Wer stärker fühlt, hat mehr vom Leben

Von Monika Richrath

„Nach dem dritten Burnout und div.  sog. „Autoimmunkrankheiten“ (chronische Herpesinfektion, Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche, HPU) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin dieses Blogs.  

Mehr über meine veröffentlichten Bücher erfahren Sie hier

6. Dezember 2020

Wenn Sie merken, dass Sie beim Lesen dieses Artikels in Stress geraten, klopfen Sie doch einfach beim Lesen Ihre Handkante, wie auf dem Foto gezeigt.

Sie wollen mehr wissen über das Klopfen und seine Wirkung? Möchten Sie Stress, Erschöpfung und Schwierigkeiten mit der Hochsensibilität bzw. Hochsensitivität auflösen? Lernen Sie kostenlos die Basics der Klopfakupressur.

Ich freue mich sehr, dass ich mich heute mit Kathrin Sohst unterhalten kann, die in ihrem Interview beim Kongress von Lisa Laufer sehr wertvolle wissenschaftliche Informationen zum Thema Hochsensibilität weitergegeben hat. Heute möchten wir über ihr neues Buch “Wer stärker fühlt, hat mehr vom Leben” sprechen.

Worum geht es in dem Buch Kathrin?

Mein Buch „Wer stärker fühlt, hat mehr vom Leben“ ist ein Plädoyer für die Kraft, die in der menschlichen Sensibilität steckt, für Vielfalt und für die bewusste Beschäftigung mit Emotionen und Gefühlen. Es geht also um unsere Fähigkeit, zu verarbeiten, was wir wahrnehmen. Es geht um wissenschaftliche Fakten zum Thema Sensibilität, genauso wie um Gefühle, Selbstfürsorge und natürliche Diversität. Es ist kein klassisches Buch über Hochsensibilität, sondern spricht eine breitere Gruppe von Lesern an.

Das klingt unglaublich spannend. 

Was spricht Dich denn am meisten an?

Vor allen Dingen die wissenschaftlichen Fakten. Ich weiß ja von deinem Interview von dem Kongress von Lisa Laufer ein wenig, was dies beinhaltet. Und ich denke, mehr Fakten (wissenschaftliche Fakten) könnten – ich weiß nicht, genau, wie ich diese Gruppe nun nennen soll, können wir von einer hochsensiblen Szene sprechen?. Mir haben diese Fakten jedenfalls sehr weitergeholfen. Auch im Sinne einer Entmystifizierung von Hochsensibilität …

Da sprichst Du ein wichtiges Thema an: Lass mich kurz vorher noch ergänzen, dass es im Buch neben den wissenschaftlichen Fakten auch viele Tipps und Impulse gibt genauso wie persönliche Anekdoten von mir (es ist wohl das bisher persönlichste Buch) und meine Erfahrungen mit dem Thema Hochsensibilität aus den letzten Jahren, die ich in dem Buch quasi zu einer Essenz zum Thema verarbeitet habe. Es steckt also auch viel Reflektion drin. Und das hat auch mit Entmystifizierung zu tun. Nun schlage ich den Bogen zu Deiner Frage:

Die Wissenschaft ist lange davon ausgegangen, dass ca. 15–20 Prozent der Menschen hochsensibel sind und die anderen eben nicht. Inzwischen gibt es von den Arons, Pluess und Co. – das sind führende Wissenschaftler zum Thema – Metastudien, die mehrere Ansätze zusammenführen. Es gab nämlich verschiedene Forschungsstränge und Forscher, die zum Thema geforscht haben. Nur die Arons haben sehr früh ein populärwissenschaftliches Buch geschrieben. Und aus diesem Buch heraus hat sich in rasender Geschwindigkeit – eigentlich schneller als die Wissenschaft hinterherkommen konnte – eine Szene entwickelt. Georg Parlow und Susann Marletta-Hart haben mit ihren Büchern den Anfang gemacht und dann folgten viele, viele mehr. Auch mein erstes Buch “Zart im Nehmen”, dass es inzwischen auch als Taschenbuch bei Goldmann gibt.

Warum so viele Bücher? Warum so ein Lauffeuer? Ich erkläre mir das so: Inzwischen geht die Wissenschaft eher von einer Normalverteilung aus – d. h., dass ca. 30 Prozent weniger sensibel sind, 40 Prozent durchschnittlich sensibel und ungefähr 30 Prozent höher sensibel. Dabei sind die Grenzen fließend und auch innerhalb dieser Gruppen gibt es eine Varianz. Sensibilität ist also divers. Es geht bei hoher Sensibilität keinesfalls um eine esoterische Nische, sondern um ein handfestes Thema, dass jeden Menschen triggert.

Hohe Sensibilität bringt auch mit sich, dass ungünstige Lebensumstände schneller dafür sorgen, dass Ereignisse sich intensiver einprägen oder sogar Traumata entstehen. Ein zweiter Aspekt ist, dass wir in einer Gesellschaftsform leben, in der Leistung und eine Art “maschinisierte” Betrachtung der menschlichen Leistungsfähigkeit eine große Rolle spielen. Das ist für Menschen, die mehr wahrnehmen und einen anderen Arbeits- und Lebensrhythmus brauchen, als durchzurocken (was eigentlich für niemanden gut ist), natürlich eine dauerhaft schwierige Erfahrung. Deswegen ist das Thema aus meiner Sicht so schnell so groß geworden. Und auch deshalb, weil höher sensible Menschen von positiven Impulsen im Besonderen profitieren und sich erfahrungsgemäß auch auf den Weg machen, sich zu stärken und nach Antworten suchen. Achtsamkeitstraining zum Beispiel wirkt sich sehr positiv auf Menschen mit hoher Sensibilität aus und stärkt sie in hohem Maße.

Das ist nun eine lange Antwort, die aber ganz gut beschreibt, warum sich so viele Menschen darin erkennen und sich in einer so intensiven Art (endlich und viele gefühlt zum ersten Mal richtig) gesehen fühlen, dass sie das Thema für sich sehr hoch einstufen. Es gibt ihnen Antworten auf Fragen, die bisher offen geblieben waren. Und öffnet eine Tür, die vorher verschlossen schien. Und dennoch ist die hohe Sensibilität nur ein Teil unserer Persönlichkeit. Eine Überidentifikation mit dem Thema führt auf Dauer nicht in die richtige Richtung. Aber der AHA-Effekt ist und bleibt groß. Die Erkenntnis bringt sehr viel in Bewegung. Und das ist auch gut so – denn es geht ja darum diesen Teil unserer Persönlichkeit positiv zu integrieren, mit alten Verletzungen aufzuräumen und unser Potenzial zu entfalten – für uns selbst und für die Gemeinschaft, in der wir leben.

Mir haben diese Erkenntnisse wirklich richtig geholfen, meine Arbeit noch mal ganz neu zu betrachten und mich zu positionieren, wenn du so willst, denn meine Klienten sind all jene, die mit belastenden Lebensumständen groß geworden sind und davon gibt es so viele Menschen und so viel Leidensdruck …

Aber ich finde es sehr gut, dass jetzt auch durch diese Erkenntnisse etwas Emotionalität rausgenommen werden kann … Es gibt offenbar eine ganze Reihe hochsensibler Menschen, die sich für etwas Besseres halten – den Eindruck kann man jedenfalls in den sozialen Netzwerken bekommen …

Ja, das ging mir auch so. Und das sehe ich kritisch. Ich verstehe, wie diese Sichtweise entstehen kann und in meiner “Missionsphase” hatte ich zeitweise auch den Gedanken “irgendwie ein besserer Mensch zu sein”. Heute sehe ich das anders. Wichtig ist, dass wir Brücken bauen, das Wissen verbreiten, wie divers Menschen wirklich sein können und es positiv für uns nutzen. 

Ja genau. Und zu dem Wissen gehört ja auch, dass “die Norm” irgendwie verändert werden muss in unseren Köpfen. Weißst du, was ich meine?

Ich glaube, dass wir genau über den gleichen Aspekt sprechen. Es geht darum, dass das Wissen über die Sensibilitätsdiversität überall ankommen muss, damit das Bewusstsein dafür sich gesamtgesellschaftlich verändern kann. Deswegen braucht es neben den emotionalen Erkenntnisprozessen und Bekundungen im Netz auch eine sachliche Debatte darüber.

Für mich würde auch noch dazugehören, dass die höhersensitiven Menschen auch offensiver mit ihren Bedürfnissen umgehen und nicht einfach nur darüber jammern, dass sie nicht gesehen werden. 

Genau, hier greift der Gedanke, mit “Altlasten” aufzuräumen (was über die Erkenntnis “Hochsensibilität oft erst möglich wird) und der positiven Integration. Wir “höher Sensiblen” brauchen ein entspanntes Selbstverständnis von uns, unseren Fähigkeiten und unseren Bedürfnissen. Ich werde z. B. oft gefragt, wie man denn für sich einstehen soll. Ob man sagen soll, dass man hochsensibel ist. Davon rate ich oft ab. Für mich ist es einfach, weil ich auch beruflich für das Thema stehe. Aber in anderen Bezügen ist es oft schwierig, wenn noch gar kein Wissen und auch kein Verständnis für das Thema vorhanden ist. Da ist es besser z. B. positiv zu formulieren, welche Voraussetzungen man braucht, um sich gut konzentrieren und gute Arbeit liefern zu können, statt dem Chef zu “beichten”, dass man hochsensibel ist. Glücklicherweise findet das Thema aber immer mehr den Weg in die unterschiedlichsten Bereiche des Lebens. Das Bewusstsein für die Thematik steigt.

Und du möchtest mit deinem Buch noch mehr Bewusstsein schaffen …?

(Lachen…) Ja, da bin ich wohl eine “Getriebene” 😉 Das Wissen über Sensibilität ist für viele so ein großer Schlüssel, dass ich es einfach wichtig finde, die Fakten gut einzuordnen. Dazu gehört auch, das Thema in einen ganzheitlicheren Zusammenhang zu stellen. Wir bestehen als Menschen ja nicht nur aus unserer Fähigkeit zur Sensibilität. Aber sie bringt uns über unsere Verarbeitungsfähigkeit mit uns selbst, mit anderen und mit unserem Umfeld in Kontakt. Um diesen Dreiklang geht es ganz oft im Buch. Ich, die anderen und mein Lebensraum. Es geht um unsere Natur als Mensch. Und um die Natur um uns herum. Sensibilität ist natürlich. Wir sind so gemacht. Also sind wir auch so gewollt von der Natur.

Gibt es etwas, was du noch gerne sagen möchtest?

Ja, es gibt im Buch zwei wissenschaftliche basierte Tests (wie auch auf meiner Website als Online-Version [zumindest schon den für Erwachsene]) und viele Möglichkeiten zur Selbstreflektion. Die Feedbacks, die ich bekomme zum Buch sind sehr tiefgründig. Es ist ein Begleiter, der über das Wissen zum Thema Sensibilität noch viele weitere Informationen und Anregungen für ein bewusstes Leben enthält.

https://kathrinsohst.de/test-sensibilitaet/

Aus aktuellem Anlass möchte ich den Leser*innen noch einen Impuls für die Adventszeit mitgeben und von der Nachbarschaftsaktion „LightYourHope“ erzählen, die kurz vor dem 1. Advent im Hamburger Südosten in Wentorf ins Leben gerufen wurde. Die Vision: Am 21. Dezember um 18 Uhr zünden weltweit Menschen eine Kerze an, gehen zu ihren Nachbarn und fragen diese nach ihren Wünschen. Ein Projekt, dass Vertrauen schafft, Hoffnung schenkt und uns ermutigt, einander zuzuhören. Die Kerzen sind ein Symbol dafür, mit dem Licht der Hoffnung Angst und Sorgen in Wünsche für die Zukunft zu verwandeln. Gerade jetzt können wir gemeinsam mit vielen andere Menschen in der längsten Nacht auf der Nordhalbkugel und der kürzesten Nacht auf der Südhalbkugel ein Zeichen setzen.


Aktionsdatum: 21.12.2020 – 18 Uhr Ortszeit


Wenn auch Du willst, dass aus Angst Hoffnung, aus Einsamkeit Gemeinschaft und aus Ohnmacht Kreativität wird, sprich ab jetzt mit allen darüber, wie das möglich ist und zünde am 21. Dezember um 18:00 Uhr eine Kerze an – für Dich, für Deine Nachbarn und für die ganze Welt.
Unten findest du einenTrailer, der in gut drei Minuten zeigt, wie es geht.
Auf Facebook findest Du uns hier: https://www.facebook.com/groups/lightyourhope/
Telegramm-Gruppe: https://t.me/lightyourhopePublic
Hashtag: #lightyourhope

Vielen Dank, Kathrin.

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Sensibilitätstest für Erwachsene: https://kathrinsohst.de/test-sensibilitaet/

Website: https://kathrinsohst.de

Facebook-Seite: https://www.facebook.com/kathrin.sohst

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LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/kathrin-sohst-2b401a13a/

Kathrin Sohst
Wer stärker fühlt, hat mehr vom Leben
dtv
ISBN 978-3-423-26261-3
16,90 EUR

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