund zu unterstützen. Einen Eindruck von der Ausstellung können Sie hier erhalten. Im Film befindet sich die Kamera in der 2. Minute in einem eher dunklen Raum, in dem an allen vier Wänden Filme laufen. Hockney hatte die Kamera auf den Fahrten zu seinem Freund laufen lassen, während er durch den Wald fuhr, im Schritttempo.

Als ich diesen Raum betrat, hatte ich schon einige Zeit in den Museumsräumen verbracht. Obwohl Kunst immer eine belebende Wirkung auf mich ausübt, war ich schon ein wenig erschöpft, wegen der schlechten Luft, den vielen Menschen und Eindrücken. So kam ich in diesen Raum. Ich merkte sofort, dass etwas mit mir geschah. Ich veränderte mich, ohne dass ich hätte sagen können, warum und in welcher Form. Nur, dass ich mich nun anders fühlte - und besser!

Ein Schleier wird fortgezogen

Natürlich habe ich mir intensiv Gedanken darüber gemacht, was passiert war. Ich war in dem Raum ja nicht in einer grundsätzlich anderen Umgebung gewesen (außerdem war es nicht so dunkel wie in dem Video), sondern befand mich nach wie vor in dem kargen, modernen Ambiente des Museum Ludwigs in Köln. Nur die Bildschirme waren anders und was darauf zu sehen war. Konnte es sein, dass Natur so eine Wirkung auf mich ausübte? Das wollte ich im Auge behalten und als ich das nächste Mal in den Wald ging, beobachtete ich mich aufmerksam. Dabei machte ich eine erstaunliche Entdeckung: Wenn ich den Wald betrete, ist es, als würde ein über mir hängender Schleier fortgezogen, alle Sinne öffnen sich und stehen auf Empfang.

Das funktioniert auch umgekehrt,

wie ich beim nächsten Mal erfahren habe. Das Waldstück, in das ich zu gehen pflegte, war nicht allzu groß, wenn ich lang genug ging, kam ich in einem Gewerbegebiet heraus, wo es einen riesigen Supermarkt gab. Eines Tages hatte ich im Wald die Idee, in den Supermarkt zu gehen, direkt vom Wald aus. Das war richtig krass, den in dem Augenblick, in dem ich die Vorhalle des Supermarkts betrat, in dem schon allerlei Stände und Fressbuden aufgebaut waren, wurde wieder der Schleier über mich geworfen. Zack Bumm! Aus und vorbei.

Heutzutage gibt es zahlreiche Studien, die die entspannungsfördernden Aspekte des Waldes für Menschen belegen. Dies hat sehr viel mit Evolution zu tun, in deren Lauf Menschen gelernt haben, den Nutzen der Natur für sich zu schätzen. Bäume bieten z. B. Schutz, Früchte Nahrung. Viele Pflanzenteile sind essbar oder anderweitig verwendbar. Gewässer bieten Trinkwasser und Fische. Es gibt sogar Studien, die belegen, dass der Aufenthalt in der Natur hilft, uns von sog. „gerichteter Aufmerksamkeit“, die wir im Alltag, in der Schule und im Beruf, aufbringen müssen, zu erholen.

Faszination Natur

Die Natur ist noch aus einem anderen Grunde sehr gut geeignet zur Entspannung und Erholung. Alle Sinne werden dort gefordert, es gibt viel zu sehen, fühlen, hören … Zwangsläufig wird unsere Aufmerksamkeit von uns selbst abgezogen und nach außen gelenkt. In der Natur können wir immer wieder das Wunder der Welt, das Wunder des Lebens bestaunen, die Perfektion der Schöpfung. Unsere Gedanken verbinden sich mit dem, was wir in der Natur vorfinden, Dinge, die wir sehen, können uns dabei helfen, unser Leben zu versinnbildlichen und reflektieren. In der Natur erfahren wir den Artenreichtum und die Vielfalt als Gewinn, im Gegensatz zu unserem technisierten Alltagsleben.

Einfach sein

Ebenfalls sehr wichtig für die Entspannung in der Natur: hier sind wir nicht in unserer gewohnten Alltagsumgebung, mit seinen üblichen Anforderungen, hier können uns verbinden mit dem Großen Ganzen, müssen keine Rolle spielen, sondern dürfen einfach sein. Denn in der Natur entfällt jede Form von Bewertung, denn die vorhandenen Lebensformen bewerten uns nicht. Darum dürfen wir einfach so sein, wie wir sind. Hier sind wir einfach eine Kreatur unter Kreaturen.

Auszeit - Being away

Auch das sollte ein Grund sein für hochsensible Menschen, möglichst häufig Auszeiten in der Natur zu nehmen. Ich habe in dem Buch „der Biophilia-Effekt“ den Begriff „Being away“ gefunden, der mir unglaublich gut gefallen hat. Da viele hochsensible Menschen, oft von Kindesbeinen an, die Erfahrung machen, dass sie irgendwie anders sind als die anderen, glauben oder glaubten wir häufig, nicht in Ordnung zu sein oder nicht liebenswert. Ein Aufenthalt in der Natur kann auf jeden Fall dazu beitragen, dass wir uns besser fühlen. Es gibt übrigens hierzu eine äußerst interessante Studie von  Angela Meyer von der Universität Montana, die gerade diesen besonderen Naturaspekt mit einer Gruppe lesbischer, bisexueller oder transsexueller Frauen testete, die im Alltag vielfach unter Bewertungen ihrer sexuellen Orientierung zu leiden hatten und den Aufenthalt in der Natur sehr heilsam und wohltuend erlebten.

Ich habe mittlerweile übrigens auch herausgefunden, warum ich mich im Museum so anders fühlte - der Wissenschaft sei dank.

„Baum-Patienten“ gegen „Hausmauer-Patienten“

Schon 1972 begann Professor Roger Ulrich eine Studie, die sich über neun Jahre erstreckte und in der er die Genesung von Patienten im Krankenhaus untersuchte, die entweder aus dem Fenster des Krankenhauszimmers einen Baum oder eine Hauswand sehen konnten. Die „Baum-Patienten“ genasen schneller, benötigten weniger Schmerzmittel und hatten weniger mit postoperativen Komplikationen zu tun als die „Hausmauer-Patienten.“ Ulrich führte noch andere Studien durch, in denen er beweisen konnte, dass selbst eine Naturerfahrung über Filme, Fotos oder Tonband sich heilend auswirkt, z. B. Schmerzen verringert. Selbst eine Pflanze im Krankenzimmer kann bereits etwas bewirken.

Waldmedizin

Auch japanischen Wissenschaftlern, die die Wirkung der Waldatmosphäre auf gestresste Menschen untersucht haben, verdanken wir interessante Einsichten. Dabei kam heraus, dass bei Männern der Adrenalingehalt im Urin nach einem eintägigen Aufenthalt im Wald um 30 % sank, bei Frauen sogar um mehr als die Hälfte. Nach einem zweiten Tag im Wald sank er bei den Männern um 35 % und bei Frauen betrug er nur noch ein Viertel des Originalgehalts. Seit 2012 gibt es sogar einen eigenen Forschungszweig an Universitäten: die sog. „Forest Medicine“ oder Waldmedizin.

Waldbaden stärkt das Immunsystem

Den besten Waldeffekt habe ich mir bis zum Schluss aufgespart. Im Wald atmen wir bioaktive Stoffe ein, die von den Pflanzen abgegeben werden. Dazu gehören auch sog. Terpene, die von uns hauptsächlich über die Haut und die Lungen aufgenommen werden. Einige dieser Terpene reagieren mit unserem Immunsystem, für sie wurde eine anti-kanzerogene und stärkende Wirkung auf unser Immunsystem nachgewiesen. Alleine ein ausgedehnter Spaziergang durch den Wald sorgt dafür, dass die Aktivität Ihrer Killerzellen für ca. 7 Tage erhöht wird. Kein Wunder, dass „Shinrinyoku“ bzw. „Waldbaden“  in Japan heute eine anerkannte Stressbewältigungsmethode ist, die öffentlich gefördert wird. Dabei ist es gar nicht notwendig, sich besonders anzustrengen. Es geht eher darum, sich in der Natur aufzuhalten, die gesundheitsfördernde Wirkung mit allen Sinnen zu genießen.

Dazu kann auch gehören, dass wir Verbindung aufnehmen mit den Tieren in der Natur. Die Autorin Ulrike Fokken (Siehe Informationskasten) schlägt vor, sich einfach eine Viertelstunde ganz still irgendwo hinzusetzen und nichts zu tun. Dann werden die Tiere sehr schnell beginnen, uns als Teil der Natur zu sehen und kommen schnell näher. Habe ich selbst schon ausprobiert und es funktioniert sehr gut.

Was mich selbst angeht, so ist mein Wunsch nach Wald immer weiter gewachsen. Ich brauche noch mehr Wald. In mir ist der Wunsch aufgekeimt, den Wald künftig auch direkt von meiner Wohnung oder meinem Haus aus zu sehen  …

In diesem Zusammenhang ist natürlich auch spannend, wie Ihre Wald-Erfahrungen aussehen? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen. Mit diesem Beitrag möchte ich an Kathi Keinsteins Blogparade „Die Natur und meine Sinne“ teilnehmen (eine sehr spannende Blogparade, wie ich finde)!

Dieser Blog geht nun in eine wohlverdiente Urlaubspause. Im August geht es wieder weiter mit hoffentlich spannenden Themen für Sie!

Herzlichst,

Ihre
Monika Richrath

Buchempfehlungen

Der Biophilia Effekt, Clemens G. Arvay, edition a, Wien, ISBN 978-3-99001-113-3

Wildnis wagen!: Warum Natur glücklich macht, Ulrike Fokken, Ludwig Buchverlag,  ISBN: 978-3-453-28062-5

 

Besser umgehen mit Hochsensibilität.

Lernen Sie hier, wie Sie mit Ihren Fingern Stress, Belastungen und Blockaden aus der Hochsensibilität auflösen können

Monika Richrath

Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und zwei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als EFT-Coach und Trainerin und bin die Autorin dieses Blogs.

Die hier angewandte EFT* basierte Klopfakupressur orientiert sich weder an dem „Official EFT“/Optimal EFT“ von Gary Craig noch gibt sie dessen Inhalte wieder, sondern meine persönliche Sicht und Erfahrungen sowie das Verständnis von und mit der Arbeit mit der Klopfakupressur.

*EFT = Emotional Freedom Techniques, Begründer Gary Craig

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